Saab Krise: Mission Impossible Swedish Edition

Morgen ist es soweit, der Countdown läuft und mal wieder hat Saab einen entscheidenden Schicksalstag. Der Wind bläst den Akteuren gewaltig ins Gesicht und manche Probleme bei Saab sind hausgemacht, andere kommen wie immer aus Detroit. Aber Achtung, es ist ein langer Artikel.

Legenden sterben nie, gefunden im Internet...
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General Motors, Besitzer vieler faszinierender Automarken, arbeitet daran, Saab endgültig das Lebenslicht auszublasen. Obwohl der finale Plan den Amerikanern noch nicht im Detail bekannt ist, kommt schon jetzt ein kategorisches „Nein“ aus den Vereinigten Staaten. Die Argumentation der Detroiter wird dabei immer lächerlicher. Die Eigentümerstruktur von Saab und Swedish Automobile wird sich nicht ändern, nur die Finanzierungsart.

Mehr fällt uns zu GM nicht mehr ein...
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Für GM und Pressesprecher James R. Cain ist es eine „verdeckte Veränderung der Eigentümerstruktur“, denn Saab sei in einer schwachen Position, der Investor in einer starken. Jede Bankfinanzierung jeder beliebigen Firma wäre also laut GM eine Veränderung der Eigentümerstruktur, geht man nach GM Logik. Verdeckt, natürlich. Wir haben verstanden, Mr. James R. Cain.

GM zeigt damit das alte, häßliche Gesicht der Industriekrake aus Detroit, das wir aus der Vergangenheit kennen. Auch die Marke aus Rüsselsheim hat es mit den Eigentümern aus USA schwer. Statt zu investieren und den Absatz mit neuen Modellen zu beflügeln, muss man jetzt sparen, denn der Absatz stockt. Von 1 Milliarde US Dollar für 2012 ist die Rede, altbekannte Rituale für die Opelaner und mein Beileid nach Rüsselsheim. Der Imageträger der Herren vom Potomac ist mittlerweile abgebrand. Chevrolet Volt und  Opel Ampera liegen auf Eis, nachdem drei Wochen nach einem Unfall die Batterie des Volt als Folgeschaden zu brennen anfing. Das Entwicklerteam des Volt, während der GM Krise von Deutschland nach Amerika geholt um die Rechte zu sichern, hat sich schon vor der Markteinführung von Detroit in Richtung Bayern abgesetzt.

Mit dieser Argumentation in Sachen Saab erschlagen die Amerikaner jede Hoffnung, denn sie sind in einer Position der Stärke. Ist es wirklich die endgültige Meinung aus Detroit und nicht nur eine Inszenierung, um das Gericht in Vänersborg zu beeinflussen, dann ist es das Ende vieler Saab Träume. Ob GM nun Recht hat oder nicht… Man kann einen Prozeß über Jahre mit den Amerikanern führen, könnte den Prozeß vielleicht gewinnen, aber man bekommt damit keine Lösung die sinnvoll wäre. GM könnte unseren Autohersteller problemlos in einer Prozessflut verhungern lassen.

Victor Muller sieht in der Argumentation ebenfalls eine GM-Show, um irgendwie das Gericht in Schweden negativ zu beeinflussen. GM, so meint er, hat nichts zu sagen, da sich die Eigentümerstruktur nicht ändert. Vielleicht hat er Recht.

Aber Recht haben ist die eine Sache. Recht bekommen eine andere. Denn unterschiedliche Positionen ohne Einigung bedeuten für das Werk in Trollhättan:  keine GM Lizenzen, keine Lieferungen, keine Produktion.

Auch aus anderer Ecke kommt Gegenwind. Die Probleme, die vor Gericht Saab stoppen könnten, sind von Muller und Youngman hausgemacht. Die Löhne sind bis heute immer noch nicht bezahlt, die neuen Löhne und Gehälter bald fällig. Die Schmerzgrenze von Mitarbeitern und Gewerkschaften ist mit den ständigen Verzögerungen der Lohnzahlungen erreicht, der Bogen fast überspannt. Zwar sollen pünklich zur Verhandlung die Novemberlöhne bezahlt werden, aber einen guten Eindruck macht das nicht.

Im Gegenteil. Man liefert dem Gericht alle Argumente gegen eine Fortsetzung der Rekonstruktion. Auch die laufenden Mietkosten für das ehemalige Getriebewerk in Göteborg wurden in den letzten Monaten nicht bezahlt, erzählt man in Schweden. Das ist ein Verstoß gegen die Regeln der Rekonstruktion. Damit liefert man den Saab Kritikern eine Steilvorlage.

Kommen Victor Muller und Rachel Pang dann mit dünnen Argumenten und so schlecht vorbereitet wie die Saab Verantwortlichen beim ersten, gescheiterten Rekonstruktionsantrag, dann erleben die beiden ein Waterloo auf schwedischem Boden. Was helfen würde, sind Fakten. Nicht nur Finanzierungsabsichten, keine E-Mails, keine Faxe.  Sondern belastbare, werthaltige Tatsachen. Bankbürgschaften zum Beispiel oder einfach nur die versprochenen 30 Millionen € auf den Saab Konten, das wäre gut.

Ich befürchte allerdings, so wird es nicht sein. Man wird es am Montag gewaltig vermasseln… sagt mir mein Gefühl, gespeist aus dem Laientheater der letzten Monate. Denn man hat etliche Wochen mit Vertragsgeplänkel verstreichen lassen. Man hat es versäumt, Tatsachen zu schaffen oder Gelder zu transferieren, welche die Zukunft von Saab und der Rekonstruktion hätten sichern können. Verlorene Wochen für Saab.

Wer ist schuld ? Klar, diese Frage muss man stellen. Spätestens nach dem Scheitern der Rekonstruktion wird sie ganz Schweden stellen. Lofalk vielleicht, der seinen eigenen Plan im Kopf hatte und der damit grandios gescheitert ist ? Auch für ihn ist die Sache noch nicht gelaufen. Er hat am Montag Anwesenheitspflicht in Vänersborg und zu seiner Entlassung braucht es die Zustimmung der Gläubiger. Sehen die Gläubiger Pflichtverletzungen des Anwalts, dann kann Lofalk in die Haftung kommen.

Oder ist es Saab CEO Victor Muller, der, statt mit Lofalk ein Team zu bilden, auch seinen eigenen Plan im Kopf hatte ? Vielleicht wäre eine Zusammenarbeit der beiden zu Gunsten von Saab möglich gewesen, allein der Wille hat gefehlt. Er ist mitbeteiligt an dem Desaster, welches wir momentan erleben. Der private Krieg mit Lofalk hat Zeit, Geld und Glaubwürdigkeit gekostet. Leidtragend sind die Saab Mitarbeiter, die jetzt auf Notkredite angewiesen sind.

Vielleicht trifft auch Youngman eine Teilschuld. Denn man hat die prekäre Situation lange Zeit unterschätzt und damit sehr viel kostbare Zeit verloren. Vertragspoker statt Aktion. Nicht gut.

Nein, das möglicherweise negative Ergebnis der nächsten Tage muss nicht das Ende sein, da sollten wir ganz ruhig bleiben. Es wäre auf jeden Fall das Ende der Laienschauspielertruppe aus China und Holland, die es dann vermasselt hat. Seit Monaten schreibe ich, das auch im möglichen Konkurs die Chance eines Neuanfangs liegen kann. Interessenten, die Saab aus einer Insolvenz heraus kaufen würden, gibt es. Wie gesagt, Interessenten. Plural.

Muller und Rachel Pang hätten dann allerdings ihr Spielzeug verloren, was im Falle Youngman nach hohen Investitonen besonders tragisch wäre.  Sie hatten über Monate die Chance auf Einigung, und sie haben sie immer noch. Erst am Montag um 13:00 Uhr ist die Chance auf eine tragfähige Lösung vertan. Hoffen wir, dass sie die Hausaufgaben gemacht haben und dass es in Vänersborg nicht zum Waterloo kommt.

Text: tom@saabblog.net

26 thoughts on “Saab Krise: Mission Impossible Swedish Edition

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    Auch wenn ich das Geschehen von Saab schon seit der letzten itfe verfolge, könnte ich es verstehen wenn die Chinesen kein Geld mehr zahlen. Warum sollten sie für eine Firma bezahlen, deren Autos Sie nicht bauen dürfen. Solange GM den Trumpf mit den Patenten nicht raus gibt, ist es eine Investition in ein leere Fabrik mit z. zt nicht viel verwertbaren eigenen now how. Da kann ich die Chinesen verstehen, dass die kein Geld herausgeben.

    Man sieht es bei Opel, die dürfen außerhalb von Europa auch nichts anbieten, dort werden Opels unter einem anderen Label verkauft. Wie soll da eine Firma Gewinne machen, wen sie so beschnitten wird. Der ihre internen Verrechnungspreise möchte ich nicht wissen. So sind die Amerikaner, insbesonder die Firmen halt, dass Wohl von anderen geht ihnen am Popo vorbei. Jeder ist sich selbst der nächste, jeder ist seines Glückes Schmied. sie helfen gerne, wenn der Preis stimmt.

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    Die GM Facebook-site ist mittlerweile eine SAAB site ;-))))

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    Wer kann darüber informieren, was bei einer GM-Blockadehaltung (falls die so dumm sind) in Trollhättan passieren könnte?

    Die Fahrzeugreihen 9-3 + 9-5 könnten doch auch ohne aktive GM-Beteiligung gefertigt werden – oder kommen aus Amerika spezielle Bauteile für die Produktion?

    Auch GM muß sich an Verträge halten – jemanden schicken, der die Produktion von Automobilen verhindert, wird wohl schlecht möglich sein (vorausgesetzt natürlich, dass sich SAAB im Rahmen laufender Verträge bewegt).

    Eine trotzige Blockadehaltung von GM würde vermutlich höchstens die Zulieferung des 9-4 X aus Mexico verhindern – aber selbst hier könnte Schweden vermutlich im Rahmen der Verträge juristische Maßnahmen einleiten!

    Bloß nicht von den Amerikanern einschüchtern lassen!!!

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      Julie, nur der 9-3 könnte (vermutlich) ohne GM Lizenz gefertigt werden. Alle Saab 9-5 hängen an den GM Verträgen.

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        Aber wenn sich offiziell in den Eigentümerstrukturen nichts ändert, kann doch GM auch nicht gegen die Verträge verstoßen und die Produktion behindern – dafür sind doch Verträge (auch im Sinne von SAAB) abgeschlossen worden.

        Nochmal: Bloß nicht von den Amerikanern und ihren „Rechtsverdrehern“ einschüchtern lassen!!!

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        Aber selbst beim 9-3 ist GM (leider) ein wichtiger Zulieferer…

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    Viele wahre Worte. Montag wird leider wieder spannend. Hoffen wir das Beste!

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    Interessanterweise hat Lars Söderqvist zu DI gesagt, dass der neue Vorschlag nicht von GM validiert werden muss und daher GM auch gar nicht alle Details des Deals kennt! Also das wird wirklich noch spannend.

    Wollte GM tatsächlich nur das Gericht verunsichern? Sieht fast so aus.

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      Dummerweise muss GM nicht im Recht sein um SAAB am ausgestreckten Arm verhungern lassen zu können…

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        Genau das könnte zu unserem Problem werden. GM könnte sich auf eine Blockadehaltung zurückziehen, ob im Recht oder nicht, und den erfolgreichen Abschluss des Geschäfts so verhindern.

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          Aber das Söderqvist das schon vor dem Gerichtstermin so klar sagt, finde ich schon beachtlich.

          (Vielleicht wäre ja vor diesem Hintergrund dann die schwedische Regierung doch bereit, nicht nur Botschafter zu GM zu schicken, sondern auch auf etwas höherer Ebene einzusteigen und klar Position zu beziehen.)

          Aber warten wir ab.

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    Der Artikel beschreibt m.E. (leider) ziemlich treffend die aktuelle Lage, auch wenn wir es vielleicht nicht wahrhaben wollen. Das heisst ja nicht, dass wir für morgen keine Daumen drücken, da ja durchaus noch die Chance für eine Einigung besteht.

    Die Chance für einen Neuanfang nach einem Konkurs mag ich nicht bewerten, da sind ja zum einen die Namensrechte, zum anderen ist ja die Frage was an Substanz noch übrig ist, d.h. nicht bereits in den vergangenen Monaten verpfändet worden ist.

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    Hallo Tom,

    danke für den Artikel und die Denkansätze, weiter so.
    Ich drücke beide Daumen für morgen.

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    Der Flyer „they want to kill Saab…..“ ist viel mehr als gelungen.
    Man sollte ihn vervielfältigen und massiv verteilen. Die „betroffenen Empfänger “ würden sicher sehr böse werden, aber welche Ahnung haben die ehemaligen Starrachsen-Fahrer vom know-how der Superlative.

    Oder ich drucke tausende kleine Aufkläber und drücke sie auf die Adams, GEorgs usw Produkte. Riesen Spaß

    Wessen Urheberrechte müsste ich beachten oder anfragen ?

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      NaNa
      Starrachse ist ja nicht grundsätzlich schlecht.
      Man denke z.B. an die legendäre “ de Dion “ – Achse
      Ausserdem hat mein SAAB 900 Gli auch eine !

      Gruß Gallix

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        Gallix gebe hier Recht, vor Jahren hatte ich im Alfa (Alfetta,Guilietta,GTV) auch De Dion Achse, das war Fortschritt put, die Frage ist nur wer war der letzte der noch Starachsen verbaute, (Ford, Opel, wer noch??) Selbst mein damaliger 92-er Benz 320E Sportline sah, wie ich heute weiss, gegenüber einem 9000CC 2.0 turbo, ziemlich bescheiden aus, vonder Leistung ganz zu schweigen. Selbst AMS hatte in einer Ausgabe dem 2.0 turbo (nochmit verbleitem Benzin gefahren) bessere „G-Werte“ als einem mitgetesteter Ferari bescheinigt.kann mich erinnern, 2-ter Gang, 70 Sachen, und dann Bleifuß…..bis 5500 U/min. Das war nicht zu überbieten

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    Ich schlisse mich meinen Vorrednern vollumfänglich an. Warten wir ab und hoffen und vertrauen auf das Geschick der Beteilten.

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    Es ist schon zum Lachen (oder Weinen, je nach Position), wenn GM dermaßen Angst vor den Ambitionen von SAAB hat. Man gibt seine technische „Kompetenz“ damit endgültig der Lächerlichkeit preis und unterstreicht den Wert von SAAB.

    Das sollte allen Kunden von GM zu denken geben…

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    GM spielt mal wieder eine eine miese Rolle, das ist richtig. Für VM kann man nur hoffen dass er seine, wie Tom sagt Hausaufgaben gemacht hat. Für Youngman hoffe ich, dass sie den Mut haben SAAB auch ohne GM Lizenzen zu kaufen.

    Ein richtiger und mutiger Artikel, der ungeschönt die Situation beschreibt. Tom, auch wenn nicht alle damit einverstanden sein mögen, mach weiter so, das stärkt die Glaubwürdikeit des Blogs.Gute Berichterstattung zeichnet sich auch durch den eigenen Kopf des Autors aus. Saab Blog zu schreiben, heißt nicht, dass man auf seine eigene Meinung verzichten sollte.

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      Genau der Meinung bin ich auch, wenn man Berichte ohne die Eigene Meinung sucht, gibts be google.de genug!

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    Es hilft SAAB überhaupt nicht, wenn man Feindbilder heraufbeschwört. Der Automobilmarkt ist einer der gnadenlos umkämpftesten Branche, die ich kenne mit hohem Umsatzvolumen. Mit hohen Gewinnen oder hohen Verlusten. Es ist kein Gemüsemarkt! Wir können nur VM vertrauen und abwarten. Die grossen Player in den USA und China sind sehr gut aufgestellt. Seien wir wachsam.

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    GM: make it happen…….. wie will GM eigentlich überleben, wenn Möglichkeit von innovativen Partnern Know how zu stehlen entfällt? Oder gibts jemand der von US automotive engineering beeindruckt ist? R&D der Grosskonzerne wurde immer staatlich finanziert. Konkurrent Toyota wurde mit Staatssupport massiv in Verruf gebracht mit fraglichen Unfällen der innovativen Hybridautos. Die USA bekämpft gesellschaftlichen, kulturellen & finanziellen Niedergang immer verzweifelter.Die dreschen an Finanzmärkten tagelang auf Schuldensituation in Europa, obwohl Schulenlast und Dynamik in den USA noch dramatischer aussieht. Esst eure Hamburger und akzeptiert euren Niedergang da drüben ……. Saab abstellen hilft dabei aber sehr wenig!

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      Herrlich polemisch, trifft aber auch meine Meinung!

      Danke dafür

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    Leider ist der Artikel die Wahrheit, die Löhne kamen noch nie pünktlich und sind schon wieder seit 3 Wochen überfällig. Ohne die rosarote SAAB Brille wird es schwierig und man erkennt das Trauerspiel. VM hat seine Chance, hoffentlich nutzt er sie.

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    wieviel mio haben Pangda und Youngman denn insgesamt bisher in Saab investiert ?

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    was dich zu diesem beitrag veranlasst hat, weiss ich nicht, aber das ewige geunke ist auch nicht stichhaltiger, als ein gesunde portion optimismus, das ist sicher.
    es sind deine mutmassungen und mir ist nicht klar, welchen sinn diese haben mögen – fakten sind es nicht.
    das dümmliche geplänkel von gm ist nur eine typische stimmungsmache und ich bin sicher, dass viele anwälte die verträge mit gm inzwischen genau geprüft haben, bevor man morgen einen vorhschlag in vänersborg vorlegt.
    man muss vm nicht lieben – aber etwas mehr fairness wäre aktuell sicher angebracht.

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