Volvo startet Produktion. Trollhättan bleibt im Corona Modus

In Woche 4 gilt in Bayern immer noch die Kontaktsperre. Ab Montag lockern sich die Bestimmungen moderat. Autohäuser öffnen ihre Verkaufsräume, aber unter strikten Auflagen. Während Bayern streng bleibt, verfolgen die Schweden einen ganz anderen Ansatz. Das Land geht im Gegensatz zu seinen Nachbarn recht locker mit der Corona-Krise um. Restaurants und Cafés bleiben geöffnet, das öffentliche Leben leidet nicht unter Einschränkungen.

Volvo XC90 Produktion auf Torslanda
Volvo XC90 Produktion auf Torslanda. Bild: Volvo Cars

Auch das Saab Museum in Trollhättan blieb, wie andere kulturelle Einrichtungen auch, ohne Einschränkungen für Besucher offen. Der Kurs ist im Land nicht unumstritten, gilt als Experiment mit offenem Ausgang. Die großen Industriebetriebe des Landes  starten in der neuen Woche die Produktion, bleiben aber im Zeichen der Krise.

Volvo startet in Gent und auf Torslanda

Das Volvo Stammwerk auf Torslanda fährt ab dem kommenden Montag die Produktion an. Zuvor betreibt das Unternehmen einigen Aufwand. Vor der Rückkehr der Mitarbeiter wurden in den letzten 5 Tagen die Arbeitsplätze intensiv gereinigt, die einzelnen Arbeitsbereiche unter den Gesichtspunkten des Gesundheitsschutzes untersucht. Wo soziale Distanzierung nicht möglich ist, wurden Schutzmaßnahmen ergriffen. An den Haupteingängen finden freiwillige Kontrollen der Temperatur und der Sauerstoffsättigung (Puls-Oxymeter) statt.

Die Produktion beginnt langsam, das Ziel sind ungefähr 60 % der Kapazität der Vor-Corona Zeit. Volvo Cars fährt auf Sicht, überprüft die Ziele von Woche zu Woche. Abhängig sind die Werke von der Nachfrage, deren Entwicklung unsicher ist, und von einem Funktionieren internationaler Lieferketten.

Trollhättan bleibt im Corona Modus

Ein Tag nach Volvo fährt Scania die Produktion wieder an. Der LKW Hersteller, früher Teil von Saab-Scania, ist noch etwas vorsichtiger als Volvo. Die ersten Tage werden als Testtage beschrieben. Ein Herantasten,  wie die Lieferketten reagieren und wo die Schwachpunkte liegen.

Während Volvo und Scania an einer Normalisierung arbeiten, verharrt Trollhättan im Corona Modus. Seit dem 14. April gilt in der alten Saab Fabrik die Kurzarbeit. NEVS hat rund 400 Mitarbeiter nach Hause geschickt, arbeitet nur noch mit einer Kapazität von 40 bis 60 %. Die Kurzarbeit gilt bis zum 30. Juni und damit bis zu den schwedischen Sommerferien. In Trollhättan will man so die Kosten im Griff behalten, die Entwickler in der Stallbacka sind mit ihrer engen Vernetzung nach China besonders von der Krise betroffen. Das Einfrieren von Aktivitäten bei Evergrande in den Vormonaten kommt nun voll in Schweden zum Tragen.

9 Gedanken zu „Volvo startet Produktion. Trollhättan bleibt im Corona Modus

  • Wie sah bzw sieht die Situation eigentlich bei Orio aus?

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  • In Schweden hat Orio Kurzarbeit seit 2 Wochen

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  • S geistert ja viel durch den ÖR. Mir ist unklar, was man mit diesem Vergleich zu D im Umgang mit Corona bezwecken will?

    Lebenswirklichkeit und -bedingungen könnten innerhalb der EU kaum unterschiedlicher sein. Selbstverständlich hat das Einflüsse auch auf die Ausbreitung.

    Wenn ich mir meinen Besuch des Saab-Museums (2019 zur Hochsaison) in Erinnerung rufe, dann fällt mir auf, dass alle Besucher mehr Abstand zueinander gehalten haben, als hier und heute in einem Supermarkt – aus reiner Höflichkeit.

    Jeder hat es jedem ermöglicht, die Saabs ungestört zu betrachten und ohne Personen zu fotografieren.

    Von soviel “Privatsphäre” kann man selbst in Corona-D nur träumen. Und wie soll ich auf 1,5 m breiten Gängen mit Gegenverkehr 2 m Abstand halten?

    Auf die Idee von Einbahnstraßen in Supermärkten kommt keiner. Dabei wäre es so simpel und effektiv, alle Kunden vom Eingang bis zur Kasse einmal schlangenförmig durch den ganzen Laden zu führen.

    Wer weiß, wie viele Leben in D mit ein paar Metern Absperrband gerettet worden wären?

    Die Selbstbeweihräucherung in D und die internationalen Vergleiche, die Politik und Medien dafür bemühen, kann ich nicht mehr hören …

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  • Ohne es wirklich beurteilen zu können, finde ich es aber gut das wieder angefangen wird die Produktion zu starten. Neben der Kurzarbeit wegen Corona , stellt sich mir die Frage ob es auch eine Pause zum Nachdenken für die Verantwortlichen ist weiterhin rein auf Elektroantriebe zu setzen?

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    • Der Denkvorgang läuft. Volvo muss, wie alle anderen Hersteller auch, auf die Kosten achten. Sämtliche Projekte stehen auf dem Prüfstand, erste Auswirkungen gab es schon. Das Joint Venture mit Autoliv für autonomes Fahren wurde beendet, und nur ein Teil des Personals bleibt bei Volvo.

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  • Fahrzeuge zu produzieren ist vermutlich die leichtere Übung, die in Zeiten globaler Lieferketten natürlich schwierig genug sein kann. Damit man was davon hat, müssen die dann aber auch verkauft werden, was ich momentan als das größere Problem ansehe.

    In Zeiten von Kurzarbeit und möglicher Firmenpleiten werden Privatkäufer vermutlich zurückhaltend sein, wegen nicht stattfindender Dienstreisen sind Firmenpools auch nicht wirklich auf neue Fahrzeuge angewiesen und das Mietwagen- und Carsharing-Geschäft liegt auch am Boden.

    Andererseits haben die Hersteller vermutlich ein Interesse daran, Plug-in-Hybride und Elektrofahrzeuge in den Markt zu drücken (als Tageszulassungen, oder wie auch immer), um keine Strafen wegen der Nichterfüllung der strengeren Abgasgrenzwerte zu riskieren.
    Falls die Politik nicht schon insgeheim signalisiert hat, dass man da was machen kann …

    Es bleibt also spannend, für jeden Einzelnen, wie auch für das große Ganze.

    P.S.: Nur mal so als Gedanke, möglicherweise sind Autos ja das neue Toilettenpapier und werden zukünftig gehamstert.
    Würde mich zwar überraschen, das hat es aber auch schon bei Toilettenpapier, Mehl und Hefe 😉 .

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  • @ StF,

    ich weiß endlich, wo all das Toiletten- und Küchenpapier, Mehl, Hefe, Nudeln & Co hin sind.
    Mir hat sich jemand anvertraut. Die Kinder sind aus dem Haus und zwei Zimmer waren leer. Waren …

    Jetzt sind sie bis unter die Decke vollgestopft und nach Corona wird eine Scheidung eingereicht.

    Die gute Nachricht ist, gehamstert haben wohl tatsächlich nur wenige Haushalte. Nicht jedes Mitglied hat dabei mitgemacht. Mich versöhnt das mit den Mitbürgern …

    Für die (wenigen) Gestörten und ihre Angehörigen empfinde ich trotz eines persönlichen Mangels an Hefe inzwischen Mitleid. Da spielen sich Dramen ab, die man vielleicht einmal statistisch an Scheidungs- und Geburtenraten wird ablesen können.

    Vielleicht verblassen solche Corana-Effekte aber auch vor dem Hintergrund der Autobranche und wir werden nie etwas darüber erfahren?

    Aber wie dem auch sei, einen Mangel an Neuwagen werden wir nicht erleben. Einen Mangel an Neuwagen, die ich wirklich wollte, erlebe ich unabhängig vom Virus schon länger …

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  • @ Tom,

    das (Ende des Joint Ventures) ist interessant. Hattest du nicht schon in einem älteren Artikel laut über mögliche Einflüsse Coronas auf Carsharing, autonomes Fahren & Co nachgedacht?

    Spannend, dass Volvo nun zuallererst genau an der Stelle ansetzt, an welcher man zuvor meinte, die Zukunft des Automobils sinnvoll verortet zu haben.

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    • Ich denke, jeder Hersteller prüft aktuell sehr genau. Viele Innovationen wandern nach hinten, die Branche steht von jeder Seite unter Feuer. Volvo behält ja etliche Mitarbeiter und Kompetenzen, Dinge verlangsamen sich also nur.
      Dafür gibt es heute neue Allianzen. AB Volvo (die mit den LKW) arbeiten mit Daimler an der Brennstoffzelle.

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