Der Saab 900 – Hommage an ein historisches Gefährt als Utopie

Warum immer noch einen Saab fahren? Ein Saab ist eben mehr als ein Auto. Er ist ein Liebesobjekt und ein Statement. Die Liebe zu schönen Dingen, die sich von Kunst bis in den Alltag erstrecken und das Leben auch in seinen kleinen Momenten vergolden.

Saab 900 Cabriolet und sein stolze Besitzerin
Saab 900 Cabriolet und seine stolze Besitzerin

Und er ist ein Statement für einen nachhaltigen Umgang mit den Ressourcen unseres Planeten: ich benutze im Alltag Fahrrad, Bus oder Tram und für lange Strecken den Zug, nötigenfalls auch mal das Flugzeug und fahre meine beiden Saab 900 nur bei besonderem Bedarf und zu besonderen Gelegenheiten. Z.B. zum Transport sperriger Dinge den weissen Saab mit seinem riesigen Laderaum von 1,80 m bei umgeklappten Rücksitzen, oder bei schönem sommerlichen Wetter zum reinen Vergnügen den roten 900 Cabrio. Beide haben ca. 250.000 km hinter sich gebracht, laufen immer noch wie eine eins und warten auf ihren offiziellen monumentalen Kultstatus in drei Jahren: Oldtimer.

Zunächst hatte ich nur einen Saab 900, eben diesen praktischen mit der grossen Heckklappe, schwarz, edel, gekauft 1992. Dann gab es vor einigen Jahren eine unglückliche Erfahrung mit einem SUV, dessen forscher Fahrer auf mein Auto auffuhr, als ich stoppen musste wegen eines Linksabbieger im Gegenverkehr. Totalschaden. Tränenden Herzens habe ich nach monatelang nach einem Ersatz gesucht, und fand ihn schliesslich, nur eben nicht in schwarz, sondern in weiss. Meine Lieben sagten: oh, du hast die neue Modefarbe gewählt! Nun, es sei so.

Doch das Suchen im Gebrauchsmarkt macht irgendwie süchtig und ich konnte es nicht unterlassen, weiter in den entsprechenden Internetseiten zu stöbern. Und da sprang mir ein roter Cabrio 900 ins Auge, ich liess mich zu einem Treffen verführen – und konnte der Eleganz und Schönheit dieses Gefährt einfach nicht widerstehen. So habe ich nun eben zwei Saab 900.

Sie erregen Bewunderung und Respekt – und ja, sie tragen irgendwie ein gesellschaftspolitisches Programm aus, das meine Bekannten und FreundInnen weit besser begreifen als eine verbale Nachhaltigkeitspredig. An den beiden Saabs wird gewissermassen die Schizophrenie der Mobilitätspolitik der vergangenen Jahrzehnte geradezu tastbar deutlich: mit Umwelt- und Energiespar-Argumenten werden wir Autofahrer immer erneut auf eine verkehrte Spur gelockt, die immer wieder in einer Sackgasse endet. Mit dem Argument des geringeren Benzinverbrauchs und einer Abwrackprämie wurden wir verführt, unsere Autos frühzeitig zu verschrotten und eine neues Auto zu kaufen – mit der Folge von erheblichem Mehrverbrauch von Ressourcen und Energie in der Gesamtsumme.

Mit den geringeren Dieselpreisen wurden wir verführt, vom Benziner auf Diesel umzusatteln, wiederum ein neues Auto zu kaufen. Mittlerweile sind all diese Autos mit viel Elektronik ausgestattet, was einen erheblich gesteigerten Verbrauch seltener Erden zur Folge hat. Und in den letzten Jahren wurde uns dann die höhere Verkehrssicherheit durch eine erhöhte Übersicht im SUV angepriesen, also wiederum ein neues Gefährt fällig – und nun steht der Umstieg auf ein e-Auto an… Lange Zeit musste ich die mitleidigen Blicke meiner lieben Bekannten über mich ergehen lassen, wenn ich mit meinem alten Saab vorfuhr. Ich war jemand, der nicht verstehen wollte, wie viel sinnvoller es ist, ein Auto mit einem nur 5 l Verbrauch zu fahren als den 9 Litern, die meine beiden Lieblinge schluckten.

Inzwischen beginnt sich die Einstellung meiner Umwelt aber langsam zu verändern. Ich bin nun in den Augen der andern eine Liebhaberin schöner Autos – während deren Autos herab gewürdigt sind zu Wegwerfgegenständen und ihre Besitzer degeneriert sind zu Verbrauchern, zu Konsumenten, die die Wirtschaft anzukurbeln haben – und die ganz offensichtlich den fantastischen Werbesprüchen der grossen Marken der Autoindustrie und ihrer wirtschaftspolitische Überhöhung auf den Leim gegangen sind. Die Reduktion des Kraftstoffverbrauchs erweist sich als weitgehend gefaked.

Das neue, angeblich so energiesparende Auto (in dessen Produktion aber so viel Ressourcen und Energie gesteckt worden war), entpuppt sich als Feinstoff-Dreckschleuder und fällt nun dem Dieselfahrverbot anheim. Und der neue Komfort eines hohen Sitzes und guten Überblicks im neuen SUV verlangt sogar noch nach einer grösseren Garage, viele Parkhäuser und öffentliche Parkplätze sind störend klein und die Strassen der alten Stadtzentren sind zu eng…

Beim nächsten Nachfrage- Impuls, dem e-Auto, erkennen schon manche den Pferdefuss: erneut mit dem Umwelt-Argument wird der Wechsel auf ein e-Auto stimuliert, dessen wiederum baldigen Abgang aufgrund der vielfältigen Über-Inanspruchnahme (Stromnetz, seltene Metalle) man schon am Horizont aufdämmern sieht.

Meine gehetzte Umwelt hat inzwischen etliche Male ihre Sparbüchse erleichtert und unsere Wirtschaft unterstützt – während ich immer noch umweltschonend und mit liebevollem Fahr- Vergnügen, eingebettet in eine sachkundige Fan-Gemeinde meine beiden Saab 900 fahre.
Sie haben ihren Stellenwert als emotional besetzte Objekte in meinem Leben, zu denen ich eine Beziehung habe wie zu einem Haustier. Wenn ich nun bei meinen Bekannten vorfahre, wird mein Saab mit einem gewissen respektvollen Interesse beäugt und ruft nachdenkliche Mienen hervor, ums so mehr, wenn ich dann beiläufig meine Sicht der Geschichte der Auto-Mobilität erwähne. Besonders nett: immer wieder einmal werde ich gefragt, mal mitfahren zu dürfen.

Ich bin gespannt, wann es soweit ist, dass ich für meine Verkehrsbewegungen und die Rolle, die meine beiden geliebten Saab immer noch spielen, eine Nachhaltigkeitsplakette erhalten…


Danke an Helga Fassbinder für diese Saab Geschichte! Wie fährt es sich im Alltag mit einem älteren Saab? Was erlebt man, wie reagieren Freunde, Kollegen und die Familie? Mit Nachsicht, Begeisterung oder Mitleid? Wie hält man den Saab am Leben, was erlebt man mit Ersatzteilen und Werkstätten, wie optimiert oder restauriert man den alten Schweden?

Ein weites Themenfeld für die “Saab Geschichten 2019!”. Herausfordernd, aber auch interessant. Wie sieht es bei den Fans aus, wie stark schlägt das Saab-Herz im Alltag? Schreibt es uns, es lohnt sich!

19 Gedanken zu „Der Saab 900 – Hommage an ein historisches Gefährt als Utopie

  • Sehr schön geschrieben

  • Wunderschön geschrieben

  • Super!! Tolle Geschichte.
    Auch die Darstellung wie sehr der sog. Verbraucher zur „Melkkuh“ von Politik und Industrie missbraucht wird (und sich bereitwillig missbrauchen lässt), kann nicht besser beschrieben werden.
    Meiner Tochter habe ich vor zwei Monaten einen 900 SoftTurbo (aus *92, scarabäusgrün, schöner Zustand) zum 18. Geburtstag geschenkt. Die Reaktion war ambivalent. Optik über jeden Zweifel erhaben, aber doch irgendwie ziemlich mechanisch im Fahren, obwohl sie seit Geburt praktisch nichts Anderes als Saab kennt. Aber 9-3 III und 9-5 I der Eltern sind eben deutlich moderner und das Fahrschulauto allemal. Das prägt.
    Die Reaktion ihrer Mitschüler war jedoch erstaunlich, einzelne wollten unbedingt mal Probesitzen oder einfach mal den Sound hören, einer bot sofort seinen BMW zum Tausch ….
    Die Krönung war jedoch einer ihrer Lehrer, der -als er von dem Wage Wind bekam- meinte: wer so etwas nicht gut findet, hat sein Daseinsrecht verwirkt“
    Wow, dachte ich da. Bemerkenswerter Lehrer.
    Es zeigt aber eben auch SAAB LEBT

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  • Sehr geehrte Frau Fassbinder,

    Ihre SAAB-Story zeugt nicht nur von einer persönlichen Vorliebe zu einer bestimmten Marke, sondern auch von einer weit überdurchschnittlich ausgeprägten Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge zu überblicken und (im Rahmen des eigenen Wirkungskreises) positiv zu bewältigen …

    Bitte erweitern Sie Ihren Wirkungskreis. Würden Sie als nächste Kanzlerkandidatin zur Wahl stehen, Sie und Ihre Partei hätten meine Stimme.

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  • Moin!
    Volle Zustimmung auch von mir. Leider lesen diese Artikel wohl nur bereits überzeugte SAABisten.

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    • Dann wirkt der Artikel eben nach innen …

      Nicht jeder SAABist weiß, wie und warum sie oder er seinen Alltag ohne Neuwagen und somit ohne Markenwechsel bewältigen könnte oder sollte. Oben stehen sehr gute Antworten …

    • Ja, das befürchtete ich auch – daher habe ich ihn nun auch auf ‚www.academia.edu‘ und auf ‚facebook‘ gesetzt mit einem kleinen Vorwort:
      „Dieser Text ist einerseits eine ganz persönliche Hommage an einen Autotyp der Vergangenheit – aber er ist gleichzeitig ein verkehrspolitisches Statement: ausgehend von einer massiven Kritik an der Mobilitätspolitik der deutschen Bundesregierung (der andere europäischen Regierungen darin nicht nachstehen) ist er eine Aufforderung zu einer Betrachtungsweise unseres Erdöl-verbrauchenden Autobestands als ein kulturelles Erbe der Vergangenheit, das in seinen gut erhaltenen und schönen Exemplaren gewissermassen ein lebendiges Museum darstellt, und zu einer Transformation der alltäglichen Mobilität hin zu öffentlichen Verkehrsmitteln.“

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  • Schön geschrieben, vielen Dank! Und die drei Jahre bis zum H-Kennzeichen schaffen die beiden Saab ganz locker. Somit wären dann die Plakettenfrage geklärt.
    Weiterhin viel Spass und gute Fahrt!

  • Danke für diesen Beitrag!
    Ich frage mich ernsthaft, wie lange sich die Menschen noch wirtschaftliche Interessen als Umweltschutz vorgaukeln lassen…

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  • Hut ab das ist wirklich nachhaltiges Handeln.

    Da kann ich vom Fahrzeugalter definitiv nicht mitthalten.

    Meine beiden 9-5 Limousinen werden dieses Jahr erst 20. Beides V6 Benziner (die „Nichtgemochten“), die zu mehr als 80% nur Langstrecke laufen. Die Echtverbräuche liegen jeweils knapp über 9l. Bei einem mußte in den letzten 2 Jahren etwas mehr gemacht werden. Jetzt ist aber aber prima in Schuss und geht sicherlich ohne größeren Aufwand im Oktober durch die nächste HU. Der Andere steht rostmäßig besser da und hat gerade neuen TÜV bekommen. Selbst wenn ich in den kommenden Jahren pro Auto ca. 2TEUR in den Erhalt investieren müßte, wäre das immer noch wirtschaftlicher, als wenn ich mir irgendwein neueres Auto beschaffen würde.

    Bei beiden Kfz funktioniert alles und ich freue mich immer wieder, wenn ich meine alten Musikkassetten in wirklich erstaunlich guter Qualität hören kann. Vor 15 bis 25 Jahren habe ich Monate über Monate für das Bespielen der Kassetten investiert und jetzt genieße ich den Kick Back.

    Ach und fast hätte ich vergessen, dass meine Frau, die aufgrund einer Behinderung nur noch Automatik fahren kann, mit beiden Autos prima klar kommt. Mittlerweile parkt sie besser ein als ich und das ohne jeden „Park-Piepser Schicki-Micky“.

    Ältere Autos halten eben einfach besser jung..

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  • Pingback:

  • Gut geschrieben! Schöne Geschichte!

    Seh ich ähnlich:
    EIn alter Gebrauchter ist in der Gesamtheit doch meist immer moch wirtschaftlicher und besonders sicher auch umweltschonender als ständig Neuwagen mit aktuellster „Umwelt“-Technik!

    Ich hoffe, meinen aktuellen Saab auch mind. 10-15 Jahre fahren zu können (gern auch mehr).

  • Eine wirklich toll geschriebene Story, Themen wie Nachhaltigkeit, Understatement und unsinnige (Umwelt-)Politik in Verbindung mit SAAB wurden wohl noch nie so gut in einem Text zusammengefasst. Hut ab, wirklich grandios geschrieben ! Macht auch nach dem dritten Mal noch spaß.

  • Was bei neuwagen generell kritisch ist:
    Um ein Auto egal welches, herzustellen, fallen Unmengen an co2 an. Bei 2l weniger Verbrauch muss ich wirklich sehr viel fahren um das co2 wieder einzusparen, dass für die Herstellung drauf ging. In der Regel ist der Gebrauchte somit besser für die Umwelt als extra einen neuwagen zu kaufen.

  • Gut formuliert und leider sehr wahr. Das alles, was da als Umweltschutz gepriesen wird, basiert letztlich auf noch mehr Konsum. Was ein Irrweg!

    • Vielen vielen Dank für diese tollen, so prägnant und trotzdem respektvoll getroffenen Worte, Frau Fassbinder (oder Helga, wenn man sich persönlich an der Tankstelle träfe und mal wieder dieses saabige „eine Bekannte zu treffen, die man vorher noch nie gesehen hat“ erlebte).

      Der Text ist was zum Ausdrucken nicht zum Anklagen an die, die besser könnten, als sie tun (es ist so viel Wissen und Pseudo-Weisheit in dieser Welt unterwegs, und grad in Deutschland scheinen so viele Menschen doch so weich, so lemminghaft und unüberlegt, ja teilweise wirklich doof-naiv zu „handeln“ – wie sonst ist es erklärbar, dass man sich nach heftigen Wertverlusten, Betrug beim erhaltenen Auto, einem unsozialen Auftreten des Herstellers bei Gerichtsprozessen und und und dann *wieder* so einen Apparat von demselben Hersteller kauft, in dem sich auch noch die Hände gerieben werden, weil ‚Konsument‘ sich nach dem selbstherbeigeführten Diesel-Ding und damit ins Leben gerufenen neuerlichen „Umweltprämien“ zur Belohnung des Betrogenswerdens auch nochmal Geld an den Betrüger gibt und erneut ein Mogelprodukt kauft – wo sonst gibt es das so dermaßen offensichtlich (okay, in vielen vielen Bereichen – und auch da: das Wissen ist vorhanden und leichter zugänglich als je zuvor, aber es wird nicht angewendet und so zur Weisheit gemacht)?!).

      Bei uns ist es auch eine Mischung aus einer sich selbst ergeben habenden Überzeugung, dass das (900, 9000, auch noch 9-5) einfach gute Autos sind, und dem, dass das künstlich gehypte Neue nur des Neuen willens – ohne von sich selbst aus sprechen und überzeugen zu können, ohne echte Mehrwerte – abgelehnt wird, die gewählten SAAB zu fahren. Das machen wir nicht als Opfer einer selbstauferlegten Ideologie, das machen wir als bewusste „Täter“, eben weil die Autos wirklich gut sind, und – das waren Worte, die ich gestern bei einer Werkstatt mit SAAB-enthusiastischem Schrauber wieder hörte – weil sie *ehrlich* sind. Echte, ehrliche Autos, bei denen es nicht nur darum ging, irgendein „Produkt“ zum „Verwirtschaften“ in eine Welt zu setzen, die darum gar nicht gebeten hat (aber der erzählt wird, sie hätte das…), sondern wo die Überzeugung, ein gutes, ein ehrliches und für die Entlastung (nicht die blinde, sondern die, die mehr Konzentration für das aufmerksame Selbstfahren lässt) des Fahrers konstruiertes und hergestelltes Auto antreibende Impulse waren.
      Ich glaube, das war das Besondere an SAAB, und hat sich über die Jahre in der Welt auch bei anderen Herstellern verwässert:
      Da waren welche, die wollten wirklich gute Autos bauen mit dem Antrieb, wirklich gute Autos bauen zu wollen. So simpel, so echt, so ehrlich.
      Schade, dass es im Automobilbereich so viel unehrlicher geworden ist – und wenn wir nicht aufpassen, färbt das schneller auf zwischenmenschliche Beziehungen ab, als wir überhaupt mitkriegen.
      So gewollt, so herbeigeführt.
      Achtsam bleiben – und bewusst gute Autos fahren und erhalten.

  • Vielen vielen Dank für diese tollen, so prägnant und trotzdem respektvoll getroffenen Worte, Frau Fassbinder (oder Helga, wenn man sich persönlich an der Tankstelle träfe und mal wieder dieses saabige „eine Bekannte zu treffen, die man vorher noch nie gesehen hat“ erlebte).

    Der Text ist was zum Ausdrucken nicht zum Anklagen an die, die besser könnten, als sie tun (es ist so viel Wissen und Pseudo-Weisheit in dieser Welt unterwegs, und grad in Deutschland scheinen so viele Menschen doch so weich, so lemminghaft und unüberlegt, ja teilweise wirklich doof-naiv zu „handeln“ – wie sonst ist es erklärbar, dass man sich nach heftigen Wertverlusten, Betrug beim erhaltenen Auto, einem unsozialen Auftreten des Herstellers bei Gerichtsprozessen und und und dann *wieder* so einen Apparat von demselben Hersteller kauft, in dem sich auch noch die Hände gerieben werden, weil ‚Konsument‘ sich nach dem selbstherbeigeführten Diesel-Ding und damit ins Leben gerufenen neuerlichen „Umweltprämien“ zur Belohnung des Betrogenswerdens auch nochmal Geld an den Betrüger gibt und erneut ein Mogelprodukt kauft – wo sonst gibt es das so dermaßen offensichtlich (okay, in vielen vielen Bereichen – und auch da: das Wissen ist vorhanden und leichter zugänglich als je zuvor, aber es wird nicht angewendet und so zur Weisheit gemacht)?!).

    Bei uns ist es auch eine Mischung aus einer sich selbst ergeben habenden Überzeugung, dass das (900, 9000, auch noch 9-5) einfach gute Autos sind, und dem, dass das künstlich gehypte Neue nur des Neuen willens – ohne von sich selbst aus sprechen und überzeugen zu können, ohne echte Mehrwerte – abgelehnt wird, die gewählten SAAB zu fahren. Das machen wir nicht als Opfer einer selbstauferlegten Ideologie, das machen wir als bewusste „Täter“, eben weil die Autos wirklich gut sind, und – das waren Worte, die ich gestern bei einer Werkstatt mit SAAB-enthusiastischem Schrauber wieder hörte – weil sie *ehrlich* sind. Echte, ehrliche Autos, bei denen es nicht nur darum ging, irgendein „Produkt“ zum „Verwirtschaften“ in eine Welt zu setzen, die darum gar nicht gebeten hat (aber der erzählt wird, sie hätte das…), sondern wo die Überzeugung, ein gutes, ein ehrliches und für die Entlastung (nicht die blinde, sondern die, die mehr Konzentration für das aufmerksame Selbstfahren lässt) des Fahrers konstruiertes und hergestelltes Auto antreibende Impulse waren.
    Ich glaube, das war das Besondere an SAAB, und hat sich über die Jahre in der Welt auch bei anderen Herstellern verwässert:
    Da waren welche, die wollten wirklich gute Autos bauen mit dem Antrieb, wirklich gute Autos bauen zu wollen. So simpel, so echt, so ehrlich.
    Schade, dass es im Automobilbereich so viel unehrlicher geworden ist – und wenn wir nicht aufpassen, färbt das schneller auf zwischenmenschliche Beziehungen ab, als wir überhaupt mitkriegen.
    So gewollt, so herbeigeführt.
    Achtsam bleiben – und bewusst gute Autos fahren und erhalten.

    • Das Phänomen (die [anhaltende] Treue der Betrogenen) beschäftigt mich auch …

      Da ist noch immer eine irrationale Marken- oder zumindest Konzerntreue zu den iberischen, tschechischen oder deutschen „Wagen des Volkes“. Ginge es nur um den Schadstoffausstoß eines Diesels, hätte ich da weniger Fragezeichen im Kopf …

      Wenn aber ein guter Freund einen jungen Benziner (wenn man ein Auto mit einem Ölverbrauch von 1 L/100 Km überhaupt noch als Benziner klassifizieren darf) nach einem langen und erfolglosen Streit doch tatsächlich durch den nächsten Neuwagen des selben Konzerns ersetzt und mir voller Stolz vorgeführt, dann werde ich endgültig ratlos.

      Gleichzeitig gelingt es mir aber auch immer weniger, den Schwarzen Peter noch irgendjemandem zuverlässig zuzuordnen. Und wie ein SAAB (EZ 2019/MY 2020) sich in diesem Spannungsfeld aus Verbrauchern, Industrie und politischen Vorgaben und den multiplen Fronten innerhalb dieses skurrilen Triptychons schlagen würde, weiß ich auch nicht und wir werden es leider nie erfahren …

      Wenn wir mal alle ehrlich sind, dann hat die Ehrlichkeit unserer SAABs auch ein Stück weit damit zu tun, dass ihnen die Gnade der frühen Geburt widerfahren ist. Dass sie gar nicht erst in die Verlegenheit kommen können, den jüngsten politischen Blödsinn und die jüngsten Trends befriedigen zu müssen.

      Den Streit um die „richtige“ Marke haben unsere Väter und Großmütter schon längst und oftmals sehr erbittert und gnadenlos geführt. Heute würden sie sich wohl trotzdem alle in den Armen liegen, mit ihren analogen und ehrlichen Käfern, BMWs, SAABs, Volvos, Enten und mit was auch immer …

      Angesichts der aktuellen Unehrlichkeit von Politik und Zeitgeist auch nur allzu verständlich. Nur so ein Gedanke am Rande …

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