Saab Krise: Nein – wir geben nicht auf !

Zurück im Büro. Von Saab liegt jetzt die Pressemitteilung zum angekündigten Abbruch der Rekonstruktion vor. Doch noch ist es zu früh, die Hoffnung aufzugeben. Ich spreche jetzt nicht über eine dritte Partei, die Saab aus einer Insolvenz kaufen könnte. Ich spreche über aktuelle Verhandlungen in Schweden.

Der Antrag auf Abbruch der Rekonstruktion wird heute in Vänersborg gestellt werden. Das Gericht wird aber nicht sofort darüber entscheiden, es bleibt normalerweise ein paar Tage Zeit. Vielleicht sogar eine Woche. Das ist geschenkte Zeit, die das Saab Management hoffentlich gut nutzt. Jetzt kann Victor Muller den Beweis erbringen, dass er ohne Lofalk Saab Automobile retten kann.

In Schweden gibt es mehrere Denkmodelle dazu. Die Partner aus China, Pang Da und Youngman,  werden Minderheitseigentümer bleiben, erwerben beide unter 20 % der Anteile. Damit wäre das Geschäft, verstehe ich die Verträge richtig, nicht zustimmungspflichtig. Weder von der Regierung noch von GM noch von der EIB, deren Darlehen immer noch abgelöst werden soll. Die Lizenzverträge könnten weiter genutzt werden und die Produktion wäre gesichert.

Die liquide Mittel sollen als Venture Capital fließen, die Investoren könnten dafür stimmrechtslose Vorzugsaktien erhalten. Nach dem Ende der Lizenzproduktion könnten diese Papiere in Stammaktien gewandelt werden.

Das ist nur eine der Möglichkeiten und die Zeit drängt. Für die Zuliefer in Schweden wäre der Abbruch eine Katastrophe. Viele kleine und mittelständische Betriebe würden bei einem Saab Konkurs viel Geld verlieren, einige würden ebenfalls in Konkurs gehen. Auch für die schwedische Autoindustrie wäre es ein schwerer Schlag. Volvo alleine könnte den Standort nicht sichern, Niederlassungen ausländischer Zulieferer würden schließen.

Erstaunlich ist die Passivität der Stockholmer Administration. Eine nationale Ikone droht zu verschwinden und in der Hauptstadt scheint es egal zu sein.

Der Blog, so habe ich einmal geschrieben, schreibt so lange bis die Werkstore endgültig schließen. Dabei bleibt es. Wir sind nahe dran. Aber noch ist es nicht so weit.

Text: tom@saabblog.net

13 thoughts on “Saab Krise: Nein – wir geben nicht auf !

  • Lieber Marcus,

    das mit den Lizenzen wird doch nur vorgeschoben – anders kann man von GM aus doch rein rechtlich die Aktivitäten von SAAB / Investoren schlecht behindern!

    In Wirklichkeit haben die schlicht Angst, dass SAAB Marktanteile wegnimmt. Klingt zwar irgendwie lächerlich – ist aber Fakt! Hätten die Pfeifen bessere Produkte, würde eine gesunde Konkurrenz entstehen (wie eigentlich auch sinnvoll). Bei ihren Ami-Schlitten haben sie ganz einfach die Hosen voll und versuchen dadurch, ihre ehemalige Tochter, die sie niemals richtig gefördert haben, nunmehr ganz auszuschalten. Tolles Verhalten – und dann hat SAAB auch noch so eine Regierung im Rücken. Armes Schweden!

    Joachim

  • Ich mag hier zZ morgens (fast) gar nicht mehr vorbeischauen … ;-(

    Sonst war morgens immer (na gut, seit einigen Monaten) das folgende Ritual:
    – MBP fährt automatisch hoch und startet automatisch meine Lieblingsmusik (swissgroove.ch) Musik in Wohnung (über div AEs und iTunes)
    – dann munter aufstehen, meine Silvia anschalten, ausgiebig frisch machen, gut gelaunt sein
    – mit frischem, duftendem Espresso an den Rechner und sofort mal geschaut, was Tom so nettes neues schreibt

    Da seit Tagen/Wochen die Nachrichten ja aber immer schlechter werden, mag ich (fast) gar nicht mehr schauen …
    … Espresso schmeckt dann bitter, Laune wird mies und Lust auf Arbeit ist dann auch meist schon vor Beginn vergangen.
    ;-(

    Hoffentlich nimmt dieses Theater bald ein (doch noch positives?) Ende … oder irgendeins!

    P.S.:
    Natürlich schau ich hier immer noch mehrmals am Tag vorbei … ist halt immer noch die beste und schnellste deutschsprachige Info-Seit!!!! 🙂

  • Hallo,
    eigentlich wollte ich nächsten Sommer noch einen SAAB kaufen…
    Nachdem ich unlängst gelesen habe, dass VW einen F+E Etat von 6 Mrd (!) $ für 2011 hat und MB und BMW je gut 4 Mrd. $ frage ich mich, wie die Zukunft von SAAB aussehen soll. Man kann natürlich alles als Zweitverwerter zukaufen aber das verträgt sich weder mit dem Anspruch noch mit der Marktlage. Außerdem wird es schwer, bei sehr geringer Fertigungstiefe (und darauf läuft es raus) noch Geld zu verdienen. Ich kann mir momentan keine funktionierende, langfristige Lösung vorstellen.
    Ich drücke den Schweden also die Daumen, die Hoffnung stirbt zuletzt.
    mosch

  • Jetzt wird’s spannend: VM will 5,5 Mrd SEK direkt von einer chinesischen Bank leihen, ohne Beteiligung von Youngman. Ein Schelm, wer sich was dabei denkt…

  • “Erstaunlich ist die Passivität der Stockholmer Administration”. Ja das ist erstaunlich. Auch in anderen Fällen (Estonia, Wiki Leaks) verhält sich die Regierung in Schweden gegen jede Vernunft und Logik. Aber immer zugunsten der Amerikaner! System?

  • Nein noch darf man nicht aufgeben. Aber wenn es wirklich zum Aüßersten kommen würde muß ich meinen Plan ändern ( ich wollte meinen Saab noch ein paar Jahre fahren bevor ich mir einen neuen kaufe ) und patriotisch wie ich sonst eigentlich veranlagt bin , mir ein Fahrzeug aus dem deutschen Süden zulegen. Mir würde es glaube ich dermaßen den Magen umdrehen , wenn irgendwie über irgendwelche Kanäle für Ersatzteile auch nur ein Cent von mir bei diesen amerikanischen Halsabschneidern landen würde

  • hallo tom,

    deine überschrift könnte von vm stammen…
    ich bin sehr zuversichtlich, dass es noch eine lösung gibt und gm ist einfach nur dumm – immerhin verdienen sie an den lizenzen und den teilen, die sie für die aktuellen modelle liefern.
    welches know-how sie schützen möchten, ist mir auch nicht klar – glaubt denn wirklich noch jemand, dass die chinesen das aktuelle know how nicht schon lange haben? wie hoch innovativ schätzt sich denn gm mit der in saab verbauten technik denn ein?
    die leben wirklich in einem wolkenkuckucksheim…

  • Wenn GM sich so strikt an die Verträge halten will, bitte schön. D.h. man muss doch “nur” einen Vertrag formulieren, der den Anforderungen von GM genügt …… und dazu noch einen vertraulichen Nebenvertrag, der festlegt, wie man sich dann in der Realität verhalten wird.

  • Wenn 2 chin. Investoren je knapp 20% übernehmen, sind es auch fast 40% chin. Anteil.
    Und da wird GM wieder nicht zustimmen…
    Ob die Sache mit den convertible options klappt? Meine letzte(?) Hoffnung…

  • Das Verhalten von GM ist leider total destruktiv, das war leider schon immer so. Kaum wurden sie mit US-Steuergeldern gerettet, da fühlten sie sich wieder. Dort sollte man komplett das Management gegen fähige Leute austauschen. Wenn Saab fällt, dann hat auch GM nichts davon. Die Angst vor Know-How-Abwanderung nach China scheint größer zu sein als alles andere…

  • Vorab eine Bemerkung zur schwedischen Regierung sowie zu Herrn Lofalk:

    Beide Parteien kann man eigentlich nur noch als kontraproduktiv in Sachen SAAB bezeichnen.

    Wenn hier nicht tausende unmittelbar betroffene Menschen (Werksmitarbeiter, Zulieferer, Händler global etc.) sowie auch hundertausende SAAB-Besitzer und Fans weltweit irgendwie leiden müßten, wäre das Ganze ja nicht als so wichtig einzustufen – da die ganze Angelegenheit aber bekanntlich sogar an die Substanz ganzer Regionen in Schweden geht, sollten besagte Leute ihre Hirne endlich mal anstrengen oder wenn da nichts kommt, wenigstens nicht fortwährend anderen Parteien Knüppel zwischen die Beine werfen (ähnlich wie die Leute aus Detroit).

    Die gestern im Blog angeklungenen Vorschläge in Richtung vorübergehender Minimierung der Produktpalette halte ich für sehr gut. Mein Vorschlag dazu wäre, zusätzlich für andere Unternehmen die im Kleinwagenbau Engpässe haben, für einige Jahre deren Fahrzeuge im Auftrag mit zu fertigen – damit auch über diese Schiene Finanzmittel in die Kasse kommen. Das moderne Werk in Trollhättan darf einfach nicht brach liegen – dies wäre ja eine unmögliche Situation.

    Wie immer, viele Grüße aus der Hansestadt Hamburg

    Joachim

  • Was ist denn mit diesem Szenario?

    19,9% Youngman
    19,9% Pang Da
    19,9% Chinesische Bank
    40,3% Swan

    Da könnte doch GM auch nix sagen?

    Auf jeden Fall sollten die jetzt endlich mal angasen!

  • Ist das alles nur gezieltes Taktieren oder sind sämtliche beteiligten Verhandlungspartner einfach nur zu blöd (sorry) !?!?!?!?

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