Dramatisch – so schnell schrumpft der Saab Bestand in Schweden!
Schweden ist die Heimat von Saab und zugegebenermaßen auch Volvo. Doch wer in den vergangenen Jahren im Norden unterwegs war, der traf viele Volvo, aber immer weniger Saab an. Der Bestand schrumpft, und er tut das auf eine dramatisch schnelle Art. Scheinbar in dem Umfang, wie klassische Saab immer mehr Kult werden, sind es die jüngeren Modellreihen, die jetzt verloren gehen.
Der Verlust ist erschreckend hoch, denn was verloren ist, das kommt nie mehr zurück. Die Marke ist Geschichte und schaut man sich die Zahlen des Jahres 2008 an, vergleicht sie mit den aktuellen Statistiken, dann wird das komplette Ausmaß sichtbar.
2008 war das letzte Jahr, in dem das Werk in Trollhättan voll produzierte. Dann begannen die Dramen, GM schickte seine schwedische Marke in die erste Rekonstruktion und seither kehrte bei Saab nie mehr die benötigte Ruhe ein.

Dramatisch – so schnell schrumpft der Saab Bestand in Schweden!
Der Marktanteil von Saab in Schweden lag 2008 noch bei 8,53 %. Bei einem nationalen Bestand von 4.278.995 Fahrzeugen trugen immerhin 365.061 den Greif oder den Saab Schriftzug. 4 Jahre später, wir schreiben 2012, als in Trollhättan alles vorbei war, hatten noch 323.046 Autos ihren Ursprung bei Saab, der Anteil war auf 7,26 % gefallen.
In den darauffolgenden Jahren wurde es richtig dramatisch. Zwischen 2012 und 2016 gingen fast 100.000 Fahrzeug verloren, nur noch 4,84 % aller Autos in Schweden kamen aus der Stallbacka. In diesem Tempo ging es weiter. 2020 waren es wieder 80.000 weniger, 2021 blieben nur noch 135.938 Saab übrig, was mageren 2,73 % aller schwedischen Pkw entspricht.
Seitdem geht es stetig weiter bergab. 2023 meldet die aktuelle Statistik lediglich 112.103 Saab auf schwedischen Straßen, bei jetzt 4.977.163 zugelassenen Pkw liegt der Marktanteil bei nur noch 2,25 %.
Saab Bestand in Schweden schrumpft – jüngere Fahrzeuge stark betroffen
Teknikens Värld bemerkt dazu (Link), dass Saab zwar vom Aussterben bedroht sei. Die Marke aber niemals komplett von den schwedischen Straßen verschwinden wird. Es werde immer Liebhaber geben, die sich um ihren Saab kümmern. Doch es sind ausgerechnet die jüngeren Fahrzeuge, die beschleunigt ausgemustert werden und hier liefern die Schweden eine mögliche Erklärung.
Ihr emotionaler Wert ist möglicherweise nicht so hoch wie der klassischer Saab, merkt das Magazin dazu an.
Moin
Wahrscheinlich sind die Autos auch nicht mehr im Zustand, dass sich ein Export nach Deutschland oder U.S.A. lohnt…
In Schweden gibt es ein mir nicht zu erklärendes Phänomen: Die Autowäsche. Die Schweden pflegen ihre (alltags) Autos leider überhaupt nicht. Im Winter wie Sommer wird selten bis gar nicht gewaschen. Gerade im Süden, wo der Salzeinsatz im Winter extrem ist, wird oftmals überhaupt nicht gewaschen. Dazu sei aber auch gesagt das die Infrastruktur nicht unbedingt vorhanden ist. Waschboxen wie in Deutschland sind selten, Portalwaschanlagen ebenfalls und Waschstraßen sucht man komplett vergebens. So wird die Rostbildung gefördert. Spricht man mit schwedischen Bekannten, ist dies eine der Hauptkriterien – die mangelnde Pflege besonders in den langen Wintermonaten.
Das der TÜV in Schweden beim Thema Rost eine extrem locker Art der Bewertung hat. Würden die Bewertungskriterien des deutschen TÜVs gelten, so wären locker 50% des Bestandes an 9-5 und 9-3 ohne Plakette unterwegs.
Ein positiver Nachtrag: Die Saabs scheinen lange durchzuhalten. Ein schwedisches Automobilmagazin hat vor einiger Zeit die Salzeinwirkung auf amerikanische E-Autos getestet. Rostansätze wie wir sie insbesondere von OG9-5 und OG9-3 kennen, treten dort bereits nach einem Bruchteil der Betriebszeit auf. Das ein Tesla in Südschweden länger als 10 Jahre im Einsatz sein wird, halte ich für unwahrscheinlich.
Gestern war ich auf der Suche nach einer Waschbox. Der Staub der Schotterstraßen musste runter. Also Waschbox gegoogelt und auch gefunden. Was ich dann sah, war recht erstaunlich. Eine Portalanlage eingebaut in einen 40 Fuß Container und mitten auf einen Wendehammer in ein Gewerbegebiet gestellt. War mir nicht vertrauenswürdig genug und der Staub ist noch auf dem Auto. Waschbox lässt sich also verschieden definieren.
Tesla verwendet (wie einst Saab) überlappende Bleche beim Model Y. Im Gegensatz zu Saab spart man eine Versiegelung, etwas Lack darüber und gut ist es.
Die Probleme, welche ein 9-3 OG nach 20 Jahren hat, wird ein Y nach 5 Jahren bekommen. Bis es bemerkt wird, vergehen vielleicht noch ein oder zwei weitere Jahre, dann muss saniert werden.
Was Tesla tut, ist gegenüber den Kunden extrem unfair. Der (durchdachten) Elektronik und auch den Batterien unterstelle ich eine lange Haltbarkeit, die Karosserie wird der Knackpunkt sein, der viele Fahrzeuge vorzeitig und früher als nötig zum Verwerter rollen lässt.
Sind sie nicht. Ich hatte es bereits an anderer Stelle geschrieben, es war der neue Trend in diesem Jahr. Mittlerweile importieren die Schweden gute Saab aus Deutschland, weil hier die Pflege erheblich besser ist.
Weil es zum Thema passt, hier ein kurzer “Augenzeugenbericht”, der natürlich statistisch nicht aussagekräftig ist. Wir bewegen uns seit ca. 10 Tagen im Großraum Stockholm. Gefühlt ist der Saab Bestand höher als die beschriebenen 2,25% aus 2023. Die häufigsten Saabs sind 9-5 OG 2. Serie sowie Chrombrille als auch 9-3 NG 1. Serie. Die Autos sehen nach absoluten Alltagsautos aus. Mit allen Macken und Roststellen. Sie müssen arbeiten und z.B. Ware vom Baumarkt holen sowie Anhänger ziehen. Oder die Familie transportieren. Sehr wenig haben wir 9-3 OG gesehen bisher. Einen 9000er Aero haben wir in einem Yachtclub gesehen. Das war ein sehr gepflegtes Liebhaberauto. 9-3 NG nach Facelift gibt es wenige. Wenn, dann meist von Jüngeren gefahren. Zumeist mit entsprechenden Insignien der Tieferlegung und des sonoren Klangs ausgerüstet. In Schweden geht ja so einiges. Zusammenfassend sind es gefühlt gar nicht so wenige Saabs, allerdings zumeist immer absolute Alltagsfahrzeuge, die nach wenig Pflege aussehen. Cabrios übrigens noch gar nicht. Der erste Saab, den wir auf unserer Tour erblickten war übrigens eine 901 Limousine, gesichtet auf der E4 zwischen Jönköping und Gränna.
Im Juni habe ich in Trollhättan und Vännersborg viele 9-3 der letzten Produktionsjahre gesehen, aber ein signifikanter Anteil hatte große Roststellen, vor allem an den Radläufen. Es machte den Anschein, dass das die Besitzer nicht kümmert. „Ein prima Auto bis der TüV uns scheidet“. Reparaturen scheinen für die 12-16 Jahre alten – oft Kombis zu viel Aufwand. Schade, aber so sieht es aus.
… und wenn es (SAAB) geschätzt wird, ist es evtl. zu spät… :-(.
Schade schade.
Trost: es gibt “Ersatzteile”…
Das mit den Ersatzteilen wird jedoch immer mehr zum Problem. Neu teilweise nicht mehr lieferbar und gebraucht auch mit langem Suchaufwand. Nur als Beispiel: Wo bekommt man denn noch Scheinwerfer für das 9-3 Facelift als Xenon mit adaptiven Kurvenlicht? Ich suche schon länger die rechte Seite für meinen 9-3SC (Teilenummer 12842066).
Ist halt leider oft so, dass das eigene zu wenig geschätzt wird.
Bleiben die Fahrzeuge dann wenigstens als Teilespender?
Die Regale schwedischer Verwerter sind voll. Ich befürchte nur, es sind zu viele Verwertungen in kurzer Frist und der Markt schrumpft schnell.
Dem wird so sein. Der Zulauf bei den Verwertern ist teilweise sehr extrem, einige Autos stehen dort nur wenige Wochen/Monate. Schrottplätze die zeitweise gar keine Saabs im Angebot haben, werden dann plötzlich überschwemmt mit eben jenen. In Vänersborg z.B. war im Juni nur ein einziger Saab zu finden, aktuell sind es ca. 20 Stück. Nur 9-5 und 9-3, mehrheitlich die letzten Modelle. Auffällig dabei ist eigentlich, das es zu 90% absolute “Sparbüchsen” sind. Autos ohne jegliche Art von Ausstattung. Sie sind gekauft worden um verbraucht zu werden, eine Rettung erscheint sinnlos.
Zum Drama dazugehört das Saab in Schweden nicht den emotionalen Hintergrund hat wie bei uns. Einen 9000 konnte man jahrelang missbrauchen, er lief trotzdem zuverlässig. Mit einem 9-3 oder 9-5 ist das nicht möglich, der beginnt zu streiken.
Und dann wird er für was elektrisches entsorgt.