Die spanische Seite des Lebens? Nur ein Zwischenspiel?

Da wird ein Saab in Spanien verkauft. Im Prinzip ist er zu schön,  um wahr zu sein. Ein Aero der ersten Serie, keine 80.000 Kilometer auf dem Zähler. Helle Innenausstattung, mitternachtsblauer Lack. Mitternachtsblau! Meine Lieblingsfarbe, was Saab angeht. Der Saab kommt aus einer Sammlung, soll 6.900 € kosten.

Ein Saab 9-5 Aero, angeboten in der Nähe von Barcelona
Ein Saab 9-5 Aero, angeboten in der Nähe von Barcelona

Er parkt in irgendeinem kleinen spanischen Ort, dessen Name meine teutonische Zunge nicht aussprechen kann. Ein kurzer Blick in den Terminkalender macht mir klar – ein Flug nach Spanien geht gar nicht. Es ist Februar, knapp vor Corona,  und ich laufe seit Monaten beruflich auf 120 %.

Ich beschließe den spanischen Saab zu vergessen.

Aber mitternachtsblau vergessen? Geht das? Einige Tage später…Dieses Fahrzeug lässt mich nicht los. Die Farbkombination ist zu schön, das Angebot stimmig, der Preis zu gut. In Deutschland würde er vermutlich 10.000 € kosten. Ich schaue mir die Anzeige immer wieder an. Der Standort des 9-5 liegt in der Nähe von Barcelona. Barcelona – da war was. Einer unserer Leser, mit Wohnsitz in Frankfurt und Barcelona, hatte einen Beitrag auf dem Blog veröffentlicht.

Ich schicke Lizi, so der Name des Lesers, eine Mail. Freundlich und vorsichtig. Vielleicht möchte er sich den Saab einmal aus der Nähe anschauen? Mehr als Absagen kann er wohl nicht.

Ein Morgen im Februar in der Nähe von Barcelona.

Lizi findet meine Mail in seinem Postfach. Er kennt die Anzeige. Der 9-5 Aero ist schon länger inseriert. Vor Monaten war er selbst schon einmal auf den Saab aufmerksam geworden. Denn die Eckdaten waren ungewöhnlich. Baujahr 2000, noch nicht mal 80.000 Kilometer, beige Innenausstattung. Ein sehr guter Zustand, in seinem Nachbarort angeboten. Dazu kommt die besondere Aufmachung der Anzeige. Gleich zwei 9-5 Aero, Silber und Blau, auf einem Foto. Das fällt auf!

Allerdings war damals die Preisvorstellung noch recht ambitioniert. Er nahm, wie er sagt, aus Vernunftgründen Abstand. Im Alter wäre man eben vernünftiger,  und 4 Saabs seinen nun ja wirklich genug.

Aber Lizi hat Lust,  den Saab anzuschauen. Er sagt umgehend zu, vereinbart einen Termin mit dem Besitzer. Und ich sitze sehr gespannt in Deutschland und warte ab,  was passiert.

Lizi triff auf Daniel.

Wenn zwei Saab Fans sich treffen, dann wird es unterhaltsam. Daniel kommt mit seinem silbernen Aero zum Treffpunkt. Auch der ist in einem beeindruckenden Zustand, sehr sportlich und mit allem Zubehör ausgestattet. Es vergehen dann Stunden mit dem, was man Benzingespräche nennt. Dann endlich kommen die Beiden auf den angebotenen Saab zu sprechen.

Die Eckdaten: Vor ungefähr 3,5 Jahren aus erster Hand gekauft. Eigentlich sei die Automatik gar nicht Daniels Ding, aber er wollte einen “makellosen und originalen” Saab besitzen. Seitdem ist gerade mal 500 Kilometer mit ihm gefahren worden, in der Zwischenzeit kamen immer mehr Fahrzeuge dazu. Jetzt, aus Budgetgründen, muss der Mitternachtsblaue gehen.

Klingt spannend und ungewöhnlich. Auf zu einer Probefahrt! Da werden Lizis Erwartungen übertroffen. Der Saab 9-5 Aero wartet unter einer Original-Saab-Schutzplane abgedeckt. Die lüftet sich, der Lack glänzt in der Abendsonne. Und als Lizi zur Probefahrt einsteigt, betören Neuwagendüfte seine Sinne. Ich vermute, in diesem Moment war bereits alles gelaufen.

Die Probefahrt lag jenseits seiner Erwartungen. Ein wirklich neuwertiger Saab, der 20 Jahre alt ist. Die Mängelliste ist kurz. Pixelfehler des Klima-Displays. Ein paar Macken im Lack, die mir schon auf den Bildern aufgefallen waren. Die Abdeckung der Schaltkulisse ist gerissen. Das war es!

Aufgrund der Mängel reduziert Daniel den Preis. 6.500 € ruft er auf, will eine Durchsicht des Wagens machen und das Öl wechseln. Als Dreingabe gibt es 4 Monate alte Michelin Reifen, die er aufzieht, um die überalterte Bereifung zu ersetzen.

Lizi ist, wie er später sagt, völlig “high” von der Probefahrt. Ich warte währenddessen in Deutschland mit Ungeduld auf seinen Anruf. Die Stunden gehen ins Land und ich höre nichts. Denn Lizi telefoniert zuerst mit Juan von Berma, der Saab Werkstatt in Barcelona. Er kennt so gut wie jeden Saab in der Gegend.

Wird Juan den 9-5 Aero gut finden?

Text: Tom & Lizi

7 thoughts on “Die spanische Seite des Lebens? Nur ein Zwischenspiel?

  • Corona …

    gehört hier vielleicht nicht hin? Vielleicht aber doch?
    Ich habe so das dumpfe Gefühl, dass die Pandemie beim Projekt Gentleman noch eine Rolle spielt.

    Und ich vermisse Toms Corona-Kolumnen aus der Anfangsphase. Die habe ich, in ihrer unaufgeregten und zugleich nachdenklichen Art, schon fast als einen Anker empfunden.

    Wenn ich keine Pizza und kein Brot backen konnte, weil andere wie bekloppt Mehl, Hefe und auch sonst alles Mögliche und Unmögliche gehamstert hatten, haben mich diese Kolumnen und die Kommentare dazu immer wieder aufgebaut.

    Es war wie eine Vergewisserung. Da sind noch ganz viele, die sich weigern, der Pandemie mit verantwortungsloser Leugnung und Ignoranz zu begegnen, aber sich ebenfalls weigern, als kopflose Hühner panisch und egoistisch durch Supermärkte zu flattern.

    Inzwischen bin ich von Corona so sehr genervt, dass ich selbst nicht mehr weiß, was ich wann von wem zu dem Thema überhaupt noch hören will. Ich weiß nur, dass ich die Kolumnen und Kommentare großartig und hilfreich fand und dass die aktuelle Situation im Berliner Herbst dem letzten Frühjahr erschreckend ähnlich ist.

    Wir werden sehen, wie wir alle durch Herbst und Winter kommen. Für das Frühjahr jedenfalls vielen Dank an Blog und Leser. Mir war es eine mentale Stütze, hier einen anderen Zugang zum Thema vorzufinden, als im Supermarkt oder im ÖR …

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  • Toll wenn man sich gegenseitig so helfen kann, das ist das SAAB

  • Auch wenn die 9-5 Limousinen nicht zu meinem Leben passen, ich finde sie immer schicker! Es ist kaum zu glauben, dass sie schon Youngtimer sind. Es ist ein unglaublich zeitloses Design.

    Bin gespannt auf die Fortsetzung mit diesem besonders schönen Exemplar…

  • Menno, wieder an der nächsten spannenden Stelle unterbrochen… Spannung steigt immer weiter
    🙂

  • Das klingt ja zu schön, um wahr zu sein! Deshalb hoffe ich, dass es die mitternachtsblaue Schönheit dann schließlich – dank Hilfe von Lizi und positiver Beurteilung der Saab-Fan-Werkstatt in Barcelona – auch nach Deutschland geschafft hat! Wahrscheinlich als “Fernkauf” und mit Ankunft in D erst nach Monaten wegen des Lockdowns.

    Mir gefällt die Scheibchen-Erzähltechnik von Tom, ungeheuer spannend! Und es zeigt sich, dass sich meistens der Spruch “wer weiß, wofür es gut ist, es wird was Besseres kommen”, bewahrheitet. War bei mir jedenfalls bei allen Saab-Käufen so. Und gilt hier schon mal in Bezug auf den vor der Nase weggeschnappten Silbernen im Januar. (Und falls es der “Spanier” doch nicht wird, kommt bestimmt was NOCH Besseres.)

    Großartig, wie der Blog es schafft, aus virtuellen Verbindungen zwischen Saab-Fans unterschiedlichster Länder echte persönlichen Kontakte zu machen – über tausende Kilometer hinweg! Eine von vielen wunderbaren Wirkungen des Blogs!

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  • Ich drücke die Daumen …

    Tom & allen Lesern inkl. mir selbst, dass es irgendwie klappt. Trotz Corona …

    Ich fürchte, so einfach wird es auch diesmal nicht mit dem Gentleman. Und was heißt an diesem Punkt dieser Saga überhaupt noch einfach?

    Dass es irgendwie, irgendwo und irgendwann geklappt hat, ist ja gesetzt, wenn ich die Teaser richtig verstanden habe.

    Der Weg an diesen ersehnten Punkt der Story ist aber offenbar lang und steinig …

    Schon jetzt ist aber cool, welche Beharrlichkeit da an den Tag gelegt wird und dass die Community sich international so geschlossen und hilfsbereit zeigt.

    Diese Kernbotschaft nehme ich aus der Episode heute gerne mit und bleibe gespannt, wie es nach dem jüngsten Cliffhänger weitergeht, ob und wie oft Tom Folterknecht uns beharrlich auf kleiner Flamme weiter schmoren lässt, bevor wir den Gentleman endlich kennenlernen.

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