Evergrande Auto – ist der Hype schon wieder vorbei?

Ist es vorbei, bevor es richtig begonnen hat? Der Aktienkurs von Evergrande Auto kennt aktuell nur einen Weg. Und der führt in Richtung Süden. Seit dem Höchststand im Februar hat sich der Kurs der Aktie mehr als halbiert. Vorüber ist die Zeit, als Evergrande mehr wert war als GM oder Ford. Und es gibt noch weitere bedenkliche Entwicklungen.

Hengchi 1 von Evergrande Auto
Hengchi 1 von Evergrande Auto

Auf der Auto Show in Shanghai präsentierte Evergrande erstmals 9 Modelle. Es hätte der erste große Auftritt der Marke Hengchi werden können, alleine 3 Weltpremieren standen an. Hengchi Nummer 7, 8, 9 wurden gezeigt, zwei Limousinen und ein SUV. Das mediale Echo in China blieb merkwürdig verhalten. Es gab eine Hengchi Liveshow im Fernsehen die ca. 30 Minuten dauerte. Ausgewählte Interessenten durften ein elektrisches SUV auf einem abgesteckten Parcours bewegen und lobten pflichtschuldig das Produkt und seine Qualitäten.

Aktienkurs mehr als halbiert

Details zu den drei Weltpremieren, technische Daten, Preise oder gar Aussagen zum Markteintritt gab es nicht. Die Presse ignorierte den Auftritt weitgehend, was in China immer als ein schlechtes Zeichen gesehen werden muss. Seit April findet der Aktienkurs von Evergrande Auto nur den Weg nach unten, gestern erreichte er mit 35 Hongkong Dollar (ca. 3,70 €) einen neuen Tiefstand.

Die Fantasie eines möglichen Tesla Herausforderers ist der Skepsis gewichen. Übernimmt sich Evergrande Auto mit der Entwicklung von 14 Modellreihen im gleichen Zeitraum? Ein Unterfangen, an das sich noch nicht einmal der etablierte Wettbewerb herantraut. Wird man es schaffen Hengchi 1 in anvisierter Qualität Anfang 2022 auf den Markt zu bringen? Denn das Unternehmen verfügt über keinerlei Expertise in der Produktion von Autos. Und wie will man mittelfristig die Expansion finanzieren, die Milliarden benötigen wird?

Währenddessen steht die Evergrande Muttergesellschaft weiterhin unter der Beobachtung der Behörden und unter dem Druck der Schuldenreduzierung. Nach wie vor muss der Konzern regelmäßig Geschäftsdaten an die Zentralbank melden, der Spielraum für Investitionen und Ausflüge zu neuen Geschäftsfeldern ist eingeschränkt. Spekulationen mit Immobilien und Wohnraum hat die Administration einen Riegel vorgeschoben, die Lage ist ungemütlich.

Evergrande Auto - Aktienkurs mehr als halbiert
Evergrande Auto – Aktienkurs mehr als halbiert

Untersuchung zur Unzeit

Aktuell untersuchen die Behörden eine Transaktion über 15,63 Milliarden US $ zwischen Evergrande und der Shengjing Bank. Die Bank ist klein und eigentlich unbedeutend, die Transaktion aber auffällig hoch. Brisant: Evergrande hält einen Anteil von 36,4 % an dem Institut, die Behörde liefert keine Details um welche Art von Transaktion es sich handelt.

Alleine die Nachricht der Untersuchung der Transaktion genügte, um gestern den Kurs der Evergrande Auto Aktie (HK 708) um 7,89 % einbrechen zu lassen. Ist der Hype um Evergrande Auto schon wieder vorbei, noch bevor das erste Produkt seinen Weg zum Kunden gefunden hat?

In Schweden verfolgt man die Entwicklung genau. NEVS ist abhängig vom Geldfluss aus China, eigene Mittel erwirtschaftet das Unternehmen in keinem nennenswerten Umfang. Laufende Kosten und Investitionen werden durch Überweisungen von Evergrande gedeckt, ein marktfähiges Geschäftsmodell oder Produkt ist auch im Jahre 9 nicht in Reichweite. Die weitere Entwicklung bei Evergrande Auto ist auch entscheidend für die Zukunft in der Stallbacka. Wackelt Evergrande, dann kann in Schweden ein Sturm aufziehen.

17 thoughts on “Evergrande Auto – ist der Hype schon wieder vorbei?

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    Wer mal in Trollhättan gewesen ist, weiß das auch diese 800 Stellen sehr bedeutend sind.
    Wirtschaftlich ist Trollhättan seit dem Verlust von Saab und deren Zulieferer ohnehin schon lange tot bzw genauso unbedeutend wie Kalmar,Halmstad und Co geworden.
    War nicht mal die Aussicht, dass die Fabrik für die Windkraftindustrie und Co genutzt werden sollte?
    Schweden und gerade was nach 2000 mit deren Industrie passiert ist(Ericsson,Glasreich,Holzindustrie und Co), lässt nur die Vermutung zu das die Schweden Tatenlos zugesehen haben und nun davon nichts mehr übrig ist/bzw wenig übrig ist.
    Was China angeht…Hoch sollen Sie leben und irgendwann am Boden kleben.
    Ist halt ganz viel higher and fire dort.
    Mal sehen wie lange das noch gut geht.
    In diesem Sinne einen schönen Feierabend euch

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    Eigentlich kann man dazu nichts mehr sagen. Nein, ich kann für mich nichts mehr dazu sagen. Ich habe immer wieder mal gelesen wenn es um Evergrande und NEVZ ging, aber das Interesse ist nun erloschen. Zuviel hin und her. Und 800 Arbeitsplätze sind zwar schade, ist aber auch keine Untergang für eine Stadt. Sie wird es überleben.

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      Geht mir grundsätzlich ähnlich …

      Aber betroffen war ich heute schon. 800 Arbeitsplätze in Trollhättan entsprechen bezogen auf die Einwohnerzahl immerhin rund 64.000 Jobs in Berlin …

      Das ist schon eine Nummer – hier und dort. Mich nervt das Thema auch, aber trotzdem und gerade heute fand ich es völlig okay.

      Wer einen oder verschiedene Saab fährt, gefahren ist und mal in Trollhättan/im Museum war, der kann doch gar nicht anders, als besorgt und empathisch, oder?

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        ja um Gottes Willen, da bin ich ganz bei Ihnen und auch bei Tom. Ich meine nicht den Bericht und natürlich tut es mir grundsätzlich leid das Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren. Und die Verbundenheit mit Trollcity ist absolut richtig und verständlich. Mir geht es auch nur ausschließlich um Evergrande und NEVZ. Die beiden interessieren mich nicht mehr.

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      Wir entfernen uns eben immer mehr von diesem Thema. Die Gemeinsamkeiten schwinden und wenn mir der herbe Charme von Trollhättan nicht so am Herzen liegen würde, dann wäre dieses Thema schon lange durch.

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      Ich finde es schon spannend, es ist die Fortsetzung des Wirtschaftskrimis den wir bei SAAB schon erlebt haben und das in einer neuen Zeit mit neuen Akteuren. Ich hätte sonst keinen Bezug zum Wirtschaftsleben in China.
      Es lehrt mich vorallem eines, wir als Konsumenten haben nicht die Macht den Markt nach unseren Wünschen zu beeinflussen, das war bei SAAB unter GM so und nun erst recht.
      Also Tom bitte weiter berichten, Danke!

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        Die Lehre

        Ich weiß nicht so recht …
        Es gibt doch schon genug Beispiele aus Demokratien dafür, dass Konsumenten bevormundet werden und nur über einen sehr eingeschränkten Einfluss verfügen. Das ist doch Alltag, ist tägliches Erleben und Erleiden …

        Für mich hat es keinen Mehrwert, bringt mir keine neue Erkenntnis, wenn das totalitäre China das auch kann …

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    Ist halt China. Die Frage ist generell ob Evergrande/Hengchi noch das Wohlwollen von oben hat. Nichts in dieser Größenordnung, damit meine ich den Kursverlust, geschieht durch Zufall. Ob es eine sinnvolle Strategie ist noch einen Hersteller von Elektroautos auf die Welt loszulassen ist die nächste. Bei all den neuen Marken aus China die im anrollen sind wirklich ein Diskussionspunkt.

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    Moin
    Auch bei Tesla geht der Aktienkurs eher seitwärts und nach Süden als nach oben .
    Obwohl Tesla ja Autos baut und verkauft ist die reine PKW Sparte auch nicht profitable .
    Tesla macht zwar Gewinn, aber nicht mit Autos….
    Gruß André

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      Tesla vermarktet erfolgreich Emissionsrechte. Ein Geschäftsmodell, das erodieren wird. Stellantis (ex FIAT/Chrysler) ist in Zukunft nicht mehr dabei und kommt im neuen Konzern klar. VW zahlt erst mal weiter.

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        „Und da waren sie wieder unsere drei Probleme“ …
        Eigentlich finde ich es wirklich schlimm das obwohl noch „kein“ Auto richtig auf dem Markt ist – schon die eventuellen Börsenkurse darüber entscheiden wie ein Unternehmen und ihre Produkte plötzlich in der Wirtschaftswelt plaziert werden!?
        Was heutzutage alles Einfluss auf die Börsenkurse hat erschließt sich mir persönlich schon lange nicht mehr – damit bin ich sicher auch nicht alleine auf dieser Welt…
        Schlimm für mich sind dabei nur immer die eventuellen Schicksale der Mitarbeiter und ihren Familien 🙁
        Ist galt ein eiskalten Geschäft wo der Mensch nur sekundär eine Rolle spielt – leider war!?
        Was hilft’s – abwarten und beobachten.

        Um nicht als notorisch Gestriger zu gelten (wir immernoch SAAB Fahrer) habe ich mich Anfang dieser Woche überreden lassen, mich auch mal der grünen Alternativmobilität zu stellen – sprich einen id3 Probe zuführen.
        Um es vorweg zu nehmen – ich bleibe weiterhin Saab Fahrer …
        Ja id3 – vom Ansprechverhalten / Drehmoment des Motors (oder wie man das jetzt nennt) war ich wirklich beeindruckt – sehr angenehm gleichmäßig und agil.
        Das wars dann aber auch schon für mich – z.B die „Armaturen“ – ein Armutszeugnis für jeden Designer – zwei tablets irgendwie lustlos nachträglich „angeschraubt“ – kein Wohlfühlfaktor – nur noch funktionell …
        Das ganze Auto hat in mir NULL Emotionen ausgelöst – schade eigentlich…

        Werde die Entwicklung natürlich weiter mit Interesse verfolgen …

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    Wackeln im Sturm

    Ist das wirklich so dramatisch für Schweden?
    Es geht ja nicht mehr um Saab, um keine laufende Produktion, die man abwürgen könnte …
    Daher auch nicht um Zulieferer und nur um wenige Arbeitsplätze im Werk.

    Ich dachte, den Sturm hätten wir längst hinter uns. Wenn nicht schon mit dem Ende der VM-Ära, dann doch spätestens seit der letzte 9-3 unter NEVS vom Band lief und Namensrechte entzogen wurden?

    Viel schlimmer, als es ist, kann es doch gar nicht mehr kommen, oder? Wie viele Arbeitsplätze hängen in S denn an Evergrande?

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      Sollte es wirklich wackeln, dann wackeln 800 Stellen.

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        Mehr als ich dachte.

        Entspricht auf die Bevölkerung bezogen immerhin rund 6.500 Arbeitsplätzen in D. Das ist schon was …

        Dank für die Info.

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        and what these people are doing what they are working on. just as good a question people have been asking since the saab collapsed in 2011

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    Dieser Hype ist sicher von irgendwelchen Zockern verursacht. Was zählt ist Produkte auf den Markt zu bringen und Geld zu verdienen. Das schielen auf Quartalszahlen oder noch schlimmer den Aktienkurs ist für eine langfristige Entwicklung unwichtig. Wenn Evergande den selbst gesteckten Zeitplan auch nur ansatzweise einhält und die Autos nicht schlechter sind als Teslas dann sind sie ja schon im Vorteil….. und wenn dann noch mal irgendwann ein technisch innovatives Produkt mit dem Namen SAAB in Schweden vom Band purtzelt (siehe z.B. SAAB-x_ray https://warming-design.com/portfolio/saab-x_ray/ ) dann überwintere ich gern noch mit meine SAAB-Altmetall

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