Google Dienste in mehr Volvo Modellen – und der Datenschutz?

Volvo führt Google Dienste in immer mehr Modellen ein. In Schweden macht man sich deshalb Sorgen um den Datenschutz und fragt beim Hersteller nach. Dessen Antwort überzeugt nicht unbedingt. Klar ist aber, hier treffen zwei unterschiedliche Geschäftsideen aufeinander. Der eine sammelt Daten, der andere verkauft Mobilität. Der Kunde ist dabei nicht der lachende Dritte.

Google Android zieht in immer mehr Volvos ein
Google Android zieht in immer mehr Volvos ein

Volvo renoviert seine Infotainment Systeme. Nach dem XC40 Recharge Pure Electric zieht Google Android auch beim Volvo XC60, dem Volvo S90, dem V90 und der Allrad-Variante Volvo V90 Cross Country ein und ersetzt das Sensus System. Ein technischer Fortschritt, der Anwender erhält damit Zugriffe auf Anwendungen wie Google Maps, Google Assistant und den Play Store, sowie auf ein nicht limitiertes Datenvolumen für die ersten 4 Jahre nach der Erstzulassung.

Google liefert erstklassige Dienstleistung

Die Vorteile liegen erst mal auf der Hand, denn die Google Dienste und Kartenmaterial sind immer aktuell, die dynamische Verkehrsführung mit das Beste was auf dem Markt aktuell verfügbar ist.

Dazu kommt, dass das neue System schneller und intuitiver zu bedienen ist. So weit, so gut meint man bei Vi Bilägare. Und fragt bei Volvo Cars in Sachen Datenschutz nach. Denn das Geschäftsmodell von Google basiert im Wesentlichen auf dem Sammeln von Daten. Das sieht man bei Volvo nicht als Nachteil, denn jeder Anwender übergebe seine Daten freiwillig, und könne das auch unterbinden.

Dann  würden Google Dienste zwar teilweise nicht funktionieren, der Anwender aber das Auto weiter nutzen. Volvo verweist auf die Vorteile, wie die immer aktuellen Karten und dass der Kunde durch die Google Dienste einen erheblichen Nutzen habe. Auch würde Google keine Werbung auf dem Android System einblenden, obwohl das technisch möglich wäre.

Wir liefern perfekte Bewegungsprofile

Volvo steht mit seiner Entscheidung für Google Anwendungen nicht alleine. Die Stellantis Gruppe, hervorgegangen aus PSA und FCA, setzt ebenso auf die Android basierenden Dienste. Für den Hersteller ist die Kooperation verlockend. Er setzt ein bewährtes System ein und greift auf das beste Kartenmaterial des Planeten und die leistungsfähigste Serverstruktur zu.

Für den Anwender ist es nicht so einfach. Es ist die Frage, wie viel man von sich preisgeben möchte, die der Kunde für sich beantworten muss. Dass man im Verbund von Smartphone und Auto ein perfektes Bewegungsprofil bei Google abliefert, ist die Realität. Wer etwas anders möchte, muss auf moderne Fahrzeuge verzichten. Oder auf die Vorzüge der Digitalisierung.

Die Google Server stehen überwiegend in den USA und unterliegen nicht der europäischen Rechtsprechung. Datenschutz wird in den USA laxer gehandhabt, das muss man wissen. Vielleicht kann man damit leben, das Preisgeben von Daten an Google gehört längst schon zur Realität, kaum jemand denkt darüber nach.

Brisanter wird das Thema in der Zukunft. Dann, wenn statt Google ein chinesischer Internet Gigant im Auto Dauergast ist. Was keine Vision ist, sondern in greifbarer Nähe liegt. Datenschutz wird von chinesischen Unternehmen wenig Beachtung geschenkt, und die Verhältnisse sind so, dass es sogar der Administration in Peking zu weit geht.

Die forderte die Unternehmen zum Jahresbeginn auf endlich ihre Vorkehrungen zu verstärken und nicht mehr so locker mit den Daten der Anwender umzugehen.

Die Diskussion in Schweden ist daher eine generelle. Ein Thema, dessen Brisanz in vielen Köpfen noch nicht angekommen ist, das uns aber noch länger begleiten wird.

15 thoughts on “Google Dienste in mehr Volvo Modellen – und der Datenschutz?

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    Wenn alles auch ohne Folgeverträge weiterhin brav seinen Dienst versieht, ist man fein raus …

    Der Weg der Branche scheint mir aber ein anderer zu sein. Neben Dienstleistungs- und Telekommunikationsverträgen strebt man auch nach Obsolesenz. Die Branche ist massiv im Umbruch. Alle paar Jahre ein Neuwagen ist das Ziel.

    Früher hat gerade Volvo das Gegenteil proklamiert und für sich in Anspruch genommen. Muss jeder für sich selbst wissen, ob, wie weit und um welchen Preis man der neuen Politik folgen möchte …

    Mich persönlich schreckt sie ab.

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    @volvaab Driver
    Das wäre in der Tat ärgerlich. Dann müsste mir aber am Anfang ein Vertrag vorgelegt werden der mich darauf hinweist oder informiert, dass sich der Vertrag, wenn ich nicht vor Ablauf der Zeit kündige, automatisch verlängert. Bei meinem Wagen habe ich diese Dienste 12 Monate kostenfrei mit drin und muss wenn ich diese online Dienste weiter nutzen möchte selbst aktiv werden. Das finde ich für mich absolut in Ordnung.

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    @ Alter Schwede,

    ein Schlüsselstelle im Artikel ist: „(….) ein nicht limitiertes Datenvolumen für die ersten 4 Jahre nach der Erstzulassung.“

    Vielleicht schließt das Auto keine kostenpflichtigen Verträge ab und muss das auch gar nicht? Aber vielleicht schließt der Käufer selbst einen kostenpflichtigen Vertrag ab, den er noch gar nicht kennt? Zumindest wenn er Auto und Infotainment länger als 4 Jahre nutzen möchte. Könnte doch sein und es wäre ärgerlich, finde ich..

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    Vielleicht sehe ich die Tragweite dessen nicht, aber die Daten die gespeichert werden, werden ja heute schon in/mit meinem Handy ec. gespeichert. So lange das Auto keine kostenpflichtigen Verträge für mich abschließt ist es mir wurscht.

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    @SchwarzerSchwede: ja, Sie haben Recht. Ich habe mich verleiten lassen.
    @VolvaabDriver: nehmen Sie es nicht so persönlich.

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    @ Chris,

    wenn sich Ihnen der Zusammenhang zwischen Strombedarf (wachsend), Datenfluss (wachsend) und Internet noch nicht erschlossen hat, weiß ich auch nicht, wie ich da auf die Sprünge helfen sollte …

    Vielleicht lesen Sie sich ja mal in das Thema ein und informieren sich, wie hoch der Anteil des Internets am weltweiten Strombedarf bereits heute ist und wie dessen Wachstumskurve aussieht?

    Der vernetzte Kühlschrank und das vernetzte Auto haben durchaus etwas gemeinsam. Sei es, dass die Vernetzung (Nutzer-) Daten von wirtschaftlichem Interesse erzeugt oder eine energieintensive Infrastruktur zur Voraussetzung hat. Oder auch, dass man beiderlei Vernetzung als überflüssig werten kann und darf, weil sich der Mehrwert nicht erschließt oder zu teuer (auf Kosten von Datenschutz und Umwelt) erkauft scheint.

    Wir haben doch alle bereits ein Smartphone. Mehr noch, wir haben bereits unser viertes oder fünftes und Erfahrungswerte mit deren Obsolesenz.

    Ich kann nichts dafür, dass es so ist. Und es ist mitnichten die spezifische Wahrnehmung eines Saab-Fahrers oder Saabblog-Lesers.

    Umwelt-, Datenschutz & -fluss sind Themen von gesamtgesellschaftlichem Interesse und universeller Gültigkeit. Kritik an fahrenden Smartphones und am Thema Smarthome ist universell, wird unabhängig dieses Blogs und unabhängig von Fahrzeugmarken vielfältig geteilt und geäußert. Wer sie nicht hören und sich mit jeder Entwicklung – egal wie fragwürdig sie auch sein mag – einfach nur wohlfühlen will, sollte seine Lektüre vielleicht auf die Webseiten und Prospekte der Hersteller und sich selbst auf das Studium der von Werbeagenturen verfassten Heilsversprechen beschränken?

    Gute Frage, wer sich wirklich in einer Wohlfühlzone und Echokammer einschließt, sich einen Aluhut aufsetzt und mit einer Fliegenklatsche bewaffnet. Sind das wirklich die Leute, die sich mit drängenden Fragen beschäftigen und damit rumquälen, in Antworten von Politik und Wirtschaft keinerlei Befriedigung zu finden?
    Oder sind es die Menschen, die die das alles so nicht (mehr) hören wollen, nicht mehr können?

    Ich finde, die AW liegt auf der Hand.

    Und ich finde es reichlich albern, die eigene Bedürftigkeit nach Heilsversprechen auf Saab-Fahrer zu projizieren, wie im Kommentar von Sie-wissen-schon geschehen.

    Niemand hat hier je behauptet, dass Saab & seine Kunden nationale Regierungen, die EU und einen globalen Markt in die Knie gezwungen und eine bessere Welt erschaffen hätten, wenn es Saab 2021 noch gäbe. Genau das zu denken unterstellt dieser Kommentar aber.

    Und das finden Sie plausibel & nachvollziehbar, gut & richtig, vollauf zutreffend?

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    @Chris Na ja, der Volvaab Driver schießt gerne über das Ziel hinaus. Muss man einfach stehen lassen, so wie man hier alle anderen Meinungen akzeptiert. Manchmal ignoriere ich ihn eben und gut ist es.

    Eine Saab Community gibt es sowieso nicht. Hat man ja gesehen, wie Tom jährlich betteln (erfolglos) gehen durfte.

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    Es ist sehr interessant, dass ein Kommentator der meist zu jedem Thema hier in Blog seine Meinung in teilweise völlig verwirrenden, sprunghaften bis teilweise zusammenhanglosen Texten preis gibt (Was bspw. der Kühlschrank-Stromverbrauch, die Stromerzeugung, etc. mit dem Datenschutz bei den neuen Volvo Infotainment-Systemen zu tun hat erschließt sich mir nicht), sich echauffiert wenn ein anderer Kommentator eine zwar kritische aber recht gut verständliche und auf dem Punkt gebrachte Aussage passend zum Artikel schreibt (VolvaabDriver vs. Saab 900 turbo 16 S).

    Das ist einer der Gründe weshalb für mich der Blog seit langem nicht mehr eine Community darstellt sondern nur noch eine kleine Plattform für zwei Meinungen die von drei immer gleichen Kommentatoren bestätigt wird. Schade.

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    @Saab 900 Turbo 16 S
    ….der SAAB 9-5NG hat bereits seit 10 Jahren Reifendruckkontrollsystem, zumindestens meiner…..

    grad bei Heise gelesen das es auch Open Source für das Fahrzeuginfotaintment gibt, allerdings fehlt da wohl viel bis zum Stand von Google und Apple, wäre aber der gewünschte dritte Anbieter.

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    @ Saab 900 Turbo 16 S

    großartiger Kommentar. So treffend, so sarkastisch und so über alle Maßen schwungvoll, dass …

    … Sie aufpassen müssen, ob die Tür, welche Sie einrennen, nicht weit offen steht oder zumindest nur angelehnt ist. So viel Schwung? Stolpern Sie nicht.

    Da schwingt sehr viel Vorwurf mit. An wen genau und warum?

    Ich habe hier schon mehrere kritische Kommentare und Artikel gelesen. Dass Saab weder wirtschaftlich noch politisch je zuvor und heute schon gar nicht nach eigenen Regeln spielen konnte bzw. könnte, scheint mir den allermeisten bewusst zu sein.
    Welcher Blogger, Gastautor oder Kommentar gibt Ihnen Anlass, Machern & Lesern Aluhüte aufzusetzen und weltfremde Gedankengänge zu unterstellen?

    Oder habe ich Inhalt & Intention Ihres Kommentars falsch verstanden?

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    Hmm, ganz spannendes Thema von Tom angeschoben. Mit der Kooperation mit Google gibt Volvo die Bewegungsdaten an Dritte. Das spart erst mal enorm viel eigene Infrastruktur. Aber ist das mittelfristig auch für Volvo schlau? Andere (größere) Hersteller kochen ihre eigene Suppe. Das könnte langfristig der bessere Weg sein. Denn Bewegungsdaten sind das neue Gold.

    Ich als Kunde hätte zumindest ein besseres Gefühl dabei. Generell entkommen wir diesem Thema aber nicht. Immerhin, beim iPhone liegen die Daten bei Apple und die Datenschutzregeln sind nachweislich streng. Also navigiere ich lieber mit dem Apple Teil, so wie es @bergsaab auch tut.

    Und ja, Android im (neuen, nie produzierten) Saab hätte mir nicht unbedingt gefallen.

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    Wer mehr oder weniger 24 Stunden täglich mobiles Internet nutzt und gleichzeitig reflexartig die Datenschutzkeule schwenkt, wirkt auf mich wenig reflektiert. Wer zusätzlich regelmäßig „freiwillig“ in sozialen Netzwerken Spuren hinterlässt, aber aus Gründen des Datenschutzes z.B. nicht an Videokonferenzen teilnehmen will, ist in meinen Augen einfach nur albern, was sein deutlich sichtbarer Aluhelm auf dem Kopf zusätzlich unterstreicht.
    Aber Saab würde diesen Schnickschnack freilich nicht anbieten, wenn es die Marke im Jahr 2021 noch gäbe (selbstverständlich würde sich Saab auch von der SUV-Welle distanzieren und die geförderte E-Mobilität ablehnen: Man würde sich viel mehr auf die zweite Überarbeitung des 9-5 NG und die Einführung des Reifendruckkontrollsystems, nachdem die EU eine Verlängerung der Ausnahmegenehmigung abgelehnt hat, konzentrieren).
    Sollte Saab, aus welchem Grund auch immer, doch neben den vielen anderen auf den Zug der Masse aufgesprungen sein, so würden die vielen Stammkunden die Firma sicherlich rasch auf den analogen Pfad der wahrsten Wahrheit zurückzwingen – ganz individuell und autonom.

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    … in , warum ich immer noch SAAB fahre, hab ich Tom geschrieben:
    weil mir in einem SAAB mit iPhone als Navi nichts fehlt

    zugegeben Google ist oft genauer oder aktueller, zugegeben iPhone ist exklusiv, zugegeben immer noch SAAB zu fahren ist exklusiv, und zugegeben SAAB hätte mit seinem geplanen System auch auf Android gesetzt.

    Es ist eine Entwicklung die mich nicht froh macht, wenn Daten anonymisiert verwendet werden würden wäre vieles besser, aber zusammen mit geplanten Zugriffen auf Email-Daten bei geringen Verdachtsmomenten durch Behörden ist das Bewegungsprofil eine Schritt zum gläsernen Bürger. Entwicklungen in weniger demakratischen Ländern machen mir da schon Angst….
    Es wäre schön wenn auch applecar verfügbar wäre, oder auch noch ein drittes System, von Wettbewerb ist hier nicht viel zu spüren. .., kommt wir vor wie im DDR-Gemüseladen…ich hätte gern Bananen aber außer Sauerkraut war nichts zu bekommen

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    Datenschutz …

    ist auch zunehmend gleichbedeutend mit Umweltschutz. Den wachsenden Strombedarf des stationären und mobilen Internets hat Tom ja auch schon in seiner unnachahmlich eleganten Schreibweise beiläufig und dennoch bewusst und explizit in mindestens einen Artikel hier einfließen lassen.

    Datenfluss und Strombedarf lassen sich direkt zueinander umrechnen. Als ich meinen letzten Kühlschrank kaufte, liebäugelte ich mit einem italienischen Designobjekt im Retro-Stil. Es wurde ein Langweiler in Edelstahl einer dt. Marke, weil dort ein + mehr hinter dem A stand …

    Bei dem Kaufentscheid wusste ich aber auch noch nicht, dass jedes Smartphone (via Infrastruktur) so viel Energie verbraucht, wie ein durchschnittlicher Kühlschrank.

    Ein „smarter“ Kühlschrank verbraucht demnach so viel Strom wie zwei blöde. WOW, das ist wirklich smart …

    Und ein smartes Auto verbraucht so viel Energie, wie ein blödes und ein blöder Kühlschrank zusammen. Auch ziemlich smart …

    Unter solchen Bedingungen auf ein zweites oder drittes + hinter einem A zu schielen, war wohl nicht so wirklich smart von mir. Ich hätte dem besseren Design den Vorzug geben sollen. Warum auch nicht? Strom gibt es ja offenbar unbegrenzt und CO2-neutral. Oder auch nicht, denn wozu würden wir Glühbirnen verbieten, Kühlschränke labeln und Staubsaugern die Leistung reduzieren? Ja was denn nun? Ich steige nicht mehr durch …

    Aber weniger ist manchmal mehr. Weniger Datenfluss sogar mehr Umweltschutz. So viel glaube ich verstanden zu haben.

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    Bin ich froh das es noch Auto’s gibt ohne vielseitige Elektronik.

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