Mahindra & Mahindra Angebot für Saab & e-Träume in Schweden

Heute beginnt es unübersichtlich zu werden, immer mehr Interessenten für die Saab Hinterlassenschaft erscheinen auf der Bühne. Gestern hat Mahindra & Mahindra ein Angebot für Saab vorgelegt über das keine weiteren Details bekannt wurden. Denn auch die Inder haben eine Abkommen mit den Verwaltern, welches Vertraulichkeit garantiert. Während dessen scheinen die Schweden in einen regelrechten Elektroauto Hype zu verfallen und es könnte gefährlich werden für die Automobilfabrik in der Stallbacka.

Mahindra & Mahindra wollen nach zuverlässiger, aber unbestätigter Quelle e-Mobilität in Schweden bauen. Ich habe meine Zweifel an dieser Aussage, akzeptiere aber bis auf weiteres dies als Tatsache. Eine schwedische Bietergruppe meint Dagens Industri ausgemacht zu haben. Diese E-Mobilitätsgruppe soll aus Unternehmen des Innovatums, Volvo, Semcon und der staatlich gelenkten Fouriertransform bestehen. Gemeinsam mit Panasonic, als Batterielieferanten, plant man den Bau von Elektroautos im Saab Werk.

Dafür gibt es jede Menge staatliche Unterstützung und Subventionen sind bereits in Aussicht gestellt. Hmm.

Lehnen wir uns kurz zurück und reflektieren wir die Situation. ANA – der Saab Händler in Trollhättan beginnt mit der Produktion einer Nullserie des Z-Bee.  BAIC/Panasonic planen den Bau eines Elektroautos, basierend auf Saab Technologie in der Stallbacka. Alle etablierten Autoproduzenten werden in den nächsten 24 Monaten mit mehr oder minder begehrenswerten Fahrzeugen das Thema E-Mobilität abdecken. Ein Überangebot wird auf einen recht kleinen Markt treffen, der sich erst in den nächsten Jahren entwickeln wird. Wer braucht ein Joint Venture aus Schweden, welches noch ein Produkt zu diesem Thema bringen wird ?

Lars Holmqvist, CEO der Zuliefervereinigung CLEPA bringt es auf den Punkt. Gegenüber DI brachte er seine Sorge zum Ausdruck, dass die E-Auto Aktivitäten auf Kosten der Arbeitsplätze gehen würden. Er hält es schlicht für dumm ein Geschäft aufzubauen, welches nur auf der Hoffnung auf entstehende Märkte basieren würde.

Damit hat Holmqvist das ausgedrückt, was die Realität wiederspiegelt. E-Mobilität ist eine Lösung unter vielen, wie wir uns in Zukunft fortbewegen werden. Es ist ein Zusatz- und Ergänzungsprodukt für eine konventionelle Automobilfabrik. In Schweden beschreitet man ein ganz schmalen Pfad, macht man die Zukunft der Arbeitsplätze daran fest.

Seltsam nur dass Saab keine Unterstützung vom Staat erhalten hat, als das Unternehmen noch zu retten war. Saab e-Power war reif für die Serie und das Konzept um das sich jetzt viele Bieter balgen war förderungswürdig. Nein, bitte jetzt keine Verschwörungstheorien. Konventioneller Automobilbau war und ist für die Regierung in Stockholm nicht interessant. E-Mobilität hingegen schon. Das ist schick, macht gute Presse und zeigt Schweden, wie Politiker das Land sehen wollen. Als Speerspitze für innovative Technologie. Politiker Träume eben.

Nein – ich bin kein Feind von Elektroautos. Auf meinem Tisch liegt seit einiger Zeit ein Prospekt einer wirklich tollen Geschichte, welche über das I-Phone konfigurierbar ist. Wen Zeit ist, erzähle ich mehr davon. Ich bange nur um die Zukunft der Arbeitsplätze in Trollhättan und denke die einseitige Ausrichtung auf diese Technologie birgt zu viele Risiken.

Ruhig ist es um Youngman und Brightwell geworden. Lars von “Phoenix – A Future for Saab” ist sich sicher dass die Chinesen noch in Schweden sind. Was gut klingt, denn nach der abgesagten Pressekonferenz ist von Rachel Pangs Delegation nichts mehr an die Öffentlichkeit gekommen. Auch bei Brightwell herrscht mysteriöse Ruhe. Der türkische Investor, welcher Ex-Saab CEO Muller als Berater hat, will in dieser Woche ein Gebot plazieren.

Keine Details zu den Verhandlungen gab es in der Telefonkonferenz mit den Verwaltern die heute um 09:00 stattfand. Nur zwei Dinge, die relevant sind für unsere automobile Saab Seele, wurden besprochen. Zum einen bekräftigte man dass der Komplettverkauf das oberste Ziel sei. Zum anderen bezeichnete Bergqvist es als wörtlich “bullshit” dass man den Prozess in die Länge ziehen wolle um mehr Gebühren zu kassieren.

Nun denn. Die Worte hör`ich wohl – und wenn wir nicht bis Mitte April weiter bangen müssen, dann ist bei einem Happy End,  Hans L. Bergqvist unser Freund. In diesem Sinne…

Text: tom@saabblog.net

7 Gedanken zu „Mahindra & Mahindra Angebot für Saab & e-Träume in Schweden

  • Hi Tom, etwas schneller wäre in der Tat besser. Soviel Nervenkitzel braucht kein Mensch !

  • Das mit der Produktion von E.-Autos mehr als die ursprünglich von Youngman-Lotus anvisierten 1000 Arbeitsplätze entstehen könnten, möchte ich hiermit stark anzweifeln – ebenso, ob hiermit eine dauerhafte Sicherung von Arbeitsplätzen überhaupt erzielt werden könnte (weltweit springen zum Teil große Konzerne auf diesen Zug auf). Es wäre also Neuland und höchstwahrscheinlich wesentlich schwieriger umsetzbar als ein Traditionsunternehmen mit bekannten Produkten wieder “flott” zu machen.

    Nunmehr sind ja auch fast alle Gebote von möglichen Investoren, die bisher in der Schwebe waren, bei dem Verwalter-Trio angekommen – demnach müßte auch bald mal sichtbar werden, wer die neuen Eigentümer von SAAB-Automobile sind (Lieblingsstichwort von Bergqvist: Komplettverkauf)!

    Übrigens, gibt es etwas vom bisher unsichtbaren westeuropäischen Bieter zu berichten?

    Viele Grüße aus der Hansestadt Hamburg
    Joachim

  • Die E-Gedankenspiele, als solche würde ich sie bezeichnen, halte ich für gewagt und im Augenblick realitätsfremd. Und ja, es keine Marktlücke und auch keine Nische, die SAAB damit besetzen würde. Panasonic, als möglicher Batterielieferant, hat ziemliche finanzielle Sorgen, wie gestern der Wirtschaftspresse zu entnehmen war.

  • Wenn ich die ganzen E- Träume lese, frage ich mich, wie kalt es wohl gerade in Schweden ist.

    • Ganz genau . E-Autos was soll das ? Ist ja schön wenn man zu diesem Thema auch was anbieten kann , aber sollten in Trollhättan künftig nur noch E-Autos gebaut werden , dann sollte da bitte auch nicht mehr Saab drauf stehen , denn das ist nicht Saab . Saab ist Turbopower und Fahrspass vom Feinsten

      • Wenn es möglich ist, E-Autos mit Fahrspass zu bauen dann können sicherlich die Leute bei Saab das machen. Aber du hast recht, ohne Benzin- und E85-motoren wird Saab nicht mehr Saab sein. Wenn wahre Saabs nicht mehr gebaut werden, dann soll auch nicht die Name mehr verwendet werden.

  • Entscheidend ist doch sicherlich, welcher Investor die größten Investitionen tätigt (einschließlich Kaufpreis) und mit welchem Programm die meisten Arbeitsplätze entstehen könnten – beide Punkte dürften kaum mit einem Investor zu erfüllen sein, der lediglich den Bau von Elektrofahrzeugen anstrebt. Also für die Verwalter eigentlich nicht das Ziel – hier wird nach wie vor vernünftigerweise eine Komplettweiterführung durch einen finanzkräftigen Investor favorisiert – das brächte mit Sicherheit auch die meisten Arbeitsplätze.

    Gibt es neue Infos zum europäischen Investor? Damit meine ich natürlich nicht die Schnäppchenjäger um Semco & Co.

    Julie

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