SAAB News: Jonas Fröberg über Muller und Lofalk

Er ist ganz klar mein Lieblingsjournalist aus dem Land der Mitternachtssonne. Jonas Fröberg begleitet Saab schon eine sehr lange Zeit. Er hat den Verkauf von GM an Spyker hautnah miterlebt und darüber ein Buch geschrieben. Er hat die Ära Muller, die Rekonstruktion und die Insolvenz verfolgt und kommentiert. Fröberg greift heute in seiner Kolummne “Perspektiv” im Svenska Dagbladet die Frage auf, wie aus Muller und Lofalk Feinde werden konnten.

Fragt man einen von beiden nach dem wahren Ablauf der Ereignisse im letzten Jahr, so bekommt man völlig unterschiedliche Versionen präsentiert. Nach Fröbergs Artikel ist man nicht schlauer, denn er schreibt nichts, was wir nicht schon wissen. Aber wir beginnen zu verstehen, denn er bringt die Sache auf den Punkt.

Der Grund für das Scheitern beider Kontrahenten liegt in China, so der Artikel. Aber lesen wir was Fröberg sagt. Anfang September, so schreibt Fröberg, hatte Saab kein Geld aber einen Vertrag mit Lotus-Youngman und Pang Da. Die Chinesen wollten für einen 54 % an an Saab 2.2 Milliarden Kronen zahlen. Laut Muller war das, auch in Bezug auf die Technik-Lizenzen, mit GM abgesprochen. Fraglich nur, ob es auch wirklich an höchster Stelle abgesegnet war.

Dann kam die Rekonstruktion und der Punkt an dem alles anfing fürchterlich schief zu gehen. Um die Rekonstruktion durchzuführen sollte Lotus-Youngman 70 Millionen € an Saab für Teile der PhoeniX Plattform zahlen. Aber es kam kein Geld, denn Youngman konnte die NDRC nicht überzeugen. Der Technologie Transfer nach China war der Behörde zu wenig, die Gelder blieben aus. Dazu kamen, so Fröberg, kulturelle Unterschiede und chinesischer Groll gegen Muller. Der Saab CEO hatte im Frühjahr Youngman vor die Tür gesetzt, obwohl die Verträge weit gediehen waren, und sich einen anderen Chinesischen Partner gesucht. (Wir erinnern uns an das Desaster mit Hawtai…).

Die Wochen vergingen, das Geld blieb weiterhin aus, und plötzlich ging alles ganz schnell. Lofalk ergriff die Initiative – zu voreilig laut Muller. Absolut notwendig laut Lofalk.

In schneller Reihenfolge explodierten zwei Bomben. Plötzlich war Geely an Saab interessiert und Lofalk besuchte zusammen mit Hautpanteilseigner Li Shufu das Finanzministerium. Muller wurde wütend, lehnte ab, woraufhin Lofalk nach Peking reiste um das Problem von Youngman mit der NDRC zu lösen.

Bombe Nummer zwei zündete Lotus-Youngman und Pang Da. Man wollte 100 % von SWAN an Saab übernehmen, zu einem Bruchteil des ursprünglichen Preises. Muller schlug zurück. Denn das hätte bedeutet dass er die Macht verlieren würde. Er schrieb eine verzweifelte Mail an Rachel Pang wo er warnte, dass GM niemals diesen Deal akzeptieren würde.

Es kam der Eindruck auf, dass die schwedische Regierung Muller loswerden wolle. Lofalk sollte vermitteln. Lofalk verweigerte sich. Dann stand der Vorschlag, Youngman solle Saab zu 100 % kaufen. Mittlerweile war der Graben zwischen Lofalk und Muller etliche Meilen tief, das Zerwürfnis nicht mehr zu kitten.

Am 21. Oktober kündigte Lofalk an die Rekonstruktion abzubrechen. Denn es gab immer noch kein Geld.

Es kam zu neuen Marathon Verhandlungen zwischen Muller und Youngman. Unter extremen Druck ging schließlich alles reibungslos über die Bühne und am 30. Oktober konnte ein sichtlich erleichterter Guy Lofalk vor dem Amtsgericht in Vänersborg einen 100 % Verkauf an die Chinesen präsentieren.

Das Verhältnis zwischen beiden war zu diesem Zeitpunkt extrem schlecht. Muller hielt seine professionelle Fassade aufrecht, aber wer wollte, der konnte die Risse sehen. Denn Muller war nicht begeistert das Unternehmen an Youngman und Pang Da zu verlieren.

GM lehnte den Deal ab. Muller sagte, das sei der Fehler Lofalks gewesen. Lofalk sagte, schon Mullers Ansatz sei falsch gewesen, GM hätte auch dessen erste Lösung nicht akzeptiert. Am 7. Dezember bat Lofalk um seine Ablösung und nach mehreren Dramen endete die Geschichte in der Insolvenz.

Am Dienstag trafen sich beide Kontrahenten vor Gericht. Sie würdigten sich keines Blickes.

Lofalk hat bei Saab 10 Millionen Kronen verdient. Die Frage ist, ob es das wert war, fragt Jonas Fröberg.

Anmerkung:

Die Frage könnte man sich wirklich stellen. Zwar hat nicht Loflak, sondern dessen Kanzlei die 10 Kronen Millionen verdient. Aber der Preis dafür ist hoch. Ob GM wirklich dem 54% Verkauf zugestimmt hat, so wie Muller behauptet, werden wir wohl nie erfahren.

Am Ende gab es nur Verlierer. Lofalk hat viel Renommee verloren, für Muller platzt ein Traum und die großen Schwierigkeiten und Nachwirkungen beginnen erst. GM hat einen OEM Kunden verloren, viele tausend Mitarbeiter die Arbeitsplätze. Und die Chinesen haben Geld verloren. Vielleicht sogar mehr. Vielleicht die Chance einen europäischen  Traditionshersteller zu kaufen. Entscheiden die Administratoren gegen China, dann hat man in Peking zu hoch gepokert. In einigen Wochen wissen wir mehr.

Text: tom@saabblog.net

2 thoughts on “SAAB News: Jonas Fröberg über Muller und Lofalk

  • Die ganze Geschichte seit der Übernahme durch Muller ist durchzogen von vielen Feinheiten. Geundproblem war, daß die finanzielle Decke immer zu dünn war, um Fehler oder Probleme überstehen zu können. Fröberg hat sicherlich einen guten Artikel geschrieben, aber die ganze Geschichte, wahrscheinlich sogar die Zeit, in der Lofalk am Werk war, würde ein Buch füllen.

  • Letztendlich zeigt sich, dass die Sache SAAB für Muller aber auch für Lofalk einige Nummern zu groß gewesen ist.

    Es zeigt aber auch, dass die chinesische Seite womöglich bereits zu hoch gepokert hat. Die Übernahme des Traditionsherstellers SAAB hätte man bei beherztem Einsatz bereits vor Monaten unter Dach und Fach haben können – jetzt sollen die fehlenden GM-Lizenzen schließlich auch kein größeres Hindernis mehr darstellen..

    So nach und nach sind aber für die Chinesen andere ernst zu nehmende Konkurrenten auf der Bildfläche erschienen – vielleicht stuft man diese als zuverlässsiger und somit geeigneter ein. Es bleibt also spannend.

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