SAAB News: Gebot von Volvo und Perspektiven der Autoindustrie

Keine „Breaking News“ aus Schweden am heutigen Tag. Der Firewall der Administratoren steht und hält. Die Saab Interessenten, welche die Vertraulichkeitserkärung unterzeichnet haben, können im sogenannten „Darkroom“ Einblick in die kleinsten wirtschaftlichen Details nehmen. Es gibt Favoriten, sowohl beim Saab Management als auch bei mir. Aber ob wir unsere Wunschpartner bekommen ist aktuell nicht klar.

Ach doch, da war was. Fast vergessen. Volvo wird laut Pressechef Per-Ake Froberg ein Gebot für die Saab Konkursmasse abgegeben. Details sind nicht bekannt, aber auf das Thema Volvo kommen wir noch ausführlich zu sprechen.

In Schweden erinnert sich die Regierung der Automobilindustrie. Ja, da war doch was. Vor einem Jahr galt der Autobau als „old fashioned“ und damit als nicht attraktiv. Schweden sollte durch Wissen glänzen und Automobilproduktion galt als nicht zukunftsträchtig. In Stockholm denkt man um und wird die Autoindustrie mit 450 Millionen Kronen fördern. Für ein kleines Land eine große Summe. Ein Teil davon kommt auch Trollhättan und dem Innovatum zu gute. Ein Saab Mitarbeiter aus Schweden bezeichnete die Fördergelder als Willkommensgeschenk an einen Saab Investor. Wir werden sehen.

Nicht jeder Investor ist optimal. Der andere Autobauer aus Göteborg lernt gerade seine Lektion und schluckt bittere Pillen. Aktuell ziehen die ersten Wolken am Himmel des Volvo-Geely Ehe auf. Vor einem Jahr war man bei Volvo noch stolz auf den Firewall zwischen Schweden und China.

Der Firewall schwächelt und wird durchlässig. Die Pekinger Administration setzt ausländischen Autobauern die Daumenschrauben an. Volvo gilt, obwohl zu 100 % in chinesischen Besitz als ausländisches Unternehmen. In Zukunft werden die Ausländer nur noch dann geduldet, wenn sie mit den Partnern aus China gemeinsame Marken gründen und die Technologie allgemein zugänglich machen. BMW hat sich dem Wunsch der Bürokraten bereits gebeugt. GM tut dies ebenso und gründet mit Partner SAIC die Marke „Baojun“ welche Fahrzeuge mit älterer GM Technologie bauen soll.

Kommt Volvo den Wünschen nicht nach, dann wackeln die Neubauprojekte Chengu und Daquing. Im schlimmsten aller Fälle steht man mit leeren Fabriken ohne Betriebsgenehmigung da. Deshalb wird es auch für Volvo eine neue, gemeinsame Marke mit Geely geben. Schwedisches Wissen fließt nach China, die Marke soll zwischen Volvo und Geely Produkten eingeordnet werden.

Die Politik in China versucht seit Jahren das Chaos auf dem Autosektor zu kanalisieren. Chinesische Firmen sollen fusionieren, sich zu schlagkräftigen Konzernen zusammenfügen. Ein Wunsch der von mächtigen Provinzfürsten immer wieder unterwandert wird. Aktuell gibt es in China über 100 Automarken, viele davon mit so geringen Stückzahlen dass Saab im Vergleich wie ein Gigant wirkt. Eine eigene Automarke ist ein Imagefaktor für die Provinzen, die enormen Gewinne aus Bergbau und Stahlindustrie fließen in kleine, unrentable Marken.  Der lange Marsch der Chinesen an die Spitze der Autoindustrie kommt daher nur langsam voran.

Die aktuelle Ansage an die Autoindustrie ist klar. Geduldet wird nur, wer Wissen abgibt. Für Volvo ist es bitter und wer sich Illusionen über den wirtschaftspolitischen Kurs in China gemacht hat, der kann spätestens jetzt der Realität ins häßliche Gesicht blicken.

Was heißt das für Saab, sollte Youngman die Traditionsfirma aus Trollhättan übernehmen. „Was passiert, wenn die Bürokratie in Peking Saab als ausländischen Hersteller einordnet ?“ fragt auch Jonas Fröberg in seiner heutigen Kolumne. Die Antwort muss jeder für sich selbst herausfinden.

Der Autor hat seinen Favoriten, seinen Wunschpartner für Saab. Soviel ist sicher.

Text: tom@saabblog.net

11 Gedanken zu „SAAB News: Gebot von Volvo und Perspektiven der Autoindustrie

  • Ich weiß nicht, ob ich das schonmal hier als Kommentar abgegeben habe, aber ich denke, eine Übernahme von SAAB durch… nennen wie sie „die Westeuropäer“ wäre ein Projekt mit einer politischen Aussage. Nämlich der, daß Europa nicht auf China angewiesen ist, um kriselnde Industriebetriebe zu retten, sondern solche Aktionen durchaus selbst durchführen kann. Das könnte auch bei einigen Regierungen ein durchaus gewünschtes Signal sein, oder auf Unterstützer treffen. Leider hat sich die schwedische Regierung ja bis dato nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert, wenn es um SAAB geht.

    PS: Ich hab da noch einen Tip, wer der westeuropäische Konzern sein könnte. Ich tippe auf…

    … Gumpert.

    • …da schließe ich mal an…doch ich denke es sind die Trabant Werke (Horch )aus Zwickau ! 🙂

      Na dann…GEDULD und hoffen das es der Hersteller mit den drei Buchstaben ist…

      • Ja und hoffen dass es kein Chinese ist. Immer diese sch… Geduld 😉

  • alles falsch,….es…. die VOMAG aus Plauen 😉

  • Dachte auch an Sachsen-Power aber den von Emil Nacke, gleich hier ums Eck. 😉

    „Besonders wichtig war die Zuverlässigkeit der Fahrzeuge, wie etwa bei dem Nacke-Double-Phaeton 35 HP“…. würde ja auch gut zum neuen Saab stehen. 😉

    Andreas

  • Tom, wer dein Wunschpartner ist, das sollte uns allen klar sein. Aber wie Zuversichtlich bist du diesbezüglich?

    • Die Frage ist schwer zu beantworten. Ich bin mir sicher dass Saab verkauft wird und dass es weitergeht. Aber die Chancen für den Wunschpartner sind mehr gering. Das Rennen ist aber offen, vielleicht bekommen wir eine echte Überraschung im Endspurt…

      • eieieie, immer schön Unverbindlich bleiben 😉
        Für dich wäre es ja wohl keine Überraschung mehr, oder denkst du gar eine Konstellation welche bis anhin gar nie ausgesprochen wurde?

        • Alle lesen mit… 😉

  • Obwohl eigentlich bekannt ist, dass diverse Bieter vorhanden sind, gibt Volvo zusätzlich ein Gebot ab – dies wäre ja nicht weiter zu beanstanden, wenn es dem Bieter Volvo um die komplette Weiterführung ginge.

    Da dies nicht der Fall zu sein scheint und nur einzelne Konzernteile billig eingekauft werden sollen, bekommt die Sache einen sehr schlechten Beigeschmack. Volvo zeigt im Kern eine Sicht der Dinge wie General Murks – man möchte am liebsten, dass SAAB-Automobile als Konkurrent in Zukunft nicht mehr vorhsnden ist.

    Aus diesem Grunde sollte man künftig auch keinen Volvo kaufen – aber wie es sich abzeichnet, kommt man als SAAB-Enthusiast ja ohnehin nicht in die Verlegenheit ein anderes Fabrikat wählen zu müssen.

    D. R.

  • Ich glaube, ich habe mein Misstrauen in die chinesische Wirtschaftspolitik hier schon früher angedeutet, eine europäische Lösung wäre wünschenswert, auch den Indern gegenüber habe ich weniger Vorbehalte als den Diktatoren aus Peking!

    So, das musste mal ‚raus.

    Ich wünsche dem chinesischen Volk, sie könnten Ihre Meinung auch so „frei von der Leber“ äußern.

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