Neustart oder Kernschmelze – ein Museum wird verkauft

Es gibt Örtlichkeiten, die offensichtlich auf Dramen abonniert sind. Seit nunmehr 10 Jahren kommt die Stallbacka nicht zur Ruhe. Dem Saab Drama folgte die NEVS Tragödie auf den Fuß. Und auch der Einstieg von Evergrande scheint nicht Ruhe in das Geschehen zu bringen.

Kernschmelze in der Stallbacka
Zufahrt zur Stallbacka und dem ehemaligen Saab Werk

NEVS CFO geht

Auch wenn gegenüber den Medien zum wiederholten Mal zukünftige, goldene Zeiten beschworen werden: Die Realität erzählt eine andere Geschichte. Nachdem in den letzten Monaten des Jahres 2018 mit Hans-Martin Duringhof, Vizepräsident Produkt Strategie, Planung und Entwicklung, und Fredrik Alhström, Vizepräsident Einkauf und NEVS Industrial Services, zwei hochkarätige Mitarbeiter dem Unternehmen den Rücken gekehrt haben, steht ein weiterer Abgang bevor.

Nach uns vorliegenden Infomationen verlässt NEVS Finanzchef Jörgen Scribe zum Ende des Monats das chinesische Investment. Jörgen Scribe begleitete seit gut 2 Jahren die Position des CFO in der Stallbacka; vor seinem Engagement bei NEVS stand er bei Volvo Trucks unter Vertrag.

Was bahnt sich in der alten Saab Fabrik an? Eine Kernschmelze oder ein Neustart? Der Abgang von Duringhof, Alhström und Scribe schwächen das angeschlagene Unternehmen weiter. Ihr Weggang lässt erahnen, wie es hinter den Kulissen wirklich aussieht. Gleichwertigen Ersatz für die verlorenen Kompetenzen zu verpflichten dürfte schwer möglich sein. Die Stallbacka dürfte für weitere Monate ein Ort für Dramen oder zumindest spannende Unterhaltung bleiben.

Ein Saab Museum wird aufgelöst

Es ist unklarer denn je, wohin NEVS steuert. Als Saab Fan kann man sich trösten, denn mit der kleinen, feinen Marke hat das, was vermehrt in China und immer weniger in Schweden passiert, nichts mehr zu tun. Doch auch wer sich um die Saab Geschichte kümmert, hat keinen einfachen Stand.

Im letzten Jahr kündigte Anton Kempink die Auflösung seiner Saab Sammlung an. Das private Saab Museum in den Niederlanden war ein fester Anlaufpunkt für die Saab Fans. Am Anfang schien die Hoffnung zu sein, die Sammlung zu erhalten und sie komplett abzugeben.

Das hat sich mittlerweile zerschlagen, und die über Jahre zusammengestellte Kollektion wird einzeln verkauft. Über Saabmuseumforsale.nl bieten Anton und Wilma Kempink ihre Fahrzeuge an. Der Schwerpunkt der Sammlung liegt auf klassischen Fahrzeugen wie Saab 92, 95, 96 und Sonett. Die Ausrichtung dürfte es nicht einfacher machen, der Kreis der Liebhaber ist naturgemäß limitiert.

Neben Fahrzeugen sind auch viele Devotionalien rund um die Marke im Angebot. Kontaktaufnahme von Interessenten per Telefon oder Mail ist erwünscht.

16 Gedanken zu „Neustart oder Kernschmelze – ein Museum wird verkauft

  • 17. Januar 2019 um 11:20 AM
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    Und ich dachte schon, in dem Artikel ginge es um DAS Museum in Trollhättan …

    Um DAS Museum, welches ich im Sommer 2019 endlich und erstmalig besuchen wollte. Kein Wunder bei diesem Titelbild und der Einleitung …
    Kann man mir verdenken, dass ich jetzt (am Ende des Artikels) erleichtert bin, obwohl die Nachricht keine fröhliche ist?

    Ich feiere ja jede Meldung hier auf dem Blog mit Schampus, Kaviar und einem eigenen Kommentar, weil ich darin ein Zeichen für die Lebendigkeit von SAAB sehe …

    Und ich huldige den Lesern ihre Beiträge und dem Blog-Team seine Arbeit. Etwa die in aller Regel extrem gut gelungenen Spannungsbögen. Aber diesen jüngsten Spannungsbogen finde ich weder gut noch lustig. Das war ein Angriff auf meine physisch psychische Unversehrtheit.

    Und auch dem Museum in den Niederlanden wird es nicht gerecht, wenn ich (und viele andere SAAB-Fahrer) jetzt einfach nur erleichtert aufatmen, weil es zum Glück ja doch nicht um Trollhättan geht …

    Dieser Spannungsbogen war nicht einer der besten.

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    • 17. Januar 2019 um 11:27 AM
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      Zur Nervenschonung steht ja auch “ein” Museum und nicht “das” Saab Museum im Titel 😉

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      • 17. Januar 2019 um 12:09 PM
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        Ging mir auch so – auch ich bin erleichtert, im Sommer endlich und erstmals (doch noch) das Museum in Trollhättan besuchen zu können. 🙂 Gleichwohl finde ich es sehr traurig, dass nun eine weitere Saab-Institution (von der ich aber bisher leider gar nix wusste) nicht weiter existieren wird. Sehr schade, dass niemand die Sammlung in Gänze übernehmen kann. Und was für eine Leistung und Aufwand des holländischen Paares an Idealismus, Freizeit, Geld, Energie und Liebe zum Detail! Großartig und sicherlich einzigartig! Ja, eben echte Liebe zu ganz besonderen und feinen Autos! Kann man noch für eine Zeitlang hinfahren und sich die Sachen abschauen, evtl. auch, um eine Kleinigkeit zu erwerben? Oder geht das nur noch über Gebote? Auf der Homepage konnte ich nichts dazu finden, ob bzw. wie lange das Museum noch geöffnet ist.

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        • 17. Januar 2019 um 2:53 PM
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          Sie fahren nach TROLL-Hättan und Sie fragen trotzdem nach Bezugsquellen für Snurg?

          Da hat es wohl jemand sehr, sehr eilig …

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          • 17. Januar 2019 um 5:42 PM
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            Ja, ich freue mich immer, wenn ich irgendwas neues, nettes saabiges entdecke, das man sich kurzfristig zulegen kann. Das sind so kleine Glücksmomente – als Entschädigung dafür, dass man ja keine neuen Saabs (oder auch nur Neuwagenprospekte) mehr begucken, bestaunen, prüfen, vergleichen, probefahren und vielleicht dann auch bestellen und kaufen könnte. Mein jüngster “Glücksmoment” dieser Art waren die tollen Ledertürgriffe und der lederne Handbremshebelbezug von Stephan Individual – todschick! 🙂

          • 18. Januar 2019 um 2:20 PM
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            P.S.:
            Man benötigt den Aufkleber natürlich schon dringend vorher, damit man dergestalt ausgrüstet und “beklebt” nach Schweden fahren und den kleinen Snurg dort etwas weniger traurig machen kann, sobald er einen sieht. Was vor der Ankunft beim Museum/Festival sein könnte. Vielleicht lugt der kleine Kerl ja schon ein paar Kilometer vor TROLLhättan in der Nähe der Wasserfälle z.B. hinter einem Baum hervor. Und wenn er dann eines dieser feinen Autos (nämlich meines) mit dem Aufkleber „Made in Trollhättan by Trolls“ vorüberfahren sieht, wird ihm warm ums Herz… 🙂

    • 17. Januar 2019 um 12:48 PM
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      Das “ein” hatte ich im Anflug eines Herzinfarkts auch überlesen 🙂

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  • 17. Januar 2019 um 11:32 AM
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    @Tom: Ein ausführlicher Artikel zu Trollhättan wäre nett. Ich würde mich über Hintergrundinformationen und wie es weiter geht freuen. Geht da was?

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  • 17. Januar 2019 um 11:52 AM
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    Hallo Tom,

    gibt es denn faktenorientierte Hintergrundinformationen über Evergrande – wenn ja, würde mich dies schon interessieren.

    Ein Volltreffer wäre in meinen Augen ein neuer Eigner, der nicht nur irgendwelche Automobile baut, sondern auch den SAAB-Spirit dabei wieder mit aufnimmt – vielleicht sogar auch Hybridfahrzeuge im küftigen Programm hat. So ein Unternehmen fehlt derzeit eigentlich weltweit (zumindest aus der Sicht eines eingefleischten SAAB-Fans). Wenn dann noch die Produktion in Trollhättan wieder anläuft, wäre ich mehr als zufrieden.

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    • 17. Januar 2019 um 1:38 PM
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      Wir sammeln im Moment die Fakten. Der Artikel wird ein paar Tage benötigen, ich denke am Montag kommt die Lage ausführlich.

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    • 17. Januar 2019 um 2:33 PM
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      Versprechen Sie sich mal lieber nicht zu viel …

      Zum Thema Hybride gab es schon in den letzten beiden NEVZ-Artikeln einen ersten Hinweis. Wenn ich richtig verstanden habe, zählt der Staat (welcher wohl?) diese zu den Verbrennern und genehmigt keine weiteren Fertigungslizenzen.

      NEVZ hat zwei Optionen. EVs made in and for China. Oder die NEVZ-Blase platzt, ohne dass es überhaupt dazu kommt.

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  • 17. Januar 2019 um 5:43 PM
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    Ein Museum wird verkauft…, auch auf dem Blog muss scharf wahrgenommen werden!
    Schwierig, beim SAAB Thema, zuviel Emotion. Da spielt einem schnell das “Kopfkino” einen Streich…
    Schade um die niederländische Sammlung! Hoffentlich findet sich eine positive Lösung…
    Warum taucht diese Sammlung “erst jetzt” auf dem Blog auf???
    War die Sammlung sehr privat bzw. nicht öffentlich zugänglich, oder hatte diese genug Fan´s als Besucher???
    Oder habe ich etwas verpasst? 🙁
    NEVS: oh je, wichtige Menschen verlassen d.. s……. Schiff. Wir werden (DANK Tom u. Team) sehen wie es in China weitergeht.

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    • 18. Januar 2019 um 3:51 PM
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      Diese Sammlung von Anton Kempink war immer zu besuchen. In Holland war dieses Privat Museum sehr gekannt und warscheinlich auch in Westen von Deutschland.

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  • 17. Januar 2019 um 7:03 PM
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    dachte auch schon, dass es um das Trollhättaner Museum geht, irgendwann muss ich da auch mit eigenem Saab hin.

    Antwort
    • 17. Januar 2019 um 10:54 PM
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      Wie passend das dieses Jahr wieder das Festival statt findet 😉

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