SAAB News: Entwicklungskompetenzen am Standort Trollhättan

Nach dem Saab Konkurs im Dezember war es unsere Sorge, dass die Saab Kompetenzen in kürzester Zeit in alle Teile der Welt verschwinden könnten. Jetzt, nach drei Monaten, zeigt sich dass unsere Sorge unbegründet war. Sicher sind einige Ingenieure und Führungskräfte zu anderen Automobilfirmen gewechselt, oder stehen kurz davor. Aber ein Großteil der Mitarbeiter bleibt dem Standort treu.

Saab IQon, basierend auf Googles Android OS
Saab IQon, basierend auf Googles Android OS

Ob es an der Region Trollhättan liegt, den familiären Bindungen oder ob auch die staatliche Föderung eine große Rolle spielen ist von Deutschland aus schwer zu beurteilen. Vielleicht spielt auch die Loyalität zur Marke mit dem Greif ein kleine Rolle. Das Innovatum in Trollhättan meldete am Wochenende gute Nachrichten. Dutzende von Firmen, alle mit Saab Hintergrund, befinden sich in der Gründung. Noch will man keine Details nach außen geben, aber ein paar Namen wurden bereits genannt.

Entwickler der Infotainment Abteilung, beteiligt an der Entstehung des revolutionären Saab IQON Systems, gründen ein eigenes Unternehmen in Trollhättan. Eine Saab Testflotte mit dem modularen System war über Monate in Schweden im Einsatz. Das neue System, welches das Fahrzeug über ein ganzes Autoleben aktuell halten kann, hätte zum Jahresende 2012 im Saab 9-3 Nachfolger das Debüt feiern sollen. Das System wäre wegweisend gewesen. Andere Hersteller planen ähnliche Lösungen, allerdings weniger revolutionär.

Auch Mitarbeiter der Bereiche “Elektronische Integration” die Prüfsysteme für die Fahrzeugentwicklung entwickeln starten im Innovatum eine neue Karriere.

Die ehemaligen Mitarbeiter des Saab Performance Teams und Test Ingenieure sind auch auf dem Weg in die Selbstständigkeit. Beide Gruppen wollen weltweit ihr Wissen anbieten. In einem Interview mit der örtlichen Zeitung sagten sie, dass  man “..viel auf Reisen sein werde..” Schwellenländer in Asien und Autoproduzenten in Indien sind die Zielgruppe. Martin Larsson, vor einigen Monaten noch als Nachfolger von Victor Muller gehandelt, hat bereits vor Wochen eine eigene Gesellschaft gegründet, welche Ingenieursdienstleistungen anbietet. Andere Mitarbeiter haben vor ort bei der Saab AB Tochter Combitech eine neue Anstellung gefunden.

Zusammen mit den Aktivitäten der staatlichen Fouriertransformation, welche die Saab Prototypen Werkstatt und Tankentwicklung übernehmen will, ist in Trollhättan sehr viel Saab Kompetenz vorhanden.

Zwar sehen die Unternehmensgründer ganz realistisch die aktuellen Chancen für die Neugründungen außerhalb von Trollhättan und Schweden. Was sich aber bald ändern könnte. Denn mit jedem neuen Unternehmen wird der Standort noch interessanter für jeden Investor.

In der Automobilbranche werden Kompetenzen immer mehr extern eingekauft. Jeder Saab Käufer, der eine Produktion und Entwicklung in Schweden starten möchte, findet eine erstklassige Situation vor. Die besten Ingenieure sind vor Ort und warten im Prinzip nur auf den Startschuss.

Durch staatliche Unterstützung und die örtliche Universität, die gut ausgebildeten Automobil Facharbeiter und die Verbesserungsmaßnahmen der Infrastruktur ist Trollhättan vermutlich der interessanteste Standort in Europa der zu haben ist. Osteuropa mag günstigere Lohnkosten bieten, im Gesamtpaket ist Trollhättan unschlagbar.

Göteborg und der Flughafen sind nicht weit und schnell zu erreichen. Wer immer in den nächsten Wochen als Käufer genannt werden wird, er hat eine gute Entscheidung getroffen!

Text: tom@saabblog.net

8 thoughts on “SAAB News: Entwicklungskompetenzen am Standort Trollhättan

  • SAAB könnte dann den Wolfsburgern mal zeigen wie man Turbomotoren baut.
    Ist ja nicht zu gebrauchen was im Moment angeboten wird. Insbesondere der 1.4 Liter Turbo/Kompressor.

  • “Bitte auch an die Historie der Quandt-Leute denken, die heute immer noch das Sagen bei BMW haben – einfach nur unschön!!”

    Ich dachte, die Zeit der Sippenhaft sei vorbei.

    Ganz realistisch betrachtet ist die Nummer zwei genau das beste für SAAB – und das sage ich schon als erklärter Anhänger dieser Marke. Um Nummer 1 zu werden, ist SAAB einfach viel zu klein – das Produktionsvolumen, daß dafür nötig wäre, kann SAAB ohne einen wirklich massiven Ausbau seines Werks und seiner Modellpalette nicht stemmen. Und die (optimistisch geschätzten) 100.000 Autos, die man auf lange Sicht als Produktionsziel aufstellen kann, würden prima zu der Zweitmarke eines etablierten Herstellers passen. SAAB – Der BMW für Individualisten, sozusagen.

    Mal ganz abgesehen davon, daß der Name BMW ja auch noch nicht in Stein gemeißelt ist, und dann ja immernoch das von Tom geäußerte Wort “Kombinationslösung” im Raum steht.

  • mein wunschkandidat zur übernahme von saab ist volkswagen!!!!
    vw hat eine gefüllte kriegskasse von ca. ca 20 mrd.euro!!!
    vw (bzw. dr.piech)ist scharf auf alfa romeo,bekommt es aber nicht.
    fiat will nicht verkaufen.
    die alternativmarke von vw ist skoda,da laufen die geschäfte!!!!!
    bei audi sollte es seat sein,wird aber seit jahren als verlustbringer mit durchgeogen!!! teilweise mit gut gemachten, aber
    abgelegten audi-modellen (exeo)!
    um käufer zu halten,die zwar eine top-qualität kaufen wollen, denen
    aber das audi design zu langweilig geworden ist, würde saab eine sehr gute alternative bieten,zumal beide frontantrieb haben.
    volkswagen bzw. audi hätten die entsprechenden bodengruppen.
    kabelstränge, motor und getriebe hätte man auf lager.die karosse
    umzustricken sollte das kleinere problem sein.
    das markenzeichen und das logo besitzt man über scania bereits teilweise!!!!
    ferner könnte man die werkskapazitäten (auf dem weg zur nr. 1) gut gebrauchen)
    durch die geschiedene ehe mit suzuki dürfte man auch wieder auf brautschau sein!!!! passt irgendwie gut mit den meldungen um proton zusammen.
    vw hat weltweit eine schlagkräftige verkausorganisation!!!!
    allein über vorführwagen könnte man saab schon fast auslasten.
    vw hat erfahrung mit marken die nicht so gut laufen: bugatti, seat!!man ist nicht auf einen schnellen euro aus!!
    scania importiert seit mitte der fünfziger volkswagen in schweden!!!

  • Hallo Phibo,

    wie war es denn vor ein paar Jahren, als BMW der Firma Rover den Laufpass gegeben hat?

    Bitte auch an die Historie der Quandt-Leute denken, die heute immer noch das Sagen bei BMW haben – einfach nur unschön!!

    Aber auch bei VW oder einem anderen europäischen Konzern wäre SAAB vermutlich nur irgendeine Nummer – bei Mahindra oder auch Youngman-Lotus würde SAAB im Bereich der sog. Luxus-Klasse schon eher die 1. Geige spielen und hätte auf jeden Fall die größeren Entfaltungsmöglichkeiten (siehe Jaguar bei Tata).

  • Es erschließt sich mir nicht, wie man sich gleich so den Chinesen/Indern an den Hals werfen kann. Ein etablierter, europäischer Autobauer (egal ob das BMW, Renault oder VW ist) hätte einerseits die finanziellen Mittel zum Wiederaufbau zur Verfügung, aber andererseits auch die Möglichkeit, bis zur Fertigstellung einer neuen Produktpalette Fahrzeuge in Trollhättan produzieren zu lassen, und das Werk so in der Wiederaufbauphase (wenigstens halbwegs) profitabel zu betreiben.

    Und noch wichtiger: Mit einem etablierten Autobauer bekäme SAAB auch positive PR, und Zugriff auf ein gut ausgebautes Händlernetzwerk. Ich, zum Beispiel, möchte nicht in Zukunft jedem potentiellen SAAB-Kunden in meinem Bekanntenkreis erklären müssen, daß SAAB _nicht_ der verlängerte Arm einer chinesischen/indischen Billigauto-Firma ist.

    PS: Ja, sicherlich – Tata hat bei Jaguar sehr viel Geschick und Feingefühl an den Tag gelegt. Es gibt aber keine Garantie, daß Mahindra genauso handeln wird. Ebenso wenig wie es eine Garantie gibt, daß die Liebe von Youngman zu SAAB nicht genauso erkalten wird wie die von Geely zu Volvo.

  • SElbstverständlich ist das nicht, es ist eine hohe Loyalität der Mitarbeiter. Entweder bist due SAAB Mann oder Vol.. Mann (oder Frau 😉 ) In Göteborg wird sich kein SAABIANER auf Dauer wohlfühlen.

    @Joachim: Geduld, Geduld, wie Tom immer sagt. Im April wissen wir mehr!

  • Wann ist denn nun endlich mit dem erwähnten Startschuss zu rechnen? Ich hoffe nach wie vor auf Mahindra oder ein anderes indisches Großunternehmen – zur Not auch auf einen chinesischen Investor.

    Damit SAAB nicht wieder so verkümmert wie unter GM, sollten vor allen Dingen europäische Automobilfirmen lieber außen vor bleiben.

  • Freue mich schon auf meinen neuen 9-3 mit Saab IQon 🙂

    Solange muss der jetzige noch fahren (was er denke auch wird :))

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