Mit dem Elektroauto in die automobile Zukunft?

Fahren wir elektrisch in die automobile Zukunft und wie aufgeschlossen ist die Saab Community gegenüber neuen Technologien? Elektroauto! Ein Wort, welches die Saab Community seit der NEVS Pressekonferenz bewegt und spaltet. Ich fahre seit 1992 Saab. Begonnen habe ich mit einem Saab 900S, der natürlich einen Turbo unter der Haube hatte. Warum? Ich fahre Saab, weil Saab eben Turbo ist und weil Saab vor 20 Jahren als besonders innovativ galt. Turbo-Technik, hohe Sicherheit, und strenge Umweltstandards bevor andere Hersteller diese Themen für sich entdeckten. Unter anderem. Es gibt noch mehr Gründe dafür. Gute Voraussetzungen um sich neuen Technologien zu nähern.

Elektroauto an der Steckdose

Also schauen wir diese Woche gemeinsam über unseren Saab Tellerrand und testen neuen, alternative Antriebe. Wie sehen wir die Sache mit der E-Mobilität? Können wir es uns vorstellen, mit Batterie in die Zukunft zu fahren? Elektromobilität soll umweltfreundlich sein, bringt aber viele Fragen mit sich.

Da wäre die Herstellung der Batterien, die umweltbelastend ist und deren Brisanz bis heute in keiner Umweltbilanz berücksichtigt wird. Und da wäre die Frage nach der Stromquelle.

Wo kommt der Strom her…

Ein Elektroauto braucht Strom.  Der Strom kommt eben nicht aus der Steckdose. Mit Batterie zu fahren macht wenig Sinn, wenn der Strom mit Braunkohle oder Atomkraft gewonnen werden muss. Ein Thema, das spaltet. Mein Nachbar arbeitet in der Solarbranche. Damit wird unser persönliches Öko-Strom-Problem demnächst gelöst. Mit einer entsprechenden Anlage auf unseren Dächern werden wir mittelfristig unseren eigenen Strom produzieren und könnten auch so ein Elektroauto umweltfreundlich bewegen. Aber diese Möglichkeit hat eben nicht jeder.

Die Elektroauto Zukunft hat mittlerweile begonnen. In den Ballungsräumen stehen Ladestationen, die mittleren Städte ziehen nach und es ist nur eine Frage der Zeit bis auch in der Provinz Stromtankstellen stehen. Fehlen nur noch die richtigen Autos, oder?

Kann ein Elektroauto begeistern

Elektrouto und Emotion, ein Kapitel für sich. Denke ich an ein Elektroauto, dann erscheinen mir kleine, spartanische Verzichtsmobile vor den Augen. Seltsame Dinge wie ein Mitsubishi, der, so wie er heißt, komische Assoziationen weckt. Oder Autos wie der Opel Ampera. Die so aussehen, wie ich mir kein Auto wünsche. Oder die Toyota Prius Modelle. Die sind Hybrid und nicht Elektro, sehen aber so verdammt politisch korrekt und so wenig nach Fahrspass aus.

Von Renault kommt mittlerweile eine ganze Elektro Flotte. Ein kleiner Transporter, der für innerstädtischen Lieferverkehr sinnvoll ist. Eine Limousine, mit seltsamen Namen, und die auf den ersten Blick an ein chinesisches Fabrikat erinnert und die sehr uninspiriert wirkt. Aber Renault kann auch anders. Der Renault Twizy sieht nach Spass aus und verkauft sich auch deshalb gut. Aber der Twizy ist die Nische in der Nische und auf Grund fehlender Variabilität keine richtige Alternative.

Elektroauto = Verzichtsmobil?

Nein, ein Verzichtsmobil möchte ich nicht ! Aber ein E-Mobil muss nicht unbedingt Verzicht oder Einschränkung sein. Es muss auch nicht unbedingt ein schräges Design haben. Es gibt auch Elektromobilität, die verdammt nach Fahrspass aussieht und trotzdem ein umweltfreundliches Auto ist. Tesla zum Beispiel. Coole Sportwagen auf Lotus Basis. Oder das Model S. Verdammt elegant, nahe an einem Jaguar, und mit 480 Kilometern Reichweite absolut tauglich für den Alltag. So könnte ein Batterieauto Spass machen.

Aus der Range-Extender Fraktion kommt der Fisker Karma. Gebaut bei Valmet Automotive, früher Saab-Valmet, in Uusikaupunki. Ausgestattet mit feinstem Leder aus Schottland und “Rescue Wood” aus Californien. Wem das bekannt vorkommt, der liegt richtig. Leder aus Schottland fand sich früher im Saab 900 und 9000. Kalifornisches Wurzelholz aus Plantagenanbau, das galt vor Jahren als umweltschonend, war ebenfalls ein Ausstattungsdetail. Heute ist man weiter und verwendet offenporiges “Rescue Wood”, welches nach Waldbränden übrig geblieben ist. Ist der Karma eine individuelle Oberklassen-Lösung, so wie wir es uns von Saab vorstellen würden?

Los gehts! Mark betankt, oder lädt schon mal den Fisker!

Saab = Range Extender…

Hätte Saab ein Elektroauto in großen Stückzahlen auf den Markt gebracht, so wäre es vermutlich ein Wagen mit Range Extender gewesen. Im Jahr 2011 wurde ein solches Konzept von der Saab Automobile AB zum Patent angemeldet. In einer Saab 9-3 Karroserie wäre es kein Verzichtsmobil gewesen. Fahrspass und Saab-typische Eigenschaften wie Sicherheit, Langlebigkeit und Tauglichkeit für lange Strecken wären inklusive gewesen. Nutzwert – eine Saab Tugend an sich –  in einer vollwertigen Karosserie wäre garantiert.

Saab Elektroträume sind an den Saab 9-3 und an die Phoenix Plattform gekoppelt. Die Rechte für den Saab 9-3 liegen, zumindest vorläufig, bei NEVS. Die Phoenix Plattform wird beansprucht von NEVS, Lotus-Youngman und wahrscheinlich wird auch Mahindra mit dieser Plattform Zukunftspläne haben. Möglich ist es, denn die Nutzung wird “nicht exklusiv” sein, und je nach Anspruch könnten völlig unterschiedliche Produkte entstehen.

Würden wir ein Elektroauto kaufen? Kann es Emotionen wecken? Ich habe, zugegeben, noch nie eines bewegt. Das ändern wir. Denn was wäre, wenn Mahindra oder NEVS, rein theoretisch, in Trollhättan ein E-Mobil auf Saab-Basis bauen würden ? Würden wir es kaufen, wenn der Greif auf der Motorhaube prangt? Oder gibt es für uns nur Turbo und noch mal Turbo?

Wie aufgeschlossen sind wir gegenüber neuer Technologie? Hat das Elektroauto in der Community eine Chance, wäre es eventuell sogar egal, von welcher Marke es kommt? Oder haben wir keine Lust auf Batterien mit 4 Rädern? Fragen über Fragen…

Grund für Mark und mich, sich der Range-Extender Fraktion anzunähern. Natürlich mit Niveau, denn wir sind ja Saab Fahrer.  Ein Chevrolet Volt oder sein Opel Derivat bleibt schon aus Prinzip vor der Türe. Der Fisker Karma, Oberklasse auf dem Elektrotrip, ist unser Objekt für eine Vorstellung und umfassende Reportage. Denn Fisker wagt den Einstieg nicht von unten sondern von ganz oben.

Das Konzept scheint zu stimmen, denn Fisker wird in diesem Jahr 15.400 Fahrzeuge bauen. Zum Thema Fisker kommt morgen mehr auf dem Blog, und wir beantworten die Frage, ob ein Elektroauto Begeisterung wecken kann.

Text: tom@saabblog.net

Bilder: saabblog.net

10 Gedanken zu „Mit dem Elektroauto in die automobile Zukunft?

  • Ich bin ja vieles offen,aber ein Saab den ich an eine Steckdose Anschließen müsste kommt mir nicht auf den Hof.

  • Gerade habe ich auf Yahoo gelesen, wie der Konzernchef von Vattenfall gesagt hat, dass die Strompreise längerfristig steigen werden. Auch und gerade wegen der Energiewende! Ein Schelm der böses dabei denkt….
    Also, wo bleiben dann die Elektroautos? Werden die wegen der Strompreise auf der Jahreskilometerleistung von 30000 Km beruhend, nicht teurer im Unterhalt? Was macht unser Staat hinsichtlich KFZ-Steuer? Macht der die für solche KFZ mit Elektroantrieb dann höher, da ja auf der anderen Seite die Mineralölsteuer und die Mwst. (zu einem gewissen Anteil) wegfallen?
    Wo bleiben dann alle Werkstätten, wenn solche Autos nur alle 2 Jahre zum TÜV und kaum bis gar nichts repariert werden muss? (bürstenloser Elektromotor, Antrieb sitzt direkt in den Rädern usw.)
    Unabhängig davon: Die elektromobile Zukunft sehe ich nicht. Eher die, welche auf Wasserstoff als Energieträger setzt und der umweltveträglich mit einer Solaranlage hergestellt werden kann. (siehe ein Stuttgarter KFZ-Hersteller)
    Schade, wennn das, was die Gerüchteküche hinsichtlich BMW und Toyota sagt und was mal (angeblich) im Zusammenhang mit dem Kauf von SAAB AB stand, bevor Nevs den Zuschlag erhielt, gekommen wäre…?
    Zuerst mal Hybrid mit der Technik von Toyota, gepaart mit einem Benzin oder Dieselmotor von BMW und der Sicherheitstechnik und Karosserie von SAAB, als 93er oder gar 95er mit dem Markennamen SAAB drauf. Danach ein Elektroauto und als weitere Neuentwicklung von beiden Autokonzernen, ein Auto mit Wasserstoffantrieb? Leider ein Traum, der mit dem Kauf von Nevs zerplatzt ist?

  • Sehr guter Artikel – danke. Man muss sich aber im Klaren sein, dass die Umstellung der Antriebstechnik nicht von heute auf morgen geschehen kann. Schon wenn der Markanteil von Elektromobilen 10% erreichte, so wäre dies eine Sensation. Wären die Rohstoffe für Akkus genügend (und wie lange) vorhanden, ist die Entsorgung von den zum Teil hochgiftigen Teilen gewährleistet etc. etc.? So lange diese Fragen noch offen sind werden viele Autofahrer noch auf die zuverlässigen, weiter entwickelten Verbrennungsmotoren vertrauen, mit denen sie unkompliziert, sicher und bei jedem Wetter unterwegs sein können. Zudem sollte man nicht in die Co2-Panik mit einstimmen und man sollte sich besser einmal fragen, wo unsere Pflanzenwelt und somit auch wir wären, wenn es kein Co2 mehr gäbe?! In diesem Sinne glaube ich, dass (sollte es wirklich einen zukünftigen SAAB geben) dieser mindestens mit Hybridtechnik oder mit einem zuverlässigen Range-Extender ausgerüstet sein sollte, damit man entspannt auch auf langen Strecken unterwegs sein könnte. Noch besser wäre es, der Kunde könnte sich selbst für eine ihm zusagende Technik entscheiden und dort wären auch herkömmliche Modelle mit eingeschlossen.

  • Sehr interessanter Artikel. Wenn ein Elektroauto mein Anforderungsprofil erfüllen würde, würde ich es vermutlich auch mit in die Auswahl aufnehmen. Warum auch nicht unter der gegebenen Bedingung?
    Ob ich es mit einem Greif auf der Haube kaufen würde, wüsste ich zurzeit nicht. Wenn ein Anbieter wie NEVS aktuell (basierend auf dem, was zu lesen ist) überhaupt kein Interesse an der Historie der Marke zeigt (und die Köpfe, die Saab ausgemacht haben, verschwunden sind), dann schwindet bei mir auch das Interesse denen etwas abzukaufen.

  • Die Zukunft der Elektromobilität steht und fällt mit der “sauberen” Stromerzeugung und der Batterietechnik, sind wir hier wirklich erst am Anfang der Möglichkeiten, wird sich die Elektromoblität durchsetzen.

    Was könnte die Alternatigve sein? Bio-Treibstoffe der zweiten Generation könnten auf ein flächendeckendes Tankstellennetz zurückgreifen; kann aber genug Bio-Sprit umweltschonend ohne Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion hergestellt werden?

    Wird es andere Alternativen geben? Auch in Zukunft wird es ohne Individualverkehr nicht gehen. Außer in den Ballungsräumen sind öffentliche Verkehrsmittel nur unzureichend ausgebaut. Außerdem entsprechen Sie nur selten der am Arbeitsmarkt geforderten Flexibilität der Arbeitszeiten.

    Die Zukunft bleibt spannend.

    Grüße aus Bad Salzdetfurth
    Ulrich

  • Können neue Konzepte, können E-Autos begeistern? Die Frage kann nur rhetorisch gemeint sein.
    Na klar können neue Konzepte begeistern. Es kommt doch darauf an, wie offen man ihnen gegenüber steht. Ich möchte mich überraschen lassen und Chancen geben.
    1. Vor gut 18 Monaten bin ich den Ampera gefahren. Mich begeistert, dass flotte Bewegung auch ohne Lärm geht. Und das ausgesprochen dynamisch. Für den Anfang, ich denke wir sind erst am Anfang der Entwicklung, wirklich gut. Äußerungen zum Design und GM erspare ich mir weil sie die Frage des E-Konzeptes als solches nicht betreffen.
    2. Mir fehlt ein wichtiger Aspekt im Beitrag. Wenn die Welt so dicht wie wir, bzw. die USA, automobilisiert wäre und alle gleichzeitig den Anlasser betätigen würden, dann könnten wir vielleicht noch 20 Minuten fahren und alle Ölreserven wären verbraucht. Mal abgesehen vom Sauerstoff. Da hilft dann auch kein geniales Pfeifen des Turbos mehr. Ich mag es! Ich habe vier! Doch ohne Sprit pfeift da nichts mehr. Unsere westliche Sicht auf global notwendige Strategien greift zu kurz. Das E-Konzept könnte eine weitergefasste Antwort bieten.
    3. Wer schon einmal in einer der riesigen Metropolen gewesen ist und mit einem Pseudokrupp gekämpft hat weiß, dass muss niemand haben. Haben aber Millionen von Menschen. Mehr Kohlekraftwerke werden nicht die Lösung sein! Kernkraft schon gar nicht! Ich bin sicher, dass wir auf dem Gebiet der umweltfreundlichen Energiegewinnung, Stromgewinnung, große Fortschritte machen werden. Siehe die Entwicklung des Wirkungsgrads bei Solarzellen, die selbst von Experten unterschätzt worden ist.
    4. Ich finde es ausgesprochen gut, dass auch hier das Thema Automobile Zukunft angegangen wird. Dem Diskurs wünsche ich viele Beiträge, auch wenn sie Aufgrund der Kürze immer nur das Thema anreißen können. (siehe oben!) Ob ich einen E-Saab kaufen würde? Na klar, wenn er die Gene in sich trägt, die Saab für mich seit 30 Jahren ausmachen. Damals verstand mein Umfeld nicht, warum ich mir SO EIN AUTO kaufte. So kann es bleiben.
    Lieben Gruß
    Everton

  • Gratulation Tom, zu einem weiteren sehr guten Artikel!
    Nichts desto trotz muss ich dir in einem Punkt widersprechen. Du schreibst, dass Du Saab fährst “weil Saab eben Turbo ist”. Trotz der Tatsache, dass Saab und Turbo (durchaus zu Recht) “in einer sehr engen – auch emotionalen – Beziehung zueinander stehen”, darf nicht übersehen werden, dass Saab weitaus mehr ist als Turbo. Saab steht nämlich ebenso für (fast könnte man sagen: Saab ist Synonym für …) Sicherheit, Ergonomie, Innovation, Fortschritt, Individualität etc. Und genau darauf zielt dein Artikel ja wohl auch ab: um nicht bloss vor geraumer Zeit einmal fortschrittlich und innovativ gewesen zu sein, lohnt sich eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema Elektromobilität nicht nur, sondern ist eigentlich geradezu Pflicht – was freilich noch lange nicht bedeutet, dass einzig ein elektrischer Saab zukunftsträchtig und sinnvoll ist.

  • Bin mal auf den Fisker gespannt!

  • Superbeitrag – volle Zustimmung von einem turbofreak der ersten Stunde (99tu gefahren 1979, aktuell 9-3 CV 2.8 Aero/Hirsch)

  • Egal,wie es mit SAAB weitergeht, die Motoren, mit denen wir aufgewachsen sind, werden noch vor uns in Rente gehen. Zwangsläufig. Man wird sich auf andere Antriebe gewöhnen. Mit oder ohne Turbo. Laut oder Leise. Eines bei dieser Diskussion sollte man nicht vergessen. Der Turbospass ist im Verbrennungsmotor gleich vorbei, wenn wir die Natur, die wir in unseren Sääben geniessen, nicht mehr die ist, die sie noch ist.
    Soweit ich mich erinnern kann, war es immer auch SAABinteresse, Fortschritte vor den anderen zu machen. Innovativ zu sein. wenn die Innovation darin besteht, dass zu retten, dass zu schützen was unser aller Leben ist, dann sollte auch Saab in Zukunft den E- Weg beschreiten.
    Aber SAAB ist mehr als Turbo. SAAB ist Kultur, Leben – wir sind Saab solange wir Saab fahren.
    Wenn sich Saab auch verändert, wir sollten nicht ausser acht lassen, dass alles einem Wandel ausgesetzt ist, auch wir. Wenn uns so viel an Saab liegt, müssen wir den Wandel geschehn lassen. Unsere “heiligen Kühe” ( SÄÄBE) können wir ja immer noch hegen und pflegen – und das Turbozeitalter in schöner Erinnerung behalten.

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