Das bessere Saab Design? 9-5 Aero vs. Saab 9000
Wie definiert man Saab Design? Eine schwierige Frage. In Schweden stand Saab mit dem 99, 900 und 9000 lange Zeit für den Halbkombi. Das Fließheck, das auf manchen Märkten das Image eines billigen, japanischen Autos hatte. Davon wollte man mit dem 9-5 weg. Abschied nehmen auf die radikale Tour, endlich richtige Autos bauen wie man es in Göteborg oder in Stuttgart tat. Mit herzhaftem Applaus kam das Umdenken nicht überall an.
Die Idee zum Wechsel vom Halbkombi zur Limousine dürfte mehrere Väter gehabt haben. Detroit drängte Trollhättan zum Kampf gegen Angstgegner Lexus auf dem US Markt, die Marktforscher sahen in den 90er Jahren in der Limousine das größte Potenzial für zukünftiges Wachstum.

Ganz weg vom 9000 konnte man dann doch nicht. Die Grundlinie des Keils wurde vom Design Team um Einar Hareide übernommen, sonst aber wurde alles anders. In Schweden galt der 9-5 als mutiger, wilder Entwurf. Und heute?
Limousine gegen Fließheck
Der grundsätzliche Fehler des 9000, so sagte man, sei, dass er nicht wie ein Saab aussehe. Da ist was dran. Auch wenn es nicht die Schuld von Björn Envall ist, der basierend auf dem Grundmodell die zweite Generation zeichnete. Envall durfte die Türen und die Fahrgastzelle nicht verändern, so fehlte auch diesem 9000 der für Saab typische Hockey Stick der C-Säule. Oder die Windschutzscheibe, die in Form einer Flugzeugkanzel ausgeformt ist.
Auch die muschelförmig ausgeformte Motorhaube, ein weiteres Designmerkmal, sucht man vergebens. Sie wurde mit dem 99 von Sixten Sason eingeführt, und gilt als Teil seines Vermächtnisses. Bleibt das Fließheck, das in bester Saab Tradition steht und die große Heckklappe. Dazu kommt das Leuchtenband am Heck, das dem 9000 optisch mehr Breite gibt.
Und was bietet der 9-5?
Die Limousine hat eigentlich alles. Alles das, was der 9000 nicht erhielt und was man vermisst, haben sie dem 9-5 mit auf den Weg gegeben. Mit einigem Aufwand und Liebe zum Detail bekam der Nachfolger die Saab-typische Motorhaube, den Hockey-Stick und eine leicht geformte Frontscheibe.
Hockey-Stick und muschelförmige Motorhaube
Dazu kommen die typischen Scheibenwischer an den Scheinwerfern, die Spritzdüsen für die Windschutzscheibe gleich in einer dreifachen Ausfertigung, aber eben ein Kofferraum statt eines Schräghecks. Und genau dort beginnt der 9-5 zu schwächeln. Zwar ist das Heck gut geformt, die Abrisskante macht einen Spoiler überflüssig, aber es fehlt das, was den 9k stark macht.
Das coole, durchgehende Leuchtenband des 9k hat man sich nicht getraut. Warum eigentlich? Stattdessen hat man Rücklichter hingesetzt, die jetzt für alle Ewigkeit wie überdimensionierte Pfannkuchen an einer filigran gestalteten Karosserie kleben. Die Designer müssen das mit Entsetzen wahrgenommen haben, als es zu spät war. Der verzweifelte Versuch, der Sache noch etwas Leichtigkeit zu verschaffen, war die dunkle Tönung des oberen Teils der Rücklichter.
So ganz gelungen ist das aber nicht.
Was damals fast noch schlimmer war, der Nissan Primera (P10) fuhr mit fast identischen Rückleuchten durch die Gegend. Sogar die dunkle Tönung hatte der Japaner, der diese Mode vor dem Saab öffentlich machte. Ein flüchtiger, übellauniger Blick auf das Heck, schon konnte man bei beidem Fahrzeugen Verwandtschaft unterstellen.
Wer von den beiden sieht heute mehr wie ein Saab aus? Der Limousine, die ein großer Entwurf mit einer leichten Schwäche ist, haftet ein wenig Biederkeit an. Was daran liegt, dass sie immer noch altert und kein Klassiker ist. Diese Wahrnehmung wird sich, da darf man sicher sein, in den kommenden Jahren drehen. Der 9-5 wird dann mehr Saab, durch viel mehr Saab Attribute sein, das ist klar.
Nur, wie immer, wenn es um Design und Geschmack geht, gibt es eine großes Aber.
Der 9000 geht als wilder Keil und als Extravaganz durch. Was unter anderem an der Gnade des Alters liegt, seiner Seltenheit und der Tatsache, das Envall mit ihm ein Meisterstück abgeliefert hat. Aber eben keinen Saab, wie ihn jeder erwartet hätte.
Sondern einen ganz besonderen, speziellen Saab.
Der deshalb, und mit dem Widerspruch muss man leben, mehr Saab als jemals zuvor und danach war.
Vielseitigkeit im Alltag
Kann man das Kapitel gleich dem 9000 zuschreiben? Man darf es tun, denn gegen das Fließheck hat die Limousine keine Chance. Eine riesige Heckklappe, ein großzügiger, gut zugänglicher Laderaum. Umlegbare Rücksitze, etliche Ablagen im Innenraum.
Das sieht der 9-5 kein Land, auch wenn er sich nicht so leicht geschlagen gibt.
Dass die Limousine in dieser Disziplin gegen den Halbkombi auf verlorenem Posten stehen würde, wussten auch seine Väter. Für den Transport gab es ja den Kombi, aber ganz so hoffnungslos ist die Sache für den 9-5 trotzdem nicht.

Denn, im Streben nach Perfektion, hat man aus dem Kofferabteil das Maximum herausgeholt. Da ist das filigrane Hebelwerk, das effektiv und platzsparend für die Öffnung des Deckels zuständig ist. Eine aufwendige Konstruktion, die es nicht nur bei Saab gab, und die bei modernen Autos zu einem Schreikrampf der Kostenrechner führen würde. Sie nimmt keinen Stauraum weg. Durchladen kann man aufgrund der umklappbaren Rücklehnen ebenfalls.
Dennoch bleibt eine Limousine eben eine Limousine und ein Halbkombi das Fahrzeug mit höherem Nutzwert. Auch wenn der 9000 in dieser Disziplin punktet, der 9-5 hat im Vergleich die muschelförmige Haube weiter vorn. Finale Gewissheit welches Auto das bessere ist, liefert der Fahrtest im nächsten Teil.
@ Alter Schwede (Favoriten),
das kann ich zu meiner eigenen Überraschung sogar verstehen.
Der 9-3 II war einfach das schönere Auto. Die jüngsten (Facelift) sehen noch immer moderner und vor allem besser aus, als manche Neuerscheinung.
Tolle Autos. Besonders die SC und Cabrios. Die Fahne guten Designs hat Saab ganz besonders mit diesen Modellen und bis zuletzt sehr hoch gehangen. Blöd nur, dass sie mir zu klein sind, vor allem Rücksitzbank & Kofferraum.
Mein Jüngster (seit ein paar Tagen 11) hat schon jetzt Schuhgröße 42/43 und ist größer als mein Schwiegervater. Es muss ganz einfach ein 9-5 SC sein, oder ein 9K und am liebsten beide …
Wäre ich solo oder zu zweit unterwegs, wäre ein Paar 9-3 (SC & Cabrio) mein Favorit.
Der 9000 hat seine unschlagbaren Vorteile in seiner Variabilität, sieht auch gut aus, gerade das Facelift. Da er aber mit dem Fiat und Lancia gleichermaßen entwickelt wurde, fehlen Saab typische Designelemente. Den 9-5 fand ich vom ersten Moment einfach nur klasse. Aber auch nur die Limousine. Der Kombi war nie mein Favorit. Da habe ich lieber zum 93 SC gegriffen.
Am Anfang der Reihe dachte ich… oh,oh, das wird zu massiven Diskussionen führen. 9ooo vs 9-5.
Doch es kommt anders. Jeder hat seine Meinung und das ist gut so. Ohne andere überzeugen zu müssen.
Auch das ewige ‘echter SAAB’ vs ‘GM-SAAB’ findet hier gar nicht statt
Vom Design finde ich den 9k klasse, leider habe ich weder einen in meinem Portfolio, noch bin ich in einem gefahren.
Jedoch bin ich mit meinem 9-5 sehr zufrieden und auch hier kann man problemlos größere Sachen transportieren.
Diesmal hat eine ‘grosse klappe haben’ natürlich seine Vorteile. 🙂
Eine E-Klasse W210 ist da schlechter, denn man kann die Rückbank nicht umlegen.
Mir gefallen gerade die Heckleuchten des 9-5 I, im vergleich zur Chrombrille.
Im Prinzip sind sie denen des 9k nicht unähnlich. Mach mal beide Deckel auf und vergleicht dann.
Es wurden seinerzeit wenigstens noch wirklich neue Modelle gebracht und nicht nur Facelifts.
Bin auch auf den nächsten Teil gespannt… und schöne 9k werden z zt auch auf den Autobörsen angeboten **hihihi**
@Saabantium Zum Glück! Ich hoffe, aus dieser Phase was ein echter Saab ist, sind wir rausgewachsen.
Tja. Und ich mag den 9-5 Kombi der ersten Generation.
Weil er so klassisch ist und einfach mittlerweile anders ist.
Und im Gegensatz zu den neuen Kombis wirklich noch nutzbaren Platz bietet.
Jedes hat seine Berechtigung.
Und was das Fahrwerk betrifft, da ist der 9000er einfach veraltet.
Und in kalten nebeligen herbsttagen freu ich mich,
Das meine Tür zubleibt und nicht plötzlich aufgeht, wie bei meinen zwei 9000er.
Das konnte ich ihnen nie austreiben…
Von den Windgeräuschen mal abgesehen…
Geschmack ist nun etwas sehr subjektives. Es ist anzunehmen, dass das neuere Auto nach „ Punkten“ gewinnen wird. Gerade bei Saab war aufgrund der Modellzyklen jede Neuerscheinung ein Quantensprung. Zumindest bis zu einem gewissen Zeitpunkt….. Ich würde meinen 9k niemals gegen irgendein anderes Auto tauschen. Auch nicht gegen einen 9-5. Und nicht nur, weil – wenn nötig – der halbe Baumarkt reinpasst. Gerade seine Form, der Wellness- Fahrkomfort, das klare und bis heute in meinen Augen nicht gealterte Innendesign, und der spürbaren Qualität begeistern mich bei jeder Fahrt aufs Neue. Und wer einmal in diesen Sitzen Platz genommen hat…. Auch der 9-5 I ist ein grandioses Auto. Ich mochte Stufenhecklimousinen nie. Die Begegnung mit Gentleman hat mich umdenken lassen. Vielleicht hat es etwas mit Älterwerden zu tun. Klar ist, sollte mir ein guter begegnen, wird es mich – mal wieder- ein paar schlaflose Nächte kosten. .
Der Lizi
Bin da ganz bei Bergsaab
Zum Kombi fehlten 900, 9K und 9-3 I nur das, was man sonst so hoch hineinstopfen müsste, dass der Himmel leidet …
Das waren tolle Autos. Limousinen reichen in Form & Funktion einfach nicht ran – zumal es 900 und 9-3 I sogar als “Coupé” gab.
So viel Nutzwert, so elegant verpackt – das kann man mit keiner Limousine der Welt vergleichen. Auch nicht mit Saabs 9-3 Ii, 9-5 oder 9-5 NG …
P.S.
Hatte heute übrigens auch ein Rennrad im Kofferraum und ohne Corona bin ich Stammgast bei Baumärkten. Vielleicht bin ich deshalb in meiner Meinung so “eingefahren”?
Da hab ich doch Jahrzehnte lang meine Zeit mit den falschen Autos verplempert … Ausser, als die Kids da waren. Da spurte n 2 Mitsubishi Busse etliche km ab. Danach hätte ich eigentlich auf den 9k kommen können. Aber nein – ach.
Das Nissan Design hatte ich gar nicht auf dem Radar. Der war wohl zu unauffällig, um eine Rolle zu spielen. Aber die Ähnlichkeit… faszinierend. Mal wieder was gelernt. Freue mich auf den nächsten Teil!
Macht Lust auf Saab, Tag gerettet. Danke 😉
6 Rollen Klemmfilz Mineralwolledämmung im Baumarkt gekauf, wo steht Ihr Transporter? fragt der Mitarbeiter und staunte nicht schlecht als alles im 9000er drin war 😉 2. Rennräder und alles 2 Triathleten brauchen passt beim 9000er in den Kofferraum, beim 9-5 sind die schon schlecht durch die Öffunung zum Kofferraum zu bugsieren.
Die Heckklappe fehlt, auch im 9-5NG, was ich in dem großen Koferraum hinten liege habe ist schwer zu erreichen, wenig sichtbar und oft vergessen.
Der 9000er ist Reiselimosine, Transporter, Dienstwagen, Lifestylewagen, beim 9-5limo müssen wir mindestens den Transporter streichen. Beim Kombi sieht es natürlich wieder anders aus, aber da begann in der Zeit des 9-5 erst die Aktzeptanz von Kombis als Lifestylewagen.