Gruß vom Phoenix
Trollhättan, der 2. Dezember 2013. Ich denke, fast jeder Blog-Leser wird sich an dieses Datum erinnern. Was damals war bzw. was hätte sein können, ist irgendwie schon wieder der Hintergrund dieses Artikels.

Mark und ich sind an diesem Tag zu Gast in Trollhättan und schon früh am Morgen unterwegs. Die große Show bei NEVS startet erst am Nachmittag, und so laufen wir – dick eingepackt, denn es ist kalt an diesem Tag – das Werksgelände ab…um etwas Saab Atmosphäre einzufangen und auch immer in der Hoffnung, irgendwas zu sehen, was spektakulär sein könnte. Vielleicht einen NEVS Prototypen, der einen guten Saab Spyshot liefern könnte.
Aber ausser ein paar Volvo Prototypen, die auf dem Inlandsvägen an Trollhättan vorbeirauschen, vollbesetzt mit Menschen asiatischer Herkunft, fährt uns aber nichts über den Weg. Volvo kümmert uns nicht, NEVS macht an diesen Tagen das Gelände blickdicht, also laufen wir durch schwedische Botanik zur ehemaligen Versuchswerkstatt. Dort fotografieren wir durch den Zaun, erschrecken kurz, als wir ertappt werden, aber der Mitarbeiter nimmt die Sache sportlich und winkt uns freudig zu.
Das ist alles, und am Nachmittag sind wir zu Gast im Werk, und erst zu Hause in Deutschland schauen wir uns die Bilder vom Gelände der Versuchswerkstatt an. Was sehen wir? Einen Berg von ausgebeinten Karosserien, man könnte auch Schrott sagen. Punkt.
Erst viel, viel später – ein Freund sieht sich die Bilder an – wird klar, dass wir zwei Versuchsträger der Saab Phoenix Plattform abgeschossen haben. Eine Limousine und ein Cabriolet, beide mit Verbreiterungen an den Kotflügeln, auf Felgen, die nicht Saab Felgen sind. Phoenix oder Fenix, wie man in Schweden sagt, baut breiter als die 440 Plattform des Saab 9-3. Die Achsen passen nicht unter das Blechkleid, mit dem Effekt, dass alles etwas breiter gezogen ist und die Dimensionen so nicht mehr stimmen.
Das ist Saab Tradition, erinnert an das Projekt Paddan. Paddan, oder Kröte, war ein Saab 96, der die Bodengruppe des kommenden Saab 99 zur Erprobung fuhr…unerkannt ! Paddan existiert noch heute im Fundus des Saab Bil Museum.
Während Paddan sich immer noch bester Gesundheit erfreut, ging die Geschichte für die beiden Phoenix Versuchsträger nicht so erfreulich weiter. Ihr Zustand war im Dezember schon schlecht, wenn auch nicht ganz so elend wie die der Vorgänger. Rechts vom Cabriolet und Limousine lagerten weitere ausgeschlachtete Karossen, die man auf Grund der Löcher an den Kotflügeln ebenfalls als ehemalige Testwagen für Komponenten der Saab Phoenix Plattform identifizieren kann.
Beide fotografierten Fenix Versuchsträger wurden im Frühjahr verschrottet, womit aber nicht die Geschichte von NEVS und der Phoenix Plattform endet. Weitere Fahrzeuge zur Erprobung der Saab Phoenix Plattform wurden bis in den Frühsommer hinein in Trollhättan gesichtet und fotografiert. Nur leider nicht von Mark und mir. Die Bilder liegen vor, dürfen aber nicht auf dem Blog erscheinen. Woran wir uns, wie immer, halten.
Momentan bekommen wir keine Saab Spyshots aus Trollhättan, aber die Entwicklung läuft weiter…in der Entwicklungsabteilung vor Ort, international bei Partnerfirmen. NEVS hat alles rund um die Phoenix Plattform in eine eigene Gesellschaft ausgelagert, vermutlich ist die Plattform der entscheidende Aktivposten, den NEVS hat. Worin liegt das Geheimnis?
Der entscheidende Punkt soll die grenzenlose Variabilität sein. Man kann auf Phoenix Basis sowohl ein sehr kleines Auto als auch ein sehr großes Auto bauen. Nur zum Vergleich: Nachbar Volvo braucht dafür zwei neue Plattformen, Saab hätte das mit einer einzigen möglich gemacht. Und Fenix könnte sowohl Fahrzeugen der Premium Klasse als auch der Economy Klasse als Basis dienen. Je nachdem, wie man sie auslegt. Das zumindest erzählt man in Trollhättan, und es ist kein Wunder, dass verstärkt für gewisse andere Hersteller in der Saab Stadt gearbeitet wird.
Was NEVS oder die zukünftigen Eigentümer daraus machen werden, ist unklar. Der Kurs bei NEVS erschloß sich mir das ganze Jahr 2014 nicht, und ganz offen: ich habe es aufgegeben, darüber auch nur einen Gedanken zu verlieren.
Die Phoenix Plattform ist eventuell das letzte Vermächtnis einer kleinen, genialen Firma, die der Welt viele tolle Auto schenkte. Was daraus werden könnte ist zweitrangig, wenn es nicht den Namen Saab tragen wird…was aber immer noch offen ist. Die Karten zu diesem Thema werden gerade fleißig neu gemischt, Fenix spielt eine Rolle dabei.
Gestern kam ein film wo ein Saab 900 turbo dabei war leider wurde er schlecht gemacht mit einen falschen Anlasser Ton und mit einer heckklappe die dauernd ohne zu öffnen aufging
Gerade die obere Mittelklasse ist ja ein Gemetzel gewesen. Lancia Thema, Chrysler 300, Alfa 166, Renault Vel Satis, Citroen C6, Peugeot 607, Fiat Chroma, Opel Omega, Ford Scorpio, und mehrere Japanische Modelle, und jetzt auch noch der 9-5, alle futsch. In der Klasse neu dazugekommen ist eigentlich nur der Skoda Superb, der recht leicht ist und damit vermutlich weniger solide.
Und wenn man dann auch noch die Hecktriebler abzieht, bleiben in der Klasse neben dem Superb eigentlich nur der S80/V70 und der A6.
Insoweit nicht verwunderlich, wenn man sich mit Alternativen schwertut.
Von Alfa soll ja wieder was kommen …
Hoffentlich auch die beiden Kombis im C- und E-Klasseformat,
von denen man munkelt. Und wenn nicht? Macht auch nichts! Als
SAAB-Fahrer ist man enttäuschte Hoffnungen ja mittlerweile gewöhnt. Irgendwas wird immer da sein, mit dem man von A nach B kommt.
Ja, so ist das! Wirklich schlechte Autos gibt es eigentlich kaum noch und man kommt damit von A nach B, aber es ist eben anders.
Jeder Massenhersteller erfindet neue Nischen, mit denen er potentiellen Kunden Individualität vorgaukelt, doch es bleibt ein verkleidetes Massenprodukt.
Unsere Marke hat wirklich mal individuelle Autos hervorgebracht und selbst die alten sind es heute mehr denn je (z.B. die unglaubliche Alltagstauglichkeit eines 9000).
Ja, der 9000 war und bleibt ein legendäres Auto. Das vielleicht beste und fortschrittlichste seiner Zeit überhaupt. Mit dem Aero konnte man sogar manchem 8-Zylinder der damaligen Oberklasse eine lange Nase zeigen …
Und das bei 50% weniger Verbrauch. Downsizing ein Vierteljahrhundert (!) vor der Konkurrenz. SAAB war wirklich toll.
Wirklich traurig, wie dieser Vorsprung nach und nach verspielt wurde, ohne vorher jemals in größere wirtschaftliche Erfolge umgemünzt worden zu sein.
Ich mag meinen 9-5 (MY 2008) und hätte gerne irgendwann dessen Nachfolger gekauft, aber das gleiche Gefühl wie der 9000 (schlicht und einfach in einem rundum verdammt guten und vor allem fortschrittlichen Auto zu sitzen) hat mir seither kein SAAB mehr mit der gleichen Intensität vermitteln können …
Der Nachfolger steht auf meiner Wunschliste ;-), immer noch. Allerdings steigen die Preise für 2-Liter-Benziner seit Monaten, die Dinger sind teuerer als im Dezember 13 🙁
Vielleicht kommt ja irgendwann wieder was aus Schweden, sicher aber nicht von NEVS, daran glaube ich nicht mehr.
Liest sich gut, bleibt nur abzuwarten ob Mahindra den Laden übernimmt und endlich auf Vordermann bringt. Denn mit einer Ersatzmarke tue ich mir ebenso schwer!
Das waren auch meine Gedanken, wenn die Plattform für lange und kurze Autos passen soll wird sie für kurze Autos nur “unnötig” steiff sein. Das ist für kleine Stückzahlen sinnvoll, bei größeren rechnet sich dann ggf. die Einsparung an Material gegengerechnet gegen die Entwicklungskosten. Naja hoffen wir mal das man in Schweden wieder in die Gänge kommt, die Leute dort auch wieder Jobs haben und das Markenimage +name bleibt, so richtig will ich einfach keine Ersatzmarke finden!
Ich habe irgendwie das Gefühl die Wikinger haben “Ihre” Automarke bereits abgeschrieben.
Hallo bergsaab, es gibt keinen Ersatz, nein! Mein erster war ein 9000CC. Leicht unfallbeschädigt und geschenkt. Den habe ich repariert und seit dem nichts anderes als Saab gefahren. Einfach ein Traum, egal ob 900 I oder 9000 CC oder CS, selbst 900 II und 9-5 gefallen.
Wobei ich schon glaube, dass die Flexibilität irgendwie begrenzt ist. Das ganze macht ja nur Sinn, wenn bestimmte Komponenten überall verwendet werden, um Herstell- und Entwicklungskosten zu sparen.
Ich weiß, dass das Modulkonzept etwas anderes sagt; nämlich, dass die Schnittstellen zwischen den einzelnen Baugruppen definiert sind, während die Ausgestaltung der Gruppen dann unterschiedlich sein kann. Aber bereits die Schnittstellen geben einen gewissen Rahmen für das Gesamtkonzept vor. Wenn eine Schnittstelle zwischen zB dem beweglichen Teil des Radkomplexes und der Karroserie definiert wird, und eine echte Kombinierbarkeit gegeben sein soll, müssen die mechanischen Halterungen zB zwischen dem Stoßdämpferlager und dem Teil der Karosserie, wo er angebaut wird, für die größte Last ausgelegt sein, die ein Fahrzeug jemals haben kann.
Oder im Bereich der Elektrik. Dort muss zB eine Schnittstelle zwischen Motorelektronik und Armaturenanzeigen definiert werden. Bis jetzt der CAN-Bus, iirc. Soll da was neueres verwendet werden? Dann wird es wohl auch teuer, der CAN-Bus ist recht preisgünstig. Das erhöht dann die Kosten bei kleinen Varianten.
Und diese hohe Flexibilität gestattet in der Tat den einfachen Entwurf von bestimmten Baugruppen für spezielle Zwecke. Bloß werden diese Baugruppen dann ggfs. recht teuer. Und damit sind wir wieder bei Saab. Wenn ein Hersteller richtig große Stückzahlen eines Modells verkaufen will, ist es vermutlich billiger, mehr Geld in die Entwicklung spezieller, preisoptimierter Komponenten zu stecken. Wenn man aber, wie Saab, eher kleine Stückzahlen baut, macht es evtl mehr Sinn, teurere Komponenten im Rahmen des Baukastens zu verwenden, dafür aber wenig Entwicklungskosten zu haben.
Oder zusammengefasst: Ein Modulsystem macht am meisten Sinn bei kleineren, exklusiveren Herstellern. Was für mein Gefühl die Chancen verbessert, dass ein Käufer wie Mahindra die Marke Saab weiterführt, und weitere Kleinserien wie den Chairman oder irgendwelche SsangYong-SUVs, die auch in nicht so großen Stückzahlen gebaut werden, alle auf Phoenix aufzubauen. Dadurch kann hoffentlich die ideal Mischung aus Baukastensystem und Modulsystem erzielt werden.
Gut geschrieben, Tom. Voller Hoffnung bis zum 2. Maerz 2015. Dann wird es hoffentlich klar sein welchem Weg es geht.