Meine Saabgeschichten. Wie alles begann…..

Ich wuchs in der automobilen Wüste des polnischen Kommunismus auf. Während meine Eltern die Jahre zählten, bis sie den Polski Fiat 126 zugeteilt bekamen – und das Warten dauerte siebzehn – beneidete ich im Stillen unseren Nachbar, der einen Lada fuhr.

Zeitlos schöner Saab!
Zeitlos schöner Saab!

Der ein paar Häuser weiter wohnende Arzt hatte einen in Lizenz gebauten Fiat 131 Mirafiori. Den westlichen Maßstäben nach, war er mit einem Rolls Royce vergleichbar…..

Jahre später – ich war mittlerweile um die 20 und wohnte im schönen Düsseldorf – durfte ich des Öfteren es geniessen als Beifahrer eines Saab 900 I Turbo unterwegs zu sein. Hatte zwar immer noch keine wirkliche Ahnung von Saab, aber das magische Licht der Armaturen, das Zischen des Turbo und das feine Leder brannten sich in meinem Unterbewusstsein fest.

Eine weitere „Saabimpfung“ bekam ich, als Freunde ein 900 Coupe Aero nicht nur kauften, sondern mich auch benutzen ließen. Er war weiss – damals eine ausgeflippte Sonderfarbe –  wild und wunderschön. Ich trug monatelang Schwarz als er verkauft wurde. Freude sind wir trotzdem bis heute.

Trotz der Prägung passierte seltsamerweise in meiner eigenen Garage lange nichts saabiges.

Bis ich Jahre später einen Volvo V70 fahrend beschloss: es ist so weit!!!

Ich war über 40, pendelte zwischen Spanien und Deutschland und hatte einen wichtigen Grund mich selber zu beschenken. Die Rechnung war recht einfach: Geschenk + Spanien + Cabrio = SAAB. Von der Saabszene, den Besonderheiten der einzelnen Modelle und Motoren, Entwicklungsdrama 900 II, den Unterschiede 900 II und 9-3 nichts ahnend, gönnte ich mir etwas, was viele Saabisten als den Supergau bezeichnen: 900 II V6 Cabrio Baujahr 1994.

Ja liebe Freunde. Ich habe es getan. Für mich war Saab halt Saab. Und dieser war rubinrot mit hellem Leder, Automatik, volles Scheckheft, ein Ordner Rechnungen, Garagenwagen und nur von Hand gewaschen. Ein Traum!!!!

Nun galt es ihn nach Spanien zu fahren und dort anzumelden. Dabei wurden wir fast zwei Mal voneinander getrennt. Trotz Oktober wurde ich – sommerlich bereift versteht sich – von den ersten Schneestürmen und Dauerregen auf der Fahrt begleitet. Und die spanischen Behörden gaben mir zwischenzeitlich den Tipp, das Cabrio offen im Garten stehen zu lassen, und eine Palme in der Mitte zu pflanzen. Das spanische Datenblatt für den V6 war nicht aufzutreiben, da der V6 in Spanien nicht verkauft wurde. Erst mit Hilfe der Saabzentrale in Madrid habe ich es geschafft.

Mittlerweile dauert unsere Freundschaft über 10 Jahre. Mit über 100.000 km puren Genuss, der hin und wieder durch einen geplatzten Schlauch, Elektronikspinnereien oder einen gebrochenen Plastikgriff gestört wird.

Und ich habe sehr viel dazu gelernt. Dass z.B. Werkstätten, auf deren Fassaden mehrere Markennamen stehen, in der Regel gemieden werden sollten. Dass es aber auch ein grossartiges, von ehemaligen Saabmitarbeitern betriebenes Werkstattnetz gibt.

Oder, dass fast jedes Ersatzteil irgendwo aufzutreiben ist. Dass der 900 II viel saabiger ist, als diejenigen, die ihn nie gefahren sind meinen. Dass auch das sonore Blubbern des V6 ein Ohrenschmaus ist. Dass man in Spanien nicht wirklich ein Cabrio braucht – die Sonne ist einfach 10 Monate im Jahr zu stark. Aber dafür gibt es den Winter und die erstaunten Blicke meiner Mitbürger. Und dass mit dem spanischen Sommerhagel nicht zu scherzen ist.

Gustav wird in den nächsten Wochen die 300.000 KM knacken. Ich habe viel für ihn getan:

  • ein Motor und Getriebe mit 80.000 Kilometern – dem Auffahrschaden auf ein Coupe sei Dank
  • neues Verdeck – natürliche Alterserscheinung
  • neuer Lack – der oben genannte Sommerhagel
  • neu bezogene Vordersitze – Ja. Das Leder im 900 I war besser
  • und selbstverständlich die regelmässige Wartung

Nun steht er da wie ein Jahreswagen. Und unsere Freundschaft wird sicherlich noch viele Jahre dauern. Mit der Zeit finde ich ihn in seiner klaren Formensprache immer schöner. Und bin auch bei dem 900 II von der Langzeitqualität begeistert.

Es hätte auch durchaus mein einziger Saab bleiben können, hätte ich nicht eines Tages eine Anzeige im spanischen Autoscout gelesen: Saab 9000 CS 2-3 Turbo Automatik, 11/91 ( schon wieder das erste Baujahr ), dunkelgrün, braunes Leder und, und, und…..

Ich habe es getan. Aber das ist eine andere Geschichte.


Danke an den “Lizzi” für die Saab Geschichte am Sonntag – die ausnahmsweise am Ostermontag erscheint! Wie fährt es sich im Alltag mit einem älteren Saab? Was erlebt man, wie reagieren Freunde, Kollegen und die Familie? Mit Nachsicht, Begeisterung oder Mitleid? Wie hält man den Saab am Leben, was erlebt man mit Ersatzteilen und Werkstätten, wie optimiert oder restauriert man den alten Schweden?

Ein weites Themenfeld für die “Saab Geschichten 2019!”. Herausfordernd, aber auch interessant. Wie sieht es bei den Fans aus, wie stark schlägt das Saab-Herz im Alltag? Schreibt es uns, es lohnt sich!

Wir bedanken uns für jeden veröffentlichten Artikel mit einer exklusiven Saab-Scania Bordmappe.

9 Gedanken zu „Meine Saabgeschichten. Wie alles begann…..

  • 22. April 2019 um 11:33 AM
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    Hallo Lizzi,
    schön geschrieben, recht vielen Dank!
    Weiterhin viel Freude an dem “blubbernden” Saab.
    Habe meinen gerade mit quick finisher gereinigt, ein, fast, sinnliches Vergnügen…
    Viele Grüße

    Antwort
  • 22. April 2019 um 11:52 AM
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    Schöner Bericht! 🙂
    (ein saabiges Cabrio hätt ich auch immer noch mal gerne …. aber leider ist dafür kein Platz in Geldbeutel und Hof … ein Schwede muss leider reichen) ;-(

    Antwort
  • 22. April 2019 um 11:55 AM
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    Danke Lizzi. Flotte nette Story. Ein Lesevergnügen zu Ostern.

    Hatte gar nicht damit gerechnet, dass dieses lange Wochenende etwas publiziert wird. Dank also auch an Tom.

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  • 22. April 2019 um 12:47 PM
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    Schoenes Bericht. Hat mir sehr gefallen. Noch viel spass mit diese feine Saab.

    Antwort
  • 23. April 2019 um 10:48 AM
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    Habe ich mit Freuden gelesen. “Meine Saabgeschichten?” Das klingt nach mehr…

    Freue mich auf die Fortsetzungen!

    Antwort
  • 23. April 2019 um 3:48 PM
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    Vielen Dank für die tolle Saab Story! Der 900er sieht mit dieser satten, roten Farbe ganz toll aus. Über die zeiltlos schöne Form vom 900 II und 93 I müssen wir nicht reden, die ist einfach hammerhaft. Weiterhin viel Spass mit dem schönen Cabrio.

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  • 23. April 2019 um 7:56 PM
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    schöne Geschichte, schön auch von der spanischen Saabsituation zu hören.

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  • 26. April 2019 um 5:39 PM
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    Sehr schön!! Es freut mich immer, solche Geschichten über den 902 zu lesen. Meine beiden 902 (Cabrio & Coupé) sind zwar “erst” 22 Jahre alt, aber an der Langzeitqualität gibt es gar nichts zu meckern 🙂

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  • 30. April 2019 um 11:26 PM
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    Sehr schöne & schön geschriebene Geschichte!

    Das 902 Cabrio in cayenne red, mit beigem Leder und den frühen Elch-Schaufeln ist in meinen Augen ein wirklicher Blickfang, sehr selten dazu.

    Der Absatz “Ich war über 40 […]” läßt mich auch beim 3. Lesen schmunzeln, und ja, manchmal (und sehr selten) ist es ein Glück, nicht informiert und mit allen Klischees beladen zu sein. Nie hätte ich einen 902 CV vor Bj. 96 gekauft, und den V6 schon gar nicht. Aber wie Sie uns vor Augen führen, auch hier gibt es tolle Exemplare, die wahrscheinlich jede Werkstatt-Kampagne mitgemacht haben und irgendwann die dem späten 902 eigene Langzeit-Qualität entwickelten.

    Mein ’96er 902 2.0i CC hat mittlerweile die 320 tkm geknackt, als Daily-Driver, und alles bis auf den Zündverteiler und Verschleißteile (Kupplung, Bremsen…) ist von 1996, eine Langzeit-Qualität, der mein 931 hinterherhechelt.

    Viel Spaß weiterhin mit dem wunderschönen spanischen “Winter-Cabrio”!
    und allzeit unfall- und pannenfreie Fahrt!

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