Roter Lack und rotes Leder. Ein heißer Saab 900 Turbo.

Frankfurt, die Klassikstadt. Da steht er vor mir! Rotes Leder und roter Lack,  auf den sich sanft gelber Blütenstaub gelegt hat. Ohne Frage, ein besonderer, heißer Saab 900 Turbo. Einer von den Guten, von der Art, die man nicht mehr allzu oft findet. Der 900 stammt aus der Sammlung Ratzmann. Ich durfte ihn mir für einen Tag ausleihen und freue mich wie ein kleiner Junge auf dieses besondere Auto.

Saab 900 Turbo in der Klassikstadt
Saab 900 Turbo in der Klassikstadt

Ein rotes Saab 900 Coupe

Das 900 Coupe war im April 1987, als es ausgeliefert wurde, das Topmodell der Marke. Manuelle Klimaanlage, den Lack im aufpreispflichtigen Farbton Cochenillerot und dazu schweres Leder in Coloradorot. Ein mutiger Geschmack, der heute richtig stark rüberkommt. Garniert wurde das Paket mit einem Automatikgetriebe mit unglaublichen 3 Fahrstufen und einem Schiebedach. Gekauft wurde der 900, dessen Historie lückenlos ist, bei Saab Zillmer in Berlin. Zillmer gibt es nicht mehr, an gleicher Stelle kümmert sich in der Gegenwart Saab Spezialist Pinkowski um Fahrzeuge aus Trollhättan.

Der Besitzer behandelte sein Auto gut. So wie das üblich war in einer Zeit, in der man Eigentum erwarb, das man pflegte und wertschätzte. Scheckheftgepflegt bei diversen Berliner Saab Stützpunkten und vielleicht etwas mehr. Dass man als 900 Fahrer die Türen nach der Wagenpflege oder Regenfahrt öffnet, damit Wasser abfließen kann, ist bekannt. Steigern kann man das Ganze noch dadurch, dass man im Anschluss kleine Stoffstücke in die Abflussritzen steckt, damit sie auch wirklich trocken sind. So wie in diesem Fall.

Wenige Kilometer und eine tolle Patina

Wie auch immer, der Saab durfte in Würde altern. Technisch 100 % gepflegt löste sich mit der Zeit der Fahrzeughimmel, auch die Verkleidungen an den Türen zeigen eine Tendenz zur Ablösung. Am Heckabschluss findet man eine Delle, die in einem etwas differenzierenden Farbton ausgebessert wurde. Das alles gibt eine herrliche Patina, die dadurch unterstützt wird, dass der Saab 900 Turbo ein Tiefgaragen-Auto ist. Reduzierte UV-Strahlung, in Verbindung mit wenigen Kilometern – das ergibt einen ganz besonderen Charme.

Keine 80.000 stehen auf dem Tacho, in 33 Jahren. So ist das Armaturenbrett ohne Risse, das dicke Leder duftet wie am ersten Tag,  und die Sitze haben bis auf den Fahrersitz nicht den Hauch von Gebrauchsspuren. Herrlich, denn es gibt viel,  was man entdecken kann. Die Sonnenblende auf der Fahrerseite! Die Einfahrvorschriften ab Werk sind noch aufgeklebt! Oder die Smog-Plakette an der Frontscheibe, die einst der Berliner Senat ausgab.

Turbo und 3-Gang Automatik

Der Saab ist unglaublich toll. Sehr original. Ein seltenes Stück,  und der rote Lack mit rotem Leder machen ihn zum Exoten unter all den schwarzen 900 Turbos. Unter der Haube? Da haust der legendäre 2 Liter Turbo mit 8 Ventilen und einem Ladeluftkühler. Ich mag den 145 PS 8 Ventil Motor mehr als seinen Nachfolger mit 16 Ventilen und 160 PS. Er macht seine Sache souverän, das Verlangen nach mehr Leistung kommt nie auf. Mit der 3-Gang Automatik soll er immer noch für 180 Sachen gut sein. Auch das ausreichend.

Ach ja, die Automatik. Keiner scheint sich so richtig mit ihr anfreunden zu können. Manuell geschaltete Exemplare werden viel teurer gehandelt. Ist das gerechtfertigt? Ich bin da vorbehaltlos, in einem klassischen 900 Turbo mit einem Automatik-Getriebe war ich noch nie unterwegs. Also, wie fährt er sich?

Zeit, den Zündschlüssel zu drehen und den Saab zu starten.

Ab geht es durch den Frankfurter Feierabendverkehr… Fortsetzung folgt.

7 Gedanken zu „Roter Lack und rotes Leder. Ein heißer Saab 900 Turbo.

  • Fortsetzung

    Bin gespannt. Schönes Auto! Sehr schön sogar …
    In Puncto Automatik, Viskokupplung und 3 Gängen, bin ich allerdings sehr voreingenommen – muss ich zugeben.

    Ich kann einfach nicht vergessen, wie damals in Berlin vorwiegend Benz an jeder Ampel mit einem Kick-down von einem Rot zum nächsten sind …

    Dank Viskokupplung und somit verzögerten Griff, röhrten die Kisten schon auf den ersten Metern mit 3.000 U/min. Je nach Entfernung der nächsten (roten) Ampel, wurde die gesamte Strecke komplett im 1. Gang, mit maximal einem Schaltvorgang vielleicht auch teilweise im 2. absolviert.

    Gefahren wurden dabei immer mindestens 80 Km/h nach Tacho, weil das damals nach Abzug der Toleranz kaum Geld gekostet und keine Punkte bedeutet hat …

    Kann sich jeder denken, wie laut und hektisch der Verkehr war, als manch Teilnehmer konsequent im 1. Gang mit bis zu 75 Km/h unterwegs war. Tatsächlich liegt bei 3-Gang Automatiken gut motorisierter Benziner im Kick-down ungefähr dort der erste Schaltpunkt.

    Anders gesagt, mancher Benz war auf den innerstädtischen Hauptstraßen permanent zwischen 3.000 und 6.000 U/min sehr, sehr laut im 1. Gang unterwegs. Gleichwohl hielten deren Besitzer sich für vornehme Leute.

    Unter den vorstehend geschilderten Rahmenbedingungen habe ich meine tief verwurzelte Abneigung gegen Automatikgetriebe entwickelt.

    Jetzt bin ich umso gespannter, wie sich der Rote heute anfühlt. Vielleicht passt die (alte) Automatik ja überraschend gut in den aktuellen Verkehr und zum aktuellen Bußgeldkatalog?

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    • 3-Stufen Automaten sind die eine Sache. Die andere, wichtige, der Motor der daran hängt. Turbo Motoren kombiniert mit Automaten galt lange Zeit als eine sehr schwierige Beziehung. Saab war eine der ersten Firmen, die das gut hinbekam. Man darf also auf das Frühwerk der Kombination Automatik und Turbo gespannt sein. 😉

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  • Schönes Auto, vor allem auch das Interieur.

    Ich bin ja Automatic Freund, vier meiner fünf Saab haben Automatic, aber eine 3-Gang Automatic kann ich mir jetzt doch nicht vorstellen! So bin ich also gespannt auf den Fahrbericht im Teil II.

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  • Welch` SAAB! Unglaublich die Farbkombination, wenn´s nicht die Realität wäre. Phantastischer “Schatz”, pfleglich weiter behandeln. Mit 80.000 Km gerade eingefahren…
    Weiterhin viel Freude an dem SuperSAAB!
    Ach ja, auf den weiteren Bericht freue ich mich natürlich auch! 😉

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  • @ Tom,

    gespannt bin ich in jedem Fall …

    So oder so, der Turbo ist kein Benz und der Verkehr und Anspruch heute anders. Auch die alten Benz sind heute mit H-Zeichen unter anderem Vorzeichen unterwegs und mittlerweile angenehme Verkehrsteilnehmer, die ihre Automaten gerne früher schalten lassen (kein notorischer Kick-down mehr).

    Inzwischen mag ich sie. Aber soweit wollte ich meinen Kommentar nicht auswalzen …

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  • Die Automatik im 901 passt wirklich nicht zum Motor, sie nimmt ihm jede Sportlichkeit. Sie eignet sich jedoch sehr gut zum entspannten gleiten. Schnelles fahren führt zum schnellen Tod durch überhitztes Automatiköl. Bei der 3-Gang BW gibt es die Anekdote, dass sich die Temperatur (in °C) des Getriebeöls gleich zur gefahrenen Geschwindigkeit (in km/h) verhält…
    Was die Leistung der TU8 betrifft: Mehrleistung ist immer der Feind von ausreichend Leistung 😉
    Ich fahre den TU8 mit optimierten 170PS, da möchte man die 145PS nicht mehr zurück.
    Bei den Aufklebern auf der Sonnenblende ist Saab damals ein (Druck)fehler unterlaufen. Als Motoröl wird ein 5W10 empfohlen…

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  • Ein sehr schönes Auto, das wirklich immer penibelst gepflegt wurde. Ich kann es beurteilen, denn ich bin der Vorbesitzer!
    Der Saab war, nachdem ich ihn 14-jährig aus Berliner Erstbesitz erwerben konnte, mein Heiligtum für 16 Jahre. Regen hat er unter meiner Regie maximal 5 x gesehen, Schnee nie. Auch im Urlaub wurde immer dafür gesorgt, dass eine Garage vorhanden war – nur so konnte das leidige Thema „Eisenoxid“ gänzlich vermieden werden bei diesem Fahrzeug.
    Eine schöne Zeit, aber irgendwann überkam mich die Lust auf etwas Anderes und ich habe den Saab 900 an Herrn Ratzmann verkauft. Denn bei ihm wusste ich, dass mein „Baby“ in guten Händen ist.
    Inzwischen begleitet mich eine (ebenfalls rote) Diva aus Italien, aber ich denke immer noch gerne an die Zeit mit dem 900er zurück.

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