Wenn Subventionen Innovationen bedrohen

Die Verkehrswende. Viel wird darüber geschrieben, geredet. Sie trägt sozialen Sprengstoff in sich,  und geht es nach der Bundesregierung, dann soll sie 2020 endlich Fahrt aufnehmen. Damit auch der Bürger Lust an ihr entwickelt, klettert die Kaufprämie für ein Elektroauto von 4.000 auf 6.000 €. Die Subventionen sind aber nicht für Jeden hilfreich. Denn sie bedrohen innovative Start-ups.

Sono Motors und Sion Prototyp
Sono Motors und Sion Prototyp

Am 5. November war es einmal wieder soweit. Ein neuer Autogipfel im Berliner Kanzleramt, 4 Stunden mit hochrangigen Vertretern der Industrie und Politik. Das Ergebnis: Mehr Subventionen für Hybride und für rein elektrische Fahrzeuge. Regierung und Industrie geben sich einen grünen Anstrich, Umweltschutz ist Chefsache, der Verbraucher soll jetzt bitte kaufen.

Nun sind Gipfelgespräche in der Regierungszentrale mitnichten so, dass Angela Merkel zu einem Plausch mit Plätzchen, Kuchen und Kaffee einlädt. Und dass am Ende dann ein Ergebnis steht, mit dem niemand gerechnet hätte. Überrascht sind höchstens die Bürger, die am Tablet die neuesten Nachrichten erfahren. Vorher gab es Monate mit intensiver Lobbyarbeit, und die Industrie weiß recht exakt, was sie tut.

Das, was als zusätzliche Prämie ein Kaufanreiz sein soll, wurde im Vorfeld eingepreist. Von den Großen der Branche, die in Berlin und Brüssel Legionen von Lobbyisten unterhalten. Zum Vorteil der Verbraucher und für den eigenen Absatz. Zum Nachteil der Start-ups und der innovativen Querdenker. Die sitzen nämlich nicht beim Kaffeekränzchen im Kanzleramt. Die 3.000 € Eigenanteil der Subventionen sind für Volkswagen, Daimler und BMW zu verkraften. Für Sono Motors oder e.Go wohl weniger. Das ist schade und das ist falsch. Denn gerade die Newcomer produzieren die Fahrzeuge, die man benötigt, wenn es mit der Verkehrswende ernsthaft etwas werden soll.

Beide Start-ups bauen oder planen kleine, leichte Autos. Keine großen, schweren Elektrofahrzeuge wie die etablierte Industrie. Weniger ist mehr, umdenken, Ressourcen schonen. Sono Motors und e.Go ticken so. Die Großen scheinbar nicht. Von Volkswagen kommen Produkte, die eben wie ein Golf sind. Nur halt elektrisch und digital. Audi begreift recht wenig und schickt Schwergewichte an den Start, Daimler und der Rest sind auch nicht besser. Ein klares „weiter wie bisher“, nur eben mit Batterien statt Verbrenner.

Umdenken? Findet nicht statt.

Vielleicht, weil man es dem Kunden nicht zumuten möchte. Weil Marketing und Beraterfirmen meinen,  den Verbraucher nicht überfordern zu wollen. Eine neue Antriebsart könnte ja schon genug an Zumutung sein. Dann auch noch kleiner, leichter, flexibler? Zuviel!  Ich denke, der Verbraucher sollte die Chance haben und selbst entscheiden. Kleine, leichte, innovative und flexible Autos mit Mut kommen aber nicht aus Wolfsburg oder Ingolstadt. Schon deshalb nicht, weil klein auch günstig und ertragsschwach ist. Passé die Zeiten, als man einen mutigen Audi A2 oder VW ein extremes 1 Liter Auto auf die Straßen brachte.

Sono Motors und e.Go bewegen sich in einem Preissegment unter 20.000 €. Der Sion, der in Trollhättan von den Bändern laufen soll, kostet 16.000 € ohne Batterie. Da tut man sich schwer mit einem Eigenanteil von 3.000 € als Kaufprämie. In der Sendung Quer des Bayerischen Rundfunks kommt Sono Gründer Laurin Hahn zu Wort. Der Eigenanteil bedroht das Geschäftsmodell. Es bleibt nur die Möglichkeit,  darauf gänzlich zu verzichten oder die Preise zu erhöhen. Und Mitbewerber e.Go? Er hat bereits seine Konsequenzen gezogen. Ab Januar 2020 steigen die Preise für den e.Go Life um 2.000 €. Das günstigste Modell kostet damit 17.900 €.

Allerdings plagen Sono Motors im Moment noch weitere Sorgen. Die Finanzierung ist bis auf Weiteres unklar, es läuft eine der größten Crowdfunding-Kampagnen der Bundesrepublik. 50 Millionen € sollen so bis zum Monatsende eingesammelt werden. Der Erfolg aber ist alles andere als sicher. Damit wird eine zusätzliche Schwäche des Systems klar. Während China über diverse Instrumente seit Jahren innovative Gründungen mit Milliarden flutet, bleibt Deutschland merkwürdig passiv. Ein staatlicher Risikofonds für Neugründungen fehlt total. Natürlich, 8 oder 9 von 10 Start-ups werden die ersten Jahre nicht überleben. Aber können wir es uns leisten,  im Hinblick auf massive chinesische Förderungen passiv zu bleiben?

„Open-Source-Projekt“ aus München

Der kompakte Münchner Van ist weit mehr als nur ein weiteres Elektroauto. Er lädt sich mit Solarzellen selbst, und er ist eine Art „Open-Source-Projekt“. Zugänglich für externe Entwickler soll er sein, das Werkstatthandbuch ist für jeden einsehbar. Damit könnte es, wird es so realisiert, ein Vorreiter für Innovation und Nachhaltigkeit sein. Saab plante einst ähnliches. Das IQon Projekt wurde als Open Innovation bezeichnet und hätte unabhängigen Entwicklern das Designen neuer Funktionen für das Fahrzeug erlaubt.

Die Elektroautoprämie entlarvt sich als Subvention für die etablierte Industrie. Die sicher sehr gute Autos baut, es aber an Mut fehlen lässt. Ist es Ernst mit dem Schutz von Ressourcen und Umwelt, dann muss weniger mehr sein! Mutige Start-ups, Querdenker, sollen eine Chance haben. Sie haben es jetzt schon schwer genug,  ihre Produkte auf den Markt zu bringen.

Innovative Start-ups sollten im Sinne der Umwelt und der Innovation gefördert werden. Wettbewerb ist gut, die Großen können daraus ihre Schlüsse ziehen,  und Newcomer erhalten eine Chance. Der Weg hin zum fertigen Produkt ist in der Autobranche sehr kostspielig. Deutschland sollte sich Kosten und Querdenker leisten, um unsere Industrie zu erhalten. Der Untergang der einst so stolzen britischen Autoindustrie, die als stark und unbesiegbar galt, sollte eine Mahnung sein. Denn auch sie wurde vom Staat geschützt, bis nichts mehr zum Bewahren da war.

Deutschland ist wohlhabend. So reich, dass unsere Regierung Geld irgendwo ungenutzt zwischen parkt. Über Jahre in den sogenannten Rücklagen zum Beispiel. Rund 42 Milliarden € werden zum Jahresende darin vermutet. Etwas davon könnte man entnehmen. Als Anschubfinanzierung für Wettbewerb und Innovation. Dann würden aus plakativen Bekenntnissen Fakten. Das Standort-Deutschland kann davon nur profitieren.

20 Gedanken zu „Wenn Subventionen Innovationen bedrohen

  • Ich werde mir nicht für zig tausend Euro ein Elektro Auto oder eine Plugin kaufen.Mittelweile wissen wohl die meisten das Elektroautos nicht so Umweltfreundlich sind wie sie uns die Politik und die etablierten Hersteller weiß machen wollen.
    Erstmal werde ich abwarten welche Antriebe sich tatsächlich in den nächsten durchsetzen werden.

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  • Hervorragender Artikel mit einer klar formulierten Botschaft an die Politik und Industrie! Es bedarf keiner weiteren Kommentare meinerseits. Lediglich der Aufruf, diesen Artikel in Ruhe zu lesen und auf sich wirken zu lassen.

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  • Das der mündiger Bürger die aktuellen Kaufanreize verweigert, spricht für den Bürger!
    Der Bürger ahnt, was für eine E- Phantasie auf ihn zukommen könnte: Unklare Batteriehaltbarkeiten, zu wenig E-Tankstellen und kennt die digitalen Tücken des Alltags… mit zweifelhaften „Entschuligungen“.
    Also: nachhaltig ist, wer sein Auto so lange nutzt wie möglich. Wobei „lange“ nicht mit „viel“ gleichzusetzen ist. 😉
    Die Lobby tickt wahrlich anders: Hauptsache verkaufen, dann wird alles gut. Erschreckend!

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  • Ab einem bestimmten Alter macht man sich null Gedanken an eine neue Technologie!

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  • Mensch Tom,

    das ist brillant analysiert und geschrieben. Ich ziehe abermals meinen Hut vor diesem Stil, der so oft schwierige Themen und komplexeste Zusammenhänge (aus Politik, Wirtschaft, Subventionen & Umwelt) so über alle Maßen elegant und kompakt in einem schlüssigen Artikel zu fassen weiß. Das ist wirklich unnachahmlich …

    Ich vermisse eine solche Qualität bei den etablierten und öffentlich rechtlichen Medien schmerzlich. Wie kann es sein, dass ein Blog über eine insolvente Automarke so gesegnet ist, während bei den Leitmedien ein intellektuell personeller Notstand zu herrschen scheint?

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    • Vielen Dank, mal wieder! Ich würde meinen Beitrag als akzeptabel bezeichnen 😉

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  • Wie lange soll eine solche Subvention aussehen bzw. gehen? Was passiert wenn Sion und Co keine Subventionen mehr erhalten? Wie langlebig sind solche Unternehmen ohne Subventionen? Der Staat zieht sich irgendwann zurück, was auch richtig ist. Selbst Opel galt damals als nicht System relevant und wurde sich seinem Schicksal überlassen.

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    • Subventionen sollte es geben bis ein erfolgversprechendes Start-up die „Kinderstube“ verlassen kann. Sprich, es ist Kapital-Marktfähig und kann sich eigenständig weitere Mittel beschaffen. Die Möglichkeiten hierfür sind vielfältig.

      Nicht falsch verstehen: Ich bin kein Verfechter von Subventionen! Sie sind marktverzerrend, aber die Regierung tut es seit Jahren. Meist zugunsten etablierter Firmen. Auf der anderen Seite verlieren wir seit Jahrzehnten unsere besten Gründer-Köpfe nach Nordamerika, weil es dort eine hoch entwickelte Szene für Risikokapital gibt. Die Gegenseite, in diesem Fall China, arbeitet mit intransparenten Methoden und fördert großzügig alles, was irgendwie Erfolg bringen könnte. Und dazwischen stehen wir.

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  • ok, dann habe ich es falsch verstanden. Risikokapital an Start Up´s zu geben finde ich gut! Vielleicht nicht ganz so wie in Nordamerika, da wird Kapital leichter, schneller vergeben, aber auch genauso schnell wieder abgezogen. So ein Mittelding, wäre wünschenswert.
    Um das zu finanzieren sollten die „alten“ Großkonzerne nicht mit Subventionen bedacht werden.

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  • Genau das ist ja hier der Fall, die Subventionen verzerren den Mart zu Lasten von Sono und eGo!

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  • wirklich sehr gut geschrieben und in der kernaussage richtig.

    ich habe viel einblick in firmen, auch mit brillianten ideen, aber da fördergelder nur über banken laufen, kann man es vergessen – risikobereitschaft gleich null. die banker sind erstarrt in ihrer arroganz und ihrem „besserwissen“.
    ich fahre meinen 900er, daher brauche ich das ganze nicht, aber es vernichtet gute ideen fur die zukunft unserer aller kinder!
    ein kunde von mir hat vor drei jahren insolvenz anmelden müssen, weil ein grosser konzern aus politischen gründen über 1,7 mio nicht bezahlt hat. er hat sich erneut selbstständig gemacht, mit genialen ideen, auch und gerade im bereich der energieeinsparungen in der industrie.
    auch diese firma wird wieder schliessen müssen – er bekommt aufgrund seiner vergangenheit keinen cent von den banken; noch nicht einmal den antrag für fördergelder des bundes will man stellen – zu viel arbeit.
    wie heisst es doch immer: fallen kann jeder, den unterschied machen die, die wieder aufstehen!
    pustekuchen – es ist nur ein spruch.

    ein tipp: schicke deinen thread in genau dieser fassung an frau merkel – und an die grünen.
    weniger wie nichts kann es nicht bringen, aber vielleicht funktionieren wenigstens noch restfunktion des nachdenkens!

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  • Bei dem Thema bin ich Totalverweigerer. Kann mir weder bei deim einen noch bei dem anderen E-Auto und Digitalen Schrott etwas abgewinnen. Ich verstehe nicht wieso man dem Bürger etwas aufzwingen muss was kaum einer will. Es gibt dabei so viele andere einfachere Methoden umweltfreundlich zu sein.

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  • Alles Teufelszeug …

    sagen alle und meinen je nach Glaubensrichtung entweder den Verbrenner oder stemmen sich vehement gegen die E-Mobilität.

    Toms Verweis auf innovative und sparsame Verbrenner, die es schon einmal gab, finde ich sehr wichtig. Denn schon damals schien es problemlos möglich, den Bedarf an flüssigen Kraftstoffen im Straßenverkehr zu halbieren. Der reduzierte Bedarf hätte wiederum einen hohen Anteil an Biokraftstoffen ermöglicht, sodass wir heute auf diesem Sektor bereits eine vierfach bessere CO2-Bilanz haben könnten.

    Wir würden heute eine gänzlich andere Diskussion führen und Politik und Wirtschaft könnten mit Stolz auf das Erreichte zurückblicken, wenn sie damals die Weichen richtig gestellt hätten.

    Stattdessen ist jetzt tatsächlich alles Teufelszeug, sei es der Cybertruck oder der Dienstwagen von Berlins Bürgermeister, der mit 408g/Km als Rekordhalter gerade durch die Medien ging …

    Versöhnlich und erschreckend zugleich, dass also alle Recht haben. Es gibt gute Gründe, den Teufel an die Wand zu malen – sei es in Gestalt einer 600Kg Batterie oder eines Spritfressers …

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  • Ich sage danke für dein Einblick und die Erläuterungen

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  • Teufelszeug, davon gibt es wohl viel mehr, als man bereit ist zu sehen.

    So berechtigt die Idee von einem relativ preisgünstigen Elektroauto zum vorantreiben der E-Mobilität auch ist, impliziert sie eben auch einige Voraussetzungen, die das Vorhaben erschweren. Dazu gehört unter anderem auch die kostenintensive Großserienproduktion, die aber auch die Skalierungseffekte bringt, die über die Laufzeit den Preisvorteil ausmachen.
    Vielleicht ist in dem beschriebenen Umfeld ja die Idee einer Kleinserienfertigung erfolgversprechender, nur muss dann natürlich auch die Idee eine andere sein, sonst wird das auch nicht funktionieren. Um die relativ hohen Teilepreise zu kompensieren, muss man in einem margenstarken Segment anbieten, in dem niedrige Stückzahlen kein Problem, sondern eher ein Vorteil sind, man landet also bei teuren Sportwagen oder Oberklasseautos.
    Der einzige E-Fahrzeuganbieter, der so etwas wie Erfolg hat, Tesla, hat es jedenfalls so gemacht. Und bei Lightyear kann man sich zukünftig ansehen, ob dieses Konzept auch für ein solarelektrisches Auto Erfolg haben kann.

    Nur war das eben nicht die Idee von Sono, aber auch die müssen nun mal in der vorhandenen Realität bestehen. Falls sie es nicht schaffen sollten, kann man es als böse Finte des Schicksals sehen, dass mit dem hier schon viel gescholtenen Cybertruck trotzdem eine solare Ladeoption auf den Markt kommen soll, aber natürlich für eine ganz andere Käufergruppe.

    Und wer gegen die E-Mobilität ist, weil die Batterieproduktion nicht besonders umweltfreundlich ist, der sollte mal hinterfragen, was mit dem ganzen abgebauten Lithium und Kobalt geschieht, wo doch Fahrzeugbatterien bei den aktuellen Verkaufszahlen nur eine Nischenanwendung sind.
    Dann stellt man möglicherweise fest, das ein nicht unerheblicher Teil für Stahl, Glas, Keramik, Schmiermittel und vieles andere gebraucht wird. Und der auch nicht gerade geringe Teil für die Akkuproduktion dürfte zu über 90% in den beliebten elektronischen Gadgets wie Mobiltelefonen, Tablets, Notebooks, Digitalkameras, Navis, und so weiter landen. Beim Kauf all dieser Produkte haben aber die meisten Konsumenten vermutlich kein schlechtes Gewissen wegen der Verschwendung südamerikanischen Grundwassers, oder Kinderarbeit im Kongo.

    Möglicherweise gibt es tatsächlich nur schlechte Entscheidungen, was die Zukunft schon spannend machen dürfte, allerdings auf eine Weise, die vermutlich keine Vorfreude erzeugt.
    Oder das Anpassen der Realität an die Herausforderungen der Zukunft ist möglicherweise doch die vernünftigste Idee, die man haben kann. Allerdings vermittelt die aktuelle Politik nicht den Eindruck, dass das gerade geschieht.

    Teufelszeug überall, trotz Weihnachten …

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  • @ StF,

    vorab meines Kommentars zur Info, kein Daumen runter von mir. Wenn da welche sind, dann stammen sie nicht von mir, sind nicht mein Stil.

    Stattdessen hier eine kritische Anmerkung. Die Mär von der querfinanzierten Weltenrettung durch Herrn Musik (oder wen auch immer) kann ich nicht mehr hören. Schon vor einem Vierteljahrhundert haben Automobikonzerne uns immer größere und schnellere Kisten mit den selben Argumenten verkauft.

    Als Image- und Technologieträger kämen sie der breiten Masse und der Umwelt zugute. Bla bla bla …

    Ich finde es wenig originell und intellektuell beleidigend, wenn dieser alte Teebeutel nach 25 Jahren noch immer täglich aufgegossen wird. Diese Plörre schmeckt ganz einfach nicht – ganz egal ob das Teewasser aus einem elektrischen Wasserkocher stammt oder einem anderen Kessel …

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  • @ Herbert Hürsch

    Es tut mir leid, ich habe meinen Kommentar jetzt dreimal gelesen, aber wo ich behaupte, dass Tesla die Welt rettet, erschließt sich mir immer noch nicht. Eigentlich bin ich sogar der Meinung, das eine Aussage wie „so etwas wie Erfolg“ eine kritische Wertung darstellt, die durchaus verständlich ist, aber anscheinend ist Online-Kommunikation nur noch mit Holzhammer-Argumenten möglich, sonst versteht einen keiner mehr.

    Was ich aber tatsächlich über Herrn Musk denke, ist unter anderem, dass er ziemlich gründlich darüber nachgedacht hat, wie er seinen Laden finanziert bekommt. Und dabei ist er wohl zu dem Schluss gekommen, dass er ohne ein Produkt am Markt zu haben, nie genug Geld für eine Großserienproduktion zusammen bekommen wird.
    Und dass er mit einer Kleinserienfertigung des Roadsters offensichtlich weiter gekommen ist, als Google, Apple, Dyson, Faraday Future und wer sonst noch alles öffentlich, oder unter der Hand meinte, er könnte ein Elektroauto bauen, kann doch niemand ernsthaft bestreiten. Und ob seine Firma überlebt, ist ehrlicherweise auch noch nicht ausgemacht.
    Ich kenne ihn nicht persönlich, aber was man so in der Presse lesen kann, lässt vermuten, dass er ansonsten durchaus mit einigen menschlichen Defiziten geschlagen ist, die man „technisch brillanten Köpfen“ gerne nachsagt. (Ich hoffe die Anführungszeichen sind ausreichend, oder habe ich ihn gerade schon wieder zum Weltenretter stilisiert?)

    Falls Sie mir vorhalten wollen, dass ich es für eine gute Idee halte, sich auf die gegebenen Realitäten einzustellen, wenn man seine Ideen umsetzen will, anstatt zu denken, ich habe eine gute Idee, die muss sich von allein durchsetzen, dann können Sie das natürlich tun, aber meine Erfahrungen sind eben andere.
    Wenn ich die von Sono veröffentlichten Zahlen linear extrapoliere, sieht es jedenfalls so aus, als werden sie etwa 25.000.000 € erreichen, also scheitern. Meiner Meinung nach haben sie das Steuer zu spät umgelegt, es würde mich trotzdem freuen, wenn ich mich täuschen sollte, aber im Augenblick scheint der plakative Spruch hier leider mal wieder zu passen.

    Auch das bei Lithium-Ionen-Akkus anscheinend mit zweierlei Maß gemessen wird, das in meinen Augen auf keinerlei sinnvollen Eischätzungen beruht, sehe ich durchaus als Tatsache. Der Lithium- & Kobaltabbau stoppt definitiv nicht, wenn keine Elektroautos produziert werden.

    Und wenn Ihnen der alte Tee nicht schmeckt, extra für Sie hier eine frisch aufgesetzte Tasse: Falls der Klimawandel doch nicht so schlimm wird wie prognostiziert, vermute ich, dass wir die auf dem Planeten lebenden Organismen durch Mikroplastik doch noch klein kriegen werden.
    Wohl bekomms …

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  • Man darf online halt nicht föppeln (Gruß an die technischen Mechaniker), der plakative Spruch ist übrigens ‚Gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht‘ und sollte nicht in spitzen Klammern stehen (Gruß an alle anderen).

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  • @ StF,

    ich will Ihnen gar nichts vorhalten. Ich wollte der Diskussion nur einen Aspekt anfügen. Eben den, dass Luxusgütern häufig höherer Zweck angedichtet wird.

    Im Falle von Tesla geschieht das wiederholt. Wir brauchen mehr Produkte, die soziale und Umweltaspekte direkt adressieren. Weniger von solchen, die auf dem leeren und fadenscheinigen Versprechen fußen, dass sie dies auf Umwegen (etwa eine Querfinanzierung) ja irgendwie täten.

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