Youngman unterwegs im Saab Minenfeld

Schon wieder, oder immer noch entscheidet GM über die Zukunft des schwedischen Autobauers. Auch ob Youngman erfolgreich im Bieterrennen sein wird hängt davon ab. Reden wir also noch einmal über die GM Technologie Lizenzen und über den Saab 9-3. Wer finstere Mächte und Verschwörungen hinter dem Verhalten von GM sehen möchte, der wird allerdings enttäuscht sein.

Denn hinter der Lizenzproblematik steckt eine einfache Idee von GM um Kosten zu senken und Rechte einfacher zu verwalten. Im Jahr 2005 fasste GM das relevante geistige Eigentum aller Unternehmen in einer einzigen Organisation zusammen. Die “Global Technology Operations” ist damit für alle Marken im Reich der Amerikaner zuständig und verwaltet die Rechte nicht nur für Saab sondern auch für Opel, Cadillac und alle anderen Fabrikate. Alle Rechte an Fahrzeuge die nach 2005 konstruiert wurden sind damit im Eigentum der GTO.

So weit, so gut. Denn der Saab 9-3 den Youngman bauen möchte, ist eine Konstruktion welche vor dem Stichtag entstand. Damit wäre der 9-3 ein echter Saab, der im schwedischen Eigentum ist. Leider hat Saab die Rechte am alten 9-5 und am 9-3 nach China verkauft. Der Vor-Facelift 9-3 ist damit im Besitz von BAIC und da unstrittig der aktuelle Saab 9-3 auf seinem Vorgänger basiert, hat BAIC eine wichtige Rolle in den Vertragsverhandlungen.

Der Verkauf der Plattformen an die Chinesen sorgte zwar für volle Kassen in Trollhättan. Aber die Chancen wurden nicht genutzt und das Unternehmen schlecht geführt. Aus vollen Kassen wurden Schuldenberge und die heutige Situation ist das Resultat einer Kette falscher Entscheidungen.

Aktuell scheinen die Auswirkungen des Plattform – Verkaufs fatal zu sein. Die Konkursverwalter bestehen beim Youngman Einstieg auf die Zustimmung von GM und BAIC. Eine Entscheidung die verständlich ist. Denn man will um jeden Preis verhindern dass Saab nach dem Konkursverfahren in das nächste Desaster gerät. Es ist hart, aber ich stimme dieser Haltung zu. Denn Katastrophen hatten wir bereits genung und ein Ende mit Schrecken wäre besser als ein Schrecken ohne Ende.

Youngman hat am Sonntag Details über das niedrige Angebot durchsickern lassen. Es sei nur als Einstieg in die Verhandlungen zu verstehen, keinesfalls bindend oder endgültig. Als Reaktion der Administratoren wurde die Einstellung zur Lizenzproblematik durch eine mit dem Prozess vertraute Person gestreut.

Klare Signale. Die Youngman Reaktion kam am Morgen. Die Pressekonferenz in Stockholm, geplant um die Einstiegspläne zu erläutern, wurde abgesagt.

Ob die Youngman Delegation jetzt in den Flieger nach Peking steigt, wir wissen es nicht. Wie GM und BAIC zur 9-3 Problematik stehen ist unklar. Möglicherweise könnte GM zustimmen, BAIC wird aber ablehnen, so ein Insider. BAIC möchte mit Partner Panasonic E-Autos in Trollhättan bauen. Youngman ist ein Hindernis dazu. Entsorgt BAIC die Landsleute von Youngman über die Lizenzgeschichte ? Ober einigen sich die Chinesen auf Druck von politischer Seite?

Es ist ein Krimi und wir sind nur die Zuschauer. Wie immer, bleiben wir entspannt. Wir haben unsere Saabs, die bei guter Pflege sehr langlebig sind. Die Ersatzteilversorung ist gesichert und man hört nur gutes über die Entwicklungen aus Nyköping. Die Story ist noch nicht am Ende. Wir sind mittendrin.

Updates folgen.

Text: tom@saabblog.net

3 Gedanken zu „Youngman unterwegs im Saab Minenfeld

  • Hört sich für einen Montag Morgen mal wieder viel zu deprimierend an. Wenn nun Youngman auf einmal doch wieder auf GM und dazu noch auf Baic angewiesen sein soll wird das mit den Chinesen wohl nix mehr . Brightwell habe ich mit ihrem Glauben an die Ami`s eh schon abgeschrieben und von den Indern hört man auch nichts gescheites. Nun wär es nun wirklich an der Zeit , dass der große Unbekannte mal aus dem Schatten springt und sich als großer Retter der Saabfahne feiern lassen kann.

  • Hallo Tom,

    in Deinen neuesten Infos ist einerseits davon die Rede, dass der 9-3 nicht durch GM-Lizenzen behaftet ist – andererseits besteht das Verwalter-Trio aber auch auf “grünes Licht” von GM. Wie passt das denn zusammen? Hat man hier schon derart Angst vor GM, dass sogar Wohlwollen erbettelt wird, wenn dies offiziell eigentlich gar nicht von Nöten wäre?

    Fehlt es hier womöglich an Selbstsicherheit gegenüber den durchtriebenen Amerikanern? Vielleicht sollte man es einfach mal darauf ankommen lassen – mal sehen was passiert….

    BAIC ist natürlich eine andere “Baustelle”. Wir alle kennen die Verträge nicht, die damals mit BAIC geschlossen wurden – vielleicht gibt es ja doch noch Möglichkeiten, mit diesem Konzern eine einvernehmliche Lösung zu erzielen.

    Joachim

    • Es gibt die Grauzone was mit den Motoren und Getrieben von GM passieren wird. Die Konkursverwalter wollen sichergehen dass GM auch hier die Versorgung in Zukunft garantieren würde.

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