Die Rückkehr des dicken Saab Turbo Motors im BAIC BJ40
Es ist schon verrückt, wo man nach 2010 noch Saab Motoren vorfand. In Limousinen und in imposanten Geländewagen, zum Beispiel. Ein besonders brachiales Beispiel war der BAIC BJ40. Sein Auftritt war martialisch. Ein Berg von Auto und Stahl jenseits aller politischen Korrektheit.
Der BAIC BJ40 provozierte.
Die Michigan Miliz hätte ihn einst wahrscheinlich gemocht, wenn er nicht unglücklicherweise aus China käme. Oder der Förster aus dem Erzgebirge, wenn er russisch wäre und wenn der geliebte Lada mal wieder in der Werkstatt stehen würde.
Jenseits aller Befindlichkeiten: Der BJ40 ist ein wahrer Geländewagen, weit weg von jedem Gepose modischer SUVs. Und er ist und war auch mit dem Saab Motor mehr ein Militärfahrzeug, als man vermuten würde.

Die Rückkehr des dicken Saab Turbo Motors im BAIC BJ40
Er hat einen massiven Leiterrahmen mit LKW‑Qualitäten, zuschaltbaren Allradantrieb, Geländeuntersetzung. Dazu eine recht vernünftige Wattiefe und eine gute Bodenfreiheit. Teile des Fahrzeugs wurden damals nach chinesischen Militärstandards gefertigt und werden es für die aktuelle Generation immer noch. Mehr als 1,1 Millionen Kilometer wurde der BJ40 laut Hersteller bei der Volksbefreiungsarmee erprobt.

Ein Geländewagen vom herben Schlag eines Land Rover Defender, Hummer, oder Jeep Wrangler also. Und dort soll ein Saab Turbo Motor unter der Haube sein?
Der dicke Saab Turbo Motor ist zurück
Ein Blick unter die Motorhaube schafft Klarheit. Der dicke B235R‑Vierzylinder zeigt sich nach dem Abnehmen der Plastikverkleidung. Sein Name ist jetzt B236R (oder auch B231R), er kann seine schwedische Herkunft nicht verleugnen. Mit einigen importierten BJ40 kam er 2016 zurück nach Europa! Und – es ist kaum zu fassen – wie hat er sich verändert!

Zum einen: BAIC baute den Motor jetzt längs statt quer ein. Nach alter Oberklassenbauart. Sie machten daraus einen Reihen-Vierzylinder, der zum anderen an einen Aisin‑6-Gang-Automaten geflanscht wurde.
Der 6. Gang, den sie in Trollhättan immer ignorierten. Kundenwünsche dauerhaft missachteten. Sämtliche 9-5 OG Fahrer hätten diese Automatik mehr als gerne in ihrem Saab gesehen.

Das Leben ist einfach nicht fair. Und manchmal versteht man, warum es Saab in einem Meer von Ignoranz einfach nicht mehr gibt.
Um den Motor gruppieren sich Komponenten, von denen man glaubt, sie irgendwo schon einmal gesehen zu haben. Und richtig: die Zulieferer Delphi und GM GM‑Teile dominierten den Motorraum.

Die Karriere der Maschine des BAIC BJ40 nahm ihren Anfang 1990 als B234 im Saab 9000. In den Jahren 1995 und 96 wurde die zweite Generation zu den 10 besten Motoren der Welt gezählt. Im BJ40 leistete sie 245 PS, lieferte ein Drehmoment von 350 Nm und erfüllte den Euro‑6-Standard, von dem man uns in Schweden (keine Überraschung) immer erzählte, dass er mit dieser Motorengeneration unmöglich zu erfüllen sei.

Wir besteigen den BJ40. Ein zweckmäßiges, rustikales Ambiente empfängt uns. Passend zum Wagen und routiniert verarbeitet. Ledersitze und Lederlenkrad mit farblich abgesetzten Nähten verströmen einen Hauch von Luxus. Man benötigt für den BAIC‑Geländewagen kein Handbuch. Alles ist klar und einfach zu bedienen.
Zündschlüssel ins Schloss, umdrehen, und dann passiert es.
Er blubbert. Ein V8 oder ein Saab 900?
Der BAIC BJ40 brüllt los, verfällt dann in ein Blubbern, das eine Mischung aus V8 und klassischem Saab 900 ist. Was zur Hölle geht da vor? Unter der Haube, wir haben es gesehen, sitzt ein 2,3 Liter. Kein V6, kein V8! Das nette, blubbernde Geräusch verschwindet leider dann, wenn sich der Koloss in Bewegung setzt.
Mit mehr als 2 Tonnen Gewicht und einer leichten Antrittsschwäche, die auch das Automatikgetriebe nicht überspielen kann.

Die Lenkung ist indirekt, sie hat Spiel, wie es bei wirklichen Offroad-Fahrzeugen zwingend sein muss. Ebenso eng ist der Schulterschluss zwischen Türe und Fahrer. Auch das ist typisch für echte Geländegänger.
Die Fuhre lässt sich überraschend leicht und sicher dirigieren. Gibt man Gas, dann rauscht der BJ40 mit martialischer Geräuschkulisse über die Straße. Dass mit Dämmstoffen sparsam umgegangen wurde, ist schnell klar. Alles findet hier sehr direkt und unmittelbar statt.
Der BAIC ist kein Auto für Softies, sondern für Jungs vom alten Schlag eben. Über den möglichen Verbrauch sollte man außerdem nicht nachdenken, er dürfte auch kaum das Thema sein.

Das BAIC BJ40 Fazit
Der BAIC war ein Fahrzeug für die Nische, und er bewegte sich außerhalb aller gängigen Testkriterien. Er war adressiert für Jäger, Landwirte, Almbauern, Militärs und möglicherweise auch für Milizionäre. Der BAIC BJ40 vermittelte den Eindruck, auf lange Frist robust und immer fahrbar zu sein. Er zieht bei Bedarf 2,5 Tonnen. Die Kunststoffbeplankung der Kotflügel ist zweckmäßig und robust.
Wer Spaß daran hatte, der konnte die vorderen Dachhälften entfernen und bekam eine Art fahrenden Hochsitz, Targa, Halb-Cabriolet oder ein freies Schussfeld präsentiert.

Ob der 2,3‑Liter von Saab die passende Maschine war und ist, in China sind Diesel kein Thema, bleibt eine offene Frage. Vermutlich muss man uneuropäisch denken. Die Dieselgeschichte war in einigen Regionen nie präsent und nicht umsonst verzichtete auch Saab beim 9-4X auf diese Antriebsart.
Die legendären Maschinen mit schwedischen Wurzeln sind robust und kultiviert, aber der BJ40 hat sehr viel Blech zu bewegen. Raum für einen V6 oder V8 wäre alternativ vorhanden, und auch bei BAIC soll man damals über Alternativen nachgedacht haben.
Die Verarbeitung passt, einige Lösungen sind bewusst sehr einfach und zweckmäßig gehalten. Ein Auto für das Militär, ganz klar. Vieles erinnert an einen Jeep Wrangler, die Türen zum Beispiel. Aber sie fühlen sich beim China Geländewagen massiver an und fallen satter ins Schloss als beim amerikanischen Original. Nochmal Pech für die Michigan Miliz.
Und selbst 10 Jahre später, 2026, treibt die aktuelle BAIC‑Generation (unter anderem) noch ein Saab Motor an. Der dicke Turbo, er scheint unsterblich zu sein, denn auch die Volksbefreiungsarmee vertraut ihm immer noch.
Wer hätte nicht gerne 6 Gänge im alten Saab 9-5 gehabt? Das Leben ist nicht fair.
Und Euro 6 wäre auch nicht schlecht gewesen …