Der umweltfreundlichste Autohersteller der Welt

Das Wettrennen der umweltfreundlichste Autohersteller der Welt zu sein ist eröffnet. Generell kennt hier die Marketing Lyrik keine Grenzen. Tritt man das Fahrpedal, dann versprechen die Hersteller Genuss ohne Reue. Sofern ein großer Akku für die benötigte Energie sorgt. Das ist Unfug. Jedes Auto hat ein CO2 Konto, unabhängig welche Antriebsart man ausgewählt hat. Für das Phänomen der angeblichen Umweltfreundlichkeit gibt es sogar einen neuen Begriff.

Saab 9-3x Concept

Greenwashing nennt sich das.

Ein weltweiter Trend und alle großen Spieler sind mit dabei. Egal ob eine amerikanische Fast Food Kette oder Autohersteller aus Niedersachsen. Einen grünen Anstrich wollen sie alle. Besonders angesagt sind staatliche Subventionen für den Kauf eines neuen E-Autos. Deutsche Mobilität wird grün, das Land ist Spitzenreiter in der EU in Bezug auf Elektromobilität.

Doch Deutschland und seine Autoindustrie hängen am Subventionstropf. Abwrackprämie 1.0 und 2.0, Unterstützung beim Kauf von Elektroautos. Auf einem reifen, gesättigten Markt schleicht sich so die Droge der Gewohnheit. Immer mehr verschwimmen die Unterschiede zu China, wo man seit Jahren einen ähnlichen Weg beschreitet. Ganz aktuell schwächelt die Nachfrage in einigen chinesischen Regionen leicht. Vorbeugend zog die Pekinger Administration diese Woche weitere Unterstützungsmaßnahmen zur Stimulierung der Nachfrage aus dem Ärmel.

Aber was bringen moderne Autos wirklich für die Umwelt? Sind wir Vorbild, oder helfen die Subventionen nur der Industrie und verschwenden wir in Wirklichkeit knappe Ressourcen?

Abgewrackt und exportiert.

Ein verstörendes Bild ergibt sich, wenn man den Blick über die nationalen Grenzen wagt. Autos über Subventionen in einen satten Markt zu drücken sorgt anderswo für Probleme. In einigen Regionen Afrikas, zum Beispiel. Wo europäischer Schrott unter unglaublichen Bedingungen abgewrackt wird. Die Rohstoffe werden einer erneuten Verwertung zugeführt, was in der Theorie gut ist. Doch der Preis den Mensch und Natur vor Ort zahlen ist grausam.

Alte Autos aus Deutschland, die gar nicht so alt sind, fluten auch osteuropäische Märkte. Vor Ort hält man die Deutschen für nicht besonders schlau. Sie sollten ihre Autos länger fahren, hört man in einem Beitrag des Bayerischen Fernsehens, das eine beeindruckende Dokumentation zu dem Thema verfasst hat. Mit überraschend kritischen Tönen, die man kaum vom Sender aus München erwartet. Und die gar nicht in den Mainstream der deutschen Medienlandschaft passen. Rund 45 Minuten geht es um die Wirklichkeit und darum, wie wir Ressourcen intelligenter verwenden können.

Sehenswert.

Die Lösung einiger Probleme wäre erschreckend einfach. Denn am Ende bleibt vielleicht die Einsicht, dass das beste Auto das ist, das erst gar nicht produziert wird. Und, dass man aus Prinzip weniger konsumieren und Dinge länger nutzen sollte, um Ressourcen zu schonen. Das alte Auto länger fahren beeindruckt zwar weder Nachbarn noch Verwandte, schont aber den Geldbeutel und die Umwelt.

Womit wir zurück zur Schlüsselfrage kommen. Wer ist der umweltfreundlichste Autohersteller der Welt?

Vermutlich der, der so gut wie gar keine Autos baut. Was uns zurück in die Heimat von Saab und nach Trollhättan bringt. Seit 9 Jahren werkelt NEVS in den ehemaligen Saab Hallen. Ein Autohersteller, der seit dem fast keine Neuwagen auf die Straße gebracht hat.

Im Jahr 2021 waren es bisher ganze 2, wie die Statistik von Bilsweden zeigt. Rein elektrisch natürlich.

12 thoughts on “Der umweltfreundlichste Autohersteller der Welt

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    Gestern, Sonntag, Besuch der Swedish Days in Untersseen/Schweiz. Grosser Auslauf für den Saab 9-5 V6 Baujahr 1999, rund 340km auf Schweizer Strassen, gelassenes, flüssiges Fahren, keine Hektik, sollen sie fahren in ihren X5,6, in ihren Q sowieso und in anderen panzerähnliche, schiesscharten bewehrten, dunkelschwarzen Fahrzeugen. Der V6 schnurrt zufrieden vor sich hin, die Sitze in der SE Ausführung ein Traum, das Auto in seinem schlichten, schwedischen Design sowieso.
    Kurz vor zu Hause an die Tankstelle gefahren. 29.7 lt eingefüllt auf 344km. Man rechne. Ergibt einen Durchschnitt von 8,6 lt auf 100km und das mit einem 22 Jahre alten Auto mit 3.0lt Motor und Automatic. Kann das ein heutiges Auto besser? Zugegeben, in der CH kommt schnelles fahren gar nicht auf, viel Verkehr und rigorose Kontrolle der Geschwindigkeit. Da gleitet man dahin und geniesst dieses wunderbare, himmelblaue Gefühl das für mich perfekte Auto zu fahren, es ist ein Saab!
    Der Anlass war übrigens super. Ich denke da kommt sicher noch ein Bericht auf dem Blog.

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      “Kann das ein heutiges Auto besser?”

      Das ist ja der Irrsinn. Politik und Medien sagen überwiegend ja. Und wohl auch die Mehrheit der Bürger.
      Garantiert kennen Sie jemanden, der diese Frage klar mit ja beantworten und Ihnen unter die Nase reiben würde, dass er auf dieser Strecke mit seinem SUV im Schnitt nur 7 Liter gebraucht hätte und das dieses SUV ja bereits Euro 0815 oder gar 4711 erfüllt.

      Wenn das SUV ein Diesel ist, vergisst dieser Jemand gerne, dass der Brennwert von Diesel höher ist und je Liter mehr CO2 emittiert wird, dass seine 7 Liter auch 8 Litern Benzin entsprechen. Vor allem aber vergessen dieser Jemand, Medien und Politik gerne mal die Gesamtbilanz …

      5% CO2-Einsparung im Betrieb sind offenbar schon der ganz große Wurf. Dass der heutige Neuwagen mit seinen 2 Tonnen und mehr, mit seinem an Ressourcen und CO2 prall gefülltem Rucksack Ihrem 9-5 niemals mehr das Wasser reichen wird,
      übersteigt das Verständnis und überfordert den Intellekt …

      Das glaubt Ihnen leider (fast) niemand. Es gibt eben auch kaum Gesamtbilanzen. Und es gibt kaum Statistiken dazu.

      Umgekehrt gibt es mind. tausend und eine Berechnung dazu, wie viel Sprit, Strom, CO2, Methan oder Stickoxide wir sparen würden, wenn wir alle Neuwagen hätten, alle Altbauten 30 cm dick in Styropor verpacken und ausschließlich Geschirrspüler, Waschmaschinen der jüngsten Generation besäßen und keine Milch von furzenden und rülpsenden Wiederkäuern mehr im Espresso hätten.

      All diesen Statistiken ist gemeinsam, dass kaum je eine auf einer Gesamtbilanz beruht. Die vermeintliche Einsparung – an was auch immer –fließt zuverlässig immer zu 100% ein. Umgekehrt sucht man ebenso zuverlässig vergeblich nach einer Berechnung, wo denn da der Sweet Spot sei.

      Es ist immer nur schwarz-weiß. Je früher man den Neuwagen, den neuen Kühlschrank, die neue Waschmaschine, die neue Heizung kauft, je früher man sein Haus in Styropor verpackt und auf Sojamilch umsteigt, desto besser …

      Das kann so nicht richtig sein. Es muss zwangsläufig für alles einen Sweet Spot geben. Eine gewisse Nutzungsdauer, die einem bereits produzierten Produkt zusteht. Schon allein deshalb, weil wir Rucksäcke nicht beliebig hoch stapeln können, sondern zunächst und zuerst abtragen müssten …

      Es kann nicht sein und es ist auch gequirlter Quatsch, wenn es angeblich keinen solchen Sweet Spot mehr gibt, wenn das jüngste Produkt (sei es ein Kühlschrank, eine Waschmaschine oder ein Auto) so schnell und früh wie möglich gekauft werden müsste …

      Es wäre gleichbedeutend damit, dass man nur die Produktion und den Konsum zu beschleunigen bräuchte, um unsere Erde zu retten.

      Tatsächlich und leider haben wir aktuell ein solches Wettrennen …

      Es fließt positiv in nationale Statistiken ein. Es führt regelmäßig zu nationalen Erfolgsmeldungen. X oder Y hat den Strombedarf privater Haushalte gesenkt. X oder Y hat den Ausstoß an CO2 oder Stickoxiden im Individualverkehr um 1,9% gesenkt. Und so weiter.

      Ohne Gesamtbilanz ist das alles nur gequirlter Quatsch.

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      Hallo aero50
      Danke für Deinen Besuch in Unterseen. Wir hatten uns am Sonntag kurz unterhalten am Eingang der Ausstellung. Und ja…für heute ist ein Bericht über Heja Sverige auf dem Blog angekündigt.
      Keep Saabing

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    Greenwashing …

    ist ein schöner, weil treffender Begriff.
    Es kommt mir vor, als sei die ganze Nation auf diesem Trip, als sei sie Greenwashing Weltmeister. Mal wieder machen die Deutschen etwas besonders gründlich.

    Wir haben die neusten Kühlschränke, die jüngsten Dieselfahrzeuge und so weiter. Exportweltmeister sind wir nicht nur industriell, sondern auch bei gebrauchten Gütern. Anders gesagt, wir sind Weltmeister im Wegwerfen.

    Unsere eigene 2nd Hand Economy hat es immer schwerer. Autos, Busse, Lkw und Flugzeuge gehen immer jünger in den Export, weil sie das dt. Gewissen und vor allem die Umweltstatistik belasten.

    Wenn “think global, act lokal” so ausgelegt wird, dass man Probleme ja einfach exportieren könne (etwa einen Diesel mit Euro5) und dann lokal ja alles okay und somit dem Globus gedient sei, dann hat man den sinnvollen Spruch maximal pervertiert.

    Aber, es war erfolgreiches Greenwashing des nationalen Gewissens!

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    …da fällt mir doch ein Artikel ein, der vor Kurzem hier zu lesen war:
    Zitat: So wie dieser 96 V4 aus dem Jahr 1972.
    Seine Besitzerin, so ist zu erfahren, soll ein interessantes Leben gelebt haben. Offensichtlich war es auch erfüllt. Die Dame lebte ganz im Süden des Landes,…
    Ich denke mal, diese Dame lebte genügsam, nachhaltig würde man heute sagen. Der Kühlschrank war angepasst gefüllt, Mobilität war möglich. Unaufgeregt. NUR 1 SAAB auf dem Hof ;-).
    Ich denke, die Dame lebte ihren (evtl.) “Anspruch”.
    Ob die Dame auch bei einer schwedischen Abwrackprämie mitgemacht hätte, bleibt allerdings offen…
    Sie war allerdings Jahrzehnte mit ihrem getätigten SAAB-Kauf zufrieden. Wunderbar.
    Ein Vorbild.
    Der E-Weg in Automobilen ist aus meiner (Kunden-)Sicht ein Irrweg.
    Aus Händler(-Sicht) könnte ich es “anders” sehen…, aus globaler Sicht eine Menge Abfallentsorgung.

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    Dem kann man nur zustimmen. Ich habe mir heute überlegt, was ich denn kaufen würde, wenn ich, sagen wir mal im Lotto gewinnen würde. Zwei oder drei Saabs und dann vielleicht, wenn denn der Platz reicht ein kleines Elektroauto.

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    Tom, was ist das für ein grossartiges Design des kleinen Saab oberhalb von Greenwashing ? War ja wohl ein Prototyp, der nie gebaut wurde, wäre aber doch total begeisterungsfähig auch heute noch !

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      Das ist das 93-X (oder auch 9-3 X) Concept von Michael Maurer. Die Heckleuchten kamen so beim 9-3 II SC, die Felgen in der Aero Version. Leider hat es das geteilte Glasdach nicht in die Serie geschafft.

      Maurer war nur kurz bei Saab. Nach seinem Weggang sagte er, er habe sich dort nie besonders wohlgefühlt. Und das Management schenke dem Design nicht die Aufmerksamkeit, die es verdiene. Da war was dran. Heute macht er einen bravourösen Job bei Porsche. Ob sie bei Saab das große Talent von Maurer erkannt haben wage ich zu bezweifeln.

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        danke herzlich für den interessanten Feedback, Tom, schade, denn das war ein sehr begeisterndes Design das man sofort Lust hat zu kaufen und das sich auf unseren Strassen auch heute noch sehr vorteilhaft sehen lassen würde… LG Ulrich.

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    Der Beitrag im BR stimmt schon nachdenklich. Wenn wir in Afrika ganze Landstriche mit unserem Müll verseuchen, trotz aller grüner Gesetze, dann fällt mir nichts mehr dazu ein.

    Ein Grund mehr weiter meinen/unsere Sääbe zu behalten und zu pflegen.

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    …ach, die Nachbarn sind oft beeindruckt wie moden ein alter SAAB daherkommt. Wenn man Neuwagenkäufer fragt was denn der neue Wagen besser kann wie der alte kommt oft nicht viel,…automtische Heckklappe oder besseres Navi. Naja momentan sind die E-Autos noch keine wirkliche Alternative, wenn die aber mal tagestauglich sind sehen unsere SAABe dann doch alt aus.

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      Ja sicher, die Zeit ist unerbittlich. Saab driftet in die Welt der Youngtimer und Klassiker und wird irgendwann zum Hobby. Im Alltag spielen die alten Autos dann kaum noch eine Rolle.

      E-Autos sind dann salonfähig, wenn die Lade-Infrastruktur stimmt. Einfaches Laden, eine Karte statt einem halben Dutzend, transparente Preise und viele Lademöglichkeiten. Erst dann klappt das auch.

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