Saab Situation: Es bewegt sich was in Trollhättan

Das Jahr ist noch jung und in Deutschland wie in Schweden erwacht erst mit der nächsten Woche das wirtschaftliche Leben zur vollen Aktivität. Für Saab werden die nächsten Wochen alles entscheiden und in Schweden bewegt sich was.

Angeblich ist gestern eine Delegation von Youngman auf die Reise von China nach Stockholm gegangen und soll bald in Trollhättan eintreffen. Noch immer haben die Chinesen ihre Saab Aktivitäten laufen, auch wenn es etwas ruhiger um das Team von Rachel Pang geworden ist. Offiziell ist von Youngman keine Stellungnahme zum Verhandlungsverlauf verfügbar…mir scheint es, dass die Käufer aus der Volksrepublik etwas in der Defensive sind.

In die Offensive hingegen ist die türkische Brightwell Holding gegangen. Zamier Ahmed, Sprecher der Holding, macht einen guten Job und wirbt in den Medien für seinen Arbeitgeber. Saab möchte man komplett übernehmen, das große Erbe der Marke bewahren und die schwedischen Wurzeln respektieren, so die Kernaussage verschiedener Aktivitäten am gestrigen Tag.

Zum Standort Trollhättan steht man – aber in wieweit man dort in Zukunft Produktion und Fertigung betreiben wird, das könne man erst sagen, wenn man die Kostenstruktur von Saab genauer analysiert habe. Einiges werde man in der Zukunft sicher auf eine andere Weise und kostengünstiger produzieren müssen.

Kritik kommt von Zamier Ahmed an Saab CEO Victor Muller. Nicht direkt, dafür ist der Brightwell Sprecher doch zuviel Profi. Er vermeidet dies, bringt statt dessen eine Metapher. Muller war nicht der richtige Mann, denn …wenn man Herzbeschwerden hat, dann muss man zum Kardiologen und nicht zum Orthopäden…” Und er stellt klar: Saab war in der letzten Zeit einfach schlecht geführt.

Tilter E-Mobil von der Brightwell Holding
Tilter E-Mobil von der Brightwell Holding

Dann überrraschte uns die Brightwell Holding. Ja, sagte Zamier Ahmed, wir haben Erfahrung im Automobil Bau. Er nennt Aktivitäten für Ford, Land Rover und Jaguar, und er erzählt von Anteilen, die Brightwell an Tilter hält. Seit 2010 ist man an dem Hersteller für Elektroautos beteiligt. Tilter will in diesem Jahr die ersten Fahrzeuge ausliefern.

Bekommt Brightwell die Erlaubnis von GM, Autos in Lizenz zu bauen ? Zamier Ahmed ist davon überzeugt. GM möchte keine Konkurrenz in China, er sieht einen klassischen Interessenkonflikt für jeden chinesischen Investor. Für Brightwell ist China nicht von so starkem Interesse. Die ersten Gespräche der Brightwell Holding mit den Herren und Damen vom Potomac waren jedenfalls in freundlicher Atmosphäre.

Gut, egal, wer die möglichen Käufer auch sind. Jetzt ist es an der Zeit, einen Gang höher zu schalten. Der Konkursverwalter soll gestern die blauen Briefe an die Mitarbeiter auf den Weg gebracht haben. Der größte Teil der mehr als 3.500 Mitarbeiter steht damit in Kürze ohne Beschäftigung da, und es wäre wichtig, sich die besten Köpfe zu sichern. Das scheint das Konkursverwalter Team ebenso zu sehen und unbestätigte Informationen aus Schweden besagen dass der Verkauf, wenn er denn erfolgreich und komplett über die Bühne gehen würde, sehr schnell stattfinden wird.

Auch für das Saab Museum wäre es an der Zeit, dass man es für die Nachwelt sichert. Zwar gehen immer neue Fürsprecher in Stellung und meinen, der schwedische Staat solle rettend eingreifen. Aber konkret ist man mit dem Erbe der Industriekultur in Västragötland noch nicht weiter gekommen.

Ur Saab Saab Museum
Ur Saab Saab Museum

Dabei scheint so  manchem Schweden nicht klar zu sein, was da in Trollhättan im Museum steht. Der Ur-Saab und lückenlos die komplette Geschichte des Autobauers. Und auch der Saab 92, nur ein Beispiel unter vielen.  Er ist eine Ikone für modernes Industriedesign.

Der Saab 92 und sein Schöpfer Sixten Sason haben es in die wichtigsten Museen der Welt und in das Nachschlagewerk “Phaidon Design Classics” geschafft. Dort werden die 999 besten Produkte von 200 Jahren Industriekultur aufgeführt. Ein Ritterschlag für Sason und Saab !

Zeit für etwas schwedischen Nationalstolz. Zeit, dass sich etwas bewegt….in Trollhättan.

Text: tom@saabblog.net

13 Gedanken zu „Saab Situation: Es bewegt sich was in Trollhättan

  • Moinmoin.

    Ich bin gespannt auf diese Wochen, ob sich doch noch etwas tut und “wir” irgendwie überleben.

  • Man darf wirklich gespannt sein. Auf jeden Fall macht das Team der Konkursverwalter auf mich einen sehr professionellen Eindruck. Das man derzeit nicht viel erfährt, beruhigt mich eher im Vergleich zu der Phase vor dem Konkurs.

  • Mit Schweden und deren Mentalität habe ich überhaupt keine Berührungspunkte gehabt, ausser dass sie gute Autos bauen, usw. Leben und arbeiten und denken denn die Menschen dort als wären sie in einer Art “Unterobertraversendorf” wo die Moderne erst vor 12,45 Jahren begonnen hätte. Denen sind das Museum, das Werk, die Tradition, die Weltmarke, die Mitarbeiter, alles völlig egal. Offenbar sind die fahrlässig gleichgültig, kann einfach nicht wahr sein. Wie man sieht hat kein europäischer Staat zugelassen, dass neuerdings Autohersteller den Bach runter gehen, von den Amis ganz zu schweigen. Ich nehme an, dass ginge es um eine Votkafabrik, würde man schon Lösung gefunden haben.

    Um das ganze zu verstehen, müsste uns (nur die ahnungslosen) mal über die schwedische Einstellungen und Vorgehen mal aufklären.

    Achmet oder Rachel – go, aber schnell !!

    • ……Vodkafabrik…….

      • Eher ” Aquavit “

  • Hallo Tom,

    das sind doch vorerst gute Nachrichten. Ich wage wieder ein wenig hoffen zu dürfen. Bitte halte die Saabgemeinde weiter auf dem Laufenden!!

    Beste Grüße aus Sachsen

  • ganz ehrlich, mir sind die Türken lieber als die Chinesen.

    Noch lieber allerdings wäre mir persönlich Mahindra aus Indien. Wenn diese Firma ähnliches im Sinn hat wie Tata mit Jaguar, dann würde SAAB ganz bestimmt eine rosige Zukunft beschert werden.

    Die Türken können ganz gute Autos bauen, wie den aktuellen Ford Transit und viele mehr.

    Den Chinesen traue ich nicht über den Weg, die maschieren zu schnell und zu eifrig.
    Was ist, wenn Youngman das SAAB-Know-How und die Phoenix-Plattform vereinnahmt und umgesetzt hat?
    Interessieren dort die Namensrechte und die Fortführung des Namens SAAB wirklich?

    Ausserdem hätten solch phantastischen Autos wie der 9-5 II und der 9-4X ein Leben verdient !!!

    Und da geht nunmal kein Weg an GM vorbei. Leider, aber so isses nun mal.

    Aber ändern können wir, die hier gespannt Lesenden, sowieso nichts. Nur hoffen.

    Übrigens: auch an Tag 3 mit meinem neuen 9-5II 2,0T Automatik wächst die Begeisterung von Kilometer zu Kilometer 🙂

    Schöne Grüße aus Kirchen an der Sieg

    • Unglaublich!
      In meiner Nähe gibt es tatsächlich einen Saab 9-5 II Fahrer.
      Da muss ich die nächsten Tage, wenn ich zur Schule fahre (BBS Betzdorf-Kirchen), mal genauer schauen wer auf den Straßen unterwegs ist. 🙂
      LG Edik

      • Hallo Edik,
        ja, in Kirchen gibt´s einen 9-5 II seit letzten Dienstag. 🙂
        Ich fahre noch nicht viel mit dem Schönen, weil die Winterreifen noch fehlen…
        Kannst aber gerne mal vorbeikommen!
        Ich bin Inhaber vom KFZ-Pfandhaus-Sieg im Ortsteil Kirchen-Brühlhof.
        SG
        Klaus

  • Bei Herzproblemen sollte man zum Kardiologen gehen (lt. Aussage von Zamier Ahmed)….

    Hoffentlich ist die Klinik von Dr. Brightwell auch so ausgestattet, dass dort wirklich eine gute und umfassende Behandlung des Patienten erfolgen könnte – hier habe ich unter Berücksichtigung meines bisherigen Kenntnistands allerdings leichte Zweifel.

    Eigentlich stimme ich Klaus 9-5 II zu – ein Konzern wie Mahindra wäre wohl insbesondere wegen der finanziellen Möglichkeiten die bessere Alternative.

    Joachim

  • Zugegeben: Meine Aussage wegen den Autoteppichen aus der Türkei war etwas zynisch. Wieso eigentlich nicht ein Eigentümer aus dem Abendland? Die Türken sind fabelhafte Kaufleute und schlau. Mit den Amerikanern verstehen sie sich nicht schlecht (Hoffe ich zumindest). Wichtig wäre doch ein standhafter und etablierter neuer Eigentümer der SAAB-Automobilsparte, welcher auch an die Produkte und die Firmenkultur glaubt.

  • Hallo zusammen
    Ich bin jeden Tag im Saabblog und hoffe jeden Tag, dass eine Gute Nachricht auf meinem Bildschirm erscheint.
    Und heute ist so ein Tag. Ich fahre meinen 9-5 Vector aus Uebezeugung und ich kaufe mir in Zukunft kein anderes mehr. Go TROLLS!!

    P.S. In der Schweiz hat es letzte Woche viel geschneit. Ich zog einen Volvo v70 den Berg hinauf!!! Mit meinem SAAB !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

    Viele Grüsse aus der Schweiz

  • Gut gebrüllt, Löwe.

    Natürlich wird man analysieren müssen, was nach dem verheerenden Mediendesaster noch übrigbleibt. Man sollte daher auch nicht zu blauäugig sein was den Neuwagenkäufer angeht. Die Marke an sich hat schwer gelitten.

    Saab als Autobauer (Automanufaktur, um genau zu sein) war von Anfang an ein Verlustgeschäft. Weder die “Maman d’Origine” (also Saab Aero) noch einer der Nachfolger (neben GM übrigens auch eine der reichsten Dynastien Schwedens, der Wallenberg-Clan mit Scania) haben bis heute wesentliche Gewinne eingefahren. Manche sogar mehr Verlust als Gewinn.
    Das ist ein knallhartes Geschäft.

    Zu Viel des Guten? Sicherlich. Ich habe nie ein besser ausgestattetes Auto gefahren – bis GM kam.

    Wirtschaftlich? Solange Saab Aero dahinterstand war das ideologisch.

    In heutigen Zeiten? Zumindest anzweifelbar.

    GM hat da an Know-How und Patenten alles rausgezogen und gesichert was ging.
    Der Rest wird abgestossen, als nicht wirtschaftlich führbar.
    (Ich habe nicht den Begriff “Heuschrecke” gebraucht, wie Sie beifällig zur Kenntnis nehmen wollen)

    Wir wollen wohl hier nichts falsch verstehen – ich bin sehr grosser Liebhaber und Fan, aber in Zeiten globaler Vernetzung, Produktion und Absatzmärkte *muss* man einfach wirtschaftlich denken.
    Das war nie wirklich eine Stärke von Saab.

    Mir war das egal, die bauen geile Autos.

    VM war mit Plan B und Plan C zum Beispiel auch nicht notwendigerweise der schlechte Ansatz.
    Mag sein, er hatte vielleicht die falschen Kontakte, hat das zulange geheimgehalten, und er hat auch die generelle Situation (Patentrechte z.B.) meiner Meinung nach falsch eingeschätzt. Denn damit hat GM ihm letzlich das Genick gebrochen.
    ABER: Er hat zumindest was bewegt, und auch sein Bestes gegeben, soweit das möglich war. Das sollte man, auch nach all den schlechten Nachrichten, anerkennen.

    Ich hielte es z.B. für eine gute Idee, sich mal zu kontakten, und einen spontanen Home-Run nach Trollhättan zu machen.
    Einfach so.

    Ein paar Aufkleber sind schön, aber die reichen nicht.
    Und: Local Heroes sind ja immer nur Wenige. Man trifft sich, die lokale Presse ist da, morgen fällt in China ein Sack Reis um.
    Aber da muss dann auch mal was passieren.

    Saab-Fans und Saab-Clubs gibt es ja genügend auf dem Kontinent. Nur mal von Präsi zu Präsi rummailen wer interessiert ist, wer kann, wer mitfährt.

    Wenn da mal eine riesige Kolonne Richtung Schweden ins Rollen käme, das wäre nicht nur eine klare Ansage.
    Das würde auch den Leuten, die da ihr Leben machen und (zumidest teilweise) von Saab gelebt haben mal konkret was bringen.
    Ich meine damit Restaurants, Frittenbuden, Hotels bla bla. Man muss ja seine Grundbedürfnisse befriedigen: Essen, Trinken, Schlafen. Und was da sonst noch so dranhängt.

    Die gesamte Infrastruktur leidet darunter wenn Saab Pleite macht.
    Ein Anreiz auch für die Kommune/ den Staat? Die haben sicher auch kein Interesse wenn da die Arbeitslosigkeit mit jedem Quartal weiter steigt.
    Trollhättan geht’s grade nicht so gut. Den Leuten, die unsere Autos mal gebaut haben, auch nicht.
    Da kann man schon mal was machen, oder.
    Und vielleicht könnte so ein Anreiz auch nachhaltig wirken, auf längere Zeit, und den Leuten da auch mal wieder bissel Hoffnung geben.

    Netter Nebeneffekt:
    Als zusätzlicher Anreiz (oder mehr?) für die potentiellen Investoren, die wollen ja auch sehen, dass es Abnehmer gibt – sowohl für Neufahrzeuge als auch für Teile. (Die wollen ja Geld verdienen und ihre Investitionen wieder reinholen). Und die Investition in Saab muss sich in ihren Augen lohnen.

    Wenn da ein erkleckliches Sümmchen an Saab-Fahrern zusammenkommt, und wenn denen auch etwas am Erhalt der Marke (und der Fertigung) liegt – nun, das wäre schon ein Argument. Je mehr, desto besser.

    Outside-Saab plant für den 14. Januar europaweit Meetings, das ist eine unterstützenswerte Initiative.

    “We are many, we are Saab” – Wir sind das Volk (der trolligen Autos) die Geld in die Kassen spülen.

    Das sollte man nicht unterschätzen. Nicht, wenn man bereit ist für einen Neuwagen von Saab mehr Geld auf den Tisch zu legen als für einen Benz. Und dafür ein geiles Auto bekommt.

    Denkt mal drüber nach.

    LG

    David

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