SAAB Backstage: Verhandlungen in Schweden

Mehrere schwedische Zeitungen haben heute das Thema Saab erneut aufgegriffen, was mir die Berichterstattung über die vergangene Woche erleichtert. Denn aktuell übe ich einen Spagat zwischen Vertraulichkeit und Publikation, so dass die nächsten sechs Wochen Informationen nur mit angezogener Handbremse an die Öffentlichkeit gelangen.

Eigentlich haben die Administratoren erst für die nächste Woche die heiße Phase der Bieterschlacht erwartet,  aber bereits in der vergangenen Woche wurden Angebote vorgelegt oder nachgebessert. Was aktuell auf dem Tisch liegt ist nicht der reine Konkurswert eines Unternehmens, es spiegelt den Wert des Markenkerns wieder. Vermutlich ist es erst der Anfang.

Pang Qingnian von Youngman nannte gegenüber dem Svenska Dagbladet einige Details. Youngman wird in die Entwicklung neuer Saab Modelle 12 Milliarden Kronen investieren. Auch in Euro umgerechnet ist das ein realer Betrag. Für Trollhättan gibt es eine Art Standortgarantie, denn er sieht dass reiche Chinesen Luxusautos aus dem Westen bevorzugen. Daher ist er sicher, dass auch in 5 Jahren Autos in Schweden gebaut werden.

Das Interview ist recht aufschlussreich und wer will kann es nachlesen. Denn der Youngman CEO erzählt auch über die Nacht vor dem 19. Dezember, über die NDRC und über GM.

Mehr zum Thema Saab 9-3 offenbart der Vater von Rachel Pang dabei erstmals gegenüber der Öffentlichkeit. Es ist möglich die 9-3 Baureihe mit Dieselmotor und Automatikgetriebe ohne GM Lizenz zu bauen. Was keine Überraschung ist, denn diese Baugruppen kommen nicht von den Amerikanern. Karosserieteile sind durch den Verkauf an BAIC belastet, könnten aber innerhalb weniger Monate so geändert werden dass es auch hier keinen Konflikt mehr gibt.

Der Saab 9-3 nur mit Diesel und Automatik? Also auch nur Frontantrieb und kein Allradsaab? Man sollte das als eine der Möglichkeiten sehen und als ein rein politisches Statement. Also cool bleiben. Das Problem von GM liegt nicht bei Motoren und Getrieben. Denn GM ist bereit weiter manuelle Getriebe und Benzinmotoren zu liefern. Hier wird aktuell über Komponenten verhandelt und der Ausgang ist offen. Vergessen sollten wir allerdings die Idee andere Benziner dritter Hersteller in den aktuellen 9-3 zu integrieren. Das ist ein Gedankenspiel, nicht mehr. Hier stehen die Kosten und die kurze Laufzeit der Baureihe in keiner Relation.

Interessant ist, was nicht in der Presse steht. Insider aus Schweden sehen mittlerweile ein klare Zeitschiene und sie sehen klare Favoriten. Ende März wird alles in trockenen Tüchern und geregelt sein. Das Rennen um Saab wird sich zwischen zwei Parteien entscheiden. Eine Partei aus China, eine Partei aus Indien. Brightwell gilt jetzt schon als abgeschlagen, da die finanziellen Möglichkeiten limitiert sind.

Möglich ist eine Kombinationslösung in irgendeiner Form von einem der Bieter mit einem anderen Unternehmen. Die Administratoren hatten diesen Begriff vor einigen Tagen gebraucht und eine Interpretation ist schwer. Mittlerweile haben mir schwedische Kreise den Hintergrund plausibel erklärt und der Plan ist gut. Ich stelle das mal so in den Raum, und es ist eine Lösungsmöglichkeit die Phantasie erfordert, aber die wir unbedingt im Auge behalten sollten.

Rachel Pang nimmt wieder Kurs auf Schweden. Bis Ende des Monats könnten die Vorverhandlungen abgeschlossen sein und es könnte in die Endverhandlungen gehen. Youngman und Mahindra sind die heißen Kandidaten. Natürlich habe ich auch meine Präferenzen und eine von beiden Parteien ist mir lieber als die andere. Aber das soll nicht das Thema sein.

Am 19. Dezember hatten wir unseren absoluten Tiefpunkt. Wir arbeiten uns langsam wieder ans Licht. Würde mich aktuell jemand fragen ob ich an das Überleben von Saab glaube, ich würde dies bestätigen. Saab wird eine neunen Besitzer finden, es wird neue Autos mit dem königlichen Greif geben.

Saab hat eine Zukunft. Die Saab Story geht weiter, in welcher Form auch immer.

Text: tom@saabblog.net

20 Gedanken zu „SAAB Backstage: Verhandlungen in Schweden

  • 20. Februar 2012 um 10:42 AM
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    es ist schon schwer ruhig zu bleiben, aber wir sind nunmal nur zaungäste! und alles was jetzt passiert ist theater und nebelkerzen zünden. wenn es entscheidungen gibt dann wird man auch sehen wozu gm bereit ist, vorher nicht. eine kombinationslösung hat auch was, das kann für den interessenten aus asien und den aus europa vorteilhaft sein

  • 20. Februar 2012 um 10:44 AM
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    Hallo Tom, in deinem heutigen Beitrag lässt du “deinen” europäischen Mitbewerber (Hersteller) unerwähnt! Wieso? Hab ich da was verpasst?

  • 20. Februar 2012 um 10:45 AM
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    Interessant! Das klingt doch schon mal ganz positiv!

    Unter den beiden Favoriten ist der “westeuropäische” Undercover-Bieter gar nicht mehr dabei! Weisst Du diesbezüglich näheres?

    • 20. Februar 2012 um 10:53 AM
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      Doch, doch, der ist noch da. Stichwort “Kombinationslösung“…

      • 20. Februar 2012 um 12:57 PM
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        Also wird der westeuropäische Konzern (soweit gesichert?) Prpfldpt zusammen mit dem ausländischen Unternehmen Krjsxkrtsl bei SAAB tätig werden, und man dort gemeinsam Produkte bauen, für die sich Krjsxkrtsl schon länger interessiert?

  • 20. Februar 2012 um 10:46 AM
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    Ups – sorry, haben wohl beide zur selben Zeit gepostet! 😉

  • 20. Februar 2012 um 11:11 AM
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    İst das gut für die Saab-aktie, die Swedish Automobile besitzt?
    Bitte um antwort! Danke.

    • 20. Februar 2012 um 12:55 PM
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      Da du scheinbar in jedem Thread diese Frage stellst mal eine Gegengfrage: Welche Aktien besitzt SWAN an Saab Automobile? SWAN hatte vor der Insolvenz Aktienmehrhet. Saab Automobile AB wird aktuell von den Insolvenzverwaltern vermarktet. Da hat dann weder GM (Vorzugsaktien) noch SWAN Aktien an der neuen Saab Automobile AB.
      SWAN hat Aktien in Spyker. Hilft das weiter?

      • 20. Februar 2012 um 2:07 PM
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        Stimmt. Nur wenn die Quote über 100 Prozent liegt bekommt SWAN was ab. Aber dann muss erst VM und Tenaci bedient werden. Die Aktionäre bekommen nicht. Aber die sind ja immer noch an Spyker, dieser tollen Marke beteiligt.

  • 20. Februar 2012 um 11:34 AM
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    Klingt ja ganz positiv.Beeindruckend ist ja,dass Saab erst in Insolvenz gehen mußte, bevor so richtig Bewegung in die Sache kommt.
    Es bleibt also spannend.

  • 20. Februar 2012 um 11:58 AM
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    Sehr gut! You make my day!

  • 20. Februar 2012 um 1:12 PM
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    Ein Lichtstreif am Horizont?

    • 20. Februar 2012 um 1:51 PM
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      Mehr als ein Lichtstreif – die bisherige Dauer der “Behandlung” durch Youngman-Lotus sollte eigentlich sicherstellen, dass sämtliche Möglichkeiten zur Gesundung des Patienten ins Kalkül gezogen wurden.

      Auch die Rehabilitation sollte mit 12 Milliarden Kronen gut gelingen!

      Ob die Behandlungsmöglichkeiten aus Indien dies noch übertreffen könnten, bleibt abzuwarten – hier sind Einzelheiten noch nicht an die Öffentlichkeit gedrungen.

      Viele Grüße aus Hamburg

  • 20. Februar 2012 um 1:52 PM
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    hm,danke für den Link auf den Zeitungsartikel. Interessiert mich schon, was in der ncht zum 19.12.2011 geschah. Mein Schwedisch ist leider genauso gut wie mein Suaelisch, beides geht stark gen null.kann mit jemand kurz sagen was war-außer dem Konkurs?

  • 20. Februar 2012 um 5:12 PM
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    SAAB mur mit Dieselmotoren und Automtik gibt bestimmt eine geringe Produktion. SAAB braucht einen starken Turbo Benziner. Viele meiner Freune mögen keine Automatik 🙁 Hoffentlich gibt es eine Einigung zur Motorenlieferung.

  • 20. Februar 2012 um 11:45 PM
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    also ich besitze eine Saab 9-3 Cabrio Aero mit Automatik, Benzinmotor und Hirsch Tuning aus der letzten Serie, und es würde mich freuen bis in ein Paar Jahren einen Saab 9-3 Cabrio Aero mit Automatikgetriebe und Dieselmotor kaufen zu können.
    Freundliche Grüsse aus der Schweiz

  • 21. Februar 2012 um 9:55 AM
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    Die jetzt in Trollhättan eingeschlagene Richtung sieht doch gar nicht so schlecht aus.

    Professor Dudenhöffer (angeblicher Autoexperte) hat im “pressetext” umgehend sein Geschwätz dazu abgesondert – u. a. behauptet der sog. Experte, der schon sehr häufig völlig daneben lag, dass Youngman-Lotus sehr unzuverlässig wäre und keine klare Strategie hätte. Das mit der Unzuverlässigkeit wäre eigentlich schon mal Grund, eine Klage wegen übler Nachrede einzureichen –
    das mit der Strategie kann er in keiner Weise beurteilen (gerade dem wird man kaum Einsicht in irgendwelche Verhandlungsunterlagen gewährt haben). Einfach nur unmöglich diese Type!

    D. R.

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