Saab Lage: Zurück an den Verhandlungstisch (?)

Die gestrige Nachricht war ein Rückschlag für Saab und ich hatte eigentlich mit einer Zustimmung von GM unter Auflagen und Einschränkungen gerechnet. Ich habe mich geirrt. Für Victor Muller kam es nicht überraschend, er hat damit gerechnet und ist jetzt wieder einmal im Spiel um Macht und Einfluss mit dabei.

Für unseren schwedischen Autohersteller ist die Situation nicht gut. Zum einen sind wir erneut in den negativen Schlagzeilen, das Theater in Trollhättan geht in den nächsten Akt. Zum anderen ist die zukünftige Eigentümerstruktur völlig offen. Auch der ambitionierte Zeitplan, der Verkauf sollte am 15. November vollzogen werden, ist Makulatur.

Wie exakt sich diese Entscheidungen auf den Sanierungsplan, die Rekonstruktion und auf die Kaufabsichten von Youngman und Pang Da auswirken, das werden wir im Laufe der nächsten Stunde und Tage erfahren.

Gestern kamen zwei Signale aus Schweden. Zum einen sagten schwedische Freunde, wir sollen nicht aufgeben. Zum anderen sehen sie immer noch eine Lösung, die möglich ist. In den letzten Monaten waren diese Hinweise immer richtig, also bleiben wir ganz entspannt.

Die Saab Gemeinschaft ist momentan recht gespalten, was sowohl Muller als auch die Chinesen angeht. In meiner Mailbox landete dann so der ein oder andere Kommentar, den ich als grenzwertig empfunden habe. Egal ob man Investoren aus dem Reich der Mitte mag oder nicht und auch egal ob man Victor Muller mag, wir sollten auch in dieser Beziehung versuchen ruhig zu bleiben. Auch ich versuche in einigen Dingen, die mir nicht gefallen, neutral zu bleiben…

Gestern Abend kam dann noch ein Kommentar aus China in Sachen Saab. Ein Journalist schrieb folgendes: “GM ist dagegen, solange bis jemand sagt, dass sie dafür sein müssen…”

Die Sache dürfte jetzt hochpolitisch werden. Denn die NDRC in China wird nicht kommentarlos zusehen was in Schweden passiert. Werden die Interessen und Ziele der Komission tangiert, wird GM ein entsprechendes Signal erhalten.

Wir werden sehen.

Text: tom@saabblog.net

5 thoughts on “Saab Lage: Zurück an den Verhandlungstisch (?)

  • Es nervt einfach, dass so ein kriegsentscheidender Punkt wie die GM-Lizenzen offensichtlich nicht richtig eingeschätzt wurde. Was will SAAB denn ohne diese Lizenzen machen? Alle Modellreihen einstampfen und neu konstruieren? Das ist ja wohl der Witz des Monats!

    Und GM tut gerade so, als ob sie mit SAAB nichts verdienen würden. Wenn es SAAB gut geht, verdient GM nämlich kräftig mit! Also was soll das? BMW verkauft auch KnowHow an seine Marktbegleiter. Also warum stellt sich GM bei diesem Punkt so an? Es geht doch am Ende, wie immer, nur ums liebe Geld.

  • Ich kann nur sagen, daß wenn sich GM Sorgen um sein Know How macht, dann hätten sie Saab eben behalten. So hätten sie ihr Know How abgesichert. Haben sie aber nicht getan. So what!

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    Dann war wohl auch dieses MOU wieder so schlecht vorbereitet, dass es wenig Erfolgschancen hatte. Das einzig positive ist für mich dabei, wie hoch die SAAB-Technologie im Kurs steht.

    Hoffen wir, das alle Beteiligten das nötige Verantwortungsbewusstsein mitbringen, um einen Kompromiss zu finden.

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    alles was hier aktuell und in der nächsten zukunft läuft ist politik und sollte nicht überbewertet werden – vieleicht kommt dabei sogar eine bessere lösung heraus, wer weiss das schon?
    wie schon einmal erwähnt, wissen wir alle viel zu wenig, um es wirklich beurteilen zu können.
    diese machtspielchen gehören wohl heute dazu, wenngleich wir sicher alle darauf gerne verzichten würden.

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    Lieber Tom
    Es bleibt jetzt keine andere Wahl, als abzuwarten. Ich denke auch, dass Schweden nicht tatenlos zusehen wird, wenn zahlreiche Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen. Gerade in der jetzigen Konjukturlage. Man könnte ja die Entwicklungs- und Designabteilung vom SAAB-Konzern trennen. Natürlich hat auch das seinen Preis. Aber das GM grosses Interesse am Verkauf seiner Produkte und dem Marktanteil an China hat, ist ja klar. Wir werden sehen. ich bin sehr zuversichtlich.
    Viele Grüsse
    Walter

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