Ausgangsbeschränkung Bayern – Landleben in Woche eins

Seit einer Woche gibt es in Bayern eine Ausgangsbeschränkung. Eine einschneidende Maßnahme – sinnvoll und angebracht. Eine völlig neue Erfahrung, vor allem, wenn man europäische Bewegungsfreiheiten gewohnt ist. Die Ausgangsbeschränkung hat auch meinen Alltag verändert. Die Bilanz der ersten Woche.

Saab Zeit war diese Woche auch. Die neuen Blog-Aufkleber sind da.
Saab Zeit war diese Woche auch. Die neuen Blog-Aufkleber sind da.

Ich lebe in einem kleinen Ort im Vorspessart. Ein überschaubares Straßendorf, typisch für die Region, die immer noch von landwirtschaftlichen Betrieben geprägt ist. Mit Aschaffenburg ist die nächste Stadt nicht weit, und im Prinzip sind es gerade 10 Minuten in die Innenstadt und nur 5 Minuten von meiner Haustüre zur A3. Das Dorf schmiegt sich tief in ein enges Tal, nur seiner geografischen Situation ist es zu verdanken, dass es so ursprünglich geblieben ist und kein Opfer der Immobilenspekulation wurde.

Die Ausgangsbeschränkung verändert das Umfeld

Die Ausgangsbeschränkung hat auch hier ihre Spuren hinterlassen. Wo vor Wochenfrist noch Grüppchen durch den Wald joggten und sich dabei spaßig anniesten, herrscht jetzt Ruhe. So richtig lustig würde das Niesen heute wohl keiner mehr finden, der Ernst der Lage ist jedem bewusst. Das Gebot der Ausgangsbeschränkung ist angekommen, Distanz angesagt. Und vor allem Ruhe. Diese ungewohnte, unwirkliche Ruhe und das ausbleibende Hintergrundrauschen der Zivilisation. Das beunruhigt in den ersten Tagen. Die Dorfstraße leer, am Himmel so gut wie kein Flugzeug. Pure Natur, nur das Zwitschern der Vögel ist zu hören. In mir löst das ein Kopfkino aus. Versetzt mich zurück in die Tage meiner Kindheit. In die Sommerferien, die ich immer bei Wahlverwandten auf dem Land verbrachte. Ich, das Stadtkind, in einer völlig anderen Welt. Damals war ich gerade 10, als ich zum ersten Mal auf den Bauernhof kam. 14 dann bei meinen letzten großen Sommerferien. Zwischendrin lag eine aufregende Zeit mit Traktor und Mähdrescher, Moped fahren, Luftgewehr schießen und den vielen anderen Freiheiten, die man als Kind auf dem Land zu dieser Zeit hatte. Die Ruhe im Jahr 2020, diese ungewohnte, schwer einzuordnende Stille, sie versetzt mich in diese Zeit zurück. Landleben ist kein bisschen langweilig. Es ist interessant. Spannender, als es sich Stadtbewohner vorstellen. Auch in Zeiten von Covid-19. Der Vorspessart ist ein bisschen wie Idaho. Dieser amerikanische Bundesstaat, dessen Slogan “big potatoes” ist. Womit schon fast alles über Idaho gesagt wäre. So ähnlich ist es hier, und zwischendrin auch ein wenig skurril. Dass Geländewagen und Pick-ups über die Feldwege brettern ist normal. Menschen, die mit ihrem Pony spazierengehen, es nicht reiten, auch. Ungewöhnlicher ist es,  mit zwei Maultieren einen Spaziergang zu machen. Aber auch nur aufgrund der eingeschränkten Verfügbarkeit dieser Tiere in diesen Breitengraden.

Landleben ist alles andere als langweilig

Läuft man am späteren Abend über die Felder, dann kann es sein, dass eine Motocross-Maschine vorbeifliegt. Was kein Problem ist. Ich nehme Frida an die Leine, sobald ich das Bellen des Zweitakters vernehme. Die Maschine fliegt heran, stoppt kurz ab, man erkennt mich, grüßt, fliegt weiter. Der Fahrer hat Spaß, zeigt einen Wheelie – und weg ist er in der Dämmerung. Dass die Maschine kein Kennzeichen hat und auch nie bekommen wird, ist nachrangig. Und interessiert niemanden.

Ich gebe zu, ich richte mich mit der Ausgangsbeschränkung so gut wie es geht ein. Ja, sie ist ein Einschnitt. Freunde nicht mehr sehen, stattdessen zu telefonieren. Bewusst und möglichst selten einzukaufen. Flexiblere Arbeitszeiten zu haben und, unterm Strich, mehr Zeit. Das entschleunigt, und die kommenden Wochen werden zeigen,  was man alles daraus machen kann. Ein Profiteur der Situation steht schon fest. Es ist meine Hündin. Sie kommt in den Genuss von mehr Strecke als noch vor einer Woche. Ihr Glück kann sie kaum fassen! Das Virus verändert die Welt um mich herum. Bekannte haben zu wenig oder gar keine Arbeit mehr. Zukunftsängste werden konkret. Andere sind flexibel und stellen sich rasch auf die Lage ein. Meine Sattlerei, bevorzugter Lieferant für hochwertige Lenkräder und Restaurationen, hat begonnen,  Atemschutzmasken zu produzieren. Jeder reagiert auf seine Weise, die Nachbarschaft rückt näher zusammen.

Freiräume und Normalität

Wir stehen noch am Anfang einer Geschichte, die eine Tragödie ist. Die Menschenleben kostet und Zukunftspläne über Nacht zur Makulatur werden lässt. Um so länger sie andauern wird, desto mehr wird sie unser Verhalten in der Zukunft bestimmen. Vermutlich, wir werden sehen. Aber Menschen sind belastbarer und flexibler als man es vermutet. Krisen sind immer auch Aufbrüche und Chancen. Sie bieten auch die Gelegenheit zum Nachdenken darüber, was in der Zeit danach wichtig sein könnte und was verzichtbar wäre. Natürlich war in dieser Woche auch Zeit für das Saab Thema. Covid-19 verändert unseren Alltag, aber diktiert ihn nicht. Freiräume und Normalität müssen weiterhin sein, mehr denn je. Unsere Hausdruckerei hat die neuen Saabblog Aufkleber fertig. Der Schriftzug, der seit Monaten den Blog schmückt, wurde von einem Hamburger Designer gestaltet. Der natürlich Saab fährt, was auch sonst. Die Aufkleber gibt es in zwei Varianten, einmal hell und einmal dunkel, und sie machen sich gut auf schwedischem Blech. Ab nächste Woche kann man sie bestellen, wenn man mag.

Und bitte: #bleibtzuhause. Danke!

6 Gedanken zu „Ausgangsbeschränkung Bayern – Landleben in Woche eins

  • @ Heijo Red,

    sehr angenehmer Kommentar mit entsprechend positivem Feedback (Daumen). Mir fällt auf, dass Sie diesmal viel weniger Worte in kapitalen Lettern gesetzt haben und mit Ausrufe- und anderen Zeichen deutlich sparsamer waren …

    Vielleicht liegt da der Schlüssel? Hier ein Selbstversuch:

    Mutti sagt, die Verdoppelung der Infektionen müsse von 5,5 auf 10 Tage gestreckt werden. Dann könne man die Lockerung von Beschränkungen erwägen.

    Bei 50.000 Infektionen hieße das nach 50 Tagen beispielsweise 1.600.000 und nach nur 100 Tagen 51.200.000 Infizierte – falls die Lockerung keinerlei beschleunigenden Effekt hätte.

    Das Szenario spricht für sich. Ich hätte aber auch schreiben können:

    51,2 MILLIONEN ( ! ! ! ) in NUR ( ! ! ! ) rund DREI ( ! ! ! ) Monaten. 102,4 MILLIONEN in NUR ( ! ! ! ) 110 TAGEN. DAS sind WIR ALLE ! ! ! , DAS IST MEHR ALS WIR ! ! !

    Wenn ich Letzteres lese, gehen bei mir die Klappen runter.
    Dabei sind beide Darstellungen inhaltlich identisch und mathematisch korrekt.

    Wenn ich mir von Ihnen etwas wünschen dürfte, wäre es, dass Sie inhaltlich bitte niemals ein Blatt vor den Mund nehmen und für Ihre gültigen Gedanken aber immer eine geeignete Form finden.

    Man kann auch schriftlich schreien.
    Und wer schreit …

    Um Fakten und gültige Gedanken wäre es außerordentlich schade, wenn sie im eigenen Geschrei untergingen.

    Antwort
  • Auch ich bedanke mich für diese sehr passenden Artikel zu diser Zeit. Ganz egal wo wir leben, merken wir die Veränderungen deutlich. Ob in de Stadt oder am Land es hat sich alles verändert. Hier in meiner Gegend, nahe Flughafen und Autobahnen ist jetzt auch sehr ruhig und man nimmt Geräusche wahr die man so wahrscheinlich noch nie gehört hat, man hört so viele verschiedene Vögel und andere Tiere. Bleibt alle gesund und passt auf euch auf.

    Antwort
  • Danke für den entschleunigenden Artikel zum Wochenende! 🙂 Vieles spricht mir aus dem Herzen! Auch ich lebe auf dem Land und sehe um mich herum entspannte Gesichter. Der Buchladen fährt bestellt Ware zum Kunden, in der Mühle um die Ecke “brennt die Hecke”, da immer reichlich Mehl nachproduzierte werden kann. Lokale regionale Kreisläufe sind wichtig, werden jetzt noch mehr gelebt. Und es ist möglich! Die Spargelbauern haben hier keine langen Gesichter, da sie keine “Massenproduktion” anbieten und auf Massen billiger Arbeitskräfte aus dem Ausland verzichten KÖNNEN! Solidarität wird gelebt: Gutscheine für Kinos, Cafes etc. werden erfreulich geordert, damit der Kunde auch zu einem späteren Zeitpunkt seinen Espresso bestellen kann. 🙂 Corona verändert. Corona bietet auch Möglichkeiten! Diese Phantasie wird uns gut tun!
    Zeit mit der (engsten) Familie—was wollen wir mehr? Herrlich!
    Also, genießen wir die “Freiräume” kreativ und machen das Beste draus.
    Bleibt ALLE gesund!

    Antwort
  • Schöner Artikel zum WE.

    Ich fühle meine Gedanken und auch die Lebenssituation fast bis ins Detail gespiegelt. Sogar das Foto von Frida könnte ich jetzt mit einem schwarzen Rüden sofort nachstellen …

    Was für ein Luxus ! ! !

    Meine Gedanken gelten in dieser speziellen Zeit dann auch stärker als sonst Freunden und Familienmitgliedern mit innerstädtischen Wohnungen.

    Ob man Parkbänke jetzt wirklich sperren und Zuwiderhandlung mit hohen Strafen sanktionieren sollte, weiß ich nicht. Die Regelungen zu Abständen und wider die Ansteckungsgefahr implementieren doch bereits, dass sich nicht mehr als eine Person auf eine Bank setzen kann und darf, es sei denn die einander nahen Personen leben gemeinsam in einem Haushalt .

    Wir brauchen uns keinerlei Illusionen hinzugeben. Am Ende werden die Maßnahmen aus rein wirtschaftlichen Gründen gelockert werden. Im Hintergrund wird längst intensiv gerechnet. Und immer wird dem Virus Öffentlich Rechtlich zugute gehalten, dass es sich bei der Wahl seiner Opfer auf Rentner, Pensionäre und teure Patienten konzentriert …

    Zumindest der ÖR in Berlin-Brandenburg zelebriert seine Angaben zu Alter und Vorerkrankungen der jüngsten Opfer regelrecht und verpackt sie als buntes Bonbon zu einer vermeintlichen Beruhigungspille.

    Ich finde das zynisch und verstörend. Mir und meinen Kindern sind die (Schwieger- und Groß-) Eltern wichtig. Hier schrieb ja schon einmal jemand sinngemäß (ich glaube, es war StF), das Virus mache ihm weniger Angst als der Mensch. So geht es mir auch.

    Antwort
  • Super sympathischer Artikel. ME ein tolles statement für uns entspannte Saab-Fahrer, die auch den Motocrosser (ohne Nummernschilder) leben lassen! Bin selbst begeisterter Biker und natürlich Saab-Fahrer

    Antwort
  • Hallo Tom´
    wie immer ein toller Artikel … der zwar direkt weniger mit SAAB´ aber mit der aktuellen Situation und Lage zu tun hat. ´Interessiert uns ja alle´ wie es weitergehen wird´ … ´´meine Einschätzung die auf den Äußerungen von Virologen und Fachleuten basiert´´ die sich in den letzten 14 Tagen im TV dazu geäußert haben´ … ´´gebe ich hier liebe mal NICHT wieder´ denn ich möchte ja nicht´ das die SAAB-Blog-Leser keine rechte Freude mehr´ an Ihrem wohlverdienten WE haben sollen. //´´Aber jeder ist ja Alt genug´ und kann sich ausführlich informieren´ um sich dann ein abschließendes Urteil zu bilden´und für sich Seine/Ihre Familie die weitere Zukunftsplanung aufstellen. (denn ob es 3´ 6´ 9´ 12´ oder 15´Monate andauern wird´ macht ja schon einen gewissen Unterschied)´´// ´´Na ja ich möchte auch nicht allzu schwarz malen, denn trotz aller widrigen Umstände´ sollte man die Lebensfreude an sich´ und mit seinen engsten Liebsten´ natürlich NICHT aus dem Auge verlieren !! ((ps:´meine High-End-HIFI-Anlage ist schon lange nicht mehr so gefordert worden´ wie in den letzten 10 Tagen´ seit sich abzeichnete … wie schlimm weltweit die Lage eskaliert ist … obwohl die BRD ja noch sehr GUT dabei weggekommen ist´ da unser Gesundheitssystem auf einem hohen Standard angesiedelt ist !!))

    Wünsche allen hier Gesundheit Zufriedenheit immer Freunde an Eurer Seite die Euch mögen wie Ihr seit … und selbstverständlich immer gute Fahrt mit SAAB´´!!
    “Ein treuer Leser aus dem schönen Wachenheim an der Weinstraße´ … der schönen Pfalz´´

    12
    Antwort

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.