SAAB News: Nachrichten aus Schweden

Saab Käufer NEVS hat gestern eine Stelle für das Saab-Werk in der Stallbacka ausgeschrieben. Die erste von 75 neuen Stellen hat nichts mit Entwicklung oder Automobiler Fertigung zu tun. Es klingt mehr nach einer gehobenen Position im Facility Management, die sich um Vermietung und Vermittlung von Büroräumen und Prüfständen kümmern soll. Aber man muss immer den ersten Schritt tun, bevor der zweite folgen kann. Lassen wir NEVS eine Chance, vielleicht kommen irgendwann demnächst signifikante Neuigkeiten aus Schweden.

Was sich sonst rund um das Saab Thema in Trollhättan so getan hat und der unvermeidliche Blick zu GM und dem Opel Drama, das folgt jetzt.

Trollhättan I: Saab Werk im guten Zustand

Seit dem 1. September hat NEVS den Schlüssel für das Werk in der Stallbacka. Wie man es mit Leben füllen will, das ist nur zu erahnen. Das Werk selbst sei in einem sehr guten Zustand lies man die Presse wissen, eine Produktionsaufnahme wäre möglich. Ist auch logisch, denn bis zum 31.08 kümmerten sich ehemalige  Saab Mitarbeiter im Auftrag der Administratoren um die Anlagen.

Trollhättan II: Treffen der Saab Parts AB

In der nächsten Woche bekommt die Saab-Stadt Saab Besuch. Die internationalen Manager der Saab Parts AB treffen sich in Trollhättan zu einer Konferenz. Warum in Trollhättan und nicht am Stammsitz in Nyköping? Hat dieses Treffen eventuell mehr als nur Symbolcharakter?

Die Saab Parts AB betreibt auf dem Werksgelände den so wichtigen Helpdesk für unsere Fahrzeuge und am Nordtor befindet sich die After-Sales Abteilung mit ungefähr 50 Mitarbeitern.

Trollhättan III: Traditionen sterben nie

In Trollhättan gibt es seit 1928 eine Näherei mit dem Namen “Artex”. Unter anderem arbeitete man in den letzten 80 Jahren für den Flugzeugbau, dann für die Saab Automobile AB und für den Lieferanten LEAR. Mit dem Ende der LEAR Sitzfertigung in Trollhättan schien auch das Ende von Artex besiegelt.

Aber Artex, in den alten Räumen der Saab Textil-Abteilung zu Hause, ist zäh und weigert sich zu sterben. Zwar wurde das alte Saab Logo an der Wand schon vor Jahren gegen das von LEAR getauscht, das mittlerweile auch verschwunden ist, aber irgendwie beweisen die letzten vier Mitarbeiter Pioniergeist und kämpfen sich durch, wie die örtliche TTELA berichtete.

Heute arbeitet man vor allem für Scania und Volvo, erstellt Muster und entwirft Designs. Vielleicht auch bald für Saab 2.0, wer weiss. Der Erfolg wäre Artex zu wünschen.

GM tut es schon wieder…

Saab Fans werden jetzt ein Déjà-vu Erlebnis haben. Der Rüsselsheimer Autobauer hat den, aus Opel Sicht, guten Plan in Zukunft das Stammwerk mit dem Insignia Nachfolger und PSA Derivaten auszulasten. Ein neuer großer Citroen und ein neuer großer Peugeot sollten sich mit dem Opel die selbe Plattform teilen und in Rüsselsheim vom Band laufen. Ganz abgesehen davon, dass dies eine grausame Vorstellung für alle Fans großer gallischer Wagen sein muss, steht der Plan vor dem Scheitern.

Denn GM gefällt das nicht und die Manager der Buick China Abteilung legten ihr Veto ein. Der PSA Konzern ist in China aktiv und GM würde sich mit eigener Technologie Konkurrenz schaffen. Das erinnert an Saab, wo GM die Verbreitung des neuen Saab 9-5 um jeden Preis verhindern wollte, denn dieser wäre Konkurrenz zu den China-Buicks gewesen. Final gesehen war GM damit erfolgreich und hat so Saab durch die Verweigerung der Lizenzen zum wiederholten Mal gemeuchelt.

So wie Saab gegen GM niemals eine Chance hatte, so hat auch die Regionalmarke Opel gegen das Staatsunternehmen aus den USA keine Chance. In Rüsselsheim ahnt man es vielleicht und fast 20 % Absatzrückgang im August auf dem Heimatmarkt sprechen eine deutliche Sprache.

GM II: Es wird immer noch verhandelt

GM ist so ein Thema, was uns immer wieder berührt. Auch für Saab ist das Thema noch nicht zu den Akten gelegt. Gespräche mit GM zum Thema Saab laufen immer noch im Hintergrund und, ich sage es eben immer wieder, NEVS ist, auch im Hinblick auf den Frust der letzten Tage, noch nicht die endgültige Lösung. Das bestätigen gut informierte Freunde aus Schweden und sie bleiben dabei. In der Vergangenheit lagen sie mit ihren Informationen immer richtig und für mich sind diese Aussagen immer noch das kleine Licht der Hoffnung.

Text: tom@saabblog.net

Bild: saabblog.net

 

17 Gedanken zu „SAAB News: Nachrichten aus Schweden

  • In einer der letzten Spiegel Ausgaben wurde die PSA Problematik genau beleuchtet. Der Franz. Staat fördert die Produktionsstäaten in Frankreich unter der Bedingung, nicht ausserhalb Frankreichs zu Produzieren. d.H. Frankreich mit PSA und Renault werden auf kurz oder lang Probleme mit GM haben.
    Viele Milliaden wurden jährlich noch unter der Sarkozy Regierung in die Sicherung der Arbeitsplätze gesteckt. Jetzt kommt GM und glaubt, sich da einmischen zu können. Das wird dann wohl eine KO Situation für PSA ergebne.

    PS Wir sind dieses Wochenende beim SAAB CLub Österreich Treffen und werden sicher auch Bilder der Austro Schweden liefern.

    lg aus Tirol
    Bianca

  • Man hätte GM nicht mit US-Steuergeldern stützen dürfen, jede Einmischung des Staates in den Markt führt zu noch schlimmeren Verwicklungen im Zeitablauf gesehen. Erst Saab, jetzt Opel, morgen dann PSA, und VW und Toyota und die Koreaner freuen sich, wenn die Konkurrenz sich selbst erlegt, ohne fremdes Zutun.

    • D.H. aber das es also richtig war, dass der Schwedische Staat SAAB nicht gestützt hat?
      oder legen wir da andere Massstäbe an? weil es da um unser SAAB geht?

      • Ich sehe es so, wäre Saab schneller aus den Fesseln von GM wegen der GM-Insolvenz gekommen, hätte die Sache einen anderen Verlauf genommen, auch mit neuen Investoren oder Partnern. GM ist künstlich stark gemacht worden durch US-Staatsgelder, ansonsten hätten sie schon vorher andere eigene Sorgen gehabt, als sich ständig nur um Saab zu kümmern.

        So hätte jeder Saab-Interessent gleich indirekt GM-Verwicklungen mit im Gepäck gekauft, das sieht man auch an den Muller-Klagen gegen GM, daß es so ist. War natürlich Abschreckung genug, mit einem Saab-Kauf dann auch noch mit GM verbandelt zu sein, siehe Opel und PSA…

  • Hallo Tom,

    die Informationen unter GM II irritieren uns doch sehr – wird etwa vermutet, dass sich ausgerechnet GM wieder mit SAAB “verbadelt”? Sollte es in irgendeiner Form dazu kommen, würden unsere neuen Fahrzeuge Toyota oder Lexus heißen.

    Fast jeder andere Kompagnon wäre in unseren Augen willkommen, aber nicht diese Möchtegern-Manager!

    Ich hoffe wir deuten Deine Infos völlig verkehrt und würden uns aber auch über zusätzliche Hinweise zu diesem Thema sehr freuen.

    Viele Grüße aus Hamburg

    • Ich deute es so, dass die alten “GM”-Saab-Modelle (9-5 II und 9-4X) doch noch nicht mausetot sind und sich u.U. Möglichkeiten der Lizensierung ergeben.

      • Diese Modelle fänden zu 100% genug Käufer, die Monokultur der deutschen Hersteller ist einfach nur noch langweilig. Da kann einem das Interesse an Autos echt vergehen, kein Wunder, daß Oldtimer und Youngtimer so boomen, damals gab es noch Vielfalt, heute gibt es nur noch VW-Einheitsbrei und ein paar Japaner und Koreaner.

        Welche Alternativen gibt es denn noch zu Saab? Jaguar fällt mir ein, große Italiener und Franzosen gibt es eh keine mehr. Das war es, Jaguar ist aber preislich und leistungsmäßig dann doch eine andere Liga.

        • Vieleicht ist man ja in Detroit auf die “überraschende” Erkenntnis gekommen, das Rechte an Autos, die fertig entwickelt aber nicht gebaut werden nichts wert sind.
          Eine betriebsbereite Fabrik gibt es ja und Lizenzeinnahmen sind leicht verdientes Geld. Bleibt nur zu hoffen das kein Chevrolet 952 dabei rauskommt, irgendwie ein schrecklicher Gedanke.

      • Wenn es um Lizenzierung gehen sollte, würde ja wieder die große Angst von GM vor Konkurrenz aufkeimen – hier werden diese Angsthasen nicht zuletzt wegen der erneut wieder schlechteren Verkaufszahlen weltweit einen großen Bogen machen.

        Wenn etwas kommen sollte, dann befürchte ich eher einen erneuten Einstieg als Teilhaber – hier könnte man später mehr Geld rauspressen und hätte wieder ein gewisses Entscheidungsrecht – gruselige Vorstellung!

  • Warum sollte es eine grausame Vorstellung für die Fans von großen gallischen Wagen sein wenn die in Rüsselsheim gebaut werden? Dann wären diese Fahrzeuge endlich einmal zuverlässig. Es wäre ehr eine grausame Vorstellung das ein Traditionsunternehmen wie Opel mit dem Bau von französichen “Schlachtschiffen” zu überleben versucht.

    Kopschüttel 🙁

    • Opel sollte ja schonmal überleben indem es den 9-5 II bauen sollte…
      Im übrigen müßte es wohl meiner Erfahrung nach zumindest für Peugeot nur ” wieder zuverlässig” heißen. Ich habe vor meiner Saab Zeit je einen 405 und 406 Break TD jeweils 7 Jahre und jeweils über 200.000 km gefahren ohne das es etwas wesentliches zu mäkeln gab

    • Mal ganz unter uns… wieviele französische Autos hast Du schon gefahren? So schlimm, wie der Volksmund behauptet, sind die gar nicht. In unserer Familie sind mittlerweile drei Generationen fast durchgängig französisch motorisiert gewesen (mein Großvater fuhr einen 403, 504 und 405, mein Vater einen 305 und 405, ich einen 205 und 405). Andere Hersteller gaben dazwischen höchstens mal Gastspiele als ausgeliehene oder mitgenutzte Fahrzeuge. Größere Defekte hatte keiner von uns. Dafür hatte der 403 aber eine tolle Gebrauchsanweisung, mit der sogar jemand mit drei linken Händen die Zylinderkopfdichtung wechseln konnte. Und wenn man das Auto mal komplett auseinandernehmen wollte/mußte, war in der Gebrauchsanweisung auch eine Werkzeugliste dafür vorhanden.

      Die grausame Vorstellung für die Fans französischer Autos ist wohl eher, daß jetzt “symbiotische” 0815-Modelle entstehen, anstatt daß die glorreichen Zeiten französischer Autos zurückkehren. Nachdem die Peugeotmodelle der X07-Baureihe ja schon durch grottenhässliche Lufteinläufe aufgefallen sind, wähnte ich Peugeot mit dem 508 schon wieder auf dem Wege der Besserung. Aber so wird dann wohl nix draus…

      PS: Statt meines SAAB hatte ich eigentlich einen 406 Coupé im Auge. Der hatte allerdings beim gleichen Preis doppelt so viele Kilometer wie der SAAB – und war anscheinend deutlich intensiver gefahren worden.

  • Und was würdet ihr machen, wenn plötzlich ein 9.5 mit Chevrolet Emblem auftaut?;-)))

  • …auftaucht meinte ich…

    • Ist aber ein genialer Freudscher Versprecher 😉 😉

  • Kann mir mal jemand erklären was NEVS mit 75 neuen Stellen will?
    Die reichen doch nie und nimmer um Autos zu bauen oder auch nur zu entwickeln.

    Joachim

    • Nun Autos bauen (in Stückzahlen) wollen sie selbst ja erst gegen Ende nächsten Jahres. Da die E-technologie aus Asien kommen soll sollte dort- durch wen ? – auch ein Teil der Entwicklungsarbeit laufen. Also erstmal nicht zuviel Geld für Personalkosten verbrennen. Das passt schon zu ihren Ankündigungen etwas ganz neues zu machen. Wenn sie da den Überblick nicht verlieren wollen braucht der Neu-Aufbau seine Zeit. Im Laufe der Monate sollten es dann aber doch mehr als 75 werden wenn es wirklich ums Autos produzieren gehen soll und nicht nur um die Errichting eines Industrieparks (der in manchen Indistriebereichen funktioniert)

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