Kein Blog nur für alte weiße Männer

Sie sind das Feindbild dieser Tage. Die alten weißen Männer, die für alles verantwortlich gemacht werden. Es beginnt beim Klimawandel, erstreckt sich über gendergerechte Sternchen, und generell alle Ungerechtigkeiten dieser Welt. Klar, ist man jenseits der 50 und liest man einen Blog über alte Verbrenner, dann steht man unter Generalverdacht,  dazu zu gehören. Zu den alten, weißen Männern. Schlimm! Aber es gibt Hoffnung!

Saab BioPower 100 Concept
Saab BioPower 100 Concept

Natürlich, es geht hier primär um alte Autos. Die alleine für nachhaltig zu halten,  stößt dem einen oder anderen Gastleser schon mal unangenehm auf. Eine Meinung gegen den Mainstream; eine Seite, die sich nicht am Applaus für Elektromobilität abarbeitet. Zu allem Übel wird hier lebhaft gelesen und kommentiert sowie diskutiert. Ein Asyl für alte weiße Männer also?

Ganz so schlimm ist es nicht.

Eigentlich stehen wir hier in guter, alter Saab Tradition. Ein wenig Oldschool vielleicht, was auch an meinem Alter liegt – aber auch wieder Saab typisch ist. Weil man bei Saab in Trollhättan, als armes Unternehmen, an vielen Dingen einfach festhalten musste. Und die zur Verfügung stehenden Mittel nutzte, um Innovationen voranzutreiben.

Reden wir über alternative Kraftstoffe.

Manche Ideen bei Saab sind immer noch erschreckend aktuell. Da waren die alternativen Kraftstoffe, die man für eine gute Idee hielt. Ein Saab Motor war im Prinzip immer ein Vielstoff Motor. Militärs kennen diesen Ausdruck. Man schüttet eine halbwegs zündfähige Brühe in den Tank – und der Motor läuft. Bei Saab war es durch die Trionic nicht anders. Alles was zündet, das geht. Für das BioPower Konzept musste nur die Peripherie in Form von Leitungen und Dichtungen geändert werden. Fertig war die Innovation.

100 % pflanzlicher Kraftstoff
100 % pflanzlicher Kraftstoff

Eine der letzten Saab Ideen war das BioPower 100 Concept. 100 % pflanzlicher Kraftstoff im Tank. Die Initialzündung musste mit fossilem Kraftstoff erfolgen, dann aber lief der Saab zu 100 % mit pflanzlicher Energie. Das ist lange her und ist fast vergessen. Ausgerechnet jetzt, wo die Welt eine schnelle Reduktion von CO2 Emissionen benötigt, schaut keiner mehr auf die Ideen von damals.

Warum ist das so? In Schweden wird unter der Bezeichnung HVO 100 Diesel angeboten, der aus Abfallstoffen der Industrie gewonnen wird. Er ist nachhaltig, ein Beitrag zur schnellen Senkung der C02 Emissionen. In Deutschland gibt es ihn nicht, Elektromobilität gilt als alternativlos. Der böse Diesel, mit nachhaltigem Kraftstoff betrieben, könnte ja eine Zukunft haben.

Reden wir über Elektroautos.

Es scheint ein Naturgesetz zu sein, dass Elektroautos groß und schwer sein müssen. Viel Reichweite, große Batterien, die viele Ressourcen benötigen. Muss das wirklich sein, oder geht es schlauer? Das Saab ePower Konzept setzte auf kleine Batterien, man platzierte diese im Mitteltunnel. Kleine Batterien stehen für einen geringen Ressourcenverbrauch, außerdem verzichtete man auf ein zusätzliches Kühlsystem. Stattdessen nutzte man mit der Klimaautomatik ein bereits vorhandenes System zur Kühlung der Batterien. Eine einfache Konstruktion mit wenig Gewicht.

Ob man am Markt Chancen gehabt hätte, muss leider offen bleiben.

Aber, es gibt sie, die schlauen Lösungen. Ohne Monsterbatterien, ohne Verschwendung von Ressourcen. Man muss nur danach suchen. Dann findet man schlaue, nachhaltige Elektromobilität. So wie den Sion von Sono Motors, der hoffentlich im nächsten Jahr in Trollhättan vom Band läuft. Aber es gibt noch mehr Alternativen, und manche sind richtig appetitlich angerichtet.

Das alles ist interessant. Ein Thema für alte weiße Männer, die ärgerlich werden könnten, wenn sie über die nicht genutzten Alternativen lesen und nachdenken. Schlaue Elektroautos, weit weg vom Mainstream und alternative Kraftstoffe sind ein Thema, das uns interessieren sollte. Interessieren muss! In lockerer Reihenfolge, kurzweilig verpackt. In den nächsten Tagen und Wochen auf dem Blog der alten weißen Männer, die mehr interessiert als nur antike Verbrenner.

8 thoughts on “Kein Blog nur für alte weiße Männer

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    Ich bedauere noch immer das der E85 in verschiedene Laender zurueckgefuerth wuerde.
    Damals haette ich den ganz neue Saab 9-5 NG, Biopower, und koennte in Deutscland, Oesterreich, Der Schweiz un Frankreich mit diese Kraftstoff fahren (auch in Scandinavien aber da kam ich nicht so oft).
    In Holland und Belgien hat es auch niemals ein Angebot von E85 gegeben.
    Der Saab fahrte so gut mit E85 damit ich eben ein App installierte um Stationen zu finden den diese E85 im Angebot haetten.
    Sehr viele Kilometer habe ich mit E85 im Tank gefahren. Das war gut fuers Klima und fuer meine Geldbeutel.
    Aber dan hat Deutschland abgehackt, dann Oesterreich damit damals nur Frankreich und Der Schweiz uebrig
    blieben.
    Leider wurde damit Moeglichkeiten den BioPower zu nuetzen limitiert.
    Saab hat wieder ein wunderbares Vorteil im Markt gebracht aber viele Gegenstanden haben dies wieder zerschlagen.

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    Ich trauere wie so viele dem BioPower nach. In Österreich wurde der Kraftstoff von der Raiffeisen Genossenschaft eigenen Produktionsanlage erzeugt und vertrieben (Genol Tankstellen). Sang und klanglos wurde dieser Treibstoff abgedreht. Populistisch wurde behauptet, das hier Soja aus Brasilien dafür verwendet wurde und das dies ein Ökologischer Wahnsinn ist (CO2 Abdruck). Was in Wahrheit überhaupt nicht stimmte. Es wurden Hackschnitzelabfälle, etc. verwendet. Ich habe selbst bei Genol reklamiert und wollte wissen warum dieser den Eingestellt wurde? Antwort: Sie können doch eh mit Benzin weiterfahren! (sic!). Es gab seitens der Politik (Grüne) nicht einmal ein Achselzucken.
    Mann muss halt wissen hier in Österreich, das die OMV (größte Raffinerie) in Staatsbesitz ist und die fossilen Kraftstoffe ordentlich Geld in die Kassen des Finanzminister spülen. Und E-Autos sind nun der einziger Retter…..

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    Es läuft da einiges in die verkehrte Richtung. Konventionelle Verbrenner, die jetzt produziert werden, fahren hier noch 15 Jahre durch die Gegend. Dann vermutlich noch mal 10 Jahre (vielleicht mehr) irgendwo in Afrika oder im Osten.
    Würde man es mit der Klimawende ernst meinen, müsste man entsprechend klimaneutrale Kraftstoffe jetzt auf den Markt bringen, die sich auf breiter Basis durchsetzen können. Denn was nutzt es, wenn hier E Autos rollen, in 10 Jahren sehr viele, aber ein paar 1000 Kilometer weiter fossile Energie verfeuert wird. Oder ist die Erde am Ende doch eine Scheibe?

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    Also, ich nehme mal an, dass der Blog nicht nur alte (weiße? die Hautfarbe dürfte ja glücklicherweise nicht erfasst sein) Männer, sondern auch (alte?) Frauen (wie mich) als Leser hat, wie auch hoffentlich einige Jüngere beiderlei Geschlechts – so dass diese neue Pauschalverdammung nicht passt. Gibt es dazu eine Nutzer-Statistik?

    Inhaltlich passt diese Pauschal-Herabwürdigung (mit „alten weißen Männern“ kann und muss man dann als ach so moderne pluralistische Gesellschaft ja erst gar nicht diskutieren – was gerade der Beleg für mangelnde Pluralität ist) für bekennende SUV- und „größer- fetter- schwerer-Ablehner“ eh nicht. Und dass hier fast alle dem genialen Saab-BioPower hinterhertrauern, was simpel, genial und effizient war, wissen wir ja auch. Also ein Forum, das sich traut, Alternativen und gänzlich andere Sichtweisen differenziert zu diskutieren – als die ständig vorgekauten und propagierten „alternativlos-Simpel-ein Weg-Lösungen“ unkritisch nachzuplappern. Das dürfte das Gegenteil dessen sein, was nun gemeinhin als Haltung „alter weißer Männer“ propagiert wird.

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    @schwarzer Schwede: ja leider werden die Diskussionen hier ideologisch geführt. Für den Ingenieur(per se die Inkarnation eines alten weißen Mannes) zählen Fakten und Zahlen. Wir leisten uns Massen an Windrädern und Solarflächen um den Strom zu Spitzenzeiten ins Außland zu verschenken weil wir keine Speicher haben. Wir lassen eine Gasleitung durch die Ostsee legen um einen Brückenenergieträger zu haben. Gleichzeitig werden immer die Folgen nicht bedacht. Wie der Streit mit den USA um die Pipeline, der fehlende Gips aus der Rauchgasentschwefelung nach Abschaltung der Kohlekraftwerke, der Strom den wir aus Atom- und Kohlekraftwerken unserer Nachbarn beziehen, die Überlastung der Netzte zu Spitzenlastzeiten und und und….
    Andere Brückentechnologien als Erdgas, wie E85, Autogas, Oberleitungsbusse, Straßenbahn, Bahnstrecken im ländlichen Raum werden abgeschaft, stärker besteuert oder nicht in betracht gezogen. Da fehlt es leider oft an der Expertiese der alten weißen Wännen (und übrigens auch Frauen). Die ich übrigens auch meist in Ehrenämtern sehe und weniger auf Demos mit lautem Gekreische!

    Mein Sportfreund (alter weißer Mann und Ingenieur) hat gerechnet und gepüft. Als erstes kam die Solaranlage mit Pufferspeicher auf das Hausdach(der Speicher ins Haus), dann wurden verschieden E-Autos probegefahren, nun kommt der ID-3 mit kleinstem Akku für die Fahrt zur Arbeit (dort kann auch geladen werden)und Zeitgleich noch die Ladestation in die heimische Garage mit Anschluß an das Solarsystem. Da beide berufstätig sind gibt es noch eine 2. konventionellen Wagen für den Urlaub und die Arbeitsfahrten. Als ich ihm letztens eine E-Auto kritischen Bericht de WDR gesendet hatte meinte er drauf das ja auch mal jemand mit den neuen Sachen anfangen muß damit sie vorankommen. Ich finde sein Plan und Einstellung ist ok, und wenn es neue SAABe mit E-Antrieb gäbe wären wir sicher auch dabei.
    So nutze ich mit Autogas im Dienstwagen eine nicht gewünschte Brückentechnologie sehe mir neidisch an was so auf dem Markt passiert. Es würde mich schon interresieren wie sie das bei SAAB gemacht hätten. Unter GM wäre SAAB Teil des zu beobachtenden Schlingerkurses geworden. Als armer kleiner selbsständiger Hersteller wäre es spannend geworden, denn bekannterweise macht Not ja erfinderisch.

    Und ohne alte weise Männer würden wir vermutlich immer noch auf dem Pferd durch die Gegend reiten, ich bin stolz ein alter weißer Mann zu sein!

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    Schubladendenken

    Es ist furchtbar, wie schnell und unter welchen Vorzeichen man in die eine oder andere gesteckt wird …

    Es reicht schon, die dt. Politik und ihre Unterlassungen in Sachen Abfallverwertung und alternativer Kraftstoffe zu kritisieren und ZACK geht eine Lade auf und man ist ein- und wegsortiert.

    Sei es als Leugner des Klimawandels, als Aluhutträger, Verschwörungstheoretiker oder eben alter weißer Mann …

    Mein Ältester (ein alter weißer Mann von 14 Jahren) hat mir gestern ein Foto geschickt, Zu sehen war eine Ladestation für EVs, die von einem Dieselgenerator gespeist und mit fossilen Brennstoffen betrieben wurde.

    Wie erkläre ich ihm jetzt, dass das sinnvoll und alternativlos sei? Der ist ja nicht doof.

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    Die Schweden habe es echt gut. Von Bosch gäbe es C.A.R.E. Diesel, der eine bessere Klimabilanz als fossiler Diesel hat. Leider wird dieser Alternative in Deutschland nach wie vor die Zulassung verweigert. Warum ist das eigentlich so?

    Werden die Diskussionen hier im Land nur noch ideologisch geführt?

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      Hydrierte Pflanzenöle

      Danke, alter weißer Schwede. C. A. R. E. kannte ich noch gar nicht. Interessantes Verfahren.

      Die Zulassung in Deutschland?
      Ich könnte mir vorstellen, dass alternative Kraftstoffe es weniger ideologisch als viel mehr fiskalisch schwer bei uns haben. Das Aus für E85 wurde zumindest so erzwungen.

      Der Staat ist offenbar nicht bereit, auf Mineralölsteuer und CO2-Steuern zu verzichten.

      Wäre ich Journalist im entsprechenden Resort, würde ich mir von der Chefredaktion folgende Recherche absegnen lassen:
      Das staatliche Interesse am Mineralöl und am Strom darauf zu überprüfen, ob es einer finanziellen und fiskalischen Logik folgt, in der Alternativen – so sinnvoll sie umweltpolitisch auch sein mögen – schon allein aus haushaltspolitischen Erwägungen heraus kein Platz haben.

      Ich könnte mir gut vorstellen, dass es genau hier hängt. Unter der Überschrift von Klima- und Umweltschutz haben wir eine Abgabenlast erzeugt, die beispiellos ist.

      Alternativen, die frei von Mineralöl, CO2-neutral und nicht Teil der Stromwirtschaft sind, wären umweltpolitisch vielleicht sinnvoll, sind aber haushaltspolitisch wahrscheinlich Teufelszeug.

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