Zwischenspiel in Frankfurt. Geld und Pläne und eine Reise.

Daumen hoch in Barcelona. Juan von Berma hält den 9-5 für ein gutes Auto. Endlich ruft Lizi an, erzählt von der Probefahrt. Er ist völlig aufgekratzt, ich bin es auch. Wenn es um Spielzeuge geht, dann ist es egal,  wie alt man ist. Der kleine Junge von einst kommt immer wieder durch. Der Saab, er ist so etwas wie ein verborgener Schatz.

Zwischenspiel - Klassikstadt Frankfurt
Zwischenspiel – Klassikstadt Frankfurt

Faktisch ist der Saab ein Neuwagen.

Mit kleinen Mängeln, die kaum ins Gewicht fallen. Lizi hat den Preis etwas senken können, ich bin begeistert. Kaufen? Ja, kaufen! Mitternachtsblau, beige, toller Zustand. Das zieht und muss sein. Zwingend! Wie machen wir das mit dem Geld,  frage ich? Auf das Konto des Verkäufers überweisen? Und wie mit dem Transport?

Tja Spanien. Wie kauft man als Deutscher ein 20 Jahre altes Auto in Spanien? Geld gegen Auto. Präziser formuliert: Bargeld gegen die Hardware. Zug um Zug. Lizi bekommt mein Geld, fährt zu Daniel, holt das Auto. Dann schauen wir, wie es nach Deutschland kommt.

Pläne sind gut, aber nicht von Bestand.

Aber im Hintergrund lauert Corona. Und ich überweise einem noch völlig Unbekannten 6.500 €. Bin ich unvorsichtig, verrückt? Was Geld angeht, bin ich vorsichtig, nahezu konservativ. Einfach einen Betrag durch die Gegend zu schicken und warten, was passiert, ist im Prinzip nicht mein Ding. Lizi und ich – wir haben uns noch nie gesehen, kennen uns nur von Mail und Telefon. Ich könnte jetzt schreiben, in Saab Kreisen kann man so etwas locker machen. Kann man. Vielleicht.

Manches ist wirklich anders. Verkäufer Daniel zum Beispiel. Er will keine Anzahlung, keine Sicherheit. Ihm genügt das Wort, er wartet geduldig bis zur Abholung des 9-5. Aber das ist nichts Generelles. Auch in Saab Kreisen gibt es schwarze Schafe, da unterscheidet sich die Szene nicht vom Rest der Welt.

Es ist riskant, aber kalkuliert. Ich verlasse mich auf meine Menschenkenntnis. Die Chemie am Telefon stimmt, dieser Lizi aus Barcelona ist genau so Saab infiziert wie ich es bin. Eine Wellenlänge, um es in Kurzform zu schreiben. Ich überweise nach Spanien und bin gespannt, wie sich die Dinge weiter entwickeln.

Mittlerweile hat das Projekt auch einen Namen bekommen. Lizi nennt ihn “Gentleman”. Der Name verfestigt sich in den nächsten Monaten und bleibt dauerhaft. Die Idee, einen schwedischen Namen für den 9-5 zu suchen, verwerfe ich. In Barcelona hat Lizi in der Zwischenzeit die vereinbarte Summe auf dem Konto.

Kurz vor dem absoluten Stillstand.

Es ist Mitte Februar. Zum Monatsende wird Lizi den Saab abholen. Früher geht nicht, denn er ist unterwegs. Fliegt mit der größten Fluggesellschaft Deutschlands. Noch. Ein paar Tage später ist er in Frankfurt. Eine großartige Gelegenheit, um uns endlich persönlich kennenzulernen. Wir verabreden uns in der Klassikstadt.

Lizi kommt mit seinem 9000, ich mit dem 9-3 Aero. Sein 9k ist in einem traumhaften Zustand, und wenn Gentleman ähnlich gut ist, dann wird er ein Treffer. Wie ist das, wenn zwei Saab Verrückte im fast gleichen Alter sich treffen? Der Abend wird kurzweilig und amüsant. Wir verstehen uns, und was sich am Telefon bereits ankündigte: wir sind auf einer gemeinsamen Wellenlänge.

Wir nutzen die Gelegenheit, um die Pläne für den 9-5 Aero zu konkretisieren. Der Fahrplan sieht so aus: Am 27. Februar holt Lizi den Saab ab. Bringt ihn zu Berma, dort werden Inspektion und TÜV gemacht. Die Lackfehler sollen auch noch behoben werden, was in Spanien kostengünstiger als in Deutschland geht.

Dann, im März, soll der 9-5 nach Deutschland. Drei Möglichkeiten haben wir theoretisch zur Auswahl. Sie klingen so richtig gut,  und ich habe Lust auf Vorschlag Nummer 1. Ich fliege nach Barcelona, wir gehen zusammen Essen. Dann Abfahrt in Richtung Deutschland. Eine lange Reise durch Spanien und Frankreich, das hatte ich schon ewig nicht mehr.

Oder Plan Nummer 2, Lizi macht eine ausgedehnte Tour in Richtung Bundesrepublik. Wozu er durchaus Lust hätte, wie er sagt.

Die Dritte, am wenigsten charmante Idee, ist der Transport mit einer Spedition. Aber wir haben ja die Wahl. Denken wir in unserem Leichtsinn. Corona wird währenddessen immer konkreter.

Dass in wenigen Tagen fast ganz Europa stillstehen wird, ahnen wir noch nicht im Geringsten!

6 thoughts on “Zwischenspiel in Frankfurt. Geld und Pläne und eine Reise.

  • Cool! Könnte das schönere und bessere Auto als das aus Talheim sein, wo man es Tom nicht verkaufen wollte. Die spannendere Geschichte liefert der Spanier ganz sicher. Ich freue mich schon auf den kommenden Mittwoch!

  • Toll! Ich freue mich auf die Fortsetzung.
    Wie ging es denn mit der Bewertung der Werkstatt weiter? Kommt wahrscheinlich noch …

  • Old Boys & their Toys

    Schönes, wärmendes Kapitel – auch wenn man noch immer bangt, wie es weitergeht …

    Gebe ich meinem Ältesten zu lesen. Der pubertiert so langsam, verliert seine Kindheit und Spielkameraden, mit denen er noch Autos über den Teppich schieben könnte.

    Also macht er das alleine, was ein wenig traurig aber auch sehr beeindruckend ist, denn nach seinem extrem früh und spontan vollzogenem Stimmbruch, haben die Motoren und Auspuffsounds aus seinem Kinderzimmer plötzlich und über Nacht einen ziemlich coolen & sonoren Bass.

    Dass das Beste erst noch kommt, dass viele Girls & Boys mit 18 wieder gemeinsam und in Freundschaft einen Spieltrieb entwickeln und mitunter lebenslänglich ausleben, das wird ihm sehr gefallen.

    P.S.
    Der 9K ist ein Traum. Der Lizi schrieb hier mal, er sei ein Glückspilz, wenn ich das richtig erinnere. Ein hilfsbereiter ist er noch dazu. Wirklich ein sehr schönes Kapitel.

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  • sehr spannend, bin gespannt wie es weitergeht. Saab zustellen wäre eine schöne Aufgabe

  • Guter Thriller-Stoff! Tom, Dein Erzählstil erinnert mich an Frank Schätzing‘s Thriller ”Der Schwarm“

  • Schöner Spannungsbogen:-). Das Kind im Manne wird wohl ewig leben, was auch gut ist!!

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