SAAB News: Impressionen aus Trollhättan – Teil 1

Wenn man in Trollhättan unterwegs ist, einen Saab mit deutschem Kennzeichen pilotiert, dann ist man auffällig. Der Bericht in der TTELA tat ein übriges dazu und so wurden wir, mit Kamera bewaffnet unterwegs, immer als die Besucher aus Deutschland identifiziert. Was dazu führte dass uns Schweden aus ihrem Saab Cabriolet heraus grüßten, was in Trollhättan unter Saabfahrern garantiert nicht üblich ist, weil man sonst nicht zum Autofahren käme.

Saab Werk Trollhattan
Saab Werk Trollhattan

Oder dass die sonst zurückhaltenden Schweden aus einer neuen 9-5 Limousine winken. Erstaunlich. Die Stadt ist immer noch positiv Saab verrückt. Aber die Anonymität war bei diesem Besuch hin. Man kommt, das ist der Vorteil dabei, mit vielen Saab Mitarbeitern ins Gespräch, die über ihre Arbeit bei Saab berichten wollen. Die stolz sind, dass sie dabei waren und diese tollen Autos gebaut haben. “Seid ihr die Deutschen…” ist die erste Frage, die gestellt wird.

Interessant ist es die Meinungen und Stimmungen einzufangen, die Mitarbeiter und Saab Veteranen haben. Auch wenn es uns nicht gefällt, die wenigsten glauben an einen Neustart von Saab. Viele wären schon zufrieden wenn ein neuer Zulieferer der Automobilindustrie in Trollhättan wenigstens einige 100 Arbeitsplätze schaffen würde.

Bestellt und nicht geliefert: Mark und Saab 9-5 Sportkombi
Bestellt und nicht geliefert: Mark und Saab 9-5 Sportkombi

Es fehlt einfach an der Vorstellungskraft, dass nach mehr als einem Jahr des Stillstands wieder Fahrzeuge vom Band rollen könnten. Verständlich. Wer über Monate nur negative Nachrichten hört und deren Auswirkungen vor Ort zu spüren bekommt, der glaubt kaum an Besserung.

Andere Saab Insider, in entsprechender Position, betrachten die Sache mit mehr Optimismus. Sie sehen ein Comeback der Marke als möglich und sie haben ganz klare Vorstellungen wer der neue Eigentümer werden sollte.

Lotus Youngman ist es nicht. Die Chinesen haben viele Chancen gehabt und diese nicht genutzt. Auch hinter anderen Eigenschaften sieht man, ganz diplomatisch ausgedrückt, viele Fragezeichen.

Auch ein anderer Bieter, der offiziell nicht genannt wurde, wird mit Skepsis bewertet. Teil eines großen Automobilkonzerns möchte man nicht werden. Zum einen kann man sich nicht vorstellen dass diese Beziehung auf Dauer gut gehen würde. Was nachvollziehbar ist, denn man ist durch die Liaison mit den Amerikanern ein gebranntes Kind. Zum anderen ist man, das ist fühlbar, sehr stolz auf die kleine Marke aus Schweden und deren Vergangenheit. Man möchte auch in Zukunft zumindest teilweise seine Eigenarten und Besonderheiten, seine Unabhängigkeit, eben die Saab DNA, bewahren.

Independence Cabriolet Werbung Göteborg
Independence Cabriolet Werbung Göteborg

Bleibt als absoluter Favorit Mahindra & Mahindra. Die Inder haben in Trollhättan einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Alle die direkt in Gespräche eingebunden waren, lobten die Kompetenz und Professionalität der Investoren aus Indien. Damit decken sich die Hoffnungen der Schweden mit den Erwartungen die der größte Teil der Community hat.

Beeinflussen können wir die Entscheidung der Administratoren in keiner Weise. Wir können nur Zeichen für die Investoren setzten und zeigen wie wichtig uns die Marke aus dem Västragötland ist. Mit unserer Spende haben wir das getan und ein Gesprächspartner bezeichnete unsere Geste als “enorm wichtig” im Hinblick auf die Käufer.

Der kleine Artikel in der TTELA über die Aktion unserer Community erschien nicht zufällig oder um eine Lücke zu füllen. Die Bieter lesen die lokale Zeitung genau so wie wir. So gesehen haben wir Saab vielleicht einen großen Gefallen getan.

Text: tom@saabblog.net

 

4 Gedanken zu „SAAB News: Impressionen aus Trollhättan – Teil 1

  • Gerade in Bezug auf Mahindra & Mahindra könnten die Administratoren nun mal “Butter bei die Fische” geben!

    Dieser Konzern hat international einen sehr guten Ruf und zeigt mit eigener Autosparte (einschließlich Ssangyong-Geländewagen), dass auch Fachkompetenz vorhanden ist!

    Es wird nun wirklich Zeit!!!

  • “Bestellt und nicht geliefert: Mark und Saab 9-5 Sportkombi”

    Autsch – das muss echt frustrierend sein.
    Da steht man vor so einem super Wagen und man weiss genau, dass man ihn nie besitzen bzw überhaupt auf der Straße sehen wird. {zensiert} … GM.

    Ich kann Mark da “nachfühlen” … mir geht es ähnlich (obwohl noch nix bestellt war, aber “nach Bremen” stand der Entschluss eigentlich fest).

  • Ist ja witzig, das Independend Bild auf dem Weg nach Trollhättan über Göteburg habe ich auch gemacht als ich da war.

    Ich wurde in Schweden überall sehr freundlich empfangen, aber im Museum, beim Gespräch mit Mitarbeitern, konnte ich auch spüren, das man nicht wirklich daruaf baut einen Retter für Saab zu bekommen. Auch bei Saabhändlern gab es diese Stimmung. Man hat mittlerweile Alternativen für das eigene Überleben gefunden und wenn es Saab nicht mehr geben sollte hofft man auch so weiterleben zu können. Falls doch ist Saab aber weiterhin willkommen.

    Ehrlich gesagt kann ich das nachvollziehen, denn irgendwie sind wir alle irgendwann Geschicht und “man muss sich damit abfinden”.

  • Hallo Tom,
    ich glaube es wird im Sommer doch ein Schwedenurlaub mit der Saabine werden… 😉
    Das mit M & M klingt sehr gut… jedes mal wenn ich einen Jaguar oder Range Rover sehe denke ich mir das es SAAB auch bald so gut gehen könnte…
    Oder der Staat kauft das ganze Ding und macht was eigenes draus… 🙂

    Danke für den schönen Bericht!

    Saabige Grüße aus Sachsen…

    PS: Danke für das Osterei…sehr coole Sache!!! 😉

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