Ein mehrfaches Saab Déjà-vu

Das habe ich doch schon alles Mal erlebt… In mehrfacher Ausführung… Herbst 2013. Ich war der „Saabszene“ noch völlig fern. Hatte meine Saab-Begeisterung und das „No-Go“ 902 V6 Cabrio, welches ich Gustav nannte. Wie ich zum Gustav kam, habe ich bereits ausführlich im Blog beschrieben. Und jetzt könnte ich den Anfang der Geschichte des Red&Hot einfach kopieren: beim morgendlichen Kaffee scrollte ich völlig absichtslos durch die Verkaufsportale…

Saab 9000 CSE
Saab 9000 CSE

Und dann sah ich Folgendes: 9000 CSE von 11/91. Dunkelgrün, beiges Leder, 2,3 Liter Vollturbo Automatik, Schiebedach, knapp 210.000 gelaufen, die Geschichte plausibel und ein Preis, der einen Druckfehler vermuten lässt. Und natürlich in der Nähe. Ich rief an, und ein paar Tage später betrat ich eine private Halle voller automobiler Kuriositäten. „Keine Zeit mehr hierfür“ erklärte lapidar der Verkäufer.

In einer Ecke und verstaubt stand der 9k. Der Dachhimmel hing, die Einsätze der Türverkleidungen waren nicht mehr vorhanden, das Leder schrie förmlich nach einem Pflegemittel. Bei der Probefahrt stellte sich jedoch heraus, dass alles funktioniert. Die Kraft und Durchzug des Motors, die Straßenlage, das über 20 Jahre alte Gesamtpaket raubten mir den Atem.

2 x Saab 9000 - einer ist nie genug
2 x Saab 9000 – einer ist nie genug

Ich kaufte ihn. Und ein paar Fahrten später taufte ich ihn „Die Bestie“. So viel Kraft in einem Wagen hatte ich bis dato noch nicht erlebt.

Da ich zu dieser Zeit weder Berma, noch Ratzmann, noch den Blog kannte, wurde der Weg ihn in seiner vollen Schönheit erwachen zu lassen lang und steinig. Eine stets bemühte kleine Werkstatt, ein Sattler und ein Lackiere in meinem spanischen Wohnort und dazu eine GM – Saab Werkstatt in der nächstgelegenen Stadt kontra vollausgestatteter 9k aus 1991 und ja, mit dem Teil am Motor, den kein Mensch braucht.

Die Details überlasse ich der Fantasie des Lesers. Fakt ist, dass er irgendwann fertig und großartig war. Und fast wieder von mir ging. „Zeitwert“ lautet das schreckliche Wort….. Er stand neben Gustav, als der verhängnisvoller Hagel kam…

Aber es gibt ihn noch. Mittlerweile in Deutschland zugelassen, und nach vielen Tausenden gemeinsamer glücklicher Kilometer schlummert er, um im Laufe des Jahres als womöglich erster CSE mit H-Kennzeichen wieder zugelassen zu werden. Das wurde nur möglich, da sich zwischenzeitlich meine persönliche Saabwelt sehr veränderte.

Eines Tages in Frankfurt angekommen, sah ich einen 9-5 NG, der wahrscheinlich als einziges Saab Taxi der Welt im Frankfurter Raum unterwegs ist – und das bis heute.

Einzigartig - das Saab 9-5 NG Taxi
Einzigartig – das Saab 9-5 NG Taxi

Wir kamen ins Gespräch. Der Name Ratzmann fiel. Und da Frankfurt einen Ratzmann hat, muss auch Barcelona einen haben. Ich begab mich auf die Suche, und fand Berma. Das saabige Leben wurde sehr einfach. Tolle Freundschaften entstanden. Viele Ersatzteil-Hilfsaktionen fanden statt. Und die Déjà-vu Geschichten wurden möglich.

Erstmal mit dem 900 Coupé in Spanien. Ein wenig später mit dem roten 9k in Deutschland. Mit einem großen Unterschied – das Lehrgeld war bezahlt. Wenn etwas gemacht wurde, dann top.

Zu welch unglaublichen Ergebnissen solche Konstellation führen kann, hat auch nicht zuletzt die Geschichte vom Gentleman gezeigt. Aus einem tollen Auto wurde ein großartiges – einmaliges.

Und nun kommen wir zum Kern der Geschichte. Da ich es mit dem Scrollen nicht sein lassen kann, weiß ich jetzt um den Red&Hot Aero – und nicht nur um ihn….

Er braucht in der Tat ein wenig Zuwendung. Da ich ihn mir aber schon mehrmals „fertig“ vorgestellt habe, mache ich dem Händler ein Angebot…

5 thoughts on “Ein mehrfaches Saab Déjà-vu

  • @ Lizi – wusste ich das du das ETS meintest – solange das System funktioniete – alles gut – wenn nicht konnte man nur hoffen das nur der Unterdruckschlauch lose / defekt war – sonst wurde es schlecht für’s Sparbuch …

    SAAB’ische Grüße, der EF -elch

  • Lieber Thomas.

    Mir dem …“Teil“…. meine ich natürlich das ETS. Toll wenn es funktioniert. Hölle, wenn es mal anfängt zu zicken.

    Der Lizi

  • Der 9K begeistert immer wieder. Für mich noch immer DER Saab schlechthin. Da bin ich ganz Ove …

    Aber natürlich schaue ich auch ein wenig nach rechts und links und frage mich, wie ein Saab heute wohl aussehen könnte?

    Hektische Modellwechsel waren nie das Ding von Saab. Eher die Reifung. Manches Modell war wie Parmesan auf Rädern, wie ein guter Bordeaux. Je länger im Programm, desto besser. Gilt ganz besonders für den 9K oder den 900.

    Ich denke, heute bekämen wir noch immer den 9-5 NG (aber eben auch als SC), noch immer den letzten 9-3 und dazu den 9-4X.

    Jeweils mit optisch marginalen Änderungen aber wahrscheinlich auch als E85 kompatibelen Plugin-Hybriden mit großer Reichweite, geringer Emission und fantastischen Fahrleistungen aus einem 2.0 TT + kW aus einem Elektromotor.

    Nix wäre mir lieber, als genau das – wenn also die letzten und jüngsten Saab traditionell weiter hätten reifen dürfen.

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  • @ Lizi – “ein Teil am Motor was kein Mensch braucht”
    Dazu fallen mir bei deinem 9k spontan drei Dinge ein..
    • als vernünftiger nachhaltig und umweltfreundlich denkender Mensch – den Turbo – nee Quatsch – den muss ein Saab haben ..
    • als sportlich ambitionierter Fahrer – das große Aluteil links neben dem Motor – okay – auch Ansichtssache
    • als SAAB Schrauber – die ETS ( elekt. Drosselklappe ) die Insider verstehen meine “Vorurteile”

    Das wären meine Vorschläge – sonst ein nach wie vor tolles Auto mit Potenzial zum Klassiker – ich weiß wovon ich spreche ..

  • Die BESTIE!!

    GRRRRRRR!!! Ein genialer Name für ein geniales Auto! Ich kann mir so richtig vorstellen, wie das Monster den Fahrer mit bestialischem Drehmoment in die (superbequemen) Sitze drückt! Einfach heeerrrlich! 🙂 Einziger Unterschied in diesem Actionfilm: Die Bestie hört folgsamst auf die Wünsche seines Herrn …

    Tolle Geschichte, vielen Dank lieber Lizi! Gibt es auch Fotos vom (mittlerweile restaurierten) Innenraum? Beigefarbenes Leder zu dunkelgrünem Lack – das hört sich sehr edel an.

    Gibt es eine Kontaktmöglichkeit zu dem Saab-Taxi? Ich hatte ja schon früher davon gehört. Aber, falls es mich doch mal wieder per Flug nach FfM verschlagen sollte, würde ich selbstredend gerne die Fahrt im NG genießen!

    Und die Fortsetzung der Geschichte über das rote Cabrio bleibt sehr spannend! Von Berma überholt und dann – trotz Corona – zu einem Saab- und Farben-Fan nach D, der das Schmuckstück sehnsüchtig erwartet? Wäre großartig! 🙂

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