Gefahr aus Nippon. Saab testet 1989 den Honda Legend.

Mitte der 80er Jahre begann der Angriff der Japaner in den höheren Fahrzeugklassen. In Nordamerika war es der Honda Legend, der unter dem Acura Label besonders erfolgreich war. Ein Grund zur Sorge für die schwedischen Marken! Saab schaute sich den Legend deshalb etwas genauer an. Besonders beunruhigend fand man den Japaner nicht. Noch nicht.

Der Honda Legend gegen den Saab 9000. Noch ist Japan keine Gefahr für Schweden.
Der Honda Legend gegen den Saab 9000. Noch ist Japan keine Gefahr für Schweden.

Der Test läuft so, wie man es im Jahr 1989 erwarten konnte. Wohlwollender Respekt für ein gut ausgestattetes Auto, das seine Schwächen im Detail hat. Dahinter aber die europäische Gewissheit, dass man die Herausforderung meistern werde. Als erfolgreiche Beispiele greift man sich, im Rückblick etwas unglücklich, den Kampf der Kameraindustrie und der Uhrenbranche heraus.

Zugegeben, Leica und Hasselblad haben das Blutbad in ihrer Branche überlebt. Aber in welcher Größe und zu welchem Preis? Interessant sind auch Details, die im Test des Honda Legend nicht ausreichend zur Sprache kommen. Seine Herkunft etwa. Und der Fortgang der Geschichte danach, nach dem Jahr 1989.

Projekt XX von Rover und Honda

Der Legend ist ein Gemeinschaftsprojekt von Rover und dem japanischen Hersteller. Für die Engländer war er der dringend gesuchte Nachfolger des legendären SD1, für Honda der Einstieg in die gehobene Fahrzeugklasse. Als Acura machte er bis 1990 in den USA Karriere. Günstig, sehr gut ausgestattet, robuste Technik. Eine schlagkräftige Vertriebsorganisation im Hintergrund. Der Legend war der Albtraum von Volvo und Saab.

Für Rover lief es auf dem Heimatmarkt gut. Als Rover 800 war er zeitweise das populärste Auto seiner Klasse auf der Insel. Während Honda schon 1990 mit der nächsten Generation vorfuhr, blieben die Briten dem XX Projekt treu. Ein umfassendes Facelift wertete den großen Rover auf, machte ihn britischer. Er blieb bis 1998 im Angebot.

Der Honda Legend ist noch keine Gefahr

30 Jahre nach dem Dreh in Schweden ist man überrascht. Die Saab Spotlight Redaktion zieht die richtigen Schlüsse. Die Stärken der Japaner liegen im Vertrieb. Was Nippon kann, muss Trollhättan auch leisten lautet die Schlussfolgerung. Die Entwicklung zeigt, dass Saab das nie können wird. Nach 1989 steigt GM ein. Im Laufe der Jahre experimentiert man mit verschiedenen Vertriebsstrukturen. Legt Saab und GM Vertrieb zusammen, trennt ihn wieder, setzt auf Exklusivität und macht dann die Rolle rückwärts.

Das unterscheidet sich von Land zu Land, wechselnde Geschäftsführer arbeiten sich an den Märkten ab. Eine Organisation wie Honda oder Toyota sie hat, wird es bei Saab nie geben. Ein Grund für das Scheitern.

Die Japaner lernen schnell

Der Test erscheint heute überheblich. Zu sehr aus europäischer Sicht gedreht. Es kann lehrreich sein, ihn bis zum Ende zu sehen. Denn schnell, viel schneller als gedacht, verschieben sich die Verhältnisse. 1989 bringt Toyota eine neue Marke und ein komplett neues Fahrzeug. Der Lexus LS 400 ist so etwas wie ein Erdbeben. Oberklasse aus Japan, aus dem Stand sehr erfolgreich. In Trollhättan, und nicht nur dort, gehen die Alarmleuchten an.

So richtig in Panik verfällt aber GM. Gegen den LS 400 haben sie nichts im Programm, die Panikwellen schwappen 1990 bis in die Stallbacka. Der Neuerwerb Saab soll schnell das Gegenmittel zum Lexus liefern. Die Schweden sind eigentlich mit dem 900 II voll  auf beschäftigt. Sie versuchen es trotzdem, und sie scheitern. Ihre Antwort auf die Herausforderung von Lexus wird man nie sehen.

Saab lernt jetzt von Toyota

Denn die Verhältnisse sich gedreht. Es sind nicht mehr die Japaner, die von den Europäern lernen. Jetzt sind es Europäer, die bei den Japanern die Schulbank drücken. In der Mitte der 90er Jahre bekommt das Werk in Trollhättan Besuch von japanischen Ingenieuren. Saab lernt von Toyota wie man besser Autos baut. Weniger Fehler, gesteigerte Qualität und Effektivität.

Der neue Saab 9-5 profitiert 1997 davon stark. Er wird, auch mit japanischer Anleitung, zum Erfolg und Saab erobert viele neue Kunden. Das Werk gilt, bis zu seinem Ende, als das Vorzeigestück im weltweiten Konzernverbund.

2 thoughts on “Gefahr aus Nippon. Saab testet 1989 den Honda Legend.

  • @ Alter Schwede,

    “Ausschließlichkeitsbetriebe” ist eine wahrlich köstliche und treffende Wortschöpfung.

    Die Plattform- und Markenstrategie mancher Konzerne mag bis zu einem gewissen Punkt aufgehen, aber spätestens in den Autohäusern wird es dann doch irgendwie albern, wenn ein und derselbe Verkäufer ständig zwischen den Kunden und Marken beliebig hin und her schaltet.

    Wirklich überzeugend finde ich es nicht, wenn mir jemand entgegen tritt, dem herzlich egal ist, was aus einem breit gefächerten Angebot unterschiedlicher Marken er mir verkauft. Hauptsache er verkauft und egal was …

    Lieber besuche ich mehr als einen Ausschließlichkeitsbetrieb, als mir in einem Beliebigkeitsbetrieb beliebig etwas aufschwatzen zu lassen.

  • Saab hatte nach dem Zusammenschluß, äh, Übernahme immer schlechte Karten im Vertrieb. Der Anspruch der Marke und den Showrooms konnten viele Verkäufer nicht stand halten. Einfach aus der Opelecke rausgezogen,Anzug drüber und fertig ist der Saabverkäufer. Einzig die damaligen Ausschließlichkeitsbetriebe, konnten den Saabspirit rüber bringen.

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