Der SAAB 9000 turbo in der Rolle des Landstreichers

Mitte Juli 2019 flattert folgende Nachricht einer Freundin in meinen Posteingang: «Die Lebenspartnerin meines Bruders sucht ein älteres Auto für eine Musikvideo-Produktion. Falls Du Interesse hast, Deinen Saab für zwei Tage auszuleihen, kann ich Dir ihre Nummer mitteilen…». Den heiss geliebten Oldtimer in fremde Hände geben? Niemals!

Saab 9000 während der Filmaufnahmen
Saab 9000 während der Filmaufnahmen

Man stelle sich vor, was dabei alles passieren könnte… Dennoch scheint es mir eine einmalige Gelegenheit zu sein. Ein eingefleischter Saab-Fan meinte nämlich einst: «Je mehr Saab-Content im Netz landet, desto besser. Denn das Internet vergisst bekanntlich nie.». Auch die Möglichkeit, so einen Dreh einmal hautnah miterleben zu dürfen, erscheint mir einzigartig.

Diese und viele andere Gedanken schießen mir durch den Kopf. Zudem ist zum Zeitpunkt der Anfrage die eine Türverkleidung noch nicht wieder aufbereitet und derzeit demontiert. Ob das wohl ein Problem darstellen könnte?

Schließlich entscheide ich mich dafür, mit der Szenenbildnerin des bevorstehenden Musikvideo-Drehs in Kontakt zu treten, um mehr darüber zu erfahren. Wie sich herausstellt, sind bis anhin weder das genaue Datum noch der Drehort bekannt. Sie erklärt, dass es sich um eine Low-Budget-Produktion handle und die Gage entsprechend niedrig ausfallen werde.

Saab 9000 CC
Saab 9000 CC

Ich könne den Wagen auch hinfahren und am Videoshooting mit dabei sein, wenn mir das lieber sei. Die fehlende Türverkleidung spiele keine Rolle. Sie teilt mir weitere Einzelheiten mit (Interpret, Drehbuch sowie Anforderungen bzgl. Drehort und Tageszeit). Wir vereinbaren, dass sie sich wieder melden wird, sobald Drehort und -zeit feststehen. Ende Juli werde ich also erneut kontaktiert:

Das Videoshooting soll auf einem Feldweg in der Region Toggenburg stattfinden.

Der 8. August 2019 ist nun als Drehtag definiert und gefilmt werden soll ab 5:00 Uhr in der Früh. Das Datum passt mir glücklicherweise gut. Obwohl der Zeitplan sehr sportlich ist und ich am Abend zuvor noch ein Konzert besuchen will, sage ich definitiv zu, was ich nicht bereuen werde, wie sich später zeigen wird…

So mache ich mich schließlich am besagten Donnerstagmorgen gegen 3:30 Uhr auf den Weg in Richtung Wildhaus. Ich bin gespannt, was mich dort erwarten wird. Nach nur dreieinhalb Stunden Schlaf muss ich mich umso mehr aufs Autofahren konzentrieren. Am Drehort angekommen (die Koordinaten hat man mir im Vorfeld zukommen lassen) frage ich mich erstmal, ob mein Handy-Navi mich wohl richtig gelotst hat – denn es deutet noch nichts auf einen bevorstehenden Videodreh hin.

Nach kurzer Nachfrage per SMS bestätigt man mir, die Crew sei bereits auf dem Weg und ich dürfe mich noch etwas gedulden. Kurz nach 5:00 Uhr hat das Warten ein Ende – die Film-Crew trifft ein und macht sich nach einer kurzen Vorstellungsrunde bereits an die Arbeit. Besser könnte die Atmosphäre am Set wohl nicht sein  – ein nebliger Sonnenaufgang auf einem Feldweg in den Schweizer Bergen!

In der ersten Einstellung (die übrigens auch im Video als Eingangsszene gezeigt wird) darf ich meinen Saab selbst fahren, womit ich nicht gerechnet habe. Im Anschluss daran werden einige Szenen im und um den alten Schweden gedreht. Schließlich verabschieden sich drei der Film-Crew-Mitglieder zusammen mit dem Interpreten für eine Sequenz. Ich gebe mir selbst einen Ruck und vertraue darauf, dass schon alles gutgehen wird. Nach rund einer Stunde kehrt die Crew im Saab fahrend sowie mit ein paar Takes mehr im Kasten zurück.

Wie mir der Künstler in einem kurzen Austausch nach dem Dreh gesteht, hat er sich insgeheim einen Saab für den Clip gewünscht. Umso mehr freue es ihn, dass der «Deal» nun zustande gekommen sei. Obwohl die veranschlagte Drehdauer um mehr als das Doppelte überzogen wurde, komme ich zum Schluss, dass es sich für mich allemal gelohnt hat! Ich steige müde, aber zufrieden sowie mit einer Fülle an Eindrücken in meinen 9k und nehme die Heimfahrt in Angriff.

Die Zeit bis zur Veröffentlichung des Musikvideos erscheint mir ewig. Ich kann es kaum erwarten, den Turbo im Video zu bestaunen und zu erfahren, welche Takes es schließlich in den fertigen Clip geschafft haben.

Am 13. Dezember 2019 werde ich für mein Warten belohnt – der Release ist auf 7:30 Uhr angesetzt. Als einer der Ersten überzeuge ich mich am frühen Morgen vom Resultat des Drehs und stelle begeistert fest, dass sich der Aufwand gelohnt hat. Wenn der 9000er auch nur zu Beginn und zum Ende des Videos hinzusehen ist, bin ich mehr als glücklich. Besonders freut es mich, meinen Namen im Abspann unter «special thanks» zu lesen.

Text und Bilder: Renato Bodenmüller

3 thoughts on “Der SAAB 9000 turbo in der Rolle des Landstreichers

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    Tolle Geschichte, schoene Kurzfilm. Danke an den Autor. Und zum letzte; schoene Saab !!

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    Tolle Geschichte und nur möglich dank eines Saabs.

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    Danke an den Autor und die Macher des netten Kurzfilmes.
    Der Spruch “lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach” befürwortet sich wieder…
    Insofern ist der Spatz in Form eines SAAB mehr als tröstlich ;-).

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