So was von grün – ein zeitgeistiger Saab 99 Turbo
Nicht immer fuhren die Menschen in grauen oder schwarzen Kisten, die 2 Tonnen oder mehr wiegen, durch die Welt. So zwischen 1970 und 80 war das Leben bunt. Autos durften grün, rot oder leuchtend gelb sein. Besser noch: leuchtend Orange! Die Sicherheitsfarbe überhaupt. Außerdem passte die so gut zu den Sitzmöbeln und der Küche im gleichen Farbton.
Was ist seitdem mit uns passiert? Sind wir derart verzagt, dass alles grau und schwarz sein muss? Sind uns Lebenslust und Optimismus abhandengekommen? Oder fühlen wir uns nur noch als graue, uniforme Mäuse sicher, in unserer Wohlstands-Welt? Woran es liegt, werden Psychologen und Forschende zu klären haben.
Saab jedenfalls trieb es zwischen 1970 und 80, und darüber hinaus, bunt.

So was von grün – ein zeitgeistiger Saab 99 Turbo
Die ersten Saab 9000 gab es in genial vielen Innenraumfarben, von Stier-Blut-Rot bis Braun war alles zu haben. Viel besser aber war der 99. Den gab es in so abgefahrenen Farbtönen, an die man sich später beim 9000 schon gar nicht mehr heran getraute. Besonders der 99 Turbo fuhr mutig vor, und das passte zum Fahrzeug.
Denn es war das ganze Konzept, das Mut und Innovationskraft bewies.
Saab demokratisiert den Turbo
Saab hatte zwar den Turbo nicht erfunden, demokratisierte ihn aber für die Massen und kultivierte ihn. Erster Beitrag war der 99, der das mit dem Kultivieren noch nicht ganz so ernst nahm. Doch er war der erste Turbo in der Mittelklasse, den man im Alltag fahren konnte, und der als zuverlässig galt. Dass dieses kleine und nicht besonders hübsche Auto in Wirklichkeit ein verkappter Sportwagen war, wussten nur die Eingeweihten.
Logisch, dass ein solches Fahrzeug in gewagten Farbkombinationen unterwegs war.
So was von grün ist ein Saab 99 Turbo, der aktuell in Schweden versteigert wird. Grün als Außenfarbe, grün im Innenraum. Eine Kombination, die gute Laune macht. Dafür sorgt auch die stylische Ladedruck Anzeige, die links neben dem Lenkrad auf dem Armaturenbrett wohnt. Sie ist, das muss man Menschen, die mit dem 99 Turbo nicht vertraut sind, immer wieder sagen, kein Teil aus einem alten Tuning Katalog von D&W. Nein, die bei Saab haben die Anzeige so lieblos auf das Armaturenbrett gesetzt.
Sie wollten das einfach so. Alles andere wäre zu viel Arbeit gewesen.
Der schwedische 99 Turbo kam 1980 auf die Welt. 145 PS, die ohne Vorwarnung brachial einsetzen, und die Saab typische Geräuschkulisse sorgen für Fahrspaß ohne Grenzen. Die Faszination 99 Turbo ist ungebrochen und wächst mit den Jahren immer weiter. Ein ähnlich früher Porsche 911 Turbo ist stärker, perfekter, teurer und hat mehr Image. Verliert aber in Sachen Spaß und Überraschungsfaktor gegen den kleinen Saab gewaltig.
Sowas von grün, was ist der Saab 99 Turbo wert?
Sprechen wir über Geld, diese lästige Nebensache. Der angebotene 99 ist gut, aber nicht perfekt. Auf seiner Habenseite stehen wenige Kilometer und ein recht guter Allgemeinzustand. Weniger schön: Der 99 Turbo wurde neu in der Original Farbe lackiert, leider mit Staubeinschlüssen. Die Ventile tickern laut Beschreibung leise vor sich hin, die Gründe muss man erforschen.
Aber der Saab fährt sich gut und leichtfüßig, sein Getriebe schaltet sich leicht.
Im Innenraum gibt es Kleinigkeiten. Die Teppiche sind verschmutzt. Die Holzfolie am Armaturenbrett, die wirklich nur eine Dekorfolie und kein Echtholzteil ist, löst sich. Außerdem fehlen am Wagen die Turbo Embleme, es braucht also etwas Zeit und Geld um den Saab schönzumachen.
Die Preise für Saab 99 Turbo kannten in den letzten Jahren nur den Weg nach oben. Wenige Exemplare haben überlebt, die Restaurierung ist teuer, Ersatzteile sind Mangelware. Spezifische Dinge muss man selbst nachfertigen lassen oder mit viel Geduld auf Teilemärkten in Schweden suchen. Dementsprechend ist es angeraten, beim Kauf auf Vollständigkeit und Originalität zu achten.
Teuer ist so viel grüner Zeitgeist allerdings immer noch nicht wirklich. Die Auktion (Link) endete bei 165.000 SEK, was rund 15.100 € entspricht.
Mit Bildern von bilweb
Das mit den Farben kommt zur rechten Zeit. Ich wundere mich nur noch wie man neue Porsche, Golf oder Minis im 50er Jahre Grau schön finden kann. Aber wird gekauft (der Mini mit nicht ganz so passenden aber immerhin roten Rückspiegeln), das sind wohl keine Leasingwagen. Den Saab 99 gab es wohl auch in einem schönen Orange.
Der “lieblose” Ladedruckmesser im Alugehäuse auf dem Armaturenbrett war zu jener Zeit ein Modezubehör die von VDO angeboten wurde, sei es in 52mm wie auch in 60mm Durchmesser; zu jener Zeit ein “Renner” für analoge Zusatzinstrummente. Zudem anfänglich bewusst auf dem Armaturenbrett, damit man den Ladedruck nicht aus den Augen verlor. Eine Absicherung zur Vorsichtsmassnahme, denn die Turbine war im PKW-Bereich damals eine neue Technologie, dessen direkte Erfahrung im Alltag noch fehlte, da man befürchtete, dass Fahrer mit Bleifuss vermutlich vermehrt mit Turbinenschaden in die Werkstätten zurückkehrten; in der Tat gab es welche Fälle (vermutlich vermehrt in Deutschland, da auf Autobahnen keine Geschwindigkeitsbegrenzung herrschte), aber schlussendlich nicht die Rede Wert, um diese Motorisierung aus dem Sortiment zu nehmen.
Und für jene die eher Sparbewusst waren, bot SAAB damals für einige Märkte den 99er als Saugermotor mit einem ECONOMETER auf dem Armaturenbrett an, anstelle des Ladedruckmessers wie beim 99Turbo. War damals tatsächlich ein gängiges Zubehör, sah schick und sportlich aus, bevor die Digitalära der Instrummentierung für Verbrauchstwerte folgte, wie sie wenige Jahre später im 9000er anzutreffen war.
Ja, so waren eben diese Jahre. Ergänzend muss man vielleicht hinzufügen, dass BMW das schöner hinbekam und die Ladedruckanzeige integrierte und nicht mit Blickrichtung auf die A-Säule verbaute. Schon damals war bei den Trollen nicht alles perfekt, aber charmant.
Absolut richtig.
Im damals neuen 900er wurde der Ladedruckmesser bewusst unauffallend in der Instrumententafel integriert, gegenüber dem 99 TURBO.
Wobei der 99er lediglich mit Turbo-Motor bestückt wurde, da der 900er noch nicht verkaufsbereit war.
Die Fahrzeugabteilung Saab, der als Flugzeughersteller noch ein kleiner Aussenseiter im Automobilwesen war, hatte es nicht leicht. Demzufolge ging es den Verantwortlichen nicht schnell genug unbedingt den Turbomotor vorstellen, um es in ihrem Verkaufssortiment anzubieten, bevor der 900 definitiv vorgestellt wurde; Verkaufsstrategie. Dies allem voran in USA, um das Image zu verbessern, denn der sportliche EMS und der luxeriöse GLE waren nicht genug, um Saab Erfolg zu übermitteln. Die Ölkrise der 70er war streng und die Verkaufszahlen liessen zu wünschen übrig. Nordamerika war damals schon Saab’s grösster und wohl wichtigster Absatzmarkt und das wollten die Schweden ausnutzen. Zudem war der US-Importeur sehr aktiv und den Schweden mit guten Vorschlägen gerne willkommen. TURBO hat bei SAAB den Bekanntheitsgrad kurzfristig und schlagartig weltweit ins Rampenlicht gebracht.
Logischerweise investierte Saab nicht mehr im 99er, ausser welche sachgemässe Anpassungen. Deshalb keine neue Instrumententafel, sondern das angebotene diskrete Aluaufbaugehäuse von VDO mit Saab stilistisch angepasstem Ladedruckmesser. Der 99er stand bereits als Auslaufmodell fest, wegen den neuen US-Sicherheitsrichtlinien die Anfangs 80er in Kraft traten. Der 900er wollte Saab mit eigenen Mitteln einführen, deshalb aus Kostengründen noch auf Basis des 99ers Combi-Coupé erstellt. Wichtig war den Schweden aus eigenem Hause ein eigenes Produkt auf die Beine zu stellen, ohne äussere Hilfe.
Saab wollte auch in Europa bewusst die Gelegenheit nutzen, dank den Rally-Erfolgen des 99er, die 2-türige 99er Karosserie mit dem Turbo-Motor anzubieten, um eine spezifische Kundschaft die sportliche Krönung des 99er schmackhaft zu machen, um dies zu vermarkten. Das Produkteecho war zu jener Zeit grossartig, aber die finanzielle Mitteln der Käufer waren noch relativ beschränkt, es waren noch andere Zeiten ohne Kleinkredite oder Leasing, jedenfalls bei uns in Europa.
Wohl ein interessanter Gedanke, um die Zwischenzeit mit einem „Renner“ zu überbrücken, aber vermutlich war dieser Schritt länger als sein eigenes Bein.
Dies hat in Ländern wie GB bis 1981 funktioniert, obwohl der 2-Türer für MY80 mit nur 2 Lackfarben (Schwarz und Poppy-Red) angeboten wurde. Denn der 900er als Rechtslenker wurde erst 1981 eingeführt. Deswegen gab es für GB und Australien als Rechtslenker auch 3 und 5-türige 99-turbo bis 1980.
Auf andere Märkte in Mittel-Europa bestand nur 1979 (Marmorweiss und Akaziengrün) diese Nachfrage des 2-türigen 99-TURBO. Obwohl 1980 die Farbauswahl grösser war (da noch Aquamarinblau + Karminrot zu Auswahl stand), standen die 2-türige 99-turbo teilweise gerne als Ladenhüter bei den Importeuren, da die neuen 900er dank dessen Familienfreundlichkeit klar gefragter waren. So wurden 1981, jedenfalls in der Schweiz, die vom Vorjahr übrig gebliebenen 99-turbo, zu günstige Liquidationspreise den Händlern angeboten. Meine letzten zwei 99-turbo MY80 waren erst im Frühjahr 1981 und Frühjahr 1982 in Verkehr gesetzt worden.
Der 99-Sedan diente dann während den 80er lediglich noch als günstiges Basis-Einsteigermodell vor allem für den skandinavischen Markt.
Jedenfalls war die 900er Karosserie anfangs 80er, Technisch gesehen bereits überholt, obwohl sie robuster war, dank seine altbewährte verschweisste Karosserie, und diente Saab lediglich, aber trotzdem erfolgreich, als Lückenbüsser in der Mittelklassefahrzeuge bis 1993. Leider standen wieder technischen Änderungen der US-Sicherheitsnormen bevor, sodass ein normgerechter Nachfolger her musste. Dies war u.a. ein Mitgrund, dass welche Saab-Mitverantwortlichen bei den Amerikanern eine zukünftige Zusammenarbeit suchten.
Erst mal zur Farbe: die Menschen waren früher begründet optimistischer, sieht man z.B. in der Mode und eben auch bei den Autos von damals.
Silber, anthra und schwarz von heute sind darüber hinaus typische Leasing-Farben, die lassen sich später besser vermarkten.
Zum Auto: Einen 99 Turbo wollte ich auch immer. Aber entweder waren die bisher gesichteten stark verrostet, eigentlich viel mehr, als normale 99iger (!?), oftmals auch unkomlett, oder der Verkäufer wusste, was er hatte und die Autos waren / sind in einer Preislage, da muss man schon gut überlegen. Es ist und bleibt eben ein Liebhaberwagen!
Für damalige Motorisierungen eine Zeitgeschichte für sich, die heute praktisch Standard geworden ist. Sofern dieser TURBO-Motor zudem noch mit dem Originalzubehör der Wassereinspritzung ausgestattet, war er eine kleine “Rakete”, und dank seinem günstigerem Gewicht gegenüber seinen grösseren Brüder der 900er Baureihe, tatsächlich auch eine spur schneller und wendiger! Aber leider noch ohne Servolenkung, demzufolge in gewissen Situationen eher streng zum manövrieren. Ja, das waren noch Zeiten. Vier solche Exemplaren hatten wir zu jener Zeit in der Familie. Mein Vater hatte ihn genau wie abgebildet in akaziengrün mit resedagrünem Interieur, der später weiter verkauft wurde, weil er auf dem turbo-16v umstieg. Ich fuhr damals gleich zwei selbe Modelle in marmorweiss, einer davon ist heute noch in meinem Besitze und soll demnächst restauriert werden. Das war in der Tat die gelungene Anfangsgeschichte der Turboeinführung für den Automobil-Alltagsgebrauch, die erfolgreich gemeistert wurde. Anfänglich war betr. Turbine noch eine gewisse Skepsis vorhanden, aber die Konkurrenz folgte früher oder später mit ähnlichen Leistungen.
Herrlich, das war genau die Farbe die ich hatte auf meinem dritten Saab, ein 900 turbo fastback mit 3 Türen, ein herrliches lebendiges Fahrzeug mit einem gewaltigen Wohlfühlfaktor. Leider wurde er in München auf dem Rückweg von einer Tour of Austria verhagelt und musste neu gespritzt werden. Aber die Rückscheibe war stark genug und hielt, wo sie der Hagelschlag bei zahlreichen BMW’s rausgehauen hat. Leider finde ich kein Foto, da man damals Menschen, Orte und Landschaften fotografierte und nicht Autos, da man annahm, Saab werde ewig leben….
Bin auch für mehr Farbe! Der Vorbesitzer meines 9-5 hat noch einen 9-3 II in einer verrückten Farbe in der Garage, die sich kaum beschreiben lässt. Gab es ein grünliches Türkis?
Hier und da nimmt man farbliche Lichtblicke bei Neuwagen zur Kenntnis.
Alfa hat ein tolles Grün im Programm.
Ja, früher gab es mehr Mut zur Farbe. Und was die Küche angeht, waren wir wohl zuhause nicht die einzigen….Fronten schwarz mit Alugriffleiste, Arbeitsplatte orange marmoriert, statt Fliesen eine Lacktapete mit gelb-weißen diagonal verlaufenden Blockstreifen. Da hätte der schilfgrüne 99 mit dem Interieur in Waldmeistergrün sehr gut dazu gepasst 🙂