Saab Konkurs: The Day after…

Die Kaste der Politiker ist überall in Europa gleich. Die zwei schwedischen Ministerinnen, Annie Lööf und Hillevi Engström, besuchten heute Saab, um sich einen Einblick zu verschaffen. In Ihrer Ansprache zu Menschen, die auf Unterstützung hoffen, kam leider nichts, aber auch gar nichts Brauchbares zum Vorschein.

Saab Mitarbeiter beschreiben den Auftritt als “Desaster” oder “Chaos”. Keine Hilfe für den Autobauer, keine Soforthilfe für Mitarbeiter, die vor Weihnachten mit leeren Taschen dastehen. Eine Reise von Stockholm nach Trollhättan auf Kosten des schwedischen Steuerzahlers. Bravo !

Interessanter als die Rede der beiden Damen dürfte die Frage sein, wie es mit Trollhättan weitergeht. Saab ist im Konkurs, die Arbeitslosigkeit dürfte jetzt zwischen 20 und 25 % liegen. Interessenten für Saab gibt es, die Zahl 5 scheint real zu sein. Mein Freund in Stockholm hat als mögliche Käufer zwei Firmen aus Fernost, eine aus Mitteleuropa (!), einen Interessenten aus Skandinavien und das bereits erwähnte Unternehmen aus der Türkei ausgemacht. Mehr kann und darf er nicht sagen, und ich weiß nicht mehr als das, was er mir erzählt hat. Allerdings könnte ich mir vorstellen, dass noch mehr als fünf mögliche Käufer auftauchen.

Um überhaupt eine Chance zu haben, Saab zurück auf den Markt zu bringen, die Chance ist so oder so gering, müssten die Käufer jetzt schnell sein. Die Strukturen bei Saab in Schweden und überall auf der Welt werden jetzt in großer Geschwindigkeit zerfallen, und das Unternehmen als solches bleibt als Hülle zurück. Also, bitte Tempo, denn Saab ist ein Sonderangebot.

Wäre ich im Vorstand einer westeuropäischen Automarke, ich würde Saab schon aus rein strategischer Sicht kaufen. Denn mit dem Erwerb des Autobauers aus Trollhättan hätten die Chinesen erstmals einen strategischen Brückenkopf mitten in Europa. Eine funktionierende, hoch produktive Fabrik und die besten Ingenieure Skandinaviens mit dazu.

Aber die eifrigen Mitleser aus den Autokonzernen fragen mich nicht, deshalb müssen wir abwarten. 😉

Saab Fan und treuer Leser Alexandros hat einen interessanten Link gepostet zum Thema, wer Saab “getötet” hat. Lesenswert auf jeden Fall, deshalb hier nochmal die Weihnachtslektüre , auch wenn ich mir ein anderes Thema gewünscht hätte. Danke an Alexandros nach Südbayern !

In den letzten 24 Stunden gingen viele Mails ein, die ich über die Weihnachtstage beantworten werde. Es ging oft darum, wie wir Saab doch noch helfen können und auch, was in Zukunft mit dem Blog passieren wird, war ein Thema.

Zur Zukunft des Blogs bin ich etwas ratlos, das gebe ich zu. Er wird nicht in den nächsten Tagen verschwinden, das ist klar. Aber ob er ein Medium für die Saab Gemeinschaft und die verbliebenen Servicebetriebe bleiben wird, falls Saab doch nicht den Weg zurück schafft, das ist noch nicht sicher.

Die kommenden Weihnachtstage bringen mir da mit Sicherheit mehr Klarheit. Ideen und Meinungen von den Lesern sind in jeder Hinsicht willkommen !

Text: tom@saabblog.net

19 Gedanken zu „Saab Konkurs: The Day after…

  • Fortsetzen, bitte 😉

    Beziehungsweise würde man es als sinnvoll erachten, bis wirklich feststeht, was mit SAAB am Ende geschieht…

  • Hallo Tom,
    wir schätzen Deinen Blog und bitte gib jetzt nicht auch noch auf, das wäre ein trauriges Signal. Selbst wenn SAAB als Hersteller verschwindet, sollte doch der Spirit von SAAB am Leben bleiben, und Du könntest einen tollen Beitrag dazu leisten. In diesem Sinne: move your mind!

  • Hi Tom

    Sollte SAAB als Hersteller verschwinden, bzw. nicht mehr auftauchen, gibt es doch eine große Gemeinde.
    Diese hätte es verdient, weiterhin ein Sprachrohr, eine Anlaufstelle zu haben.
    Gerade in der ” Diaspora ” müssten die Freunde unserer Marke einen zentralen Platz kennen, an dem alles Mögliche zusammen läuft und besprochen werden kann.
    Als Interessengemeinschaft könnte ( sollte ) dein Blog schon weiter existieren.
    Wer könnte sich ( Achtung Schmalz ) einen Besseren vorstellen, als dich und deinen Blog.

    Weihnachtlichen Gruß

    GALLIX

  • Dem kann ich mich nur anschließen….. du machst den Blog echt super……………………….und ich lese ihn täglich um immer auf dem neuesten Stand hier zu sein. Bin gespannt welcher mitteleuropäischer Investor interesse an Saab hat…..

  • Sogar die Aussagen von Tom Knecht zum Thema erscheinen uns etwas zu negativ angehaucht zu sein – was will SAAB denn in der momentanen Lage mehr, als bereits 5 Interessenten, die es trotz der schwierigen Lage scheinbar mit Ernsthaftigkeit und “tiefen Taschen” angehen wollen? Das wäre bei Opel in vergleichbarer Lage (kommt wahrscheinlich noch) in der Kürze der Zeit auf keinen Fall passiert.

    Die Ansicht, dass Strukturen schnell zerfallen teilen wir nicht – überall auf der Welt gibt es SAAB-Händler mit angeschlossener Service-Abteilung, die einen festen Kundenstamm haben und die Fahrzeuge dieser Kunden zerfallen nicht innerhalb von 1 – 2 Jahren (die Zeit die voraussichtlich benötigt wird, um neue Fahrzeuge produktionsfertig zu entwickeln).

    Wir finden es großartig, dass bereits jetzt verschiedene Investoren Interesse zeigen und mit positiver Sicht an die Sache herangehen – die sollten wir weiter motivieren und nicht irgendwelche Artikel wie beispielsweise “wer hat SAAB getötet?” in den Vordergrund spielen. Andererseits gibt es ja bei Hinweisen auf verstorbene auch den sehr bekannten Ausspruch “tot gesagte leben länger” – in diesem Sinne bitte weitermachen.

    Liebe Grüße aus Schleswig-Holstein
    Julie und Familie

  • Dem kann ich nur zustimmen.. Auch MINI-COOPER in Grossbritannien war 5 Jahre verschwunden und hat es wieder geschafft in den Automarkt. Und Wikinger geben sowieso nicht so schnell auf. Ein Konkursverfahren kann ein Neubeginn bewirken.

  • 2 jahre überwintern wäre schon ok, was wird dabei aber mit den mitarbeitern- gibt es in schweden auch so etwas wie beschäftigungsgesellschaften um auch die bandmitarbeiter bei saab halten zu können?

    aber um den 9-4x und den 9-5II wäre es schon schade! naja vielleicht denkt gm ja noch um wenn sie merken das auch ein autoleben ohne sie gibt!

    …auch das museum, wäre auch sehr schade drum. aber das wäre vielleicht wirklich eine fall für “rescue saab” oder eine saabstiftung.

    also kopf hoch!

  • Es gab damals auch noch andere Interessenten als Koenigsegg und Spyker!
    Könnte es sein, dass Gerard Lopez (Besitzer des Lotus Renault F1-Teams) und Bernie Ecclestone wieder unter den Investoren zu finden sind?
    Wäre damals wie heute keine schlechte Idee….

  • der blog von tom ist wirklich hervorragend – danke dafür tom!
    dennoch finde ich, dass wir es mit unseren mutmassungen etwas übetrieben haben und die weit überwiegende anzahl solcher dinge sowieso nicht eingetreten sind.
    nachwievor sehe ich das heil nicht in den chinesen – ich hoffe auf eine europäische lösung und auf jemannden, der sich traut, sich mit gm anzulegen, was die rechte betrifft.
    ein stillstand von zwei jahren halte ich für praxisfremd.
    vermissen werde ich, jetzt könnt ihr über mich herfallen, einen victor muller, der für saab bis zur letzten minute gekämpft hat. auch wenn er unstrittig fehler gemacht hat, sucht solch ein standing seinesgleichen.
    ich hoffe auf eine lösung für alle – inzwischen fahre ich ja das seltenste grossserienprodukt der welt und in heilfroh, einen 9-5 der neuen generation zu haben.

  • Lieber Tom, als Saab Händler unterbreite ich den Vorschlag,
    dass wir eine Leasingrückläuferbörse einrichten. Dort könnten Saab Händler ihre häufig 3 Jahre alten Rückläufer mit Preis und Ausstattung ankündigen. Saab Fans hätten dann den ersten Zugriff auf die Autos. Vielen Dank für deine täglichen Informationen und aufmunternden Worte.

    • Hallo Stefan, die Idee ist sehr gut und würde beiden Seiten helfen. Ich denke, das machen wir. 🙂

    • Klasse Idee!

  • Hallo Marcus,

    vorab bemerkt: Ich hätte auch gern den neuen 9-5 (als Kombi) – fühle mich aber in meinem “alten” 9-5 Kombi auch sehr wohl. Eine “Überwinterungszeit” von 2 Jahren (falls überhaupt erforderlich) würden mein Wagen und ich wie im Fluge überstehen!

    Mit den Typen von GM anlegen, wird wohl kaum einer vorhaben – die in meinen Augen bessere Lösung: Möglichst einfach links liegen lassen und von Grund auf ohne diese Versager agieren (ist jetzt wesentlich einfacher zu bewerkstelligen).

    Ein europäisches Autounternehmen wäre wohl keine gute Lösung, weil die alle selber zurechtkommen wollen und sich womöglich keine Konkurrenz hinzukaufen möchten – dann schon eher finanzkräftige Inder, Chinesen oder irgendein anderes Unternehmen, das bisher keine Autoproduktion im Gesamtkonzern betreibt. Gut gefüllte Kassen wären naturgemäß Voraussetzung – aber hier dürfte es ja so einige Großkonzerne geben, die das erfüllen. Mit “tiefen Taschen” kann viel bewegt werden – vor allen Dingen auch in der erforderlichen Geschwindigkeit!

    Viele Grüße

    D. R.

  • Ich finde es (auch als SAAB Fahrer) befremdlich wenn man undifferenziert auf Politiker mit Begriffen wie “Politiker-Kaste” einschlägt. Solche Begriffe werden meistens von Radikalen benutzt die einfältig über alles herziehen was Ihnen selbst nicht in den Kram passt. Was möchte uns denn der Autor damit sagen? Zumindest bei mir hinterlässt es einen unguten Eindruck vom Autor und seiner politischen Haltung. So sympathisch dieser Blog auch sein mag.

    • Der Begriff wurde sehr bewusst gewählt und ist in diesem Fall auch angemessen. Das Verhalten der Ministerinen erregte vor Ort so viel Missfallen, dass dafür keine anderen Beschreibungen möglich sind. Die Reaktionen vor Ort sind aus erster Hand, meine Worte wohl bedacht.
      Auch die nationale Presse fand ähnliche Worte, was in Schweden zu Reaktionen in Stockholm führte. Heute wird ein neues “Trolhättan Paket” von beiden Damen präsentiert, zum Teil auf Druck der Öffentlichkeit.

      • RECHT SO !

      • Nochmals, es geht nicht um den direkten Angriff auf einen Politiker sondern um den “Rundumschlag” auf alle. Das Zitat auf das ich mich beziehe ist “Die Kaste der Politiker ist überall in Europa gleich”. Wenn der Admin auf das “Verhalten” einer bestimmten Ministerin abzielt so frage ich mich wieso er diesen recht undifferenzierten Angriff benutzt und nicht klarer und gezielter argumentiert? Thats all.

        • Hat er doch im Folgesatz ganz konkret dargelegt und Namen gennant ! Selbst Politiker ?

  • man muss es doch einfach mal sagen:

    wer hat denn von den zuständigen politikern etwas anderes erwartet?
    die bringen doch seit april nullkommanichts zustande – und dürfen jetzt die lohnausfälle auf kosten des steuerzahlers berappen.
    ob es nicht nur sinnvoller, sondern auch preiswerter gewesen wäre, saab von anfang an zu unterstützen, vermag ich nicht edngültig zu beurteilen.
    über die sozialen auswirkungen spricht sowieso niemand.
    mich erinnert das ganze sehr stark an borgward.

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