Mit 145 Turbo-Pferden über die Alpen – ein Familiensaabenteuer
Unsere Reise beginnt im Kanton Bern. Die Besatzung: meine Frau Claudia, unsere beiden Teenager-Söhne und ich. Die Jungs sind voll motiviert – ein großes Dankeschön geht an ihre Ohrstöpsel, mit denen sie während der Fahrt durch ihre eigene Playlist hören.
Unser Gefährt für diese Reise ist ein dorado-brauner Saab 900 Turbo, Baujahr 1981. Innen im feinsten, rotbraunen Velours, der sofort ein Sofagefühl vermittelt. Mike hat uns vor der Abfahrt noch ein neues DAB-Radio (Modell „Hamburg“ von Blaupunkt) eingebaut, das sich während der Fahrt absolut bewährt.

1. Etappe: Mit 145 Turbo-Pferden über die Alpen
Unser Ziel: Das erste von Antonio organisierte Treffen des Saab-Club Italia (Link) am Gardasee. Die Route führt uns zuerst über die Pässe Grimsel, Furka und Gotthard. Drei Pässe, die unserem „Goldi“ einiges abverlangen. Schon im Tessin steigen die Temperaturen auf der Autobahn.
Da hilft nur: Fenster runter und den Fahrtwind geniessen! Unser Ziel in Italien ist das Airfield Sorlini am Gardasee. Dort angekommen, werden wir bereits von einer Saab Safir erwartet. Antonio, ehemaliger Polizist, weist uns ein und bekommt zur Freude einiger Teilnehmer:innen auch Besuch von seinen jungen Ex-Kollegen im Fiat.

2. Etappe: Von „echten“ Saab, Aperitivo, Antipasti, Primo, Secondo und mehr
Nach einer malerischen Tour rund um Mantua – vorbei an wunderschöner Landschaft und riesigen Weingütern und Landwirtschaftsbetrieben – versammeln wir uns am Abend auf der Piazza Sordello. Mantua selbst liegt abseits der großen Touristenströme, die Mailand und Venedig überschwemmen.

Rund 25 Autos aus Italien, Deutschland, Schweiz, Holland und Polen sind am Start. Antonio erweist sich als strenger Saab-Inquisitor: Die neueren Modelle mit GM-Bezug sind für ihn keine „echten“ Saabs. Sie werden an den Rand verbannt, wo sie sich die Aussicht mit dem Transporter des polnischen Teams aus Warschau teilen müssen.

Respekt an die zwei Jungs, welche den 99er auf dem Transporter in 21 Stunden Nonstop-Fahrt nach Italien chauffiert haben, während die Damen (Oma inklusive) mit dem Flugzeug angereist sind. Die Saab-Treffen sind übrigens die große Leidenschaft der Oma, die Enkel unterstützen sie dabei.
Das Welcome-Diner findet auf der Piazza Broletto statt.
Es ist heiss. Sehr heiss.

Aber das Essen und der Wein fließen so, wie man es sich in Italien vorstellt. Ich muss allerdings nach dem Secondo aufgeben. Claudia ist derweil erleichtert: Einige der anwesenden „Saabisti“ besitzen einen erheblich größeren Fuhrpark als wir. Bei den Saab-Verrückten ist das Sammeln von Autos (und sei es nur für die Ersatzteilversorgung) eben eher die Regel als die Ausnahme – eine charmante Parallele zu den Ferrari-Besitzern, nur eben in schwedischem Gewand und mit etwas anderem Budget.

Beim nächtlichen Spaziergang zum Hotel durch die mittelalterliche Stadt philosophieren wir in einer kleinen Gruppe über Essen, Architektur und die typischen Wehwehchen unserer Saab: Differenziale, Gummidichtungen und die Suche nach Ersatzteilen.

3. Etappe: Das grosse Finale und La Traviata
Zum Glück ist unser Zimmer klimatisiert! Nach der Hitze im Auto ist das ein Segen. Gut erholt machen wir uns am nächsten Tag auf den Weg zum Turm von San Martino. Das historische Monument wurde zu Ehren von König Vittorio Emanuele II. und den Unabhängigkeitskämpfern erbaut. Im Inneren des Turms ist es kühl, der Aufstieg über die innen liegenden Rampen ist dadurch fast schon ein Vergnügen.

Nach einem „leichten“ Mittagessen in Borghetto (wieder Aperitivo, Antipasti, usw.) brechen wir aus der Karawane aus, um ein kurzes Bad im Gardasee zu geniessen.
Danach geht es weiter zur Kirche «Santuario della Madonna de Lourdes». Von hier oben hat man einen atemberaubenden Blick über Verona. Das Highlight wartet aber auf der Piazza Bra, direkt vor dem weltberühmten Amphitheater.

Hier werden die Fahrzeuge inmitten der Operngäste prämiert und präsentiert. Ein schöner Anblick vor der antiken Kulisse.
Nach der Prämierung steht Kultur auf dem Programm: Opernabend! Ein schönes Erlebnis, auch wenn die Jungs und ich ehrlich gesagt nicht ganz bis zum Ende durchhalten. Die letzten unklimatisierten Tage in der Hitze waren schön, aber eben auch anstrengend.

4. Etappe: Flucht in die Kühle und arrivederci
Am nächsten Morgen heisst es früh aufstehen. Wir machen uns zeitig auf den Heimweg. Der Plan geht auf: Pünktlich zur Mittagszeit überqueren wir bereits wieder die angenehm kühlen Alpenpässe. Kurz darauf sind wir müde, aber glücklich wieder daheim.

Wir haben auf unserem Abenteuer in kurzer Zeit viel erlebt. Und das Beste für alle, die diesmal nicht dabei waren: Antonio plant schon für das nächste Jahr. Dann soll das Treffen in der Toskana stattfinden. »Goldi« ist schon fast wieder bereit!
Danke für den wunderbaren Bericht und die fotografischen Impressionen! Großes Kino. Phantastische Kulisse. Viva Italia!
…alleine auf der Piazza und vor der Arena, grandios!
Schöner Bericht, danke! Ich konnte leider nicht dabei sein.
Wenn mich nicht alles täuscht, ist dein Saab 900 aber Wallnussbraun, nicht Doradobraun, oder? Ich glaube, deiner war 2022/2023 mal im Autoscout ausgeschrieben in Bern (bei einem Architekten?). Wahrscheinlich sind deiner und meiner aktuell noch die einzigen 2 Stück mit demselben Typenschein 071036 in der Schweiz. Meiner hat dieselbe Farbkombination, einfach als 3-Türer.
Hallo Lukas
Du hat natürlich recht! Bin nachschauen gegangen. Valnötsbrun Metallic!
Die letzten ihrer Art.
Beste Grüsse
Alex
Danke für den schönen Beitrag Man könnte denken, man ist dabei bei dieser schönen Tour. So viele schöne alte Saab 900. Da ich früher zwei davon hatte, freut es mich, sie zu sehen. Aber eines gefällt mir überhaupt nicht. Antonio sollte sich mal überlegen ob 9-5er-Fahrer ihre Autos nicht genau so mögen, wie er die 900er. Sie auszugrenzen, ist schlichtweg falsch. Dafür, dass GM da die Finger drin hatte, können sie nichts Ich glaube, es ist jetzt kein Geheimnis, dass auch ich und meine Frau 9-5er-Fahrer aus Überzeugung sind ✌️
locker sehen, ich fahre auch einen 9-3 Cabrio und das mit Genuss. Aber der ikonischte aller ist halt der 900…..
Vielen Dank für die „Mitfahrgelegenheit“. Als wäre man mit dabei…..
ein schönes Erlebnis durch tolle Landschaften sehr anschaulich erzählt, danke dafür!
Und die jüngere Verwandtschaft darf am Rande mitspielen (-:
Danke für diesen tollen Beitrag und die wunderschönen Bilder. Diese Italienreise mit dem 900 Turbo weckt schon wieder die Urlaubssehnsucht in mir. Aber der ist gerade mal zwei Wochen her 😉