Ein Unikat – kennen Sie den Citroën Dyna M?

Die Geschichte von Citroën ist reich an Modellen mit einer besonderen Geschichte. Die des Dyna M spielte in Spanien und der Hauptakteur ist Pedro Serra. Mitteleuropäern ist sein Name meist nicht vertraut, aber auf der iberischen Halbinsel spielt der 1926 in Barcelona geborene Formengestalter eine große Rolle.

Dort nennt man ihn in einem Atemzug mit den großen italienischen Karosseriemaßschneidern, Serra spielt in der Liga der Pininfarina, Michelotti und Giugiaro. Im Laufe seines Lebens kleidete er Fahrzeuge von Lancia, Seat, Pegaso, Aston Martin und Rolls Royce, um nur einige zu nennen, neu ein. Aber auch den Citroën Dyna M.

Citroën Dyna M - ein Unikat
Citroën Dyna M – ein Unikat

Pedro Serra schuf in 5 Jahrzehnten Hunderte Fahrzeuge

Im Jahr 1954 baute er sein erstes eigenes Fahrzeug, ein Lancia Augusta Cabriolet mit einem Motor aus der Aprilia. Diesen Lancia fuhr er selbst, es folgte ein Pegaso (Link) Spider und das Arbeiten von Pedro Serra ist bis 1991 nachvollziehbar. Das letzte dokumentierte Projekt war ebenfalls ein Pegaso Spider, eine Replika mit einem Rover V8 Motor, von der 11 Exemplare entstanden sein sollen.

In seiner Schaffensphase, die naturgemäß primär von Umbauten der spanischen Marke Seat geprägt wurde, waren es 350 Fahrzeuge, meist Cabriolets oder Roadster, die den Serra Schriftzug trugen.

Citroën Dyna M auf Dyane 6 Basis

An der Marke Citroën probierte sich Serra nur einmal aus. Die Quellenlage ist dürftig, wie auch das komplette Schaffen nur wenig dokumentiert ist. Auf den Wunsch eines spanischen Kunden gestaltete er 1970 (womöglich auch schon 69) auf Basis der Dyane 6 ein formschönes Coupe. Es trägt Designanklänge des Maserati Mistral von Frua, verzichtet an der Front völlig auf jede Citroën Identität und man entdeckt den Doppelwinkel nur an den C-Säulen, dynamisch schräg ausgerichtet.

Das Besondere an diesem Projekt – der Prototyp sollte zu einer kleinen Serie werden.

Spartanisches Cockpit - für ein Coupé
Spartanisches Cockpit – für ein Coupé

Der Kunde plante eine Produktion von 100 Stück, berichtet die Literatur, ohne allerdings seinen Namen zu nennen. Doch der unerwartete Tod des Auftraggebers beerdigte auch die Träume der Produktion, es blieb bei nur einem Exemplar.

Wie gewohnt griff Serra die Technik nicht an, jede Citroën Vertretung war in der Lage den Dyna M zu warten. Leider blieb es auch bei den bescheidenen Fahrleistungen des Originals, welches in einem Kontrast zum sportlichen Auftritt steht. Serra beließ sogar das Armaturenbrett in einem, für ein Coupé überraschenden, spartanischen Zustand.

Die Stimmigkeit der Proportionen zeigt jedoch, dass Serra sein Handwerk verstand, allein die schmale Spurweite der Dyane sieht aus heutiger Sicht etwas merkwürdig aus.

Vertraut - Citroën Boxer im Motorraum
Vertraut – Citroën Boxer im Motorraum

Ein unrestauriertes Citroën Unikat

Der weitere Verbleib ist dokumentiert. Im Jahr 2002 erwarb der aktuelle Besitzer den Citroën Dyna M von einem Händler in Granollers. Jetzt meldet die Anzeige 40.388 Kilometer, sie sollen Original sein, wie auch der Rest des Fahrzeugs. Restauriert wurde es niemals, alles ist so, wie es Serra einst schuf.

Das historische Unikat wird bei Aguttes (Link) am 26. November versteigert. Dass großartige spanische Autogeschichte nicht kostspielige sein muss, Serra jenseits seiner Heimat weitgehend vergessen ist, bemerkt man an den Preiserwartungen. Der Citroën Dyna M wird mit einem erwarteten Erlös angegeben, der zwischen 15.000 und 25.000 € liegt.

Mit Bildmaterial von Aguttes

2 thoughts on “Ein Unikat – kennen Sie den Citroën Dyna M?

  • Sehr charmant.

    Immer wieder interessant und faszinierend, welchen Aufwand Hersteller und gar Karosseriebauer auf welcher technischen Basis einst getrieben haben.

    Das war eine völlig eigene Gattung. Kleine “flotte” Kisten, die einzig sportlich und gut auszusehen hatten, es aber gar nicht sein mussten. “Sportwagen”, die man selten auf der Überholspur sah und die oftmals nicht für höhere Kurvengeschwindigkeiten gut waren …

    Es sind Fahrzeuge, die einzig der Lust an einem schönen, kleinen und handlichen Automobil gewidmet waren. Und diese Lust musste man sich leisten können und wollen. Wie technisch simpel (und billig) die Basis auch immer war, die Maßanzüge vom Schneider bzw. die Sportbekleidung vom Hersteller (etwa die Saab Sonett) sorgten für teils saftige Aufpreise.

    Purer Luxus, etwas irrational, denn es gab mehr Auto für weniger Geld. Aber gab es für dieses Geld mehr Stil und Individualität?
    Waren es damals vielleicht echte Statements und subtile Botschaften? Etwa, dass der Fahrer ein notorischer und relativ gut situierter Junggeselle sei …

    Man sagt dies zumindest beruflich erfolgreichen und gesunden (am Leben und nicht kriegsversehrt) Männern so nach, dass sich mancher in Deutschland nach WW II nur deshalb einen Karmann-Ghia anstatt eines Käfers gekauft habe, damit sie einer unglücklich Verliebten ruhigen Gewissens sagen konnten, nie ein Hehl aus ihrer Lebenseinstellung gemacht und nie etwas Falsches versprochen zu haben …

    Schon witzig, wie viel Zeugnis historische Automobile über uns und unsere Geschichte ablegen. Das sind rollende Exponate und Dokumente. Und so ein skurriles aber sehr schönes Einzelstück ist so viel mehr, als einfach nur ein unsportlicher “Sportwagen” …

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  • Das ist ein extremes Unikat und Tom erfüllt man wieder den öffentlich-rechtlichen Bildungsauftrag 😉

    Jetzt sagt mir auch der Name Pedro Serra etwas, schon wieder etwas gelernt!

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