Meine Saab Geschichte

Um ehrlich zu sein, hatte ich mit der Marke Saab nie etwas zu tun. Um noch ehrlicher zu sein, war mein einziger Kontakt mit einem Saab 900 I im Jahr 1994 sogar recht negativ, da ich das Design doch als recht rückständig empfand und nicht verstehen konnte warum sich mein Bekannter ausgerechnet für diese Modell und nicht für den neuen 900 II entschieden hatte. Little did I know….

Saab Geschichte von Markus
Saab Geschichte von Markus

11 Jahre später wirkte dieses Erlebnis immer noch nach. Zu diesem Zeitpunkt beorderte mich mein damaliger Arbeitgeber für 2x zwei Wochen als Trainer für Kollegen unserer englischen Filiale in die Nähe von London. In den ersten zwei Wochen hatte ich als Mietwagen die Wahl zwischen einem Saab 9-5 und einem Rover 75. Ich wählte den Rover, da ich auch diesmal von dem Design des 9-5 nicht angetan war, was unsere Sekretärin in Slough mit zweimaliger mehr als skeptischer Nachfrage und nur mit einem Kopfschütteln zur Kenntnis nahm. Zum ersten Wochenende unseres Aufenthaltes machte ich mit meinem Kollegen einen Ausflug nach Stonehenge. Wir fuhren mit „seinem“ Saab 9-5, welchen er natürlich mehr als gerne genommen hatte. Nach dem ersten Stopp, wechselten wir die Plätze und ich fuhr das erste Mal einen bis dahin verschmähten Saab….

Nach einem Heimurlaub zur Halbzeit, kam erneut die Frage, welchen Mietwagen ich denn gerne hätte und diesmal ließ ich meine Kollegin kaum aussprechen:“Den Saab natürlich!“.
„Nun, klar!“, sagte sie „Aber welchen?“ „Sie stehen draußen auf dem Parkplatz! Schau einfach mal nach!“. Ich ging nach draußen und sah neben dem zuvor verschmähten, mich dann aber nachhaltig beeindruckenden 9-5, einen 2005 Saab 9-3 Aero. Wow!

Ich weiß, diese Initiationsgeschichte ist untypisch, besonders für nachhaltig saabifizierte Zeitgenossen. Doch diese Begegnung hat mich nachhaltig beeindruckt. So einen Wagen hatte ich bis dahin noch nicht gefahren. Schwedisches Design, dezent nobel unterkühlt und dieser unglaublich Druck, trotz Automatikgetriebe…, wow! Am letzten Tag meines Aufenthaltes mußte ich es wissen, alle Bedenken die britischen Bussgelder betreffend beiseite schiebend, mußte ich dieses unglaubliche Auto einmal ausbeschleunigen! Ein nachhaltiges Erlebnis! Ich hätte ihn am liebsten mit nach Hause genommen!

Zu Hause erwartete mich dann wieder die deutsche Außendienstlerhausmannskost. Eines Tages, Ende des Jahres 2008 sah ich auf der A1 am Kamener Kreuz dann einen 9-3 Sportcombi. Urplötzlich kamen wieder die Erinnerungen von vor drei Jahren hervor. Und dazu diese Rücklichter, der sollte es sein!

Doch bis dahin sollten noch zwei deutsche Dienstwagen, eine gekündigter Job und drei Jahre vergehen. Im Jahr 2011 beschloß mein Arbeitgeber sich selbst zu liquidieren, so dass ich, ohne einen fahrbaren Untersatz, plötzlich günstigen Ersatz brauchte. Meine Wahl fiel auf einen, und dass ist nun eigentlich das zweite Ausschlußkriterium für eine typisch Saabgeschichte, Saab 900 II V6. Ich liebe (und obwohl nicht fahrbereit, besitze) dieses Auto noch heute, trotzdem es mich mit aller Kraft vom Gegenteil überzeugen wollte; und werde es auch irgendwann wieder auf die Straße bringen (oder einen seiner mittlerweile selten werdenden Brüder…).

Mein erster Weg eine Woche nach dem Kauf führte mich direkt zu einem Saab Guru in Kamen, um den längst fälligen Zahnriemenwechsel nachholen zu lassen. Leider ließ ich mich, übermütig geworden, auf dem Weg dorthin auf der A44 auf ein Beschleunigungsduell mit einem 3er BMW ein, welches ich vordergründig auch zuerst gewann, allerdings überzeugte mich eine plötzlich aufleuchtende Warnleuchte, das Kühlmittel betreffend und die überzeugende Darstellung der aktuellen Kühlmitteltemperatur doch davon, das ganze abzubrechen und schnellstmöglich die Autobahn zu verlassen. Leider fehlte eine Warnleuchte für „Es ist gar kein Kühlmittel mehr vorhanden“, so dass passend zum Verlassen der Autobahn, der Motor prophylaktisch seinen Dienst einstellte.

Lange Rede, kurzer Sinn: Der aufgelaufene Wartungsstau und das technische Unvermögen der Vorbesitzer hatte meinem „Sven“ den Rest gegeben. Neben einem geplatzten Kühlmitelschlauch, stellte sich eine durchgebrannte Zylinderkopfdichtung und, dank für Aluköpfe unpassenden Kühlmittels, erhebliche Korrosion der Zylinderköpfe heraus, welche nur durch ein beherztes Aufschweissen und Planen behoben werden konnte.

Etlichen Versuchen und einer Menge Geld, den Wagen wieder flott zu bekomme, kam dann eine neue Anstellung ohne Dienstwagen zuvor. Und jetzt sollte es endlich soweit sein. Einer ausführlichen Internetrecherche schloß sich eine Fahrt nach Bonn zur Besichtigung zweier 9-3 (eine Limousine ein Sportcombi) an.
Zuerst die Limousine: Ein etwas schmieriger, vermeintlicher „Premium-Cars“ Händler in einem Bonner Vorort. Hier wartete eine weiße 9-3 Limousine auf uns. Wie sich schnell herausstellte, eine Grotte!, ehemaliger Leihwagen in Rumänien (!), mit leerem Tank und leeren Getränkeflaschen mit rumänischer Aufschrift hinter den Sitzen im vermeintlich „Premium“-Showroom. Die Frage nach eine Probefahrt wurde mit: „Da ist leider die Batterie leer, wir laden die auf, müssen aber eben noch einen Kanister Sprit von der Tankstelle holen.“, beantwortet. Wir bedankten uns, und versuchten glaubhaft zu versichern, dann gleich wieder zu kommen…

Der weitere Weg führte uns zu Automobile Kunert in Bonn. Da stand „sie“. Meine Svenja! Baujahr 2008, 1.9TTid Sportcombi, frisch poliert, grau-metallic, Leasingrückläufer, Sommerfelgen von Brock in Wagenfarbe, keine 60tkm und ein mehr als passender Preis, etc, etc, …

Kurze Probefahrt, trotz Diesel stellte sich sofort das noch bekannte „Saabgefühl“ ein. Die Entscheidung war schnell gefallen! Als wir zurück auf den Hof rollten, nahm schon der nächste Interessent die äußere Türklinke in die Hand. Auf meine vom ihm bejahte Frage, ob er auch Interesse an diesem Wagen habe, mußte ich ihm leider eine für ihn spürbar enttäuschende Antwort geben:“Tut mir leid, sie brauchen nicht mehr Probe zu fahren, den kaufe ich jetzt!“. Ich kann noch heute seinen verzweifelten Gesichtsausdruck sehen und ihm nur wünschen, auch seinen Saab gefunden zu haben!

Seit vier Jahren haben wir unsere Svenja nun und klar ist, sollte sie jemals weichen müssen, dann nur für einen anderen Saab. Nur leider kann ich mich nicht entscheiden, ob es ein 900 I, ein 900 II V6, eine Sonett oder doch lieber der Turbo-X ist…

Und dann ist da ja auch noch Sven, der gerne wieder fahren möchte….

Oder doch ein 99…?

Saab Lesertasse 2015
Saab Lesertasse 2015

Danke an Markus für seine Saab Geschichte! Habt auch Ihr etwas zum Thema Saab zu erzählen?

Die Geschichte einer unvergesslichen Urlaubsreise, eine Restauration, der erste Kontakt mit der Marke aus Trollhättan oder einfach warum Saab zum automobilen Leben dazu gehört. Was immer es ist, schreibt uns. Wir belohnen jede Veröffentlichung auf dem Blog mit einer exklusiven Saab Lesertasse!

7 Gedanken zu „Meine Saab Geschichte

  • Neeltje Jans / Oosterschelde / NED? Gruss aus Zeeland

    • Ja, dat klopt! 🙂
      Sind in der ersten Oktoberwoche auch wieder dort (Den Osse). 🙂

  • Tolle Geschichte. Und mach den 900 II wieder fertig, die werden wirklich selten.

    • Danke für die Aufmunterung! Im Moment steht er trocken und wartet darauf, dass ich für ihn Zeit finde… 🙂

  • Eine schöne Geschichte und auf den Fotos sind Flugzeuge mit Soester Kennzeichen zu sehen — sehr, sehr stark!
    Gruß aus der Wallfahrtsstadt des Kreisgebietes 🙂

    • Danke und viele Grüße zurück aus Bad Rentnercity 😉

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