Jaguar XJ40 – wenn die Katze ihre Krallen zeigt
Seit jeher nutzen Autohersteller den Motorsport, um das Image ihrer Produkte aufzuwerten. Dies gelingt mal mehr, mal weniger und es hängt letztlich am Produkt selbst und seiner Glaubwürdigkeit wie erfolgreich die Aktion ist. Jaguar stand offiziell nie im Verdacht, unsportliche Autos anzubieten.
Allerdings schienen Glanz und Gloria oft heller als das Angebot und manches Modell war durch seine lange Produktionszeit nicht mehr auf dem aktuellen Stand. 1986 lancierten die Briten die XJ40 Baureihe, ein Befreiungsschlag und die lange schon erwartete Ablösung der XJ Modelle, die in drei Serien seit 1968 auf dem Markt war.
Nostalgiker weinten leicht beim Anblick der kantigen Scheinwerfer des Spitzenmodells. Sie wähnten das Empire am Ende, beim Entdecken der digitalen Instrumente.
Das war modern, zukunftsweisend. Jedoch Very British war das nicht. Aber die Rettung für Jaguar.

Jaguar XJ 40 – wenn die Katze ihre Krallen zeigt
Vermutlich hatten die Briten schon 1986 mit dem Problem eines immer älter werdenden Kundenstamms zu kämpfen. Das betuliche, gepflegte Afternoon-Tea Image hatte sich bei Jaguar unaufhaltsam ausgebreitet, da musste die Katze reagieren. Was anderes blieb ihr übrig, als die Krallen zu zeigen?
Am 12. Juni 1988, um 15.00 Uhr, war es so weit. Kein Afternoon-Tea, nein der Jaguar XJR9-LM mit Jan Lammers überquerte in Le Mans als erster die Ziellinie. Damit endete eines der schnellsten 24-Stunden-Rennen überhaupt, im Training war erstmals die 400 km/h Barriere gefallen. Jaguar war mit einer Armada von 5 Werkswagen angetreten und belegte mit den Rängen 1 und 4 die vorderen Plätze.
Für die britische Marke war es der zweite Le Mans Einsatz in Folge, aber 1987 reichte es als beste Platzierung nur für Rang 4.
Natürlich musste der Sieg genutzt werden und der Triumph des XJR9-LM sollte zumindest ein wenig auf den XJ40 und den Sovereign V12 abstrahlen.

Zuverlässig in Le Mans – aber nicht im Alltag
Allerdings gab es da ein Problem, welches Jaguar in den doppelseitigen Werbeanzeigen wortreich zu umschiffen versuchte. Der XJ40 war zu diesem Zeitpunkt der modernste Jaguar aller Zeiten und sportlich, die am Anfang auftretenden Probleme mit seinem elektronischen Overflow an dieser Stelle einmal außen vor gelassen.
Aber, er hatte egal – wie man es drehte und wendete – einen Reihensechszylinder unter der Motorhaube. Während der XJR9-LM mit einem großvolumigen V12 unterwegs war. Der V12 Trumpf war also keiner, deshalb musste es anders gehen. Wortreich versucht Jaguar 88 zu erklären, dass alle Fahrzeuge vom Sieg profitieren würden, denn die unglaubliche Zuverlässigkeit auf der Rennstrecke wäre ein Resultat der strikten Qualitätskontrolle generell.
So ganz glaubwürdig war das leider nicht. Der Jaguar XJ40 litt unter den Problemen, die kleine Hersteller, welche nur im Takt von Dekaden neue Fahrzeuge entwickeln, bedauerlicherweise trifft. Es fehlt die Erfahrung, die Zulieferbetriebe bringen nicht die erhoffte Qualität, und manches Mal schießt das Entwicklerteam, mit einer Prise Selbstüberschätzung, über das Ziel hinaus.

Erst Ford heilt die Probleme der Raubkatze
Für die britischen Raubkatzen änderte sich das alles ein Jahr später. Ford (Link) übernahm jetzt (nachdem Saab vergeblich auf das Interesse der Amerikaner gehofft hatte) das Ruder. Die Qualität wurde schlagartig besser und die Partner von Jaguar mussten sich über Nacht an den Standards des US-Konzerns orientieren. Auch die digitalen Experimente innerhalb des Wurzelholz-Armaturenbretts wurden entsorgt.
Jetzt war die Katze wieder Very British. Das Empire war sicher – vorerst.
Spätestens ab 1990 soll der Genuss der XJ40 Serie bedenkenlos möglich gewesen sein. Heute ist der Le Mans Sieg vergessen, sportliche Erfolge sind manchmal Schall und Rauch.
Die Fans fremdelten lange mit der fortschrittlichen XJ40 Serie – was sich zwischenzeitlich etwas gelegt hat. Die Preise sind für gute Exemplare auf dem Weg nach oben und der Jaguar XJ40 hat Freunde, die ihn auf der Straße halten.