Der bessere Saab? Saab 9-5 Aero vs. Saab 9000 Anniversary!

Ach, dieser Keil! Ich sehe ihn im Rückspiegel, er verfolgt mich. Flach, exotisch und spannend. Wüsste ich es nicht besser, ich würde ihn für ein italienisches Fabrikat halten. Einen Lancia, vielleicht ein Maserati oder Fiat. Irgendein großer Viertürer, von dem es nur wenige Exemplare über die Alpen geschafft haben. Womit wir schon fast beim Kern des Problems wären, das sie damals mit dem 9000 in Trollhättan hatten.

Zwei Fehler, so sagten sie bei Saab, habe der 9000. Er fahre sich zu einfach, sodass sich jeder für einen guten Fahrer halten würde. Und er sehe zu wenig wie ein Saab aus. Das mit dem zu einfachen Fahren hat sich rund drei Jahrzehnte später erledigt. Das mit dem Design bleibt.

Den 9000 halten die wenigsten Menschen für einen Saab.

Saab 9000 vs. Saab 9-5 Aero
Saab 9000 vs. Saab 9-5 Aero

Der bessere Saab? Saab 9-5 Aero vs. Saab 9000 Anniversary!

Als Saab den 9-5 auf den Markt brachte, war er ein großer Erfolg. Vielleicht aber anders, als man es geplant hatte. Denn während auf der einen Seite viele Kunden die Marke mit dem 9-5 zum ersten Mal entdeckten, blieb eine überraschend große Zahl von Stammkunden fern.

Warum war das so? Ich begebe mich auf die Suche nach den Gründen. Zum Vergleich dient der 9-5 Aero aus dem Jahr 2000 und ein 9000 Anniversary aus dem Jahr 1998. Näher dran geht nicht, der Anniversary ist die letzte Evolutionsstufe und der Serie 1 Aero transportiert noch eine Menge Philosophie aus der 9000 Ära. Um fair zu bleiben, fährt ein zweiter 9000 mit. Mitternachtsblau, Automatik wie der 9-5 und ebenfalls mit einem hellen Interieur.

Zwei Autos – zwei Innenräume

Den Innenraum des 9000 zeichnete Björn Envall. Nach Sixten Sason, mit dem er im Team arbeitete, der zweite Designer in der Markengeschichte überhaupt. So verwundert es nicht, dass der Innenraum des Saab 9000 komplett der Philosophie der Marke entspricht und kaum mit Überraschungen aufwarten kann. Große, gut nutzbare Ablagen in der Mittelkonsole, große Türtaschen. Das Handschuhfach, das es ursprünglich einmal gab, hat die Zeit weggefegt und einem Beifahrerairbag überlassen.

Instrumente und Schalter sind klar gezeichnet, die Materialien sind wertig, ehrlich, im Stil der 1980er Jahre. Denn aus dem 9000 CC, der ersten Baureihe, stammt das Interieur, groß überarbeitet wurde es nie. 1998 war es schlicht ein Anachronismus, aber ein liebenswürdiger.

Das bemerkt man beim Umstieg in den Saab 9-5 Aero. Einar Hareide hatte hier das Sagen, das Ergebnis ist weit mehr als nur ein Generationswechsel.

Im direkten Vergleich ist der Aero zwei Generationen jünger, mindestens, mit Drang zur Perfektion und zur Schönheit. Das Premiumwort war damals noch ganz frisch und unverbraucht, für den 9-5 trifft es zu. Die Materialien sind hochwertig, die Verarbeitung viel besser als im 9000, mit einiger Liebe zum Detail.

Geteilte Sonnenblenden, das Nightpanel, der asymmetrisch gespreizte Tacho. Dazu eine Invasion von Lämpchen überall, die aus dem Schweden ein freundliches, skandinavisches Wohnzimmer machen, betritt man ihn in der Nacht. Heute würde man das als ein Lichtkonzept für den Innenraum bezeichnen, aber das Wort gab es in den 1990er Jahren noch nicht. Saab berichtete nur ganz stolz, noch nie zuvor so viel Beleuchtung in einem Fahrzeug verbaut zu haben.

Ja, und so geht es weiter. Ein freundlicher Getränkehalter entfaltet sich mit graziler Anmutung aus dem Armaturenbrett, für Münzen gibt es eine Aufbewahrungsmöglichkeit, das Parkticket findet seinen Platz an der Frontscheibe. Soviel Detailliebe und Fürsorge war nie zuvor in einem Saab.

Schöner fahren im Saab 9-5

Nicht viel Unterschiede machen die Sitze. Im 9000 scheinen sie zierlich, sind aber tauglich für die Langstrecke und sehr bequem. Der 9-5 kann mit aktiven Kopfstützen punkten, die der 9000 nicht hat, und mit einer üppiger dimensionierten Bestuhlung. Die Disziplin Sport geht den Sitzen der Serie 1 völlig ab, wie auch den 9k Sitzen. Langstreckentauglichkeit stand ganz oben im Lastenheft, bei beiden Fahrzeugen.

Das verwendete Leder ist hochwertig. Beim 9-5 aber nur in der Serie 1, dann schlug der Rotstift zu, während der 9000 immer mit einer guten Lederqualität vorfuhr.

Die große Überraschung ist das Raumgefühl. Der 9000 ist innen das geringfügig größere Auto, wobei es nur um ein paar Zentimeter geht. Die bessere Raumökonomie liegt vor allem in den nicht so breit bauenden Türen begründet, aber sie ist spür- und fühlbar, sobald man zwei Fahrzeuge mit gleichfarbigen Innenräumen vergleicht.

Der Grund liegt auch in den Fensterflächen, die im 9000 üppiger sind. Während der Saab 9-5 im Vergleich zum heutigen Autodesign eine exzellente Umsicht bietet, legt der Senior noch eine Schippe darauf. Noch mehr Glas, ein Plus an Licht, fast ist es im 9000 zu viel von allem. Man sieht und wird gesehen, das Leben ist ein Flatscreen im Überformat.

Sensiblen Menschen kann das beinahe zu viel Transparenz sein.

Komfort an Bord

Der 9-5 bietet da einiges mehr als sein Vorfahre. Das Audiosystem ist in jeder Ausbaustufe raffinierter als das im 9000, die geteilten Sonnenblenden vereinfachen den Alltag. Das geniale Nightpanel schont die Augen bei nächtlicher Fahrt und unterstützt das Sehvermögen. Der Innenspiegel blendet automatisch ab, hat sogar einen Saab Schriftzug mit Liebe zum Detail eingeprägt. All dies hat der 9000 nicht, der deshalb noch lange nicht zum alten Eisen gehört.

Denn die Klimatisierung ist bei beiden Fahrzeugen auf einem sehr hohen Niveau, auch wenn Saab beim 9-5 die Software der Klimaautomatik noch etwas raffinierter gestaltet hat. Die Heizung spricht zügig an, die Front- und Seitenscheiben bleiben auch im Winter und bei feuchtem Wetter beschlagfrei, im Sommer wird leistungsstark und fast zugfrei gekühlt. Dinge, die bei modernen Autos und ihrem Auftrag zur Energieeffizienz nicht mehr so selbstverständlich sind.

Welches ist also das bessere Auto? Schwer zu sagen, denn der 9-5 ist wertiger, moderner, mit viel mehr Liebe zum Detail gemacht. Auch die Verarbeitung des 9-5 ist um Klassen besser, Trollhättan arbeitete mal auf einem hohen Niveau.

Aber ganz so einfach ist es nicht. Der 9000 bietet mehr Ablagen im Innenraum, ein Plus an Sicht und Licht,  und der Komfort ist nicht Welten vom Niveau seines Nachfolgers entfernt. Der 9-5 hat die Motorhaube leicht vorne, mehr Aufschluss bringt ein Blick auf das Design und die Vielseitigkeit im nächsten Teil.

9 Comments
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Laser Red 9-5 2.3t SE 2001
Laser Red 9-5 2.3t SE 2001
5 Jahre zuvor

..toll geschrieben!

Stefan H.
5 Jahre zuvor

Herzlichen Dank. Es handelt sich hierbei um einen bestens gewarteten 03er 2.0t mit bereits über 300.000Km.
Sogar das Leder ist noch hervorragend in Schuß. Bin gespannt.

P.S.: Gibt es noch den Blog-Aufkleber zu kaufen?

Stefan H.
5 Jahre zuvor

Vielen Dank für den ersten Teil dieses Vergleichs.
Ich wechsele am Wochenende auf einen 9-5 OG. Allerdings fehlt mir der Vergleich zum
9000, denn bei mir weicht ein 9-3 I dem größeren Kombi.
Ich fühlte mich nach der ersten Probefahrt sofort wohl im 9-5 und freue mich nun auf deutlich mehr
Platz und spürbarer mehr Komfort.
Den 9000 durfte ich bisher noch nicht fahren, gehörte jedoch ein Fiat Croma mit dem wunderbaren 2.5 V6 von Alfa lange zu unserer Familie. Ein großartiges Fahrzeug…

Kochje
Kochje
5 Jahre zuvor

Leider nie einen 9-5 Limosine gefahren, nur zwei 9-5 Estate (Alle Firmenwagen). Aber von der 9000 habe ich mehr als vier als Firmenwagen gefahren. Zuerst eine 9000 CD und dan 3 9000 CS.
Ich muss sagen das diese 9000 mir immer sehr gut gefallen haben. Fuer mich war den 9000 einer der feinste Saabs.

Ebasli
5 Jahre zuvor

Interessanter Vergleich!

Der neu erworbene Gentleman scheint ein echter Glücksgriff zu sein – Gratulation! Der Innenraum sieht wunderbar aus! Wann wird der Gentleman denn von den aufgeklebten schwarzen Fenster-Folien befreit und warum hat er sie überhaupt bekommen? Dazu wurde uns ja noch eine Erläuterung versprochen … 😉

Und in der Tat wirkt der Innenraum doch deutlich moderner (was kein Wunder ist), eleganter und luxuriöser als der vom 9000. Sogar die (beim 9000 aber hoch gelobten) Sitze des 9-5 wirken in der Seitenaufnahme irgendwie kompakter. Die netten Kleinigkeiten wie doppelte Sonnenblende (und zB Innenraum-Bedienung für Kofferraum und Tankdeckel, gab es auch im 9-3 I Cabrio, später leider nicht mehr, und Parkscheinhalter, gibt’s auch in allen Cabrios) sind wirklich nützlich und schön. Sehr elegant ist auch die Einstiegsleiste, danke für die tollen Fotos!

Bei der Seiten-Aufnahme der Motorhaube finde ich den 9-5 sogar fast noch eleganter und schöner als den 9000, die um die Ecke bis an den seitlichen Kotflügel “herumgezogenen” Scheinwerfer/Blinker lassen den 9-5 sehr schnittig wirken. Aber irgendwie ähneln sich die beiden in der Ansicht doch auch sehr. Das Zündschlosses spricht natürlich für den 9-5 .. 🙂

ABER: Da ich noch nie in einem 9000 gesessen habe, kann ich natürlich nicht mitreden, alles graue Theorie. Und gegen den 9-5 spricht, dass er eine (reine) Limousine ist. Die Schrägheck-Lösung des 9000 war einfach genial!

Bzgl. der Klimaautomatik gebe ich Cab-Micha recht: Sie ist im 9-3 II (Cabrio und SC) einfach perfekt, auch wenn ich das natürlich nicht mit dem 9000 vergleichen kann (s.o.). Aber sie schlägt zB den neuen 5er von BMW um Längen.

Freising86
Freising86
5 Jahre zuvor

Toll beschrieben. Ich mag beiden, den 9-5 und den 9000. Sind Autos die viel Spaß machen und die individuell sind. Hätte ich Platz, ich würde mir noch einen in Reserve stellen 😉

bergsaab
5 Jahre zuvor

Die Innenraumgröße und die Verlockung des 2,3l Turbo mit aero Spezifikation gaben den 1998 den Ausschlag für den 9000er. Die vielen Feinheiten desn aero9k entdeckte ich eh erst später!

cab-micha
cab-micha
5 Jahre zuvor

Wieder mal toll geschrieben. Da möchte man sofort beide Autos selbst mal testen. Zu den Klima´s: Von allen von mir gefahrenen Autos hat mein 9-3 II Cab, die am besten funktionierende Klimaanlage!