Saab und das Ende der Straße

Nachdem mein Tag gestern hektisch und voll Arbeit war wollte ich die schlechten Zeichen aus Trollhättan erst einmal ignorieren. Genutzt hat es nichts. Neuer Tag, gleiche Situation. Guy Lofalk, der Administrator, denkt über einen Abbruch der Rekonstruktion nach. Sein klares und einfaches Statement “..uns geht das Geld aus.”

Die Lage ist leider sehr schwierig geworden, von Youngman kommt kein Geld, von GM keine Entscheidung. Auch der Administrator hat gewisse Regeln, an die er sich halten muss. In meinen Augen geht Lofalk schon recht weit und riskiert einiges für Saab. Da aber keine Gelder in greifbarer Nähe sind wird er in den nächsten Tagen eine Entscheidung treffen.

Über mehrere schwedische Kanäle, sowohl Rundfunk als auch Presse, wurde dieses Statement publiziert. Ein bestätigtes Datum gibt es noch nicht, an dem Lofalk der Gläubigerversammlung den Abbruch empfehlen will.

So lange haben die Parteien noch eine letzte  Frist zur Einigung. Guy Lofalk ist, ganz offen, die Querelen leid. Der Brief von Hugenholtz war kontraproduktiv und nicht angemessen. Ich denke dem Adminstrator hat es bei der Entscheidung geholfen das Kaspertheater in Schweden zu beenden.

Schaut man von draußen auf die Lage bei Saab, damit meine ich von Deutschland aus, so meint man dass einige Parteien nur den eigenen Gewinn, nicht aber das Wohl des Autobauers auf der Agenda haben. Deshalb ist der Warnschuß von Lofalk zu begrüßen.

Letzte Chance, dann gehen die Lichter aus. Hoffentlich hört man die Warnung und nimmt die Signale wahr. Victor Muller, die Chinesen und auch die Herren in Detroit können dabei nur verlieren, wenn Saab in den Konkurs geht. Für Muller geht es um die Existenz, für die anderen um einige hundert Millionen Euro und um das Image.

Da haben sie dann ein Gemeinsamkeit mit uns. Denn wir, die Fans, die Mitarbeiter und die Lieferanten stehen schon seit Monaten auf der Verliererseite.

Harte Worte, sicher. Aber die Wahrheit,

Text: tom@saabblog.net

18 Gedanken zu „Saab und das Ende der Straße

  • nein tom, das ist nicht die wahrheit, sodnern deine meinung – so wie meines auch nur meine meinung ist.
    was hat mr. lofalk den zustande gebracht? nichts!
    seine vorschläge waren für gm unanehmbar, was auch in anbetracht der gültigen verträge schon im voraus klar sein musste.
    sein jetziges statement kommt terminlich zu einem zeitpunkt, zu dem ein neuer vorschlag bei gm auf dem tisch liegt, zu dem es offesichtlich von gm noch keine antwort gibt. die gestern publizierte antwort bezog sich auf einen vorgerigen vorschlag nach meiner kenntnis.
    der vorschlag stammt nicht von ihm und daher benimmt er sich wie ein kleiner junge…
    dieser mann ist sicher alles andere als professionell und hat keine realisierbaren ideen. er hat viel zu früh den chinesen alles versprochen und nichts davon konnte er einhalten, weil eben verträge dagegen stehen.
    eines ist aber sicher: lofalk verdient sich an saab eine goldene nase, egal wie es ausgeht.
    bei vm sehe ich das anders: er ist im moment der eigentümer von saab und hat daher naturgemäss ein vitales interesse an saab und auch an seinem besitz. dies ist normal, nachvcollziehbar und logisch und es ist doch grotesk jemandem vorzuwerfen, dass er um sein eigentum kämpft.
    wie würden wir agieren, wenn man uns enteigenen wollte?

    • Lieber Marcus,

      leider geht es nicht darum was wer wie zustande gebracht hat. In der Rekonstruktion gelten Regeln. Diese hat Lofalk zu befolgen und er hat es die letzten Monate auch getan. Ebenso sind ihm die Hände gebunden, so dass er aktuell wenig Spielraum hat. Er muss abbrechen.
      Ganz klar, wer eine Rekonstruktion will, der akzeptiert dass er einen Administrator bekommt – welcher das letzte Wort hat. Auch Muller hat das gewusst und trotzdem gewollt.
      Also, bitte kein Jammern, auch wenn ich Dich sehr gut verstehen kann. Pactae sunt servanda.

    • Hallo Marcus,

      leider wissen weder ich noch Du, noch Tom was die Wahrheit hinter dem ganzen Theater ist. Wir tauschen hier nur unsere Meinungen und Sichtweisen aus. Vieles davon basiert leider auf Spekulationen, denn bis auf die SWAN Pressemeldungen sind alle News zum Thema SAAB in den Medien nur Mutmaßungen.

    • Hi Marcus,

      muß Dir voll beiflichten, dieser Administrator hat nichts auf die Reihe gebracht und in völliger Unkenntnis der Verträge nur Zeit verloren. Superschlecht für Saab.
      Dazu ist er noch VM in den Rücken gefallen. Hätte er den damaligen Vorschlag von VM mit unterstützt wäre der vielleicht schon in trockenen Tüchern – aber nein er mußte ja den Chinesen 100 % anbieten…

      Und wie Du geschrieben hast: Der Administrator bekommt immer als ERSTES sein Geld aus der Konkursmasse !

  • Moin Tom, …

    … so langsam wird mir nun wieder bange. 🙁
    Das lesen im Web über Saab macht die letzten tage mal wieder keinen Spaß.

  • Was ist das für ein Trauerspiel? Was ist das für ein Administrator, was ist das für eine Regierung, die eine Firma wie Saab untergehen läßt? Wenn das Wirtschaftministerium zur richtigen Zeit eingegriffen hätte, würden die Bänder heute wieder laufen.
    Ich habe den Eindruck die schwedische Regierung beugt sich – mal wieder – amerikanischem Druck.

    • Ja, es ist ein Trauerspiel. Der Administrator hat (und muss) gewisse Spielregeln befolgen. Warum sollte die schwedische Regierung einen Autohersteller am Tropf belassen, von dem aus der Erfahrung heraus nicht zu erwarten ist, dass er profitabel arbeitet. Wenn das Wirtschaftsministerium zu richtigen Zeit was, bitte, gemacht hätte – Steuergelder versenkt ?

      Die Realität ist bitter, es wird vermutlich kein Weg daran vorbei führen, sich an den Gedanken zu gewöhnen, dass es keine neuen Saab mehr geben wird. Alles andere ist Schönrederei….

      Wer hier hat denn beispielsweise einen Neuwagen schon bestellt ?

      • Aus der Erfahrung heraus hat GM über viele Jahre in Bezug auf SAAB versagt – das ist die Realität. Die Meinung, dass nicht zu erwarten ist hier ein sog. profitables Unternehmen hinzukriegen, ist außerdem nicht die Auffassung der Allgemeinheit.

        Sogar GM wurde mit Milliardenbeträgen in Amerika unterstützt, um wieder auf die Beine zu kommen – selbst dort war zuvor die Kasse leer.

        Dein Kommentar geht eigentlich voll daneben – ein wahrer SAAB-Fan sieht das anders!

        Julie

        • GM und Saab sind Geschichte, nein, nicht ganz, wie wir wissen. Die Auffassung der Allgemeinheit würde mich interessieren, vor allen Dingen wer ist die Allgemeinheit – besteht sie aus denjenigen, die sich die Situation so zurecht legen, wie sie gerne sein mag oder aus jenen, die eine Spur Emotionalität mit einem gesunden Maß an Menschenverstand und einer realistischen Einschätzung der Situation gekoppelt haben. Zur letzten Gruppe zähle ich mich und wahrhaft, Deine Auslassungen zur Sinnhaftigkeit meiner Äußerung = träum´ weiter. Und rein marktwirtschaftlich sei noch erwähnt, von nichtkaufenden SAAB-Fans kann SAAB nicht existieren.

      • Die Liebe der SAAB Fahrer zu ihren Autos ist der Marke vielleicht zum Verhängnis geworden. Während BMW und Audi Fahrer ihre Autos (wahrscheinlich aus Image-Gründen) alle 3-4 Jahr gegen das neueste Modell der Marke tauschen, fahren SAAB Fahrer ihr Autos bis zu 10 Jahren. Große Loyalität, dafür aber weniger Umsatz als bei anderen Marken.

        • Das ist auch nachvollziehbar und geht so lange gut, wie man immer wieder neue Käufer gewinnt. Mit immer neuen Käufern von SAAB-Automobilen hat das zu unser aller Bedauern leider nicht geklappt. Die Konsequenzen sind bekannt. Meine Volvos fuhr ich früher rd. 5 Jahre und 100.000 km, der Zyklus war relativ stabil. Volvo ist es mit einigen Modellen erfolgreich gelungen, neue Käufer zu gewinnen.

          • Das mit dem alle paar Jahre ein neues Auto erwerben, klappt sogar bei Opel oder Mitsubishi – sagt jedoch überhaupt nichts über die Qualität von Fahrzeugen aus.

            Joachim

            PS: Volvo mußte übrigens nach China verkauft werden, weil auf der Haben-Seite auch nicht alles rosig war – von wegen “erfolgreich gelunngen, neue Käufer zu gewinnen”.

  • Ich denke, das wird nichts mehr. Wer für die Situation von SAAB verantwortlich ist? Würde mal sagen das aktuelle Management, dessen vornehmliche Aufgabe es ist, das Unternehmen für die Zukunft aufzustellen.

    Seit dem Kauf von SAAB waren die Spielregeln klar, aber man konnte mit oder ohne (Wunsch)-Administrator keine akzeptable Lösung finden. Ob die jetzt abgegebene Lösung wirklich 100% abgestimmt ist und bei Genehmigung umsetzbar wäre? Wer weiss; bisher wurde nur die Verbindlichkeitsstufe von MOUs erreicht.

    Das jetzt alle anderen schuld sein sollen, ist mir etwas zu einfach.

  • Hallo Tom,

    Du machst wirklich eine gute Arbeit und hast dafür gesorgt, dass wir immer auf dem neusten Stand waren!
    Vielen Dank!
    Was aber hat das nun zu bedeuten, dass die SWAN – Aktien vom Bildschirm verschwunden sind?
    Ist nun doch Saab gestorben?
    Ich hoffe nicht!

    Gruss Bumblebee

  • Einen Neuwagen habe ich nicht bestellt , da bei mir zur Zeit nicht nötig. Mein 9-3 Kombi ist erst 4 Jahre alt , läuft super , und ich habe vor an diesem Auto noch einige Jahre meine Freude zu haben.Und in ein paar Jahren hoffe ich , das es dann noch möglich sein wird auch mal wieder einen neuen Saab zu kaufen . Aber wie sich die schwedische Regierung im Fall Saab verhält grenzt schon stark an Sabotage. Man mag von Herrn Muller halten was man will , aber ihm gehört Saab nun einmal ( noch ). Die Regierung versucht offensichtlich alles um ihn loszuwerden anstatt mit ihm zu kooperieren. Man denke nur daran , dass da über Monate die Information zum Einstieg von Antonov verschwiegen wurde . Wär ja wie wir jetzt wissen eh nichts als Ärger dabei herausgekommen , aber es wurde viel wertvolle Zeit verschwendet. Auch in der Zeit vor Muller als GM in Schweden genauso wie in Deutschland für Opel , für Saab um Überbrückungsgelder bei den Regierungen bettelte , kam als Antwort aus Schweden ein umgehendes und striktes nein. Ich sag nur : Deutschland hat`s nicht geschadet das bei Opel viele tausend Arbeitsplätze erhalten blieben , und soweit ich weiß , hat Opel bzw.GM inzwischen auch alle Schulden wieder zurückbezahlt. Im Gegensatz zu den vielen Banken , in die Unsummen von Geld gepumpt wurde , und nicht viel dabei zurück kam.In Schweden ist man anscheinend nicht auf die Lohnsteuer von ein paar tausend Saabmitarbeiter und Mitarbeitern von Zulieferer angewiesen , sondern zahlt ihnen dann eben mit den Steuern der restlichen arbeitenden Bevölkerung ihr Arbeitslosengeld.

  • Gott sei Dank, die Saab-Aktie ist wieder auf dem Bildschirm aufgetaucht!
    Somit ist Saab noch nicht weg vom Fenster!
    Wir lieben Saab, leben Saab und stehen zu Saab, komme was wolle!

    Gruss Bumblebee

  • Auch ich fände es sehr schade, wenn SAAB nun doch Konkurs gehen würde…
    Bei mir ist nächstes Jahr ein neues Fahrzeug fällig und ich würde mir auch sehr gerne wieder einen SAAB zulegen…
    Warten wir die nächsten Stunden, Tage, Wochen ab…

  • @ Joachim

    Die von Dir erwähnten Fabrikate spielen auch in einer anderen preislichen Liga, verfolgen eine völlig andere Zielgruppe. Insoweit ist das Beispiel untauglich. Dass bei Volvo nicht alles rosig war, wurde nicht gesagt. Im Gegensatz zu SAAB hat(te) Volvo mehr oder weniger zufriedenstellende Absatzzahlen.

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