Saab News: Was in Trollhättan so passiert

Momentan ist es schwierig den Überblick der aktuellen Lage zu behalten. In Mails von schwedischen Freunden ist der Frust und die Resignation zu spüren. Alles wartet auf die erlösende Nachricht für Saab, die Genehmigung für das Rekonstruktionsverfahren.

Die Vereinigungen der Zulieferer, CLEPA und FKG begrüßten gestern die Entscheidung des Gerichts. Denn sie sehen in einer erfolgreichen Rekonstruktion die einzigste Möglichkeit die Automobilbranche in Schweden langfristig zu stärken. Vermutlich haben sie damit Recht, denn ein anderer Akteur hat sich zu Wort gemeldet und zweifelt am Plan “D” von Saab CEO Victor Muller.

Der freundliche Beamte des Kronofogden, der seit Wochen versucht Forderungen einzutreiben ist etwas in Vergessenheit geraten. Jetzt, wo 70 Millionen € von Lotus Youngman kommen sollen, wird er hellhörig. Der Kronofogden kann, so der Hinweis, auch das für Löhne, Gehälter und Steuern reservierte Geld beschlagnahmen und damit Forderungen begleichen.

Die Oktober Löhne wären damit eventuell einkassiert und ohne Rekonstruktion wären die Lizenzgelder aus China völlig schutzlos.

Damit würde der D-Plan vermutlich nicht funktionieren, der ja gar nicht von Saab kommt. Die Pressestelle dementierte gestern den D-Plan, der via Reuters, TT und andere Kanäle um die Welt ging. Dazu keinen Kommentar von mir.

Okay, die IF Metal geht heute wie angekündigt zum Konkursrichter und wird für die Mitglieder das Konkursbegehren vortragen. Sonst nichts neues. Zumindest nicht wirklich.

Da gibt es eine Saab Geschichte zur IAA 2011 in Frankfurt mit vielen Fragezeichen und Spekulationen die veröffentlicht wird sobald mein “Real Life” Schreibtisch etwas übersichtlicher geworden ist.

In der taz steht ein Abschiedsartikel für Saab, der zwischen den Zeilen leise Töne anschlägt und interessant zu lesen ist. Denn der Artikel sagt auch einiges über den Seelenzustand der Saab Händler aus und zeichnet ein Bild, welches die Stimmungslage der Mails an den Blog wiedergibt.  Trotz, oder gerade wegen, der schwierigen Lage stehen immer noch viele Betriebe hinter der schwedischen Marke.

Viele hoffen und glauben an einen Neustart, in welcher Konstellation auch immer. Zum Schluß noch der Blick nach Amsterdam. Swedish Automobile notiert um einen Euro. Hmm.

Die Aktie ist so unentschlossen wie die Nachrichtenlage. Wie auch immer. Warten wir ab.

11 Gedanken zu „Saab News: Was in Trollhättan so passiert

  • Auch ich hab den Überblick verloren: Was war überhaupt Plan C? Ist das der erneute Versuch einer Rekonstruktion? Oder gehört das noch zu B? 😉

  • Plan B war die neue produktion mit dem geld vom Verkauf der Gebäude…oder war das schon Plan C ? Nein, Plan B war Hawtai oder wie der Laden immer auch war.
    Wird Zeit dass mal ein Plan von VM funktioniert. Sonst ist zappe mit den Plänen. Auch wenn noch viele Buchstaben bis X Y Z sind 😉

  • Die Aktie in Amsterdam pendelt um einen Euro herum, ist aber leicht positiv. Der absolute Tiefpunkt war bei 0,35. Warum habe ich da nicht…? Hinterher ist man immer schlauer. Das wären auf einen Euro “schlappe” 286% mehr…

  • Mein Händler, bei dem ich im Juli noch meinen Griffin abholen konnte, macht Ende des Jahres dicht :(. An irgendwelche Pläne glaubt dort niemand mehr.

    Ich war gestern auf der IAA — die leere Fläche neben Suzuki sieht ganz schön trist aus.

    • Der Neustart für Saab wird hart. Es wurde viel vertrauen verspielt und wenige Versprechnungen vom Holländer gehalten.

      Kriegt Saab die Kurve wird es hier im Land Jahre dauern das alles gutzumachen. 🙁

  • Ich habe irgendwo im Internet gefunden, daß VW überhaupt kein Interesse an Saab hat. Ich verstehe deren Strategien überhaupt nicht. Sie haben bereits Scania anteilsmäßig erworben und somit auch das Logo. Wenn ich mir anschaue, daß VW 62 Mrd. Euro in den nächsten Jahren in neue Werke und Produkte investieren will, dann hätten sie Saab aus der Portokasse bezahlen können. Aber das Porsche-Trauma scheint tief zu sitzen.

    Nicht, daß ich wollte, daß Saab an VW geht. Aber ein starker Partner aus dem Automobilbereich wäre schon gut. BMW hatte scheinbar auch kein Interesse, sind ja selbst nicht gerade groß.

    • @@ Philmos

      Hmm, ich frag mich immer, was VW denn überhaupt mit Saab soll?
      Die haben doch z.B. Audi … und auch Technologie, etc. genug.
      Das Argument Scania zieht bei PKW glaub ich hier nicht so sehr.

      Und BMW bräuchte sicher auch keine Marke “neben sich”, sondern eher eine “etwas darunter”.

      Ich glaube, da liegt auch eins der Probleme von Saab … niemand “potentielles” in Europa oder Amerika scheint Saab zu brauchen (als gleichwertige Marke neben seiner eigenen)

      • Das zeigt dann aber schon, wie stark die Marke eigentlich ist, wenn sie niemand neben sich haben möchte. VW hat nur Hausmannskost mittlerer Qualität mit Ausnahme des Golfs und verkauft sie teuer in Designer-VWs genannt Audi oder Bentley. Selbst Suzuki hat nichts Verwertbares bei VW gefunden, die Technik ist ausgewrungen bis in Letzte, auf Stückzahlen getrimmt ohne echte Innovationen. So echte Innovationen wie z.B. Motorentechnik wie bei Fiat bleiben aus. Da hat BMW mehr zu bieten, aber das wären wirklich schärfste Konkurrenten, BMW und Saab. In anderen Industriesegmenten ist ein Nebeneinander von Konkurrenten bei einem Hersteller durchaus denkbar z.B. Uhrenindustrie, Elektronik oder weiße Ware…

  • Wie bereits mehrfach nicht nur auf diesem Blog angeklungen:

    Wenn die chinesischen Partner wirklich zu 100% hinter den Einstiegsplänen stehen, müßte es dort auch eine Möglichkeit geben, den Genehmigungsprozeß spürbar zu beschleunigen – d. h. in meinen Augen, dass binnen weniger Tage eine positive Entscheidung auf dem Tisch liegt!

    Andererseits könnte man aber von den staatlichen schwedischen Stellen endlich mal Unterstützung (sprich Genehmigung der Rekonstruktion) bekommen, weil es eigentlich in erster Linie um die viel beschriebenen schwedischen Belange (Region, Personal und und und) geht!

    Wer die Sache ironisch betrachten möchte, könnte bei der augenblicklichen Lage annehmen, dass mit vereinten Kräften der chinesischen und schwedischen Staatsorgane der Karren doch noch in den Dreck gefahren werden soll. Hoffentlich wachen irgendwo doch noch einige Entscheidungsträger auf!

    Hier fehlen einem momentan wirklich die Worte…

    Einen lieben Gruß aus Schleswig-Holstein an alle dennoch standhaften SAAB-Fans!!

    Julie

  • Es ist wirklich schlimm was vorallem mit den Leuten gemacht wird die mit SAAB ihr Geld verdienen müßen / dürfen… dieses Hin und Her… man man , können die nicht mal sagen Hop oder Top !?
    Bis die in D wieder richtig Fuß gefasst haben und Vertrauen wieder da ist bleibt ja nur der neue Markt in China, wenn selbst bei den Amis die SAAB´S nicht mehr vom Platz rollen… schon schade…
    vorallem wenn ich die 3 ! neuen 9-5 ab und an bei uns in der Stadt umher fahren sehe, so schicke Kisten…
    Also Daumen drücken….auch das es Händler gibt die noch ne Marke im Programm haben die läuft…und bald wieder neue Schweden verkaufen können…

  • Ich kann nicht glauben, dass VM ernsthaft gedacht hat, die Gelder am Kronofogden vorbei zu manövrieren. Da war doch eine Portion für offene Forderungen eingeplant, oder? Außerdem steht doch zumindestens ein Teil der Zulieferer hinter SAAB. Das sind doch ansich gute Zeichen für eine Rekonstruktion.

    SAAB up, please.

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