Trollhättan. NEVS als antizyklischer Jobmotor

Noch verharrt Schweden im Ferienmodus. Doch die lange Sommerpause geht ihrem Ende entgegen, und damit dürfte es auch in der Stallbacka interessant werden. Vor 7 Jahren zog NEVS in das Saab Werk ein, seitdem war die Entwicklung bestenfalls durchwachsen. Das wird sich ab sofort, mit den Milliarden von Evergrande im Hintergrund, ändern.

Blick in die Modellwerkstatt
Blick in die Modellwerkstatt

Die Anzahl der offenen Stellen befindet sich auf dem höchsten Niveau seit Jahren. Und das in einer Zeit, wo die Branche in Europa den Rotstift kreisen lässt. Die Auflistung liest sich entsprechend interessant, sie könnte auch als  Handbuch nach dem Motto „was benötige ich denn alles für eine Automobilfabrik?“ durchgehen. Ein paar neue Stellen, willkürlich ausgewählt, sind ein Ausblick auf das, was das alte Saab Werk in den kommenden Monaten erwartet.

Die Modellwerkstatt wird neu belebt

Im GM Verbund war Saab berühmt für seine exzellente Modellwerkstatt. Studien für den gesamten Konzern wurden dort zur Realität, eine kleine, schwedische Traumfabrik. Die Werkstatt wird zu neuem Leben erweckt, es werden Mitarbeiter gesucht. In der nahen Zukunft scheint es endlich wieder Konzeptautos und Prototypen vom Göta Älv zu geben. Die Messlatte liegt dabei sehr hoch, denn Saab hatte einst mit Traumwagen wie dem Aero X Maßstäbe gesetzt.

Wer Studien und Prototypen baut, dem darf man unterstellen, dass er auch Fahrzeuge herstellen will. In der Elektroauto-Ära ist die Zeitschiene zwischen Entwurf und Realisation kürzer denn je. In Fachkreisen ist von etwa 18 bis 24 Monaten die Rede. Liest man die offenen Stellen wie ein Buch, dann scheint in Trollhättan die Zeit bis zu einem fertigen Produkt auch nicht mehr ewig zu sein. Denn das Homologation-Team schreibt für Schweden und China Zertifizierungsingenieure aus.

Das Werk selbst liegt schon seit 2014 brach. Eine Neuauflage der Saab 9-3 Limousine, gestartet im Dezember 2013, war das letzte Aufbäumen. Dann war erst einmal Schluss. Für die neue Fabrik in Tianjin wurden Teile demontiert, und es ist davon auszugehen, dass die Fabrik aktuell nicht produktionsfähig ist. Die Milliarden aus China könnten den Zustand ändern, und sie müssen es auch. Investitionen für eine möglichst CO2 neutrale Produktion stehen an. Ab dem 2. Halbjahr 2020 soll der Sion in Trollhättan gebaut werden. Außerdem könnte das Produkt eines anderen Unternehmens von den Bändern laufen. Für die Produktion in der Karosseriewerkstatt und das Presswerk sind Stellen ausgeschrieben für eine sofortige Besetzung.

Antizyklischer Jobmotor für die Region

Das Timing für Trollhättan darf als gut gelten. Die ehemalige Saab Fabrik kann ein antizyklischer Jobmotor in der Region werden. Denn die Bremsspuren der Autoindustrie werden von Tag zu Tag sichtbarer, selbst in Schweden. Nicht nur Volvo baut Stellen in Göteborg ab, auch das vom ehemaligen Saab Entwicklungschef Mats Fägerhag geleitete Entwicklungszentrum CEVT zeigt eine erste leichte Schwäche. Dort scheinen die Zeiten des rasanten Wachstums erst einmal beendet. Aktuell stehen nur zwei offene Stellen zur Besetzung offen. Heraufziehende Krisen sind gute Zeiten für den, der investieren kann und Mitarbeiter sucht.

26 Gedanken zu „Trollhättan. NEVS als antizyklischer Jobmotor

  • …. na das Model ist ja direkt zum Verlieben !!!!!!

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  • Endlich ein Lichtblick nach einer langen Dürre. Jetzt bitte noch „schöne“ Autos bauen. Also Design wie ein SAAB, Fahrleistung wie ein Tesla. Und das von den Trollen. Hach.

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    • Fahrleistung wie ein TESLA ??? Tesla ist bei den Fahrleistungen noch nie Vorreiter gewesen … die sind eher mäßig gemessen an der Nutzungsdauer der Batterie ! Da gibt es wirklich andere die wesentlich bessere Fahrleistungen bieten (Beschleunigung, Nutzungsdauer usw.) Tesla wird immer in den Himmel gehoben obwohl die überhaupt nicht die Qualifikationen dafür besitzen. Jeder 2. 3. Tesla hat schon mal ausserplanmäßig die Werkstatt kontaktieren müssen, weil der Elon Musk die selbst gesteckten Ziele an Produktion und Qualitätsanmutung nie hinbekommen hat !
      Also vergesst Tesla und widmet Euch lieber Unternehmen die es wirklich drauf haben, und ein Produkt anbieten bei dem der Fahren nicht mehr die Testpilotenfunktion einnehmen muss. LEXUS ist da glaube ich ein Beispiel dem man sich ruhig mehr widmen sollte. Aber es gibt noch andere wenn auch nicht im Massenmarkt angesiedelte Unternehmen !

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      • 2,6 Sekunden von 0 auf 100 beim Model S ist also nichts? Interessante Einstellung.

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        • HACH ! ! !

          Die Einstellung einen Kommentar zuvor finde ich nochmals interessanter. Da ersehnt sich jemand (Hach, Stöhn und Seufz) absurde Fahrleistungen, der bislang als Kommentatorin vorwiegend dadurch auffiel, anderen Lesern und Leserinnen ein mangelhaftes Umweltbewusstsein vorzuwerfen …

          Geträumt wird aber offenbar von den brennenden Reifen einer Rakete für den Dragstrip, im „Design wie ein SAAB“. „Und das von den Trollen. Hach.“

          Ja, was denn nun? Diese eierlegende Woll-Milch-Sau, die CO2-neutral und die Ressourcen schonend noch mit 5 Insassen und Gepäck einen umweltneutralen wheely ohne Feinstaub (Abrieb der Reifen) hinlegt, kriegen nichtmal Trolle gebacken. Und wenn sie tausend Tonnen Feenstaub im Berg versteckt hätten …

          HACH, was hat mich dieser Kommentar geärgert …

          Ich glaube, in diesem Sinne ist auch die (mißverständlich formulierte) Antwort von Heijo Red zu verstehen.
          Es geht in dieser gar nicht um die höchstmögliche Fahrleistung als Momentaufnahme, sondern darum, in welchem Verhältnis Fahr- und vor allem Laufleistungen (!) zur Umwelt stehen …

          Ganz gleich, wie lustvoll (Hach) ein Beschleunigungserlebnis oder eine hohe Endgeschwindigkeit (Hach) auch immer sein mag, beide sind in aller Regel sehr teuer auf Kosten der Umwelt erkauft. Nicht nur mit Verbrennern und Hybriden, sondern auch und gerade mit einem Tesla …

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          • Womit man wieder einmal sehen kann wie schwierig der Spagat zwischen Umweltbewusstsein und Fahrspaß sein kann. Ich glaube wir, sollten da liberaler sein. Entsprechende Fahrleistungen hatten unsere Fahrzeuge ja fast immer.

          • Hach Herr Hürsch und Herr Red! Mit etwas weiblicher Intuition kann ich ihrer Fantasie durchaus auf die Sprünge helfen. Wie wäre es mit einem offenen Saab Sportwagen, wie eine neue Sonett oder basierend auf dem 9-X Air Concept? Klein, leicht und elektrisch. Wenig Gewicht mit einem vernüftigen dimensionierten Batteriepack und den entsprechenden Fahrleistungen. Wäre das was für Sie?

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          • @Tom,

            das stimmt schon – vorausgesetzt, Du meintest eigentlich ansprechende (!) Fahrleistungen und nicht (Zitat:) „entsprechende“. 2,6 von 0 auf 100 sind ja doch schon ziemlich absurd …

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          • @ Herbert, das ist, wenn man so will, die absurde Welt von Tesla. Auch deshalb hat die Marke glühende Fans. Mir würden schon Fahrleistungen auf dem Niveau eines Aero genügen.

          • DIE FANS …

            … von Tesla sollten einfach etwas ehrlicher sein. Dann hätte ich auch weniger zu meckern …

            Erst neulich schoss ein S an der (Gott sei gedankt, rechtzeitig umspringenden) Ampel rechts auf der Abbiegespur an allen anderen und mir geradeaus (!) vorbei. Der Pilot schien die Ampelphase gut zu kennen …

            Kann man ja so machen, aber dann will ich mir nicht auch noch anhören müssen, die Verkehrsregeln seien im Namen der Umwelt gebrochen und das Leben anderer ausschließlich zum höheren Wohle der Allgemeinheit gefährdet worden. Dies sei aber ja CO2-neutral (vermeintlich) und frei von Stickoxyden (tatsächlich) geschehen und habe ausschließlich dem höheren und lebensrettendem Zweck gedient, die ganz grundsätzliche Überlegenheit des Systems zu demonstrieren und somit einen Beitrag zur Rettung dieser Erde zu leisten …

            Über Fahrspaß kann man ja jederzeit mit mir reden, aber wer mich mit mehr als zwei Tonnen veräppelt (und gefährdet) und zudem noch albernen Blödsinn redet, der schafft sich dann doch eher einen Feind …

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      • Danke für den Kommentar. Das spricht mir aus der Seele. Ich habe mir einen Lexus neben meinem SAAB als Zweitwagen zugelegt, genau aus diesem Grund gekauft.

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  • Das wuerde richtig Grossartig sein; Evergrande hat genugend Stabilitaet um THT wieder zum leben zu bringen. Hoffe wir werden wieder Modellen sehen die nicht wie „Paste/Copy“ von betstehenden Autos aussehen. Saab war damals bekannt um sein eigene Modellen, gut durchdacht und sehr Sicher. Werden wir anfangen zu trauemen das es wieder soetwas geben wird? Ich druecke mich den Daumen.

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  • Danke Tom. Schon allein für das großartige Foto aus saabigen Tagen.

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  • Die meisten Autohersteller haben bereits eine Vielzahl von Elektroautos am Start, warum sollte man einen NEVS kaufen?

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  • Danke, Tom für den eye-catcher! 🙂 Immer noch ein Modell, welches mein Herz schneller schlagen lässt …
    Ein Traum aus „alter Zeit“.
    Was die neue Zeit an Mobilität hervorbringt, ist allerdings ziemlich offen…
    Aber wir werden ja auf dem Blog supergut informiert! 🙂

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  • Schließe mich Aero 9-3 voll und ganz an.
    Auch wenn ich persönlich lieber wieder neue Verbrenner aus Trollhättan hätte.
    Am liebsten in Fließheckform und mit Muschel-Motorhaube

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  • Die Nachrichtenlage wird scheinbar immer besser und ich begrüße das. Wird 2020 also für Trollhättan ein gutes Jahr? Es wäre dann ja 10 Jahre her seit Victor Muller SAAB vor der Schließung durch GM bewahrt hat und wieder Autos baute.

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  • Ich finde eine gesunde Koexistenz beider Antriebssysteme für am sinnvollsten. Für Kurzstrecken oder als typischer Zweitwagen den E Antrieb (wenn die Batterien besser werden) und der Rest mit Verbrenner. Ob Letzterer zwingend fossile Brennstoffe vernichten muss ist sicher auch in Frage zu stellen. Synthetische Brennstoffe scheinen keinen wirklich zu interessieren, was ich sehr schade finde.

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    • Noch nicht. Ich vermute das wird sich in den kommenden Jahren ändern.

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