Pressespiegel: Nicht länger schwedisch?

Karl-Erling Trogen

Die Reaktion der Presse auf den Kauf der Saab Automobile AB durch NEVS war zu Anfang verhalten oder negativ. Schuld daran war NEVS selbst, denn die Pressemitteilung war ohne wirklich neue Fakten, und viele Fragen blieben gestern offen. Immerhin reagierte der Investor umgehend und entwickelte in Schweden eine rege Medientätigkeit. Karl-Erling Trogen schaffte es dann im Verlauf des Tages einige Meldungen zurecht zu rücken und den Investor in einem besseren Licht zu zeigen.

Jonas Fröberg vom Svenska Dagbladet, bekennender Saab-Fan, lies kein gutes Haar am neuen Saab Eigentümer.

In Trollhättan, so schrieb er im Bezug auf seine Quellen, sollen einzig Karossen entstehen, die dann nur und exklusiv nach China verschifft werden. Dort soll die Technik eingebaut werden, sprich Batterie und Motoren, und dann die Karosse dort verkauft werden. In Schweden selbst seien nur wenige Arbeitsplätze geplant, und gerade in der Produktion würden die Erwartungen nicht erfüllt werden. Die Entwicklung würde ein Partner-Netzwerk übernehmen, und die Finanzierung sei hoch riskant. Diesen Behauptungen wurden durch NEVS im Laufe des Tages über mehrere Quellen widersprochen.

Sicher sei China der Hauptmarkt, aber man werde auch auf andere Märkte exportieren, und jeder, der bislang Saab verkaufe, könne auch das neue Produkt bekommen, so die Meldung. Dass NEVS keinerlei Vertriebsnetz hat, haben mittlerweile alle Medien bemerkt, und dieser unerklärliche Schritt und die pure Konzentration auf Elektroautos sorgte für entsprechende Kommentare. Auf Dagens Industri verteidigte man den Geschäftsplan und die Entscheidung E-Mobilität in den Mittelpunkt zu rücken. Auserdem gab es ein klares Statement für Trollhättan als Produktionsstätte. Gegen Ende des Tages konnte man sagen, dass die PR-Manschaft von Mikael Östlund und Karl-Erling Trogen ihre Feuertaufe bestanden und zumindest ein Remis erzielt haben. Gute Arbeit und ein guter Start unter schwierigen Bedingungen !

Wie mit dem neuen Eigentümer in Trollhättan umzugehen ist, darüber scheint die Presse uneins. Sowohl Volvo nahe oder Saab- kritische Publikationen wie Dagens Industri als auch konservative, China-kritische Zeitschriften wie das Svenska Dagbladet schienen seltsam unentschlossen. Schwere Geschütze und teilweise dann sehr milde Kommentare wechselten sich ab. Die den Gewerkschaften nahestehende Dagens Nyheter machte sich erst gar nicht die Mühe, einen Kommentar abzugeben und kramte einen Juni-Artikel aus der Schublade, in dem die Elektroauto-Pläne einfach als dumm bezeichnet werden.

In Deutschland beschränkte sich die Presse fast durchgehend auf das Abschreiben von Agentur Meldungen. Die Net-Tribune sieht die Zukunft mit Zweifeln, aber zieht dann einen Rover Vergleich im – Überraschung – positiven Sinne. Denn Rover ist zurück auf der Insel mit einer kleinen Fabrik und Produktion. Und verkauft in England sogar das ein oder andere Auto. Was bei Rover möglich ist, könnte auch bei Saab gelingen.

Der Spiegel machte sich die Mühe für einige Zeilen und gab Scania damit eine Plattform. Saab sei von nun an nicht mehr schwedisch, sagte ein Scania Sprecher gegenüber dem Spiegel als Reaktion darauf, dass die VW Tochter dem Käufer die Nutzung des Greifs untersagt hat. Was bei allem Verständnis starker Tobak ist, denn Trollhättan liegt auch von Södertälje aus gesehen im schwedischen Königreich, und was dort von den Bändern rollt, ist eben „Made in Sweden“. Oder haben wir etwas nicht mitbekommen?

Text: tom@saabblog.net

3 Gedanken zu „Pressespiegel: Nicht länger schwedisch?

  • Nachvollziehen kann man diese Aussage, daß SAAB nicht mehr länger schwedisch sei. Sicher, die Produkte werden in Schweden von einem in Schweden registrierten Hersteller gebaut, aber die Technologie und Design kommen laut NEVS aus Japan und China (s. Pressemeldung und Geschäftsplan, dort wird von „Peak technology from China and Japan“ gesprochen). Vielleicht ist „nicht mehr schwedisch“ sehr stark formuliert, aber ganz sicher wird sich der schwedische Anteil an der Entwicklung wohl drastisch reduzieren, eventuell auf die produktionsseitigen Aspekte, vielleicht noch auf die Karosserie.

    Mich persönlich treibt immernoch die Frage um, was SAAB AB nun zum Einlenken im Streit um den Markennamen gebracht hat. Ein überzeugender Geschäftsplan? Politischer Druck? Sehr viel Geld?

    Und zu guter letzt – unabhängig davon, ob man nun Elektroautos mag oder nicht – kommt auch mir die Finanzierung immernoch hochriskant vor. Spätestens wenn man in die Großserienproduktion einsteigt, wird NEVS mit gewaltigen Summen in Vorlage treten müssen. Da reden wir dann nicht mehr von Millionen, sondern eher schon von Milliarden. Das liegt außerhalb der Reichweite von Risikokapitalgebern… und auch außerhalb dessen, was man z.B. mit der SAAB Parts auffangen könnte.

    Auf der anderen Seite haben Administratoren, Gläubiger und SAAB AB anscheinend Informationen, die NEVS positiver dastehen lassen. Vielleicht würde es viel Dampf vom medialen Kessel nehmen, wenn NEVS diese harten Fakten mal auf den Tisch legen würde, anstatt weiter mit windelweichen Allgemeinplätzen, schönen Pseudodiagrammen und Absichtserklärungen um sich zu werfen.

    • Die Frage bezüglich Saab AB stelle ich mir auch. Vielleicht gibt es irgendwann eine Antwort darauf.

      • And the answer, my friend, is blowing in the wind… 😉

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