SAAB Notizen aus Schweden

Gestern war Hamburg angesagt. Eigentlich nicht Hamburg, sondern Halstenbek. Bevor ich über den Saab Event im Norden berichte, kommen erst einmal die Wirtschaftsnachrichten. Erst die Pflicht, dann die Kür. In Schweden wird am Saab Verkauf gearbeitet, aber es geht nur langsam voran. Die Herausforderung liegt im Detail, wie ein schwedischer Freund erzählte.

Es gibt nicht nur die Minen aus Detroit, auch das Erbe der kurzen Spyker/Swedish Automobil Herrschaft hat es offenbar in sich. Als “chaotisch” wird die Hinterlassenschaft bezeichnet, welches ein Heer von Anwälten und Wirtschaftsprüfern jetzt zu sichten hat. Da ist der teilweise Verkauf der Immobilien, da ist das Problem der PhoeniX Plattform. Teile davon wurden übereignet für Kredite. Die Liste ist lang, aber bis Ende des Monats soll die Lösung greifbar sein.

Gestern hat sich Mahindra & Mahindra über mehrere heimatliche Publikationen zu Wort gemeldet. Saab würde gut in die langfristige Entwicklung des Konzerns passen, denn Saab hat, was Mahindra fehlt. Defizite im Vertriebsnetz und in den Entwicklungsstrukturen könnten ausgeglichen werden. Mahindra & Mahindra bleibt dran.

Nächste Woche, rechtzeitig zum Finale,  kommt Youngman zurück nach Schweden, um die Verhandlungen fortzuführen. Gestern vermeldeten einige Quellen Verhandlungen von GM über die Saab Lizenzen. Eine Information, die uns nicht bestätigt wurde. Aber wer weiß schon, was in Detroit wirklich geschieht. Aktuell ist man bei den Amerikanern dabei, die deutsche Tochter zu versenken.

Thomas Sedran, Unternehmensberater von Saab Abwickler Alix Partners, tritt in den Vorstand ein. Was pikant und vielleicht auch praktisch ist, denn damit sitzt der Inquisitor schon in der Chefetage. Aktuell durchforsten 200 Opel-Mitarbeiter alle Baugruppen nach Einsparmöglichkeiten. Materialkosten müssen runter, Ausstattungsdetails werden gestrichen.  ( An dieser Stelle meinen Dank an Bernd für die Presseinfos! )

So gehen die Defizite kurzfristig runter, die Gewinne steigen. Dann kommen steigende Aufwendungen für Kulanz und Garantie, und am Ende laufen die Kunden in Scharen davon. Die Marktanteile sinken, die letzten Werke werden dicht gemacht. Der ewige Zyklus der Amerikaner. Wem dies bekannt vorkommt, der versteht, was Saab die letzten Jahre mit GM durchgemacht hat. Die deutsche Presse tituliert Opel mitlerweile als Zombie Konzern. Nicht gerade hilfreich für Rüsselsheim.

Zurück zu den Saab Investoren. Um Brightwell ist es ruhig, und unser Interessent mit dem Codenamen “X” arbeitet sich durch die Hinterlassenschaften von Victor Muller. Keine Breaking News, aber wir sind hautnah dabei.

Im nächsten Artikel geht es um positivere Dinge und vor allem um den wahren “Saab Spirit”.

Text: tom@saabblog.net

2 Gedanken zu „SAAB Notizen aus Schweden

  • Das kommt mir alles sehr bekannt vor bei Opel… erinnert sich noch jemand an die Geniestreiche des Ignacio Lopez?

    Wie kann man nur so wenig aus den eigenen Fehlern lernen… daß Opel schon früher nicht unbedingt davon profitiert hat, daß man bei Zulieferteilen und Ausstattungsmerkmalen gespart hat, sollte bei GM eigentlich bekannt sein. Und trotzdem versucht man’s mit der gleichen Masche noch einmal. Soll Opel dann bald gegen Chevrolet im Wettbewerb um die billigsten Autos antreten?

  • Wollte IL nach der VW-Ära nicht sogar ein eigenes spanisches (oder war es sogar baskisches) Auto bauen?
    tzz tzz tzz

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