SAAB Wochenende: Saisonfinale

Noch meint es der Oktober gut mit uns, aber schon bald soll der Winter Einzug halten. Zeit unseren Saab 9000 in den Winterschlaf zu schicken. Nach 14 Wintern mit Kälte und Streusalz hat sich unser Senior im Team einen warmen, geschützten Platz verdient. Nicht dass der Saab es nötig hätte. Im Kampf gegen den Rost hatte er zum Jahresbeginn eine Mike Sanders Behandlung erhalten.

Herbstimpression: Wo ist der Saab?

Die Karosserie sollte jetzt auf längere Sicht vor der braunen Pest sicher sein und auch sonst merkt man dem 9000 sein Alter nicht an. Gut, ab und an gibt es ein paar elektronische Befindlichkeiten, wenn ein Schalter nicht richtig rastet oder eine Steckverbindung nicht mehr so fest ist wie vor 14 Jahren. Aber sonst ist er zuverlässig und eben ein richtiger Saab.

Vor dem Winterschlaf wurde er noch einmal richtig gesäubert, der Tank gefüllt, Flüssigkeiten gescheckt und der Luftdruck in den Reifen erhöht. Die Batterie überwintert nicht im Auto, sondern wird ausgebaut. Die Winterzeit selbst wird für kleine, kosmetische Reparaturen genutzt. Unter anderem wird der  Aussenspiegel der Fahrerseite getauscht, denn seit Ewigkeiten fehlt durch einen Parkrempler ein Stück des Gehäuses. Auch am Leder wollen wir arbeiten und vor dem Saisonstart im nächsten Jahr soll der Lack endlich eine ausgiebige Politur erhalten. Soweit zumindest die Pläne und Vorsätze.  Mal sehen was wirklich passiert.

Willkommen Mitbewohner: Saab 9000 meets Güldner

Fest steht jetzt schon dass er 2013 aus nagelneuen 16″ Super Aero Felgen rollen wird. Die kamen, über Umwege oder besser gesagt über Tauschgeschäfte, in unseren Besitz.

Unser Saab 9000 und seine Mitbewohner

Seine Winterzeit verbringt der Saab 9000 in guter Gesellschaft. In unserer Halle steht auch noch eine Kreidler aus den letzten Produktionstagen in Kornwestheim. Eine Legende auf zwei Rädern, von einem Unternehmen das technisch anspruchsvolle Produkte baute. Gegen die japanische Konkurrenz, wo man zwei Honda MB 80 zum Preis einer Kreidler bekam, gab es keine Chance. 1982 gingen die Lichter aus und heute wird der Name Kreidler für Produkte missbraucht die nicht mit der Marke zu tun haben.

Und ein Güldner Traktor. Noch so eine Marke die zu gut war für diese Welt. Güldner hatte sehr hohe Qualitätsansprüche die sich in einer irrwitzigen Fertigungstiefe niederschlugen. Zeitweise produzierten die Aschaffenburger sogar ihre Einspritzpumpen selbst, weil das, was Bosch lieferte, in ihren Augen keinen Bestand hatte. Güldner verabschiedete sich, im Gegensatz zu anderen Traktorherstellern, zur rechten Zeit aus dem Geschäft. Das Unternehmen erfand sich neu. Heute rollen in den Werkshallen in den Aschaffenburger Stadteilen Nilkheim und Schweinheim Flurförderfahrzeuge vom Band. Unter dem Namen Linde ist man einer der größten Hersteller weltweit und der wichtigste Arbeitgeber der Region geworden.

Saab 9000: Ab in den Winterschlaf!

Der Güldner Traktor, Baujahr 1956, ist immer noch im Einsatz. Qualität zahlt sich eben aus. Immer ausreichend Diesel, Öl und ein regelmässiger Schmierdienst machen es möglich. Technik von vorvorgestern, aber solide und zuverlässig. Vor Jahren habe ich den Güldner mit Freund Marco zusammen auf dem Hänger von der schwäbischen Alb in seine alte Heimat überführt. Mit nur zwei Vorbesitzern ist er mit 56 Betriebsjahren gut in Form und wird noch regelmässig für Pflegearbeiten eingesetzt.

Herbstblues

Herbstzeit ist auch immer die Zeit für den “Blues”, der uns plötzlich befallen kann. Gestern Abend auf der Rückfahrt von einem guten Restaurant zum Beispiel. Es ist mild, die Strasse trocken und frei. Kurvige, kleine Landstrassen, so wie der Turbo X es liebt. Ich aktiviere das Nightpanel, das Cockpit mutiert zum Jet, der Schwede pfeilt durch die Nacht. Der Saab liebt diese Strecke und vor der kalten Jahreszeit mit glatten und matschigen Strassen erfreut man sich an jedem Kilometer. Nur fliegen ist schöner. Dann kommt er, plötzlich und unvermittelt, der Herbstblues. Kann es sein, so denke ich mir, dass eine Marke die so geniale Autos baut einfach verschwindet?

Text: tom@saabblog.net

Bilder: saabblog.net

10 Gedanken zu „SAAB Wochenende: Saisonfinale

  • Sehr schöner Bericht
    Der 9000 (2) war der beste Saab. Ich vermisse unseren schwarzen 9000er Aero so sehr.
    Kann man eigentlich die Sitze vom 9000er im 9-5 Aero 2006 einbauen ?
    Liebe Grüße aus Trollhättan 🙂

    • Sitze aus dem 9-5 passen in den 9-3I. Die 9-5 Sitz sind etwas breiter. Wenn ich nicht irre hatte der 9-3I Aero zeitweise auch die Aero Sitze aus dem 9000. Müsste also gehen, aber ich kenne niemanden der das umgebaut hat.

      • Hallo Saab900
        Danke für dein Kommentar. Es wäre wirklich schön, wenn die Sitze im 9-5 passen würden. Die Sitze aus dem 9-5 2006 haben zwar einen guten Seitenhalt, aber die Qualität ist sehr schlecht. Der ganze Innenraum ist am Knacken -.- Mitte 2009 haben wir unseren wunderschönen Saab 9-5 Turbo Aero in mitternachtsblau mit Heckspoiler Baujahr 2000 verkauft. Wir haben ihn verkauft, weil er schon 300.000 km runter. 7 Jahre sind wir dieses Auto ohne probleme gefahren. Ich kann nur sagen, die Ausstattung war Top und sie fehlt mir im 9-5 Aero 2006.
        LG

  • Hallo Tom,

    da ich meinen 9000er auch im Winter fahre, ist die braune Pest bei mir auch unter ständiger Beobachtung. Zweimal Hohlraum- letztes Jahr Unterbodenkonservierung und eine neue Frontscheibe(da sitzt der Gilb unter den Plastikabdeckungen) haben sich gut bewährt. Aber beim Lesen Deines Artikels über die Renovierung stieß ich auf das Heckklappenschloß und die Dichtung. Am Schloß ist es dank Hohlraumkonservierung wie neu, aber als ich das Gummi abzog, kam es mir braun entgegen, noch nicht schlimm, aber vor dem Winter muß ich dabei. Danke für den Tip, das ist so versteckt, da kommt man nicht gleich drauf. Auch mein Saab-Autohaus, das sich wirklich immer sehr gut um den Erhalt meines 9000 kümmert, hat mich darauf noch nicht gebracht.
    Ansonsten genieße ich nach wie vor jede Fahrt mit dem 9000
    Mein erster war ein 9000i von 87 mit 128 PS, nicht grade eine Rakete, aber für damalige Verhältnisse auch nicht untermotorisiert und mit einem tatsächlichen Durchschnittsverbrauch von 8,3 Ltr! Das war ein geniales Langstreckenauto, ein richtiges Arbeitsgerät.
    Leider schob mich eines Tages ein Golf von einer Kreuzung und ich endete in einer Seitenstrasse. Als alles zum stehen gekommen war, sah ich mich um: drinne alles heil, alle Fenster heil und ich sowie Beifahrer fit – war ja nicht so schlimm, dachten wir. Beim Aussteigen gingen uns die Augen auf: Totalschaden rundrum. Ich habe am nächsten Tag einen 9000i 2,3 gekauft und mein Beifahrer hat seinen Passat eine Woche später gegen einen 901 getauscht.
    Kurz nachdem schon endgültig Schluß war, habe ich 98 noch einen 9000 CSE neu bekommen, das beste Auto das ich je hatte. Wenn der mal hin ist, habe ich ein richtiges Problem! – aber das dauert hoffentlich noch…

    Gruß aus dem Norden

    • Der Unfall erinnert mich stark an das Lieblingsmärchen des Mantafahrers: “Radkäppchen und der böse Golf.”

      Sorry, den musste ich jetzt einfach loswerden.

      Ansonsten muss ich sagen, meine Lust auf den 9000 wächst immer mehr, je mehr Artikel ich hier über ihn lese. Für die Zeit, in der er gebaut wurde, waren 8,3 Liter wirklich ein super Verbrauchswert. Eine zeitlang fuhr ich einen A4 mit 2,6 l Hubraum, der wollte nie weniger als 11 bis 12 Liter haben… das war in der Zeit, als ich von SAAB noch nichts gewusst habe.

      • Das kann ich bestätigen, mein Vater (Audifan) hatte einen A6 2,4, selten unter 11 Ltr.

    • Moin GP 362!

      Seit deinem Beitrag spiele ich mit dem Gedanken, meinen 9000 auch eine Sonderbehandlung zugute kommen zu lassen.
      Verrat mir doch bitte, womit du Unterboden konserviert hast / konservieren lassen hast. Durch wen und wie teuer ist das?
      Analog die Fragen für die Hohlraumversiegelung.

      Ich habe nämlich schon einige 9000er gesehen, die mit der Zeit von unten doch arg zerfressen sind durch das Streusalz. Es gibt im Saab-Bekanntenkreis auch einige, die keine Saabs aus Gebieten kaufen, von denen bekannt ist, dass bei denen viel gestreut wird / werden muss.

      Apropos 9000er und “bester Saab ever”: Wir haben noch einen 9000CS 2,3FPT (inkl. redbox) – Motorisierung ähnlich dem Aero – in eukalyptusgrün mit beigem Leder abzugeben. Bin gespannt, wie groß die 9000er-Liebe bei der potentiellen Käuferschaft tatsächlich ist. Der muss die nächsten Tage einfach nochmal eingestellt werden.

      Gute Woche!
      SeSi

      • Moin SeSi,

        ich habe eben mit dem Meister meiner Saab Werkst. telefoniert. Er nimmt für Unterboden “Würth”, gibt es in hell und schwarz und fühlt sich ziemlich fettig an.
        Für Hohlräume bei neuen Fahrzeugen “Kawiti” (ich hoffe ich habe den Namen richtig wiedergegeben), das verteilt sich bei Wärme in alle Ritzen. Für ältere Fahrzeuge, wo schon mit Rost zu rechnen ist Mike Sanders, das ist ja bekannt.

        Ich habe die erste Behandlung nach 6 Jahren machen lassen (das war wohl Kawiti, weil er danach in die Wärmekammer kam) und letztes Jahr kurz vor dem Winter mit knapp 14 gab es die Rundumbehandlung, weil es unten langsam nötig wurde bevor es ernst wird – 391,20€. Ist gut gemacht und den Preis fand ich fair. Ich mach viel selbst, weil die 9000 so gut durchdacht und einfach zu bearbeiten sind, aber das bekomme ich in Heimarbeit so nicht hin.
        Ich hoffe , ich konnte helfen
        Gute Fahrt mit Deinem 9000

  • Deine letzten Zeilen mit dem Herbstblues treffen genau meine Gefühlslage. Ich muss unser zweites Auto jetzt auch gegen einen Saab “tauschen”. Mit meinem großen Sohn habe ich es auch schon besprochen, meine Frau muss noch “bearbeitet” werden, aber die Zeit ist jetzt reif. Es muss ein weiterer Saab her! Basta!!! Je mehr ich diesen Blog lese und je mehr ich darüber nachdenke, dass es Saab in der Form nicht mehr gibt, umso mehr muss ich was tun! Leider wird es nicht eines der beiden Autos, die ich mit meinem Sohn damals in Salzburg auf der Show der beiden Neuen angeschaut habe (siehe früherer Blogeintrag), aber ein schöner 9-3er Kombi solls werden. *Schmacht*, *schmelz*, *leid*

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