Bamberg. Ein Treffen mit der 3. Generation.

Familienbetriebe. Sie sind das wirtschaftliche Rückgrat unseres Landes. Läuft es gut, dann blühen sie von Generation zu Generation. Saab hat sie immer gehabt, diese Betriebe. Und es gibt sie heute noch, obwohl die Marke längst nicht mehr existiert. In Bamberg wächst die 3. Generation in das Autohaus Muckelbauer hinein. Sie macht sich Gedanken über Gegenwart und Zukunft. Der richtige Zeitpunkt für einen Besuch.

Lars Muckelbauer im Turbo X. Die 3. Generation in Bamberg.
Lars Muckelbauer im Turbo X. Die 3. Generation in Bamberg.

Seit Herbst diesen Jahres ist Lars Muckelbauer in der Ausbildung zum Mechatroniker im familiär geführten Unternehmen. Schule, Handwerkskammer, Arbeit im Betrieb. Reichlich Pensum für eine 6-Tages Woche. Neben der Ausbildung kümmert er sich um das Internet und berät aktiv im Verkauf. Während ich auf ihn warte, interessiert sich ein Kunde für den brandneuen Subaru E-Boxer. Den gibt es eigentlich erst ab März 2020, aber in Bamberg stehen heute schon 2 Exemplare. Wollen wir fahren, fragt mich Lars? Klar wollen wir!

Ich fahre, Lars nimmt auf dem Beifahrersitz Platz. Den Führerschein erhält er an seinem 17. Geburtstag im Januar, so lange muss er sich noch gedulden. Der E-Boxer ist das erste elektrifizierte Fahrzeug von Subaru und unsere gemeinsame Fahrt der passende Einstieg in eine Unterhaltung. Neben Saab ist Subaru seit einigen Jahren das zweite Standbein der Muckelbauers und das Autohaus ein sehr erfolgreicher Vertriebspartner des deutschen Importeurs.

Elektrifizierung…

Der E-Boxer ist ein Mild-Hybrid. Der berühmte Boxermotor arbeitet im Verbund mit einem Elektromotor, der den Forester 1.6 Kilometer rein elektrisch fahren lässt. Klingt nicht spektakulär, ist aber interessant und hat Erklärungsbedarf. Die Batterie lädt während der Fahrt und, vertraut man auf die Grafik im Armaturenbrett, so gut wie immer. Ist genug Saft im Akku, schaltet der Verbrenner ab und lässt das SUV elektrisch fahren. Das geschieht vorwiegend dann, wenn man das Gaspedal nur sanft streichelt. In der Praxis ist alles unspektakulär, funktioniert bis zu einer Geschwindigkeit von 40 Kilometern pro Stunde. Die Philosophie dahinter ist klar. Emissionsfrei durch die Innenstädte, Wohngebiete und Staus. Der E-Boxer funktioniert mit japanischer Präzision, ist aber in Teilen deutsch. Einige Komponenten seiner Technik stammen von einem bekannten Zulieferer aus Franken.

In einigen Wochen folgt mit dem XV das zweite Hybrid-Modell von Subaru. Die Elektrifizierung folgt der Klimadiskussion und dem politischen Willen. Lars sieht sie als Zukunft,  aber auch mit Sorge. Durch sie werden die Fahrzeuge teurer, Subaru verlässt das gewohnte Preisgefüge. Ob die Kunden dem folgen werden?

Analog…

Wir laufen durch das moderne, 2017 neu eröffnete Gebäude. Es ist Samstagnachmittag, keine Kunden und keine Mitarbeiter sind im Haus. Wir haben den Termin bewusst so gelegt, um Zeit für ein Gespräch in Ruhe zu haben. In der Werkstatt ist ein Hochvolt- Arbeitsplatz eingerichtet, daneben 3 Hebebühnen mit Saabs. Japan performt im Vertrieb, die Schweden dafür in der Werkstatt. Ein sicheres zweites Standbein, wenig abhängig von der konjunkturellen Situation.

Die Familie Muckelbauer ist eng mit Saab verbunden. Der Großvater begann mit der Marke aus Trollhättan in einem Nachbarort. Leider starb er früh, sein Sohn Ralf musste in jungen Jahren in die Verantwortung. Er expandierte und zog in das nahe Bamberg. Lars wächst in 3. Generation in das Geschäft hinein – auf eigenen Wunsch, wie er betont. Hätte er etwas anderes machen wollen, seine Eltern hätten es akzeptiert. Familie ist manchmal Verpflichtung, aber auch Freude und Möglichkeit. Lars mag Autos und den Umgang mit Kunden. Das, was er tut, macht er aus Überzeugung. Man spürt das.

Er hat aber für einen jungen Menschen auch einen erstaunlich nüchternen, betriebswirtschaftlichen Blick. Viele 900 stehen auf dem Gelände zur Restauration. Wertstabil sagt Lars, aber die Ersatzteilbeschaffung macht Sorgen. Nach Ersatzteilen muss immer wieder intensiv gesucht werden, da hilft jahrelange Erfahrung und eine gute Vernetzung nach Schweden.

Doch zurück zur Freude an den Fahrzeugen. Da steht der Turbo X. Das perfekte, analoge Gegenstück zur Elektrifizierung. Sein Schlüssel ist schnell organisiert, der Saab wacht auf, brabbelt sich warm. Macht viel Spaß, ist ein faszinierendes Relikt der alten Zeit. Wir sind uns rasch einig, dass jeder TX sein eigenes Klangbild hat. Saab ist und bleibt Thema auch in der 3. Generation. Schon seit 1974 – und so lange es die Fahrzeuge geben wird, ist die Familie für Saab da. Für Kunden der kleinen Kultmarke hält Muckelbauer ein großes Ersatzteilsortiment vor. Komponenten,  die in Schweden immer mal wieder mal rar werden,  liegen auf Lager. Man ist es der meist langjährigen Kundschaft einfach schuldig.

Die Zukunft…

Wie sieht Lars seine Zukunft? Er wird die Ausbildung absolvieren, sein Vater bindet ihn jetzt schon eng in jede Entscheidung ein. Man kann niemals früh genug damit beginnen. Die Meisterschule ist Pflicht, ein anschließendes Studium nicht ausgeschlossen. Mal sehen!  Die Autobranche ist in Bewegung. Er erlebt das täglich, die Veränderungen sind rasant. Als Autohaus ist man besonders dicht dran. Hersteller positionieren sich um, Kunden ändern ihr Kaufverhalten. Vorherzusehen,  was in ein paar Jahren sein wird,  ist die sicher größte Herausforderung. Das alles beschäftigt ihn sehr, ich spüre das.

Es gibt so einige Ideen neben dem aktuellen Geschäft. Ein zusätzliches Standbein als Absicherung, um das Unternehmen langfristig weiterzuentwickeln und es immun gegen die Unwägbarkeiten der Zukunft zu machen. Lars ist mit dem Herz und Verstand dabei. Was er tut, macht ihm sicher Spaß. Aber er fühlt bereits die Verantwortung, die eines Tages auf seinen Schultern lasten wird.

4 Gedanken zu „Bamberg. Ein Treffen mit der 3. Generation.

  • Ja, die Verantwortung…, gut nachvollziehbar ist der Druck der Zukunft, gerade in dieser immer schneller werdenden Zeit mit schneller werdenden Umbrüchen. Klasse, das Lars sich der Situation stellt! Auch diese Mutigen/Tatkräftigen braucht D, zupackende Menschen, Chef´s ! Nur mit easy going wird es nicht gelingen das Land voranzubringen. Die Herausforderungen sind (und werden) groß! Dem jungen Chef in spe alles Gute für die Zukunft! Mögen bei Muckelbauers noch viele SAABs und Subarus vor Ort gewartet und gegebenenfalls restauriert werden!
    Ein gutes gesundes neues Geschäftsjahr 2020! 🙂

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  • Toll, dass es noch solche Betriebe gibt, die sind unterstützenswert.
    Mutig sich Subaru dazu zu nehmen, aber mit Nischenmarken kann man wenn man sehr gut ist auch sehr erfolgreich sein wie sich zeigt. Subaru für jeden Tag, Saab für Spaß oder umgekehrt je nach Fahrzeug und beide Autos können vom selben Betrieb gewartet werden.

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  • SAAB und Subaru sind beides Nischenmarken. Das matched auf jeden Fall.

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  • Danke Tom & Lars,

    so ein Schulterschluss zwischen dem Saabblog und einem Saab-Service ergibt einen schönen Lesestoff.

    Den E-Boxer muss man wahrscheinlich probefahren, damit man ihn versteht?
    Die Angaben zur Reichweite scheinen hier ja ausnahmsweise im positiven Sinne reine Theorie zu sein?

    Aber die voluminöse Batterie auf der Hinterachse bekomme ich mit meinem technischen Verständnis und dieser Angabe trotzdem nicht unter einen Hut …

    Schade, dass das Hybrid-Konzept wirtschaftlich und politisch nicht den Stellenwert hat, den es verdient. Mein Eindruck ist, dass technisch noch sehr viel geht, auch und gerade unter Umweltaspekten.

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