Autoindustrie. Der Umbruch beschleunigt sich.

Eine neue Definition von Mobilität und alternative Antriebsformen. Digitalisierung und Revolution in der Fertigung. Alles angekündigt und keineswegs weit entfernt. Im Gegenteil, wir sind schon mittendrin,  und der Umbruch beschleunigt sich immer mehr. Ein Beispiel, wie grundlegend die Umwälzungen sein werden, lieferte uns der vergangene Freitag.

VW ID.3
VW ID3 Foto: Friso Gentsch/Volkswagen

Eigentlich ein ganz normaler, unspektakulärer Tag. Keine großen Schlagzeilen,  sieht man einmal von den Tweets des 45. Präsidenten der USA ab. In dem Getöse, das den ganzen Welthandel schädigen kann, gingen andere Ereignisse unter. Dabei lohnt es sich,  näher hinzuhören. Denn jedes Einzelne hat Potenzial für ein Drama.

Beginnen wir mit Wolfsburg. Volkswagen setzt voll auf das Elektroauto. Auf das Batterie-Elektrische. Was mittelfristig zu einem Problem werden könnte, denn die Mitbewerber in China diversifizieren und fördern auch andere Konzepte. Neben Batterie-Elektrischen Antrieben gilt die Brennstoffzelle als akzeptiert, was man aber am Mittellandkanal ignoriert.  VW startete in der vergangenen Woche den Verkauf des ID 3. Die Vorproduktion von 200 Fahrzeugen in Zwickau läuft bereits,  und nach der Sommerpause geht es richtig los. 10.000 Fahrzeuge wurden innerhalb von 24 Stunden reserviert, und die IT Infrastruktur von Volkswagen kam an ihre Grenzen. Interessant, denn die Niedersachsen wenden sich erstmals direkt an ihre Kunden. Und der Händler bleibt bei den Reservierungen erstmals außen vor.

Spannender als der Erfolg des ID 3 ist eine Spekulation vom Freitag, die VW betrifft. Man könnte sich von der Traditionsmarke Bentley trennen, einem Relikt der Piech Ära. Und stattdessen in eine neue Marke, für ein junges, urbanes Publikum investieren. Bentley draußen? Möglich wäre es. Britische Nobelmarken scheinen sich in schwerer See zu bewegen. Da wäre der ungeklärte Brexit und die Tatsache, dass man keine wirklichen Antworten auf die aktuellen Themen der Zeit zu haben scheint.

Jaguar-Land Rover an den PSA Konzern?

Denn, ebenfalls am Freitag, gab es eine weitere Spekulation. Jaguar-Land Rover ist vom einstigen Zenit des Erfolgs weit entfernt. Der Diesel-Skandal spielt dem Unternehmen mit seinen schweren Geländewagen übel mit,  und in China sind die Absatzzahlen, auf Grund mangelnder Qualität, unter ferner liefen. Eigentümer Tata kämpft in Indien um das eigene Überleben,  und so steht die Marke einmal mehr auf einer möglichen Verkaufsliste. Der PSA Konzern, der erst Opel integrierte, könnte auch JLR übernehmen,  meldete die Fachpresse am Freitag. Möglicherweise für einen mehr oder minder symbolischen Betrag, denn die Unwägbarkeiten der Marken sind hoch.

Pre-Order Phase. 10.000 Aufträge in 24 Stunden
Pre-Order Phase. 10.000 Aufträge in 24 Stunden. Foto: Volkswagen

Bentley, Jaguar, Land Rover. Nicht genug für einen einzelnen Tag. Denn, als Schweden-affiner Blog, geht der Blick stets nach Norden. Und dort braut sich ein Unwetter zusammen. Nicht gänzlich unerwartet, denn wer die dunklen Wolken sehen wollte, der konnte sie bereits entdecken. Volvo, das Vorzeige-Investment der Chinesen, kommt an seine Grenzen. Die Absatzzahlen sind hervorragend, aber der Gewinn bricht im abgelaufenen Geschäftsjahr um 19% ein. Vor einigen Wochen verkündete Volvo deshalb zum 1. Mai sowohl einen Einstellungsstop, als auch eine pauschale Kürzung der Entgelte der Beraterverträge um 5%.

Volvo zieht die Handbremse

Volvo, der Job- und Wohlstandsmotor für Göteborg schwächelt. Erstmals seit Jahren. Was auch mit den Problemen der Volvo Mutter Geely zu tun haben wird, die es momentan in China gibt. Im Prinzip ist der Geely Konzern die einzigste internationale Erfolgsgeschichte, die China in der automobilen Welt vorweisen kann. Bis jetzt, denn auch für die vom Erfolg verwöhnte Gruppe scheint die Sonne nicht mehr täglich. Nach rasanten Zuwächsen über Jahre sinken die Absatzzahlen gewaltig. Im April alleine um fast 20% und damit stärker als der Gesamtmarkt.

Die Geely Gruppe muss sparen,  und da scheinen die pauschalen Kürzungen der Beraterhonorare in Göteborg nicht genug zu sein. Am Freitag ließ Volvo den Sturm frei und verkündete die Entlassung von einigen 100 externen Beratern. Genaue Zahlen nennt das Unternehmen nicht, die Vermutungen in der schwedischen Presse sind Spekulation.

Die Party ist vorbei

Schaut man nur etwas genauer hin, dann entdeckt man fast an jedem Tag Meldungen wie die vom letzten Freitag in der internationalen Presse. Die Party der Autoindustrie ist vorbei. International, und die neuen Zeiten kommen nicht erst irgendwann. Sie sind schon da,  und die Branche befindet sich in einem gewaltigen Umbruch.

Pre-Production VW ID.3 in Zwickau
Pre-Production VW ID.3 in Zwickau. Foto: Volkswagen

Sie steht von allen Seiten unter Feuer. Umweltpolitisch hat sie einen schweren Stand, innovative Startups stellen den Status der Etablierten infrage. China drängt mit Macht und viel Geld in das Geschäft mit der Mobilität, und die Fahrzeuge vom nächsten Tag sind nichts anderes als vernetzte Endgeräte – die zufällig halt 4 Räder haben.

Überleben wird, wer schlanke Strukturen hat, die besten Software-Ingenieure, und fähig zur schnellen Anpassung ist. Die Branche wird ungemütlicher, aber auch spannender. Ob die fabelhaften Erträge der großen Autoproduzenten endgültig Vergangenheit sind,  ist offen. Aber wahrscheinlich.

Vorproduktion in Trollhättan

Von Göteborg und Volvo aus weiter nach Norden. Nach Trollhättan. Die Stadt hat, wie keine zweite, den Wandel der Autoindustrie vorweggenommen. Die Insolvenz von GM hinterliess bis heute sichtbare Spuren und mündete in das Ende von Saab. Was folgte, das war mit staatlicher Hilfe die Gründung von kleineren, innovativen Firmen. Trollhättan blieb, allen schlechten Vorhersagen zum Trotz, im Geschäft.

Vielleicht, weil die Industriestadt ein Talent darin hat, sich selbst neu zu erfinden. Dampfmaschinen, Turbinen, Diesellokomotiven und Flugzeuge. Alles war einmal da, groß und bedeutend. Und nichts hatte Bestand. Es bewegt sich Einiges in dieser Stadt,  und nicht nur in Zwickau bricht eine neue Zeit an.

So wie es scheint, kann der Dornröschenschlaf des ehemaligen Saab Werks in diesem Jahr zu Ende gehen. Nach fast 8 Jahren, rechnet man die kurzfristige Produktion zum Modelljahr 2014 nicht mit ein. Die Vorproduktion mindestens eines OEM Produkts wird 2019 das Werk beleben, ab 2020 sollen dann zwei Produktlinien von den Bändern laufen. Und wenn es gut läuft in diesem unberechenbaren Wandel, dann könnten es spätestens 2021 schon drei Marken sein, deren Fahrzeuge in der früheren Saab Fabrik produziert werden.

28 Gedanken zu „Autoindustrie. Der Umbruch beschleunigt sich.

  • 13. Mai 2019 um 10:29 AM
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    Mal wieder ein spannender Artikel am Montag, und das ohne Bezahlschranke frei Haus! Vor allem die Lage in Schweden ist extrem spannend und etwas, was man in Deutschland so gar nicht mitbekommt.

    Mal sehen was da wirklich dieses Jahr noch in Trollhausen passiert, der letzte Absatz kling ja wirklich interessant.

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  • 13. Mai 2019 um 12:14 PM
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    Toll geschrieben. Jeder Satz ein Treffer, ein Teil eines Krimis …

    In 100 Jahren werden Historiker das alles aufarbeiten und einordnen. Und das würde ich schon heute gerne lesen. Für den Moment aber ist der SAAB-Blog das Beste, was man kriegt. Danke für diesen guten Artikel, den ich erstmal verdauen und dessen Informationen ich erstmal einordnen muss.

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  • 13. Mai 2019 um 12:46 PM
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    Der Sturm in der Autoindustrie wandelt sich zum Zyklon…, irre spannend und bewegend die Zeiten.
    Jeder dieser “Tom´s Rückspiegel”-Artikel ist seinen Spenden-€ wert! Danke für diese aktuelle (!) Berichterstattung!
    Schneller geht fast nicht.
    Wer von den PKW-Dinos am Ende übrigbleibt/überlebt ist augenscheinlich z. Zt. völlig offen.
    Keine leichten Entscheidungen stehen an…und Erfolg und Misserfolg liegen offensichtlich eng beieinander.
    Wenn Neues entsteht, ist zuerst immer Unsicherheit. Nicht Jedem gefällt dies. Aber es wird kommen. Sich davor zu verschließen, macht die Sache nur komplizierter.
    Also: gern mehr Info aus diesem extrem spannenden Geschäftsfeld!
    Ich bleibe neugierig!!!

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  • 13. Mai 2019 um 1:37 PM
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    Die Aussicht auf schwierige Zeiten und aus dem Auto wird Mobilität die man buchen kann. Im Abo oder so, Volvo macht das ja vor. Setzt sich das durch? Mit ganz viel politischen Druck, den die Lobby hinten dran ausübt, vielleicht. Vielleicht aber auch nicht und der mündige Kunde zieht einfach nicht mit und fährt die alten Verbrenner weiter.

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  • 13. Mai 2019 um 2:35 PM
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    Ich habe letztens in einem Bericht gelesen, VW alleine würde im Jahr 130.000 Tonnen Kobalt benötigen um die angepeilte Menge E-Autos zu produzieren, 123.000 Tonnen werden aber nur (Weltweit) gefördert/abgebaut. Von den anderen sehr seltenen Rohstoffe zu schweigen. Wie soll da eine komplette Elektrifizierung der Massen funktionieren? Der Umbruch ist gewollt, aber von wem?

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    • 13. Mai 2019 um 5:14 PM
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      Hallo!
      Ja der Umbruch ist gewollt. Er ist ein Politikum. Eine weitere Abwrackprämie. Die Kunden sollen das Hamsterrad Wirtschaft am Laufen halten. Ich habe von einer glaubwürdigen Quelle in der Autobranche erfahren, das dies auch nur eine Übergangslösung sein soll. Die nächste “Abwrackprämie” soll schon in den Schubladen der Industrie liegen. Ich finde dieses Thema gar nicht interessant. Ich fahre zukünftig Young-und Oldtimer. Wo nichts drin ist kann auch nichts kaputt gehen. Und ich muss auch keine Updates machen und bezahlen.
      Allen Saabfahrern eine schöne Zeit

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      • 13. Mai 2019 um 6:12 PM
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        Das habe ich für mich auch so beschlossen. Das Thema finde ich aber trotzdem interessant …

        Ich gehe ja auch nicht mehr in die Schule, bin weder Soldat, Bauer, Vorstandsmitglied eines Energiekonzerns, Altenpfleger, Ausländer noch Sozialhilfeempfänger oder was auch immer und kann mich trotzdem für alle möglichen gesellschaftlich relevanten Themen interessieren. Zumal für die Umwelt, die uns und unsere Kinder alle betrifft …

        Gucken Sie nur noch auf die eigenen Finanzen und suchen die Partei, deren Wahlversprechen monetär am besten zu den persönlichen Lebensumständen passen?

        Ich denke nicht. Ansonsten hätten Sie auch gar nicht kommentiert. Vielleicht finden auch Sie das Thema ja doch noch immer interessanter, als Ihre Aussage vermuten lässt?

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        • 13. Mai 2019 um 7:13 PM
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          Hallo!
          Nein das tue ich nicht. Und diese Aussagen mit der Zukunft unserer Kinder kann ich nicht mehr hören. Diese Argumente höre ich seit 45 Jahren. Alles nur Lippenbekentnisse. Was hat das mit Finanzen zu tun? Garnichts. Nur mit Verstand. Wenn die Politik hier richtig liegt, hat sie uns in der Vergangenheit nur Betrogen. Wir sollten alle Diesel PKW kaufen, und Euro 4 war umwelttechnisch super. Einige Jahre später soll dies Teufelszeug sein? Wir alle sind gut beraten unsere Saabs so lange wie möglich zu fahren. Das ist Schonen von Recourcen und nicht das Verbrauchen von höchst belastenden Batterien.

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          • 13. Mai 2019 um 8:47 PM
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            Wir reden aneinander vorbei …

            Ich habe, wie gesagt, die gleichen Schlüsse und Konsequenzen gezogen.
            Trotzdem interessiert mich “dieses Thema” – vorausgesetzt, Sie meinten damit den Artikel.

            Und auch Sie scheint es nach wie vor zu bewegen. Ansonsten würden Sie ja nicht erstens kommentieren und sich zweitens zu einer echauffierten AW auf eine AW hinreißen lassen, ohne diese überhaupt richtig verstanden und eingeordnet zu haben. Nochmals und wie gesagt, ich habe die gleichen Schlüsse und Konsequenzen gezogen und sehe da keinerlei Konfliktpotential zwischen Ihnen und mir …

            Wenn Sie trotzdem eins ausmachen, dann muss es wohl eher daran liegen, dass “dieses Thema” für Sie nicht nur nicht (!) “gar nicht interessant ist”, sondern Sie ganz im Gegenteil so sehr bewegt und erregt, dass Sie nichtmal mehr Brüder im Geiste erkennen können …

            Belegt das nun glaubwürdig und endgültig Ihr Desinteresse?

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  • 13. Mai 2019 um 3:20 PM
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    Die Party der Autoindustrie ist vorbei. Zukunft ist unsicher. Sicher aber ist das wir unseren Saabs noch immer weiter fahren koennen und werden. Diese Wagen sind so gut produciert das die meisten noch Jahren weiter gefahren werden. Wer Weiss das in 2030 es als Old-Timer nur noch Porsche, Mercedes und Saab gibt :).

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  • 13. Mai 2019 um 8:25 PM
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    Äußerst interessante Einblicke, hätte vieles so nicht erwartet bzw gedacht

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  • 14. Mai 2019 um 8:06 AM
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    Am meisten hat mich wohl der Absatz über Volvo überrascht. Solche Maßnahmen hätte ich in Göteborg nicht erwartet. Allgemein bin ich gespannt wie einige Änderungen (Tempolimit 180, keine reinen Verbrenner etc) von den Kunden (gerade in Deutschland) angenommen werden. Solche Entscheidungen können auch schnell mal nach hinten los gehen.

    Und wer macht das Rennen um die Brennstoffzelle ? Der Markt um die Batterie-Elektrisch betriebenen Fahrzeuge ist so gut wie verteilt, für neue Unternehmen (auch NEVS) wird es immer schwerer den Markt zu durch dringen. Firmen wie BYD, Tesla, Nissan, Kia und nun auch VW werden eher ihre Anteile eher steigern.

    Ich meine, wer hätte das gedacht dass VW 4 Jahre nach dem Dieselskandal in nicht mal 24 Std. 10.000 Vorbestellungen für ein E-Auto generieren kann ?!.

    Das nächste große Ding in der Automobilbranche ist schon lange nicht mehr das Batterie-Autos. Es wird die Technologie sein, die daran Anschließen wird ! Gerne hätte ich gewusst welchen Weg SAAB gegangen wäre. Diese Zeit ist die Innovativste in der Automobilgeschichte seit langem. Und innovativ und anders lag den Schweden ja schon immer.

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    • 14. Mai 2019 um 2:00 PM
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      180 ? ? ?

      Interessant. Traf neulich einen Bekannten mit neuem XC90. Sein Kommentar: “Der letzte Volvo Diesel …”
      Der Mann ist Vielfahrer und das war dann wohl auch sein letzter Volvo.

      Wenn die 180 ohne Ausnahme (etwa Polestar) wahr würden, gäbe es auf dem Land wohl auch keine Volvos mehr bei der schwedischen Polizei. Die jungen Wikinger würden mit ihren alten aufgemotzten Kisten und neuen Motorrädern lange Nasen machen …

      Und wenn ich mir angucke, wie so mancher Volvo-Fahrer in D auf der BAB unterwegs ist, dann sind 180 auf diesem Absatzmarkt reiner Selbstmord. Aber selbst in Ländern mit Tempolimit schielen viele Käufer ins Datenblatt und legen Wert auf hohe Endgeschwindigkeiten. Warum auch immer, aber es ist nunmal so.

      Vielleicht traut Volvo ja der eigenen Strategie nicht über den Weg? Vielleicht fühlt man sich auch schlecht beraten? “Die Entlassung von einigen 100 externen Beratern” und “die pauschalen Kürzungen der Beraterhonorare” sind vielleicht auch erste Anzeichen für einen Strategiewechsel, der dann ja eigentlich nur eine Rolle “rückwärts” sein könnte?

      Würde mich nicht wundern, wenn Volvo bald verkündet, dass die Zeit für Carsharing, autonomes Fahren und etliche Parolen der jüngsten Zeit noch nicht gekommen sei, dass man die Zukunft fest im Blick habe, dass man ein fortschrittliches und vorausdenkendes Unternehmen an der technologischen Speerspitze des Automobilbaus sei, dass man die Zukunft des Automobils und Visionen weiterhin intensiv erforschen und vorantreiben werde …

      Dass man aber auch gerade deshalb wie kaum ein zweites Unternehmen in der Lage sei, moderne, umweltfreundliche und fahraktive Verbrenner zu entwickeln und zu liefern. Skandinavisches, einzigartiges Design und Sicherheitsdenken inklusive.

      Wir werden sehen, aber es ist durchaus möglich, dass der eine oder andere Hersteller (insbesondere bei sinkenden Absatzzahlen) zu dem Schluss kommt, er habe mit seinen Ankündigungen zur Zukunft des Automobils und seiner Marke mehr Marktpotential verspielt als hinzugewonnen. Wer weiß heute, wer da was schon morgen wieder revidiert oder zumindest relativiert?

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  • 14. Mai 2019 um 10:25 AM
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    Wie schön, dass wir unser Tun und Handeln “noch” selber bestimmen können.
    Doch welche Möglichkeiten werden wir zukünftig noch haben, einen Old- oder Youngtimer
    uneingeschränkt im Strassenverkehr nutzen zu dürfen?
    Ich stehe der Elektromobilität sehr kritisch gegenüber – Umweltschutz geht doch irgendwie anders…
    Wird uns unsere Leidenschaft, alte Autos zu fahren und als Kulturgut zu erhalten kaputt gemacht?
    Also jetzt noch einen Saab kaufen, warum nicht auch als Diesel?!

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  • 14. Mai 2019 um 10:17 PM
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    Das mit Tempo 180 von Volvo ist doch nur ein Gag und Augenwischerei. E-Autos fahren besser mal nicht schneller, sonst ist der Akku so schnell leer. (Schon mal von einem Tesla S je überholt worden? Immer wenn ich einen sehe, sind die mit max. 120 unterwegs.) Also werden die Flotten sowieso auf ein niedrigeres Tempo hin designt, alles andere macht keinen Sinn. Und nur wegen dem deutschen Markt schnell sein zu müssen, ist ja auch für die meisten Marken eher sinnlos. Das hört irgendwann ohnehin auf….

    E-Autos sind zu teuer, die Akkus müssten getauscht statt geladen werden, wenn das Sinn machen soll, wer in der Innenstadt lebt, kann so gut wie nirgendwo sein Auto laden, außer ein eigener Parkplatz ist vorhanden. Und die meisten suchen Abend für Abend einen anderen Parkplatz. Viele davon illegal, die kriegen nie einen Stromzugang. Für 50% der Autofahrer kommt ein E-Auto nicht in Frage und so schnell wird sich das nicht ändern.

    Das sind alles keine wettbewerbsfähigen Technologien – die sollte man aussitzen, als Verbraucher und Hersteller, und auch als Politiker. Viel Lärm um wenig – große Ankündigungen wie von VW sind eher kontraproduktiv. Oder die sparsamen Kleinwagen deswegen auszuphasen. Auch Unfug. Und die unfähige Politik treibt diesen Irrsinn voran, statt klug zu planen und Ruhe zu bewahren. Gilt auch für den Dieselirrsinn.

    Was aus Trollhättan wird, ist wichtig für die Region, aber für die Marke Saab wird das alles nichts bringen, außer Orion würde davon profitieren. Daher bin ich hier leidenschaftslos.

    Bis die Infrastruktur für das autonome Fahren kommt, sind meine beiden Diesel noch 20 Jahre im Einsatz gewesen – oder auch 30. Wenn das je funktionieren soll, müssen neue Strassen und Autobahnen mit der Vernetzungstechnologie gebaut werden. Statt jeden Wagen zum Grossrechner machen zu wollen – auch das ein Irrweg.

    Also – nicht irre machen lassen, den Saab konservieren, die Saab Werkstätten supporten und so lange wie es irgend geht, weiterfahren 🙂

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    • 15. Mai 2019 um 7:33 AM
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      IRRE

      Volle Zustimmung und gutes Fazit, zumal ich auch im Akkuwechsel keine praktikable Lösung sehe. Die EVs von heute sind wohl unter Brückentechnologie ganz gut kategorisiert.

      Irgendwann sind sie ebenso obsolet und wertlos, wie die hässlichen und mit Giften gefüllten Energiesparlampen es durch die LED-Technik innerhalb weniger Jahre wurden. Der Vergleich hat was für sich. Der klassische Verbrenner ist wie eine Glühbirne. Und mancher trägt heute nagelneue Energiesparlampen in großer Zahl zum Recycling, ärgert sich, nicht auf etwas Besseres gewartet zu haben …

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    • 15. Mai 2019 um 9:25 AM
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      Tatsächlich erst einmal von einem dänischen Modell S. Ging einige Zeit im Konvoi bei einer Geschwindigkeit über 170 km/h über die Linke Spur. Irgendwann ging der Tesla rechts rüber. Ob aus Respekt vor dem 9k oder dem heiß gelaufenen Antriebssträngen, die Antwort wird für immer offen bleiben.

      Ewig durchhalten kann so ein Tesla eine solche Geschwindigkeit aber nicht, da ist auch ein 30 Jahre alter SAAB noch überlegen 😉

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  • 14. Mai 2019 um 11:16 PM
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    Für mich ist in diesem ganzen Buzzword-Gesumse der Autoindustrie immer noch nicht so klar wozu es gut sein soll dass man die Autos mit einer nervigen und sinnlosen Schicht Elektronikschrott zukleistert. Eine automatisierte Kollisionsbremse für sich allein ist eine wunderschöne Sache, auch der Spurhalte-Assistent macht Sinn auf dem Heimweg vom Wirtshaus, aber dass man den Fahrer zum idiotischen Nichtsnutz umerziehen will, der debil-infantil nur leuchtende Touchscreens bedient und nichtmal ein Lenkrad bekommen soll, finde ich atemberaubend unverschämt. Da müssen die sich erst ein paar neue Generationen heranzüchten, welche so eine kläglich-asiatische Existenz zu akzeptieren bereit sind.

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  • 15. Mai 2019 um 9:17 AM
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    ERHRLICH WAHR?

    Zitat: “Der ID.3 wird den Kunden CO2-neutral übergeben.”
    (Volkswagen)

    Das ist nach meinem Kenntnisstand unmöglich. Wenn überhaupt, dann stammt der Strom für die Montage und die Fertigungshallen ausschließlich aus Wind- und Solarenergie. Aber selbst die hat eine CO2-Bilanz, wenn auch eine günstige.

    Da brauche ich hier vom Abbau und Transport von Rohstoffen und anderen Gliedern in der Kette zum fertigen ID.3 erst gar nicht anfangen.

    Wenn VW die CO2-Neutralität der Produktion lückenlos belegen wollte, hätten sie garantiert ein riesiges Problem. Aber die Wolfsburger lehnen sich mit großspurigen Versprechen ja gerne mal zu weit aus dem Fenster. Viel zu weit. Und das ist ehrlich wahr und nicht gelogen …

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  • 15. Mai 2019 um 10:41 AM
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    CO2 neutrale Produktion wird eines der Zukunftsthemen sein. NEVS wird bei der Produktion des SION nur auf regenerative Energien setzen. Diesen Teil der Zukunft finde ich positiv und spannend.

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    • 15. Mai 2019 um 11:35 AM
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      Gegen CO2-Einsparungen will ich auch gar nichts gesagt haben – sei es nun in der Produktion oder dem Betrieb.

      Ganz im Gegenteil bin ich dafür. Genau deshalb gehören ja vollmundige Werbeversprechen auf den Prüfstand. Wenn sie den Faktencheck überstehen ist alles gut. Wenn nicht, dann sind sie Fake News …

      Der ID.3 kann schon allein deshalb nicht CO2-neutral produziert werden, weil die Rohstoffe für ihn nicht CO2-neutral gewonnen oder Transportiert werden können. Von einem CO2-neutralen Bagger, LKW oder Frachtschiff habe ich noch nie gehört …

      Und wie gesagt, gibt es selbst zur Wind- (besser) und Solarenergie (schlechter) CO2-Bilanzen. Die gibt es nicht ohne Grund. Von einer CO2-Neutralität sind wir noch sehr, sehr weit weg.

      Sie dürfen das gerne alles spannend finden (das tue ich auch) und meinetwegen auch gerne positiv sehen, aber bitte seien Sie dabei realistisch und bleiben Sie kritisch. Nicht jedes (politische oder Werbe-) Versprechen hält am Ende. Wenn wir wirklich CO2 und Ressourcen einsparen wollen, zählen letztlich nur ehrliche (!) und vollständige Gesamtbilanzen.

      Von denen sind wir leider ebenfalls noch immer sehr, sehr weit weg. Die zum ID-3 ist mit Sicherheit weder vollständig, noch ehrlich …

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      • 15. Mai 2019 um 11:46 AM
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        Mal ernstlich: Glauben Sie wirklich Volkswagen setzt solche Dine in die Welt, ohne sie belegen zu können. Vor allem da der Dieselskandal noch sehr präsent ist?

        Natürlich muss man diese Dinge mit Misstrauen beobachten. Da wird gerechnet, von einem unabhängigen Dritten, und oft ist das Ergbnis nicht zu 100% nachvollziehbar. Aber der Weg ist der richtige, und wenn Volkswagen die Fabrik in Zwickau CO2 neutral betreiben will, und kann, dann ist das gut.

        Zur Anmerkung: Ich bin kein Fan von Volkswagen und fahre auch keinen.

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        • 15. Mai 2019 um 12:33 PM
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          Mal ernstlich: Schon allein wenn Sie den Begriff des “Glaubens” in die Debatte einführen, haben Sie einen Großteil des Problems unfreiwillig auf den Punkt gebracht …

          Ich will es wissen und nicht glauben. Genau darum geht es. Und nach meinem Kenntnisstand ist eine CO2-neutrale Übergabe eines ID-3 an den Kunden nicht möglich. Behauptet wird sie gleichwohl. Sie können das gerne so glauben. Ich werde das aus vorgenannten Gründen nicht tun.

          Eine ehrliche und vollständige Gesamtbilanz zum ID-3 hätte womöglich positiv ausfallen und unter dem Strich eine erhebliche CO2-Einsparungen zum Ergebnis haben können. Wer weiß? Ich hätte dazu applaudiert …

          Diese Bilanz liegt aber leider nicht vor und Volkswagen, die PR-Abteilung und beauftragte Agenturen tischen lieber die Mär einer absoluten (!) Neutralität auf. Warum und wozu? Und wer soll das glauben? Und dann auch noch gut finden, obwohl es vollkommener Blödsinn ist …

          Ja selbstverständlich gibt es auch einen ID-3 nicht zum ökologischen Nulltarif. Wenn Sie das besser wissen – sorry, wenn Ihr Glauben ein anderer ist – dann lässt man VW solche Werbesprüche natürlich gerne unwidersprochen durchgehen. Kann man ja so machen. Alles eine Frage des Glaubens und der Gutgläubigkeit …

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      • 15. Mai 2019 um 1:33 PM
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        VW wird halt kalkuliert haben, wie viel Kohlendioxid durch Material- und Energieeinsatz für die Produktion eines ID.3 entsteht und dann für die Menge des durch die Produktion entstandenen Kohlendioxids Zertifikate bei einer Kompensationsagentur kaufen. So weit, so gut.

        Jetzt kann man sich fragen, was ist in deren Kalkulation alles eingeflossen. Haben sie alle Ihre Fixkosten auch auf den ID.3 heruntergebrochen, oder haben Sie das gelassen, weil Sie die ja auch ohne den ID.3 hätten? Von der Sorte gibt es bestimmt mehr Tricks, als mir gerade einfallen.

        Zu den Zertifikaten der Kompensationsagenturen ergeben sich dann die nächsten Fragen. In einer TV Dokumentation, die ich kürzlich gesehen habe, ist man der Frage der Verlässlichkeit dieser Zertifikate mal nachgegangen. Dabei wunderte man sich darüber, dass die Kompensation der gleichen Menge Kohlendioxid bei verschiedenen Agenturen deutlich abweichende Kosten verursachte. Das könnte natürlich an den jeweils unterstützten Projekten zur Kohlendioxidreduktion liegen. Als man sich einige der angeführten Projekte vor Ort angesehen hat, kam man zu dem Schluss, dass sie schwerlich die versprochenen Kohlendioxidreduktion bringen können.

        VW will jedenfalls ökologisch gut aussehen und deshalb kann ich mir auch nicht vorstellen, dass Sie wissentlich falsche Darstellungen machen. Andererseits ist das immer noch ein Unternehmen, dass den Zweck verfolgt, einen möglichst großen Gewinn zu erwirtschaften. Von daher ist es schon denkbar, dass Sie die erzeugte Kohlendioxidmenge im Rahmen von Toleranzen und Grauzonen möglichst gering kalkulieren und die günstigsten Kompensationszertifikate kaufen.

        Ob man das jetzt als Umweltschutz, Schönfärberei, besser als Nichts oder Fake News einschätzt, bleibt erst Mal jedem selbst überlassen. Bis zum Beweis des Gegenteils …

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        • 15. Mai 2019 um 3:20 PM
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          ZERTIFIZIERT

          Genau das schoss mir auch sofort durch den Kopf als ich las, der ID-3 sei CO2-neutral produziert.
          Technisch nicht möglich, aber vielleicht trotzdem als neutral ausgehandelt und zertifiziert. Da drängen sich natürlich Fragen auf.

          Wenn ein Unternehmen CO2 emittiert, welches ein anderes eingespart hat, wieviel CO2 hat die Menschheit dann ingesamt weniger erzeugt?

          Wenn Verursacher von CO2-Emissionen sich das sachlich falsche Versprechen der eigenen CO2-Neutralität mal eben auf dem Weltmarkt kaufen und zertifizieren können, welchen Einfluss hat das dann auf die politische und öffentliche Debatte?

          Welchen Einfluss hat es auf Konsumverhalten und technische Entwicklungen und Lösungen?

          Wenn der Emissionshandel und der mit Zertifikaten so oder so ähnlich funktioniert, wie von Ihnen angedeutet, ja, dann wäre das ganz eindeutig “Schönfärberei” und nicht etwa “Umweltschutz”. Er wäre Teil des Problems statt der Lösung.

          Antwort
  • 15. Mai 2019 um 10:50 AM
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    DIE ANGST FÄHRT IMMER MIT

    Wahrscheinlich wegen der Verbrauchs- und Reichweitenanzeige …
    Da werden ein paar Minuten zügiger Fahrt sofort mit ewigen Ladezeiten bestraft – vorausgesetzt, man kommt überhaupt noch zur nächsten Säule. Ein gelber Engel könnte da auch nichts mehr machen, kein Diesel oder Benzin in die Akkus kippen, keine Starthilfe geben …

    Eine Talladega Challenge mit einem Tesla wäre witzig. Wenn die Akkus überhaupt 100.000 Km durchhielten, dürfte die Durchschnittsgeschwindigkeit aufgrund der Ladezeiten am Ende knapp 200 Km/h unter den schnellsten SAABs liegen. Der Long Run würde ein echtes Langzeitprojekt werden, rund 5.000 Stunden und somit gut 208 Tage dauern …

    Der 9K ist noch immer ein phantastisch gutes Auto. Oder schon wieder? Er ist jedenfalls einer der letzten, die frei von Brückentechnologien und von erforderlichen Software-Updates für Navis, Konnektivität und Handys, die frei von jährlich obsoletem Schnickschnack und mit preiswerten Leuchtmitteln bestückt sind, die ohne das Zusatzgewicht und zusätzliche Kosten für ein Vorschaltgerät (Xenon) auskommen.

    Da überholt man gerne und fröhlich winkend einen Tesla. Autonomes Fahren in Reinkultur.
    Und das auch noch nachhaltig. Perfekt …

    Jan_HH, you made my day. Jetzt fehlt mir nur noch ein 9K Aero …

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    Antwort
    • 16. Mai 2019 um 3:21 PM
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      …und warum ein Aero? Damit hat SAAB weder Talladega bestritten, noch passt der zu dem, was Sie sonst gern loben. Nicht, dass die Leser*innen denken, nach Hürsch wäre nur ein Aero erhaltungs- und besitzwürdig.

      Antwort
      • 16. Mai 2019 um 10:26 PM
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        Ich kann nicht folgen …

        Was lobe ich denn sonst gerne?
        Und wie kommen Sie auf die abstruse Idee, es könnte für “Leser*innen” bedenkenswert sein,
        was “nach Hürsch” “erhaltungs- und besitzwürdig” sei …

        “Nach Hürsch” ist jedes produzierte, fahrfähige oder reparierbare Auto zu schade zum wegschmeißen.
        “Nach Hürsch” soll jeder fahren, hegen und pflegen was er will …

        Ihr Kommentar hat eine sehr merkwürdige und sehr bittere Note, für die ich mich nicht ansatzweise ursächlich fühle.
        Ich fürchte, da müssen Sie im Spiegel nach Ursachen suchen.

        P.S.
        Aber die Frage nach dem 9K Aero kann ich Ihnen gerne beantworten.
        Ich mag ihn einfach und hätte gerne einen. Ist das so schlimm?

        Antwort

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