Rückspiegel: Saab kaufen !

Der Blick zurück: Bloggers Rückspiegel
Der Blick zurück: Bloggers Rückspiegel

Seit Monaten bestimmt die Marke aus Trollhättan einen Teil meines Tages. Ich blogge für Saab, war mit Saab auf Tour und ich leide mit Saab und den Mitarbeitern. Für Saab habe ich meinen Urlaub genommen und schlage mir die Nächte um die Ohren. Ich bin loyal, loyal zur Marke. Was aber nicht ausschließt, dass ich viele Dinge kritisch sehe.

Mittlerweile scheint es, nähern wir uns dem Ende eines langen Weges. Es scheint so, denn eine Rettung in letzter Minute ist immer noch möglich. Da ich Saab und die Geschichte  der Marke recht gut kenne, möchte ich das nicht als abwegig bezeichnen. Wahrscheinlich muss nur der Schmerz und der Leidensdruck sehr hoch sein, das die Parteien bereit sind kleinere oder auch größere Kröten zu schlucken.

Es ist die Entscheidungsschlacht. Der Begriff „Schlacht“ ist angebracht, denn es wird mit Tricks und Schlägen unter der Gürtellinie gearbeitet. Knallhart. Die Presse und auch die Blogs werden für eigene Zwecke, der Begriff Propaganda wäre der richtige, eingespannt.

Für mich haben seit Sonntag einige der Parteien ein Glaubwürdigkeitspotential erreicht, was in Richtung „0“ geht, bei einigen Fans sicher auch. Meldungen wurden gezielt gestreut, Erwartungen aber enttäuscht.

Was immer auch vor sich geht, wir wissen nur einen Teil. Auch unsere sehr guten Kontakte helfen nicht weiter. In Peking will man Saab um fast jeden Preis. Entgegen jeder Vernunft hat man einige 100 Millionen investiert. Peking wird Saab nicht so schnell aufgegeben. Vielleicht aber haben auch die Chinesen einen Plan B.

Die amerikanische Seite ist noch schlimmer dran. Schickt man Saab in den Konkurs, dann gehen Lizenzgelder und der stattliche Berg der Vorzugsaktien verloren. Auch da sind es einige 100 Millionen, die auf dem Spiel stehen. GM ist eine Vereinigung von Buchhaltern. Verluste und entgangene Gewinne schmerzen, auch in Detroit. Gehen die Lichter in Schweden aus, wird der Schuldige GM sein. Ob das zutrifft oder nicht. Der große schwarze Peter geht an den Potomac, ein kleiner schwarzer Peter nach Holland und Stockholm. Ein Imageschaden für das Europa Geschäft, welches nicht auf  stabilen Füßen steht, ist sicher. Und kostet auf mittlere Sicht viel Geld.

Die Rolle von Spyker, oder Swedish Automobile, oder sollte ich Victor Muller sagen, ist auch nicht besser. Es geht hier nicht um die Begeisterung für Saab, es geht um knallharte Eigeninteressen. Mit geliehenem Geld hat er einen Hersteller gekauft, der dringend Investitionen gebraucht hätte. Ohne kapitalstarke Partner im Hintergrund…ein Unternehmen ohne Chance. Vergessen wir dabei Antonov. Seine Taschen waren niemals tief genug, um Saab dauerhaft zu finanzieren. Für Muller geht es um den „Deal“. Dabei meint er den „Deal“ seines Lebens, um den er jetzt kämpft. Das ist legitim. Den Schaden trägt aber Saab.

Die dritte, oder sollte ich besser sagen, die vierte Partei. Es gibt sie wirklich. Ich muss nur auf die tägliche Zugriffsliste des Blogs schauen. Alle Parteien lesen mit. Saab, General Motors, Besucher aus China und Russland. Natürlich auch die legendäre dritte Partei. Mein persönlicher Hoffungsschimmer am Horizont. Geht Saab in den Konkurs, könnte diese Partei den Standort in Schweden retten. Denn sie ist kapitalstark, braucht keine Chinesen, keine Holländer und schon gar nicht Technik aus Detroit.

Ist Saab nach dem Desaster der letzten Wochen am Ende ? Nein, die Marke lebt und sie lebt auf unterschiedliche Arten. Viele Saab Fahrer sind abgewandert und aktuell kündigt sich in täglichen Mails eine neue Welle an. Ich kann dem leider nichts entgegensetzen, denn wo wären die Argumente ? Saab Fahrer, die abwandern, kommen aber immer wieder zurück. Meistens kommt dann ein alter, gebrauchter Saab als Drittwagen oder Hobbyobjekt in die Familie.

Saab mutiert, teilweise zumindest, zur Youngtimer Marke. Ein Freund von mir macht das auch so. In den nächsten Tagen sitzen wir im Flieger und holen einen Youngtimer,der uns beide über den Winter beschäftigen wird. Ich freue mich jetzt schon darauf !

Es kommt aber noch besser. Denn immer noch, das ist erstaunlich im Feuerwerk der negativen Nachrichten, möchten Leser und Fans einen neuen Saab bestellen. Auf SaabBlog.net wird täglich nach neuen Autos aus Schweden gesucht. Suchbegriffe wie „Saab bestellen“, „neuen Saab kaufen“ oder „wann kommt der 9-5 Kombi“ werden täglich verwendet.

Den Händlern treibt es jetzt vermutlich die Tränen in die Augen, den Jungs bei Saab Deutschland auch und mir sowieso.

Die Investoren werden das gerne lesen, die „dritte Partei“ auch und wenn man in Peking Näheres wissen will, kann man mir gerne eine Mail schicken…

Text: tom@saabblog.net

12 Gedanken zu „Rückspiegel: Saab kaufen !

  • Ein super Beitrag! Nach nun 6 Monaten des wartens ist die Zeit für mich definitiv gekommen ein neues Auto bestellen zu müssen,
    da der Leasingvertrag ausläuft und nicht verlängert werden kann.
    Was tun??? Einen Saab bekommt ja nun bekannterweise nicht, der geplante Notfallplan B-ein Insignia von GM-definitiv nicht mehr!!!nie im Leben mehr GM.
    Auch wenn es weh tut-nun ist es Zeit einen Chinesen aus Schweden zu holen-V70-verzeiht mir!
    Ich hoffe das Saab in den nächsten 2 Jahren eine Lösung gefunden hat und wieder Autos baut die so aussehen wie der neue 95er etc.
    Dann komme ich wieder-hoffentlich!!!

  • Ein echt tolelr Beitrag Tom, danke 🙂

    Ich würde zu gern wissen, wer der unbenannte Investor ist… 😀

    Das schöne an meinem SAAB ist das, was ich gestern erst wieder erlebt habe. Ich hatte nen anstrengenden, streßigen Arbeitstag, kam spät nach Hause, mein Tank war auch leer und laß hier nur schlechte Nachrichten, ich stieg ein und fuhr also tanken und nach Hause. Zu Hause angekommen war ich so sehr gut gelaunt… Mein 9-3 schafft es einfach immer wieder meine Laune auf einen neuen Höhepunkt zu bekommen. Die bequemen Sitze, das pfeiffen und zischen des Turbos… Deswegen liebe ich diese Marke so, genau deswegen!

  • Hallo Tom,
    super Beitrag! Nur habe ich eine Frage. Die „vierte Partei“ würde Saab also nach einem Konkurs übernehmen und sie dann ‚aufpeppeln‘ wollen? Und wieviel Seriosität räumst du diesem Interesse ein?
    Wir würden lieber heute als morgen eine Bestellung für einen Saab aufgeben. Uns wird Saab nicht so schnell los, eher kaufen wir einen jungen Gebrauchten. Ich finde, dass andere mit Abwanderung zumindest noch ein wenig Geduld haben sollten, da die Entscheidung immer näher rückt.

    • Hallo dsc
      Ich sehe ein großes Interesse das sich seit Monaten gezeigt hat und immer wieder aus verschiedenen und voneinander unabhängigen Quellen bestätigt wird. Natürlich ist dabei auch Bauchgefühl und Intuition dabei, aber für Saab wäre es eine stabile und seriöse Lösung. Leider ist in den letzten Monaten die Situation eher schlimmer geworden, man hat das Werk für wenig Geld verkauft und Teile der Phoenix Plattform verpfändet. Das macht den Einstieg nicht einfacher.
      Das Finale naht, zumindestens aus heutiger Sicht. Noch habe ich einen vorsichtigen Optimismus!

  • Toller Beitrag, wie immer ! Wenn SAAB geht, dann geht auch Tom und der Blog und ehrlich, wir würden Dich sehr vermissen ! Das wäre traurig und mein Leben wäre ärmer 🙁

  • Auch von meiner Seite ein aufrichtiges Danke für diesen guten Beitrag!

  • Kann mir mal jemand einen tipp zu der „4. Partei“ geben? 🙂

    Grüße

    • Mir fällt im Moment nur die Familie Wallenberg ein – eine der reichsten Familien Schwedens und die ehemaligen SAAB-Gründer.

      Ich könnte damit natürlich auch falsch liegen – von der Finanzstärke her, kämen diese Leute aber wohl sehr gut in Betracht (vielleicht treten sie sogar mit den Chinesen zusammen auf).

      In dieser oder anderer Richtung – hinsichtlich reiche Investoren – wird noch etwas kommen. Falls GM sich wieder nicht intelligent verhält….

      Viele Grüße aus Hamburg

      Joachim

      • Kein Investor. Mir fällt vielleicht eher ein Autokonzern ein, FIAT war schon mehrmals interessiert. Tom schreibt „braucht keine Technik aus Detroit“. Schreibt aber auch „kapitalstark“. Mist 🙁 Dann doch nicht.Dann doch vielleicht Renault oder die PSA Gruppe. Das könnte doch passen.

  • Wenn man die Andeutungen in Tom`s Artikel ein paar Monate zurück verfolgt kann`s eingentlich nur ein deutscher Hersteller mit 2 Buchstaben sein , der in seiner riesigen Markensammlung schon eine Marke mit dem Greif , die etwas größere Autos baut , besitzt

    • Ahhh… okay wäre ein Partner mit dem man, bzw. ich, leben könnte 🙂
      Weil mir die Asiaten doch etwas angst machen.

    • Das wäre natürlich eine super interessante Lösung

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