Koenigsegg erweitert Werk in Ängelholm

Eine spannende Dynamik zeigt sich bei Koenigsegg. Der Hersteller von Supersportwagen erweitert sein Werk in Ängelholm und startet 2022 die Produktion des Gemera. In einem Interview mit der schwedischen Ausgabe der Auto-Motor-Sport verrät Gründer Christian von Koenigsegg aufregende Details und beantwortet bisher offene Fragen.

Für den Gemera erweitert Koenigsegg das Werk in Ängelholm
Für den Gemera erweitert Koenigsegg das Werk in Ängelholm. Bild: Koenigsegg

Ursprünglich war erwartet worden, dass Koenigsegg ein Einstiegsmodell in Trollhättan bauen wird. Hier stellt sich die Frage nach der Definition. Der neue Gemera wird umgerechnet rund 1,5 Millionen € kosten. Ein relativ erträglicher Preis für einen Supersportwagen aus Ängelholm, klar. Aber wirklich ein Angebot für Einsteiger? Koenigsegg sieht das so. Man habe den Gemera leicht im Preis angehoben und dafür die Stückzahlen etwas gesenkt. Feinjustierung in der Oberliga, und im Detail werden 2022 und 2023 pro Jahr 150 Gemera die Hallen in Südschweden verlassen. 300 Fahrzeuge sind die bisher höchste Stückzahl einer Baureihe bei Koenigsegg. Ihre Limitierung soll auch zukünftig die hohe Exklusivität sichern. Ein weiteres Modell unterhalb des Gemera ist aktuell nicht geplant, bei Koenigsegg wartet man die weitere Evolution der Marke ab.

Gemera bringt Arbeit nach Trollhättan

Kein Koenigsegg aus der alten Saab Fabrik, aber neue Arbeitsplätze am traditionsreichen Standort. In Trollhättan werden zukünftig einige Baugruppen vormontiert und nach Ängelholm zur Endmontage geliefert. Koenigsegg nutzt weiterhin die Testeinrichtungen von NEVS. Das Stammwerk wird zum Start der Produktion um 10.000 Quadratmeter erweitert.

Für den Hersteller ist die Minderheitsbeteiligung von NEVS – Evergrande ein Gewinn. Nicht nur, dass mit dem Geld aus China die größte Expansion in der Firmengeschichte möglich wird. Die Zellproduktion für den Gemera nach eigener Spezifikation wird im Konzernverbund erledigt. Hersteller Cenat gehört ebenfalls zur Evergrande Gruppe.

Bei vielen anderen Komponenten vertraut Koenigsegg aber nach wie vor auf eigene Kompetenzen. Die Fertigungstiefe bleibt weiterhin legendär hoch. Ein Beispiel sind die Elektromotoren für den Gemera. Sie sind eine Eigenentwicklung in Zusammenarbeit mit einem belgischen Unternehmen. Die Motoren sind leicht und wiegen lediglich 35 Kilogramm an der Front, beziehungsweise 40 Kilogramm am Heck. Die beiden Heckmotoren leisten jeweils beachtliche 1.000 Newtonmeter.

FreeValve Technologie exklusiv bei Koenigsegg

Im Gemera feiert ein 2 Liter Dreizylinder Turbomotor mit FreeValve Technologie und 600 PS seine Premiere. Die Entwicklung dieser Technologie begann noch zu Saab Zeiten – und mit den legendären Trionic Motoren als Basis. Jetzt ist sie bereit für die Produktion. Der Gemera wird das erste und vorerst einzige Serienfahrzeug der Welt sein, das auf diese Technik setzt. FreeValve Motoren verzichten auf die Nockenwelle und steuern die Ventile individuell an. Sie haben dadurch eine Gewichtsersparnis gegenüber herkömmlichen Motoren, ihr Verbrauchsvorteil liegt bei 15 – 20 %.

Außer Koenigsegg zeigte bisher nur der chinesische Hersteller Qoros einen FreeValve Motor, die Kooperation ist aber beendet. Qoros setzt in der Zukunft auf rein elektrische Antriebe. In Ängelholm liegen aber mehrere Anfragen nach Motoren vor. Die revolutionäre Technologie ist auch in Flugzeugen, Booten und Lastwagen vorstellbar,  sagt Christian von Koenigsegg.

4 thoughts on “Koenigsegg erweitert Werk in Ängelholm

  • Danke, Tom. Ein sehr interessantes Uebersicht von was Koenigsegg entwickelt.

  • Spannend.

    Boots- und Flugzeugmotoren für (mega-) motorsportliche Spielzeuge sind für Superreiche die logische Ergänzung zum Hypercar …

    Aber was ist mit LKW und was heißt, man wartet die weitere Evolution der Marke ab? Für die ist man ja eigentlich selbst verantwortlich.

    Es sei denn, man wartet ganz einfach ab, wer mit welchen Gastgeschenken um eine Audienz bittet und entscheidet dann, wie und mit wem man sich für was auch immer vereinbart.

    Vermutlich ist King Chrille tatsächlich in dieser luxuriösen Situation? Und diese Position ist großteils erarbeitet. Da kann man wirklich nur noch den Hut ziehen und muss kniefallende Reflexe unterdrücken.

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